Artagnan.de - Fanfiction zu Dumas' drei Musketieren

Reviews zu «Die Bekenntnisse des Monsieur Aramis»

duchesse schrieb am 05.10.2012 - 22:13 Uhr zu Kapitel «I - XII»:

Hallo Aramis,

wow… also, ich bin echt beeindruckt von deiner Geschichte! Gut, inhaltlich weiß man so ungefähr, wohin die Reise geht, aber du schaffst es sehr schön, dem bekannten Plot einige neue Facetten zu entlocken. Und dein Stil passt so hundertprozentig zu Aramis, dass es eine wahre Freude ist, den hast du sehr schön aus seinen Briefen, die wir bei Dumas zu lesen bekommen, übernommen.

Mir ist natürlich aufgefallen, dass du einige Male in deiner Geschichte Textstellen aus den „Trois Mousquetaires“ quasi übersetzt, wo es sich anbietet.

Am interessantesten finde ich aber deinen Ansatz, dass von den Freunden d’Artagnan derjenige ist, mit dem Aramis am wenigsten klarkommt. Das wird in den „Trois Mousquetaires“ noch nicht so deutlich, sondern erst später in „Vingt ans après“. Aber es stimmt schon, dass die beiden charakterlich nicht gut zusammenpassen, und das muss der feinfühlige Aramis eigentlich von Anfang an gemerkt haben.  

Was mir auch gut gefällt, sind die Charakterstudien, die du vornimmst, nicht nur bei Athos, Porthos und d’Artagnan, sondern auch bei Aramis selbst. Man merkt in jedem Moment, dass zwei Seelen… mindestens ;-) ... in seiner Brust wohnen. Insofern ist er in meinen Augen auch der in seiner Entwicklung interessanteste Charakter des Buches.

Was die Beziehung zwischen Aramis und seiner Mutter angeht, ist mir aufgefallen, dass deine Darstellung sich größtenteils mit der in “Le dernier amour d’Aramis” von Jean-Pierre Dufreigne deckt. Ist das Zufall, oder kennst du das Buch auch? Falls nicht, unbedingt lesen! Gibt’s allerdings nur auf Französisch, aber wenn ich deine Geschichte so lese, dürfte dir das wohl keine Schwierigkeiten machen ;-)

Liebe Grüße,

duchesse


Antwort des Autors:

Liebe duchesse,
 vielen Dank für Deine Review und fürs Lesen dieser Ergüsse! Klar, meine Geschichte folgt inhaltlich dem Dumas-Roman - meine Intention dabei war, das Ganze mal aus Aramis` Perspektive zu betrachten und seine verborgenen Gefühlswelten auszuloten. Bei gewissen Stellen (z.B. bestimmten Dialogen) hab ich mich an die Dumas-Vorgabe gehalten, das wär mir irgendwie inkorrekt erschienen, wenn ich seine Dialoge an den neuralgischen Punkten radikal geändert hätt. Mir kam es auch weit mehr drauf an, was Aramis in den entsprechenden Situationen denkt und fühlt, und das wollte ich schildern. Besonders die Szene im Gasthof in Crevecoeur und Aramis` Komplizenschaft in der Affäre Buckingham hab ich versucht, zu intensivieren. So harmlos, wie diese Dinge bei Dumas dargestellt werden, konnte ich sie nicht empfinden. Bei der Darstellung der Beziehung zwischen Aramis und seiner Mutter hab ich meine eigene Mutter und mich zum Vorbild genommen - leider weiß ich aus leidvoller Erfahrung, wie sich ein Narzisst so fühlt! Der Schilderung  von Aramis` Schulzeit im Konvikt liegen auch gewisse eigene Erlebnisse zugrunde, und bei der Beschreibung der unterschwelligen Rivalität zwischen Aramis und D´Artagnan  brauchte ich mir nur vorzustellen, wie ich wohl auf diesen unverhofft hereingeschneiten, großspurigen Gascogner reagiert hätte. Diese Geschichte zu schreiben war für mich demnach auch eine Form der Selbsttherapie, muss ich gestehen - der Titel ist also nicht nur an Rousseau angelehnt, sondern hat auch sozusagen reale Bedeutung -
Liebe Grüße
Aramis

xalibur schrieb am 22.08.2012 - 19:27 Uhr zu Kapitel «I - XII»:

Ich lese die Geschichte mit Genuß und ich liebe Deinen Stil! Vor allem bewundere ich, daß Du ihn auch bis jetzt - ich bin noch mittendrin - stringent durchgehalten hast. Deine Interpretation von Aramis Motiven und Charakter ist für mich sehr plausibel und nachvollziehbar.

Aber als selbsternannter Biograph der Madame de Chevreuse kann ich es mir nicht verkneifen, Deine Darstellung etwas zu korrigieren, kaum das ich sie gelesen habe. Bis zur Herzogin selbst bin ich noch gar nicht vorgedrungen. Zuerst muß ich die Ehre des Duc de Chevreuse retten :-)

“Ein älterer Herr… (der) die lebhaften Aktivitäten seiner jungen Gemahlin stillschweigend duldete und froh war, wenn sie ihn in Ruhe
ließ.”

Hätte er Euch auch nie um die Ehre seiner Gemahlin gefordert, Monsieur Aramis - für diese Worte hätte er es auf der Stelle getan ;-)

Der Duc de Chevreuse war in seiner Jugend ein tollkühner Soldat (er führte in Schlachten oft den “verlorenen Haufen” an) und berüchtigter Herzensbrecher. Er war ein Freund Heinrichs IV., hatte aber die unkluge Angewohnheit, dem König die Geliebten auszuspannen, weswegen er einige Zeit im Exil in England verbrachte.

Mit seiner späteren Frau hatte er schon eine leidenschaftliche Affäre, als diese noch die Ehefrau des intimsten Freundes und ersten Ministers von Ludwig XIII. war.

Und selbst im gesetzten Alter von 60 Jahren hat er einige Zeit in Hausarrest verbringen müssen, weil er trotz des Duel-Verbotes den Degen zog und sich mit einem anderen Edelmann aus dem königlichen Gefolge direkt unter den Augen des Königs schlug.

Mit einem habt Ihr recht:

“Ihre männlichen Verehrer, deren sie sich, ihrer Schönheit halber, in auffallend großer Zahl erfreute, störten ihn nicht weiter”

 

Sie konnten sein Selbstbewußtsein nicht verunsichern.

Er hatte auch nie vor, Marie zu heiraten. Als ihr Mann starb und sie in Ungnade fiel, versuchte er, sich unauffällig zurückzuziehen. Sie aber wollte geheiratet werden, um ihre verlorene Stellung bei Hofe wiederzuerlangen. Sie überredete ihn zu einem Abschiedstreffen - er unterlag ihrem Charme. Ludwig XIII schäumte vor Wut, aber da er soviel Wert auf Anstand legte, konnte er zwei reuigen Sündern, die ihr sündiges Verhältnis mit dem Segen der Kirche heiligen wollen, die Heiratserlaubnis nicht verweigern. So wurde sie Mme. de Chevreuse. Der Duc muß sie aber gemocht haben. Als sie das erste Mal verbannt wurde, hat er sich inständig für ihre Rückkehr eingesetzt.

Dafür verprasste er in den kommenden Jahren ihr Geld - und wenn alles stimmt, was sensationslüsterne Biografen in die Welt setzen - dann hat er sogar Geld von Richelieu dafür angenommen, daß er seine Frau überredet, dem Kardinal ... ja, was eigentlich? Ihre Gust zu erweisen?  - was er im Übrigen nie versucht hat. Er muß ein Mann mit Humor gewesen sein.

Ich bin mir sicher, sein Leben war ebenso spannend wie das unserer geschätzen Romanfiguren.

Nimm mir diesen kleinen Einwurf bitte nicht übel! Ich liebe Deine Geschichte! Ich freue mich darauf, weiter zu lesen. Allerdings kommt jetzt die Charakterisierung der Herzogin und da werde ich mich wahrscheinlich auch nicht zurückhalten können. Verzeih mir, ich bin einfach fasziniert von dieser Frau.


Antwort des Autors:

Liebe Xalibur,

es freut mich, dass Dir Aramis` preziös-verdrehter Stil gefällt - er kann halt nicht anders, so drückt er sich eben aus, der Ärmste.
Ich wollte seinen bei Dumas nicht sonderlich ausführlich geschilderten Charakter ein wenig intensivieren, denn das psychologische Moment ist für mich, wenn ich Bücher lese, bei der Darstellung der handelnden Personen immer am faszinierendsten. Vordergründige action beeindruckt mich weniger, ich wollte immer wissen, warum die Leute tun, was sie tun - daher ist auch das Gefühlsleben meines Protagonisten beim Schreiben für mich wichtiger gewesen als seine konkreten, von Dumas vorgegebenen Handlungen.
Ich gebe gerne zu, dass ich zur Person des Duc de Chevreuse keinerlei historische Recherchen betrieben habe, sein Charakter in Aramis` Bekenntnissen ist reine Fiktion - aber wer weiß, vielleicht wollte Madame la duchesse Aramis bewusst oder unbewusst ein falsches Bild von ihrem Ehegemahl vermitteln, um ihren Liebhaber bei der Stange zu halten, und Aramis hat dies unbesehen in seine Reflexionen übernommen? Was Madames Charakterisierung betrifft, hab ich mich bloß von Tallement des Reaux` “Historiettes” inspirieren lassen (die höchstwahrscheinlich vor übler Nachrede nur so strotzen), und von einem auf Wikipedia zu findenden Porträt der Duchesse als Diana - der Rest ist frei erfunden beziehungsweise dumasgeprägt, also auch  nichts historisch Greifbares. Aber darauf kam es mir, ehrlich gesagt, auch nicht an. Man kann also getrost sagen, jede  zufällige Ähnlichkeit mit real existiert habenden Personen ist nicht beabsichtigt. Du hast sicher recht, infolge Deiner beeindruckenden, umfangreichen Kenntnisse zum Thema Chevreuse, wenn Du sagst, die reale Lebensgeschichte dieses Herrn sei ebenso spannend wie die einer Romanfigur - wäre die Darstellung derselben eventuell ein Thema für Dich, für eine sozusagen wahre FF-Geschichte?

Liebe Grüße
Andrea&Aramis


 

 

AlienorDartagnan schrieb am 16.08.2012 - 11:50 Uhr zu Kapitel «I - XII»:

Mir gefällt dein Schreibstil, man kann sich beim Lesen richtig gut in Aramis hineinversetzen, es ist dir wirklich gut gelungen, ihn als Icherzähler zu schreiben. Der Name Aramis passt ja wirklich gut zu ihm, und mir gefällt, wie du schilderst, wie er den Namen anhand ähnlich klingender Namen aus der Antike wie Adonis oder Artemis aussucht. Und du hast dich auch gut an die Romanvorlage gehalten, im Roman hat Aramis ja wirklich sein Privatleben vor seinen Freunden streng geheimgehalten, und nur wenig davon preisgegeben. Ich kam beim Lesen gleich richtig gut in deine Geschichte rein, und konnte mir deutlich vorstellen, wie Aramis in der Klosterzelle sitzt und sein Leben niederschreibt. Und es gefällt mir, dass du richtig in die Tiefe gehst, und Aramis schildern lässt, wie er seine wahren Gefühle nach außen hin verbarg, und beschreibst, was wirklich in ihm vorging. Armer Aramis, er musste ja schon als Kind schon sein wahres Temperament unterdrücken, weil seine Eltern einen ruhigen, folgsamen Sohn wollten, und natürlich musste er sich fügen, als seine Eltern ihn ins Priesterseminar steckten, wo er dann zum Musterschüler wurde. Dass Aramis gekränkt war, weil der Lehrer sich seinen Namen nicht merken konnte, das passt zu dem Aramis, wie er im Roman beschrieben wird, ein wenig eitel war er ja doch. Und beim Lesen konnte ich wirklich mitfühlen, wie Aramis gelitten hat, als er  bei Aufführungen Frauenrollen spielen musste, obwohl er lieber ein römischer Kaiser gewesen wäre. Für Aramis war es ja wirklich Pech, dass der Offizier sein rein platonisches Verhältnis zu der Dame völlig falsch deutete. Nach dem Duell beginnt für ihn ja nun ein völlig neuer Lebensabschnitt, denn im Priesterseminar kann er ja nicht bleiben. Ich finde es gut, wie ausführlich du Aramis Lebensweg beschreibst, man sieht das beim Lesen alles richtig deutlich vor sich. :)
Auch Porthos Charakter hast du sehr gut getroffen, das kommt dem Porthos im Roman ebenfalls sehr nahe, und dasselbe kann man auch von Athos sagen. Das Fechten zwischen Athos und Aramis war sehr spannend zu lesen, und schön beschrieben, das war beim Lesen, als würde man danebenstehen und zuschauen, so deutlich konnte ich es mir vorstellen. Das Aramis beim Anblick von Athos schönem Gesicht an längst vermodernde Ritter erinnert wird, das ist ein sehr passender Bezug auf Athos, der ja im Roman ein letztes Überbleibsel des im 17. Jahrhundert längst vergangene Rittertum verkörpert. Ich dachte beim Lesen des Romans immer schon, dass Athos wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit wirkte, im positiven Sinne, denn er ist von allen Musketieren mein absoluter Liebling.  Dass Porthos für drei Personen ein üppiges, riesiges Mahl auftischen ließ, das passt zu ihm, der ja immer eine besondere Vorliebe für gutes Essen und gute Weine hatte. Gut hat mir auch gefallen, wie du das Duell mit d´Artagnan aus Aramis Sicht beschrieben hast, wieder sehr gut an der Romanvorlage orientiert. Im Roman hatte ich allerdings nie den Eindruck, dass Aramis mit d´Artagnan nicht so gut zurechtkam, und sich nur Athos zuliebe auf den Freundschaftsbund einließ. Dass die Freunde für Athos eine Ersatzfamilie waren, glaube ich sofort, aber es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass Aramis sich manchmal fehl am Platz fühlte. Trotzdem, gerade dadurch dass die Freundschaft der vier nicht ohne Konflikte ist, wirkt deine Geschichte so authentisch. Gut finde ich auch, dass du zwischendurch immer wieder französische Begriffe eingebaut hast, ich mache gerade einen Französischkurs, und nun habe ich, beim Lesen deiner Geschichte, gleich nebenbei noch ein paar neue Wörter gelernt, und festgestellt, dass ich, obwohl ich die Sprache erst eine Woche lerne, schon den kurzen Dialog vom Herzog und Aramis verstehe. :) 
Ich finde, du hast auch die Chevreuse sehr passend beschrieben, das passt zu der Chevreuse im Roman, die Athos, den sie für einen Priester hielt, im Dunkeln in einer Klause verführte. Dass sie Aramis so einfach unverblümt anspricht, was sich für Frauen im 17. Jahrhundert eigentlich nicht schickte, macht ihren für ihre Zeit sehr offenen, selbstbewussten Charakter sehr deutlich. Du hast auch sehr gut Aramis Zwiespalt der Gefühle geschildert, als er mit den anderen zusammen das Todesurteil über Mylady sprechen soll, für ihn war das natürlich nicht einfach, da er sie nur aus den Erzählungen seiner Freunde kannte, und es für ihn schwer war, sich ein Bild von ihrer Bosheit zu machen.Dass er sich danach wie ein Mörder fühlte, ist durchaus verständlich, und auch, dass seine SChuldgefühle so groß wurden, dass er die Musketiere verließ. Wirst du eigentlich auch aus Aramis Sicht “vingt ans apres” schreiben? Ich fände es sehr spannend, einmal aus Aramis Sicht zu lesen, wie er das Wiedersehen mit seinen Freunden nach zwanzig jahren empfindet. Ich freue mich schon, wenn du weiterschreibst. Der Schluss war auch gut, Aramis Zwiespalt der Gefühle, einerseits bietet das Kloster ihm zwar die Ruhe und Abgeschiedenheit die er gesucht hat, doch andererseits wird er von Zweifeln geplagt.

Liebe Grüße

Alienor


Antwort des Autors:

Chère Alienor,

vielen Dank für Deine so freundliche und umfangreiche Review! Aramis vous remercie de tout son coeur und freut sich, dass er Dir mit seiner poetisch-geschraubten Ausdrucksweise wohl ein Lächeln abgewinnen konnte!
Das Verhältnis zwischen Aramis und D`Artagnan habe ich, ich gebs zu, ein wenig nach meiner Interpretation zurechtgerückt. Du hast natürlich recht, bei Dumas hat Aramis offenbar keine Ressentiments ihm gegenüber und sagt sogar zu ihm, wenn D`Artagnan an Trévilles Stelle Musketierhauptmann wäre, dann würde er ihn um eine Abtei bitten - aber mir war das zu glatt, ich wollte die Beziehung zwischen den beiden im Sinne meines Protagonisten ein wenig verkomplizieren. Nachdem Aramis narzisstisch veranlagt (siehe Erziehung, mütterlicher Liebesentzug, Abschiebung ins Konvikt nach Paris) und im Grunde ein ehrgeiziger Mensch ist, scheint es mir plausibel, dass er von D`Artagnans selbstbewusstem, hochgemutem Auftreten und der Tatsache, dass dieser sofort im Mittelpunkt des neugegründeten Freundschaftsbundes à quatre steht, im Geheimen nicht so begeistert ist.  Ich hab da mich selbst auch ein bissl zum Vorbild genommen, muss ich bekennen, und mir vorgestellt, wie ich wohl auf diesen so unverhofft hereingeschneiten D`Artagnan reagiert hätte - es gibt einige Parallelen zwischen dem Aramis in meiner Geschichte und mir (verschämt grins)!
Auch Porthos habe ich versucht, kultivierter erscheinen zu lassen als im Roman, wo irgendwo über ihn geschrieben steht, er hätte plumpe Hände - als plump und kulturlos habe ich mir diesen Musketier, der als einer der besten Fechter des Königreichs gilt und Aramis während seiner fechterischen apprentissage diverse Fechtkünste beibringt, einfach nicht vorstellen können.
Über die “Vingt Ans après” hab ich schon nachgedacht - aber ich kenn diesen Roman nicht gut genug, meine deutsche Version ist sehr zusammengekürzt und lückenhaft, und einen texte intégral auf Französisch in Buchform hab ich (noch) nicht auftreiben können. Außerdem schein Aramis in den VAA zu einem ganz anderen Charakter mutiert zu sein, das stört mich auch irgendwie - mal sehen.
Eine Herausforderung wärs natürlich -
Ach ja, es gibt irgendwo (auf Wikipedia glaub ich) ein Bild von der Chevreuse als Diana - das hat mich inspiriert.

Liebe Grüße
Andrea & Aramis

 

 

 

kaloubet schrieb am 13.08.2012 - 10:29 Uhr zu Kapitel «I - XII»:

Quelle poésie! Du schreibst Aramis´ Gedanken wie ein Gedicht, mit einer sehr blumigen und  passenden Sprache. Es ist interessant, den Roman aus seiner Sicht zu lesen, vieles ein wenig anders als wie man es sich vorstellte. Aramis´ Sicht auf d´Artagnan fand ich interessant und nachvollziehbar, die beiden haben ja am wenigsten Affinitäten, das stimmt. Und Aramis hätte wirklich sein Vorgehen bei Mylady verurteilt. Auch Porthos ist gut getroffen, wobei ich Aramis ein wenig sein Verhalten ihm gegenüber im Vicomte de Bragelonne vorwerfe, da nutzt er ihn aus. Aber so weit sind wir ja noch nicht. Porthos´ Jovialität passt, seine Überlegungen zu reichen Frauen sind klasse *g*. Und Athos? Hmja. Auch Athos ist gut getroffen, wobei ich natürlich ein wenig über dieses ´vermodert´ gestolpert bin - aber eigentlich stimmt es ja, seine Ansichten sind die einer anderen Zeit. Gut beschrieben! Dennoch meine ich, dass Athos Aramis durchaus ein klitzekleines bisschen positiver gegenüber stehen könnte, immerhin sagt er irgendwo, dass er für diesen Musketier eine ausgesprochene Präferenz habe. Aber das wird sich wohl im zweiten Teil bewahrheiten, wenn die beiden nach England aufbrechen. Aramis´ Dégout bei Myladys Enthauptung ist nachvollziehbar, im Buch steht ja nicht viel darüber, aber sein Entsetzen ist denkbar. Obgleich er auch ein Mann der Gewalt ist, man denke an die Schlacht von Charenton - doch vielleicht wächst das allmählich, es ist wahr, dass im ersten Buch noch wenig über seine Lust am Töten steht. Oder wir Leser haben es wieder einmal falsch verstanden, so wie wir die Liaison mit der Duchesse falsch verstanden haben - das war sehr gut ausgelegt, eine rein platonische Freundschaft. Permettez-moi de douter ;-).  Eine sehr schöne, sehr gut geschriebene Geschichte, ich bin gespannt wie es weitergeht!


Antwort des Autors:

Hallo Kaloubet,

vielen Dank für Deine rasche und ausführliche Review zu Monsieur Aramis` Bekenntnissen! Ich freue mich, dass Dir seine  poetisch angehauchte,  überdrehte Ausdrucksweise gefällt, denn er fühlt sich nun mal als (mehr oder weniger) begnadeter Dichter. Meine Motivation, das Ganze zu schreiben, war, die Dumas-Geschichte mal aus Aramis` Sicht darzustellen, weil mir seine Charakterisierung in den “Drei Musketieren” , im Gegensatz zu Athos oder D`Artagnan, immer als zu oberflächlich erschienen ist und es für mich eine persönliche Herausforderung darstellte, mich in seine Gefühlswelten hineinzuversetzen - es gibt mehr Parallelen zwischen ihm und mir, als ich anfangs dachte.
Was den Inhalt der Bekenntnisse angeht, habe ich versucht, die bekannten Ereignisse des Dumas-Romans nicht objektiv aus der Sicht des Lesers, sondern subjektiv und zum Teil auch sehr voreingenommen im Sinne meines Protagonisten darzustellen - er ist praktiziernder Narzisst, wie er selber zugibt, und neigt daher dazu, die Dinge oft überspitzt und  verzerrt zu sehen. Das gilt besonders für sein problembehaftetes Verhältnis zu Athos - Aramis bewundert , liebt und verehrt ihn als außergewöhnlichen Menschen und Freund, fühlt sich aber von Athos nicht in ebensolchem Maße akzeptiert (was jedoch nicht unbedingt der Realität entsprechen muss!) und leidet fürchterlich unter Eifersucht, als Athos D`Artagnan gegenüber sichtlich väterliche Gefühle entwickelt  und ihm immer stärkere Beweise seines Vertrauens zukommen lässt. Narzissten sind furchtbar komplizierte Leute - was Athos über Aramis denkt oder sagt, muss von diesem also nicht unbedingt auch so verstanden werden.
Aramis` Eintritt ins Kloster stellt einen vorfäufigen Endpunkt in seiner persönlichen Entwicklung dar - rien ne va plus, er kann nur mehr die Flucht aus seinem bisherigen Leben antreten und sich irgendwo vergraben, um seiner Schuldgefühle und Gewissensbisse Herr zu werden. Die Geschichte ist daher aus meiner Sicht abgeschlossen, die späteren Ereignisse in den beiden Folgeromanen tangieren sie nicht unbedingt.

Liebe Grüße
Andrea & Aramis

 

 

 

 

 

 


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