Artagnan.de - Fanfiction zu Dumas' drei Musketieren

Reviews zu «La veille de la bataille»

Rochefort schrieb am 28.10.2013 - 10:27 Uhr zu Kapitel «À l`ombre de Notre Dame»:

Lieber Aramis!

Athos’ hingegebungsvolle Liebe zu seinem Sohn, die Du in diesem Kapitel so eindringlich schilderst, ist berührend. Doch wenn man Raouls weiteres Schicksal kennt, so scheint es, dass manchmal, je mehr man versucht, alle Gefahr und alles Böse von einem Menschen fern zu halten, es umso weniger gelingt, so als würde gerade dadurch das Unglück förmlich angezogen und das Schicksal herausgefordert werden. Auch Athos’ Einfühlsamkeit gegenüber Aramis beeindruckt mich. Er ist wohl der einzige Mensch, dem gegenüber sich Aramis so weit öffnet, dass er selbst über die tief sitzenden Verletzungen aus seiner Kindheit spricht. Vor diesem Hintergrund wird auch seine Unversöhnlichkeit gegenüber Marie verständlich, denn sie gemahnt ihn in ihrem Handeln an seine eigene Mutter. Aus jedem Wort von Aramis in dieser Sache spricht eine überwältigende, für ihn nicht beherrschbare Erregung und Gefühlsaufwallung, die sich aus seinem tiefsten Inneren Bahn bricht. Und dazu kommt offenbar die Angst, Athos durch Marie und ihre Ränke zu verlieren, den Geliebten wieder in den Fallstricken einer Frau zu sehen, so wie damals in denen von Mylady. Dass Athos’ Liebe stärker ist als all diese Ängste ist ein wunderschöner Abschluss dieses Kapitels!

Liebe Grüße

Rochefort


Antwort des Autors:

Lieber Rochefort,
vielen Dank fürs Weiterlesen und deine scharfsinnige Review zu diesem Kapitel!! Ja, du hast den Kernpunkt treffend in Worte gefasst: Die “tiefsitzenden Verletzungen seiner Kindheit” veranlassen Aramis zu einer Haltung Marie gegenüber, die wohl in den Augen seiner Umgebung total irrational und überzogen wirken muss. Athos ist der einzige, dem er sein Geheimnis offenbart - ein Vertrauensbeweis dem geliebten Freund gegenüber, der diesem wiederum zu besserem Verständnis verhilft. Darin spiegelt sich nun Raouls Schicksal, und deshalb fühlt sich Aramis dem Jungen wohl auch so verbunden.  
Der Bezug zu Mylady ist durchaus gegeben, wie du bemerkt hast, ihr Schatten zeigt sich drohend, und daher reagiert Aramis auf Maries Kontaktaufnahme zu Athos mit äußerster Heftigkeit. 
Vielen Dank nochmal fürs Lesen und Reviewen! Ich freu mich sehr, dass dir der Abschluss der Geschichte gefallen hat!
Liebe Grüße
Aramis

Rochefort schrieb am 28.10.2013 - 09:55 Uhr zu Kapitel «À l`Hôtel de Luynes»:

Lieber Aramis!

Beim Lesen dieses Kapitels habe ich mich immer wieder gefragt, ob die Härte, mit der Aramis der Madame de Chevreuse begegnet, berechtigt ist oder nicht. Es ist wirklich schwer zu sagen. Am Anfang zeigt sich wieder sehr deutlich, wie egozentrisch und selbstverliebt Marie ist. Ganz selbstverständlich erwartet sie, dass die einander bekämpfenden politischen Parteien in Frankreich sie umwerben werden, dass man ihrer bedarf und niemand sie auf dem Gebiet der Intrige und des Ränkespiels zu übertreffen vermag. Und ohne Bedenken ist sie bereit, dabei sämtliche Waffen einer schönen Frau einzusetzen. Andererseits scheinen ihre Bestürzung über Aramis’ Vorwürfe, ihr vehementer Wunsch, ihren Sohn zu finden zumindest zum Teil echt zu sein - wenn sie vielleicht auch, um Aramis’ Mitleid zu erregen und ihn von ihrer Aufrichtigkeit zu überzeugen, etwas dick aufträgt. Trotzdem glaube ich, dass im Endeffekt alles, was sie tut, auf ihr eigenes Wohl in ausgerichtet ist und die Menschen um sie herum nur Mittel zum Zweck sind. Aramis’ Härte und Kompromisslosigkeit muss sie aufs Äußerste erschrecken, weil sie erkennt, dass all ihre sonst bei Männern bewährten Mittel bei ihm versagen. Und da sie seine eigene Geschichte, die Hintergründe, warum er so denkt und fühlt, nicht kennen und verstehen kann, muss ihr sein Verhalten doppelt unerklärlich und beängstigend erscheinen.

Liebe Grüße

Rochefort


Antwort des Autors:

Lieber Rochefort,
vielen Dank für Deine treffsichere Review!! Ja, Marie ist eine sehr problematische Persönlichkeit, wie du schon dargestellt hast - ihre Egozentrik wird sie niemals ablegen, doch die Zeit ihrer Verbannung und der Verlust ihres Kindes sind dennoch nicht völlig spurlos an ihr vorübergegangen. Allerdings sind ihre Zuneigung und Liebe immer mit Selbstsucht gemischt, und das weiß Aramis nur allzu gut, aus eigener böser Erfahrung. Er reagiert daher höchst allergisch auf ihren Wunsch, mit Raoul und seinem Vater auf familiärer Basis zu verkehren, aus Furcht, sie könne sich zwischen ihn und seinen Freund drängen wollen und überdies Raouls Vertrauen missbrauchen. Er benützt seine Stellung als Priester, um sie im Namen seines Freundes und dessen Sohnes zur Rede zu stellen, ihre Zukunftspläne zu vereiteln und sich überdies auf solche Weise, gleichsam hintenherum, für die Schmach zu rächen, die sie ihm damals antat. Als Priester muss er ihr vergeben, aber seine persönliche Verzeihung verweigert er ihr strikt - das ist irgendwie typisch für ihn, find ich. Ob seine Härte allerdings berechtigt erscheint oder nicht, bleibt, denke ich, dem persönlichen Blickwinkel des Lesers überlassen.
Nochmals vielen Dank und liebe Grüße!
Aramis

kaloubet schrieb am 24.10.2013 - 20:28 Uhr zu Kapitel «À l`ombre de Notre Dame»:

Eine sehr schöne Szene - die beiden Liebenden am Vorabend der Befreiung Beauforts ... sehr zärtlich, sehr offen von Seiten Aramis´. Er tut gut daran, seinen Schmerz endlich Athos zu gestehen, wer könnte ihn besser verstehen - und verständlich wird auch sein Hass auf Marie. Gut fand ich, dass Athos zuerst wirklich irritiert reagiert hat, er kann dieses Vorpreschen seines Freundes nicht gutheißen, zumal sich Aramis meiner Meinung nach wirklich ein wenig verrennt. Angesichts seiner Erfahrungen vielleicht verständlich, aber gleich das Schlimmeste zu erwarten ... da sieht er Marie zu perfide. Athos reagiert völlig richtig, er sieht Aramis´ Aktionen im Kontext seiner schlimmen Erfahrungen und bleibt mitfühlend und gelassen, fast väterlich. Das passt zu ihm ;-)

Liebe Grüße

Kalou


Antwort des Autors:

Liebe kaloubet,
ja, ich weiß - *seufz* ich kann halt nix schreiben, ohne in der Psyche des Monsieur l`abbé-mousquetaire herumzuwühlen und ihm alle möglichen emotionalen Zustände und Defauts unterzuschieben - in diesem Fall also eine gestörte Mutter-Sohn-Beziehung im Kindesalter, die sich nun 34 ans après im Weichbild von Notre Dame, der Großen Überdrüber-Ersatzmutter, entlädt. Natürlich geht die späte Rache des Betroffenen, wie immer in solchen Fällen, an die falsche Adresse, Marie muss es ausbaden, und Athos, wie schon so oft, wieder mal als Seelendoktor in die Bresche springen. Mea culpa! Aber laut deinem Review war`s anscheinend doch irgendwie verständlich - ich hoff, ich interpretiere deine Worte jetzt nicht falsch!
Vielen Dank nochmal fürs Lesen und deine scharfsichtigen, treffenden Reviews!!
Liebe Grüße
Aramis

kaloubet schrieb am 24.10.2013 - 15:06 Uhr zu Kapitel «À l`Hôtel de Luynes»:

Aramis scheint ja äußerst besorgt um das Wohlergehen Raouls - ich frage mich, was Athos sagen würde, wenn er wüsste, was sein Freund so treibt. Ich könnte mir vorstellen, dass er nicht sehr begeisert wäre, denn Aramis greift da ein wenig weit in seinen Kompetenzbereich hinein. Ops, das klingt jetzt arg Beamtendeutschmäßig ... ich meine, er maßt sich ein Urteil an, das ihm eigentlich nicht zusteht und das ein wenig übermäßig besorgt erscheint. Er traut Marie aber wirklich keinen Schritt weit, auch wenn sie hier doch nicht ganz so bösartig erscheint, als er es von ihr glaubt. Die Erfahrungen, die er machen durfte/musste, scheinen ihn arg beeinflusst zu haben. Genial fand ich den Satz, er könne vergeben, aber nie vergessen. Tjaja, nicht sehr freundlich und priesterlich, wer nicht vergisst, der nicht vergibt, seint mir. Aber das passt zu Aramis. Berührend fand ich seinen Sorge um seinen Freund - Sorge und Eifersucht vemutlich - er maßt sich zwar Schritte an, die ihm nicht zustehen, aber Athos kann unbesorgt sein, er tut es auch aus Liebe. Wieder ein beeindruckendes Kapitel!

Liebe Grüße

Kalou

 


Antwort des Autors:

Liebe kaloubet,
vielen Dank fürs Weiterlesen und deine treffsichere Review!! Ich freu mich, wenn du dieser aggressiven Szene ein bissl was abgewinnen konntest.  
Aramis “maßt sich zwar Schritte an, die ihm nicht zustehen, aber er tut es aus Liebe” - diese deine Aussage trifft eindeutig den Nagel auf den Kopf. Ja, Liebe und Eifersucht, das sind die Triebfedern seines Handelns - und daher sieht er die Dinge ein wenig verschoben und verzerrt, wie`s halt so oft der Fall ist, wenn die Emotionen einen überrollen. *zwinker*
Als Priester ist er zwar zur Vergebung verpflichtet, aber als Privatmensch weigert er sich hartnäckigst, solches zu tun. Ich kann mir vorstellen, er gehört zu diesen gewissen Leuten, die Beruf und Privatleben strikt voneinander getrennt halten wollen.*hüstel* Siehe 
Kompetenzen - *seufz*! Das erinnert mich an meinen Job -
Nochmals Danke und liebe Grüße!
Aramis

AlienorDartagnan schrieb am 24.10.2013 - 10:14 Uhr zu Kapitel «À l`ombre de Notre Dame»:

Irgendwie befürchte ich ja auch, dass die Chevreuse Athos und Raoul für ihre Zwecke benutzen und ihr gesamtes Denken und Handeln lenken möchte. Diese Frau hat ja immer nur berechnend gehalten, könnte es da überhaupt möglich sein, dass sie sich im Alter geändert hat? Wobei Athos ja ein Mann ist, in den eine Frau sich schnell verlieben kann, da wäre es durchaus auch möglich, dass sie mehr für ihn empfindet. Doch sie ist ja eine Frau, die bisher wohl niemals richtig verliebt war und die Männer immer nur ausgenutzt hatte. Ich denke auch, dass sie Raoul nicht hätte weggeben dürfen, und sie hätte ihn genausogut behalten und aufziehen können, sie war ja immerhin nie so arm, dass sie hungern und frieren musste. Ich glaube, sie wollte sich damals einfach nicht ihren Mutterpflichten stellen, und ein Kind wäre ihr, falls sie in Spanien wieder Männer verführen wollte, nur hinderlich gewesen. Bleibt nur zu hoffen, dass sie nicht wirklich für Raoul eine Art ungesunde Leidenschaft empfindet, wie eine Mutter sie für ihren Sohn nicht empfinden sollte, denn dann wäre Athos Sohn wirklich in Gefahr, dann könnte seine junge Seele wirklich Schaden nehmen. Er weiss ja nicht, dass sie seine Mutter ist…hoffentlich geht sie nicht so weit, dass sie versucht, ihr eigen Fleisch und Blut zu verführen, das wäre echt schlimm. Es ist gut, dass Athos den Kontakt von Mutter und Sohn streng überwachen will, als Vater ist es ja an ihm, Raoul zu schützen. Allerdings scheint der Comte ihr ein solches Begehren ihres eigenen Sohnes nicht zuzutrauen, und ich hoffe, dass Athos damit richtig liebt, und sie Raoul nicht begehrt. Und es ist auch gut, dass Athos Raouls Liebe zu Louise als ungesunde Leidenschaft sieht und Raoul aus seinem Umfeld im Loiretal herausnehmen will, vielleicht ahnt er schon, dass es später wegen Louise für seinen Sohn böse enden könnte. Ich finde es so schön, wie du das geschrieben hast, wie Athos seinem Freund noch einmal sagt, wie sehr er ihn liebt, das war beim Lesen sehr berührend, und ich freue mich wirklich sehr, dass die beiden so viel füreinander empfinden und ihre Liebe nach all den Jahren, obwohl sie sie verheimlichen mussten, noch immer besteht. Wahrscheinlich ahnt nicht einmal Raoul, was zwischen seinem Vater und dessen Freund vorgeht.  Chapeau, du schaffst es wirklich, dass ich Slash nun gerne mag.  Gut möglich, dass Aramis auch deswege so misstrauisch gegenüber der Chevreuse war, weil er Athos so sehr liebt, und sich nicht nur um den Freund sorgte, sondern auch Angst hatte, dass Athos sich in sie verlieben könnnte.
Ich hoffe auch, dass es nicht zum Bruch mit d´Artagnan, weil er ja jetzt in einem anderen politischen Lager steht als seine Freunde, das könnte auch noch zu Problemen führen. Ich bin schon sehr gespannt wie es weitergeht. Ich freue mich schon auf das nächste Kapitel.

Liebe Grüsse

Alienor 


Antwort des Autors:

Liebe Alienor,
vielen Dank für deine dermaßen umfangreiche Review!! Ich staune da immer wieder drüber -
Ja, Athos schafft es, Aramis zu beruhigen und von seiner immerwährenden Liebe zu überzeugen - Aramis hat diese ja schon in großer Gefahr gesehen, durch das unverhoffte Auftauchen der Chevreuse. Außerdem hat er mit seinen eigenen unverdauten Kindheitsproblemen zu kämpfen, was Maries Handlungsweise Raoul gegenüber in seinen Augen noch unerträglicher macht.
Wie es nun weitergeht? Tja, Dumas hat`s ja in den VAA genial beschrieben: Die Befreiung des Duc de Beaufort, d`Artagnans und Porthos` unverhofftes Auftauchen auf der Szene, die Konfrontation zwischen den Freunden auf der Place Royale, im Zuge derer Athos das drohende Duell zwischen ihnen verhindert und das “Tous pour un” aufs neue beschwört - dem ist absolut nichts mehr hinzuzufügen.
Vielen Dank und liebe Grüße!
Aramis

AlienorDartagnan schrieb am 24.10.2013 - 10:01 Uhr zu Kapitel «À l`ombre de Notre Dame»:

Schön, dass du so schnell weitergeschrieben hast :)
Ich bin jetzt wirklich mal gespannt, wo Athos zu dieser späten Stunde noch hin will. Und es ist klar, dass für Raoul der erste Besuch seines Lebens in Paris sehr aufregend sein muss, all diese neuen Eindrücke. Oh, er geht also zu Aramis, wie er wohl reagieren wird, falls er herausbekommt, dass dieser bei der Chevreuse war? Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht zum Streit zwischen den beiden Freunden kommt, es wäre echt schade, wenn ihre Freundschaft über dieser ganzen Sache mit der Herzogin kaputt geht. Ich kann aber gut verstehen, dass Aramis die Herzogin warnen musste, weil er ihr misstraut und Athos und Raoul schützen wollte, aber wird der Comte dafür auch Verständnis haben?
Review Teil 2 Folgt

Liebe Grüsse

Alienor

AlienorDartagnan schrieb am 22.10.2013 - 20:33 Uhr zu Kapitel «À l`Hôtel de Luynes»:

Ich hoffe du nimmst mir nicht übel, dass ich das Review wegen meiner Internetverbindung wieder in zwei Teilen schicken muss.
Ja, es ist wirklich ein Wunder, dass Athos nach einem Jahr zufällig wieder bei dem Priester vorbeikam und den Säugling dort fand, wer weiss, was sonst aus Raoul geworden wäre. Der Priester hätte ihn bestimmt irgendwann an ein Waisenhaus weitergegeben, wo er vielleicht gestorben wäre. Ich kann also gut verstehen, dass Aramis ihr ihr Handeln übel nimmt.
Sie scheint allerdings schon genug gestraft zu sein, denn für sie muss es doch schlimm gewesen sein, dass das Kind nicht mehr bei dem Priester war als sie es später nach Jahren zu sich holen wollte, und sie konnte nicht wissen, dass Raoul bei Athos, seinem leiblichen Vater aufwuchs. Und ein Herr, der ein kleines Kind mitnimmt, wer weiss da schon, ob es wirklich ein Edelmann ist, es hätte ja auch ein Pädophiler oder ein Menschenhändler sein können. So musste die Chevreuse also in jahrelanger Ungewissheit leben, was aus ihrem Kind geworden war. Dass sie alles daran setzte ihren Sohn zu finden und Nachforschungen anstellte, macht sie mir gleich wieder ein bisschen sympathischer, sie scheint also doch nicht so kaltherzig zu sein wie ich dachte. Erstaunlich, dass ausgerechnet Rochefort sie bei ihrer Suche unterstützte…ob sie wohl auch mit ihm eine Affaire gehabt hat?
Hm…war es damals wirklich so, dasss die Herzogin auf ihrer Flucht fast mittellos war und gar nicht für ihr Kind sorgen konnte? Hatte sie womöglichkein Geld, ihn zu einer Amme zu geben? Hat sie ihn deswegen zu dem Priester geschickt? Irgendwie fällt es mir schwer, mir vorzustellen, dass sie auf ihrer Flucht arm wie eine Kirchenmaus war, sie muss ja von irgendwelchen rücklagen gelebt haben, es hätte wohl gereicht, um den Kleinen aufzuziehen, zwar nicht im Wohlstand, aber doch so, dass er nicht hungern und frieren muss.
Sie woll Athos zwei oder drei Monate auf Bragelonne besuchen? Hm…ich frage mich gerade, ob es ihr dabei darum geht, den Comte zu verführen? Oder ob sie ihn nur dazu bringen will, dass er ihr Raouls Erziehung alleine überlässt?  Ich vermute, dass sie Athos verführen will, um ihm dieses Zugeständnis abzupressen. Gerade weil sie am Anfang des Kapitels noch diesen Gondi gerne verführt hätte, schwant mir übles. Kann sie Athos überhaupt wirklich lieben, oder ist er für sie nur ein Mittel zum Zweck? Wenn sie es ehrlich mit Athos meint, würde ich beiden diese Liebe gönnen, wenn sie nur mit ihn nur benutzt, täte mir das für ihn echt leid. Aber ich bin sicher, dass Athos ihr Raoul niemals zur alleinigen Erziehung überlassen würde, dafür liebt er seinen Sohn viel zu sehr, und er ist ja auch sehr misstrauisch was Frauen betrifft. Und ich kann verstehen, dass Aramis sich Sorgen macht und befürchtet, sie könnte Raoul enttäuschen. Er weiss ja nicht einmal, dass sie seine Mutter ist…was, wenn sie sich irgendwie verrät, wäre das nicht zunächst ein Schock für ihn?
Ich kann verstehen, dass Aramis ihr nicht vertraut und Raoul und seinen Freund Athos schützen will…aber was, wenn sie es diesmal wirklich ehrlich meint und mehr für Athos empfindet und Raoul wirklich über alles liebt? Allerdings bin ich, genau wie Aramis, auch noch sehr misstrauisch was ihre Motive und Gefühle angeht. Ich bin schon sehr gespannt wie es weitergeht.

Liebe Grüsse

Alienor


Antwort des Autors:

Natürlich hat Marie schon gewisse Pläne für die Zukunft, wie sie Aramis hochgemut mitteilt, und sie will versuchen, den Kontakt zum Comte de la Fère und ihrem Sohn zu intensivieren. Damit stößt sie bei Aramis naturgemäß auf erbitterten Widerstand. Auf ihrer Flucht war sie sicher nicht mit Reichtümern gesegnet, denk ich mal, sie wird da wohl einiges in Frankreich zurücklassen haben müssen. Aber natürlich hätte sie Raoul behalten können, wenn sie wirklich gewollt hätte. Deswegen macht Aramis ihr ja den Vorwurf, dass sie versucht hätte, sich den Folgen ihrer Liebesnacht mit Athos zu entziehen. Dass Raoul Marie nicht total gleichgültig ist, ist wohl verständlich - eine ziemlich gespannte Situation also, für alle Beteiligten.
Vielen Dank nochmal für deine Review und liebe Grüße!
Aramis

AlienorDartagnan schrieb am 22.10.2013 - 20:16 Uhr zu Kapitel «À l`Hôtel de Luynes»:

Schön, dass du so schnell weitergeschrieben hast, ich kann es ja kaum erwarten zu erfahren wie dieses Gespräch zwischen Aramis und der Herzogin verlaufen wird :)
Sie denkt also es wäre Monsieur Gondi? Dann wird sie aber gleich eine für sie sicherlich unangenehme Überraschung erleben..sie legt bestimmt keinen Wert darauf, jenen Mann, dem sie einst das Herz gebrochen hat, wiederzusehen. Und anscheinend hat sies immer noch faustdick hinter den Ohren…wenn sie sich schon fragt, wie sie Monsieur Gondi verführen könnte…
Nun konfrontiert er sie also mit jener Nacht, die sie damals mit Athos verbracht hat..bestimmt schockiert es sie, dass er  über diese Nacht so genau Bescheid weiss.
Aber sie hätte ja damit rechnen müssen, da Athos und Aramis ja langjährige Freunde sind. Und es ist verständlich, dass Aramis sich nun Sorgen macht, sie könnte RAoul für ihre Zwecke benutzen. Ich finde, dass es Aramis noch sympathischer macht, als er mir sowieso schon ist, dass er ihr vorwirft, den kleinen Raoul damals im Stich gelassen zu haben. Ich finde es nämlich auch schlimm, dass sie den Kleinen einfach so weggab ohne zu wissen was aus ihm werden würde..sie hätte ihn genausogut auch zu einer Amme geben können, wo sie ihn in sicherer Obhut gewusst hätte. Wie gesagt, sie kannte ja den Priester, mit dem sie die Nacht verbracht zu haben glaubte, gar nicht und konnte nicht wissen, ob dieser sich wirklich um den Jungen kümmern würde.
Review Teil 2 folgt

Liebe Grüsse

Alienor


Antwort des Autors:

Liebe Alienor,
vielen Dank für dein langes, umfangreiches Review! Ja, dass Marie Raoul imStich gelassen hat, geht Aramis ziemlich an die Nieren, und er nutzt seinen Status als Priester, um ihr darüber entsprechende Vorhaltungen zu machen. Von dem intimen Verhältnis zwischen ihm und Athos hat die Duchesse keine Ahnung, daher ist sie ziemlich von den Socken, dass er über diese heimliche Affäre Bescheid weiß.
Ich schreib unter dem 2. Teil deines Reviews weiter.

Rochefort schrieb am 21.10.2013 - 14:48 Uhr zu Kapitel «À Paris»:

Lieber Aramis!

Hu, in diesem Kapitel sprühen ja zwischen den Zeilen regelrecht die Funken! ;-)) Ein äußerst brisantes Zusammentreffen. Ich kann mir vorstellen, wie in Aramis die Emotionen hochgehen - zumal ihn die Situation völlig unvorbereitet trifft, was er Athos auch gewiss nicht so leicht verzeihen wird. Aramis ist offenbar niemand, auf den die Redewendung “Die Zeit heilt alle Wunden” zutrifft. Das Wiedersehen mit der Chevreuse scheint die demütigende, schreckliche Szene von damals in ihm wieder so lebendig werden zu lassen, als wäre das alles erst gestern geschehen. (Hinzu kommt, dass er über die Details ihres Zusammentreffens mit Athos und Raoul nicht informiert ist und daher mit noch mehr Misstrauen reagiert.) Aber offenbar ergeht es der Herzogin ähnlich und auch bei ihr hat diese hässliche Episode eine dauerhafte Narbe hinterlassen und - wie man sieht auch nicht zu Unrecht - fürchtet sie, dass Aramis sich für die erlittene Schmach revanchieren könnte. Was die Szene mit dem Kuss betrifft, so frage ich mich, ob Aramis hier nicht etwas überreagiert. In jedem Fall ist es nicht ungefährlich, sich am Vorabend eines höchst brisanten geheimen Unternehmens derart von seinen Emotionen überwältigen zu lassen. Rochefort würde das nicht billigen! ;-))) Aber Aramis sieht Marie und ihren Charakter in den schwärzesten Farben und fürchtet um das Wohl von Athos und Raoul. Ich frage mich, ob er recht behalten wird oder ob in der Herzogin vielleicht doch, zumindest ansatzweise, so etwas wie mütterliche Liebe und Verantworungsgefühl aufkeimen. Ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht.

Liebe Grüße

Rochefort


Antwort des Autors:

Lieber Rochefort,
ja, ich hab mich in diesem Kapitel bemüht, die emotionale Spannung, die da unter der Oberfläche brodelt, irgendwie rüberzubringen - ich freu mich, wenn sie in deinen Augen halbwegs spürbar ist, beim Lesen! Aramis seh ich in dieser Geschichte auch genauso, wie du es schon so kongenial und treffend beschrieben hast: Er kann nicht vergessen, seine Wunden heilen nicht, und er beurteilt die Geschehnisse um ihn herum daher sehr impulsiv aus seiner intoleranten, deformierten Sicht - wie ein Spiegel, der durch Gewalteinwirkung einen Sprung bekommen hat und nun die Welt um ihn herum seltsam verzerrt wiedergibt.
Was Marie betrifft, so sieht er in ihr und ihren Handlungen schlichtweg das Böse, das nun über seine Freundschaft zu Athos und Raoul heimlich wieder in sein Leben eingedrungen ist. Daher überreagiert er wohl auch so heftig, am Ende des Kapitels.
Vielen Dank für deine treffsichere, scharfsinnige Review! 
Liebe Grüße
Aramis

kaloubet schrieb am 19.10.2013 - 17:24 Uhr zu Kapitel «À Paris»:

Oha, ich ahne Böses - monsieur l´abbé ist bei weitem nicht so beherrscht wie er vorgibt zu sein und sehr tolerant ist er auch nicht. Der Kuss einer Mutter mag ihr gegönnt sein, zumal Maries Beweggründe doch recht nachvollziehbar sind und waren. Raoul auf den Mund zu küssen ... nun ja, warum nicht, Mütter tun dergleichen, auch wenn es bei einem fast erwachsenen Sohn ein wenig brisant sein kann. `Si vous avez oublié l´histoire d´OEdipe, moi, je m´en souviens´,  warnte ja schon Athos. Ganz ehrlich will mir nicht ganz aufgehen, warum sich Aramis derart ernerviert und ich bin sehr gespannt, was er ihr vorzuwerfen hat. Immerhin kann er ja die Genugtuung haben, dass er ihr immer noch nicht gleichgültig ist. Eifersucht? Angst vor ihrem Einfluss? Vermutlich, dennoch ist sein Verhalten, wie schon Athos erkennt, nicht das vernünftigste - doch diese impulsiv heißspornige Reaktion passt nun mal zu Aramis, der machen kann was er will, er wird nie allein ein kühler Rationalist bleiben. Eine sehr spannende Szene, sehr gut wiedergegeben ohne den Roman zu wiederholen!

Liebe Grüße

Kalou


Antwort des Autors:

Liebe kaloubet,
vielen Dank fürs Weiterlesen und deine scharfsinnige Review!! Ja, du hast mich in flagranti erwischt *zwinker*, ich gestehe, ich hatte Athos` Ausspruch, den du hier zitierst, im Kopf, beim Schreiben.
Wie du in deinem Review schon bemerkt hast, ist Aramis, sehr im Unterschied zu Athos, nicht fähig, Marie und ihr Verhalten von einem vernünftigen, neutralen Standpunkt aus zu betrachten - in Maries Kuss am Ende des Kapitels sieht er sofort den “Kuss der Spinnenfrau”, wittert ausschließlich das Böse in ihr und kann oder vielmehr will einfach nicht glauben, dass sie auch zu positiven Gefühlen und Handlungen fähig sein kann. Dieses Misstrauen ihr gegenüber liegt m. E. nicht allein in seiner gescheiterten Liebesbeziehung begründet, sondern hat tiefere Wurzeln - hoffentlich gelingt es mir, die im nächsten Kapitel einigermaßen erkennbar anzudeuten. Ich sehe Aramis auch als jemanden, dem es extrem schwerfällt, erlittene Verletzungen zu kompensieren und zu verzeihen - egal, wie lange sie schon zurückliegen mögen, ein flüchtiger Anlass genügt, sie brechen von neuem auf und tun ihm so weh wie am ersten Tag -
Ja, ich weiß, dieses Zwischendenzeilenlesen ist ziemlich heikel, wegen der Wiederholungsgefahr; ich freu mich sehr, wenns mir in deinen Augen halbwegs gelungen ist, diesen Fehler zu vermeiden!
Vielen Dank nochmal und liebe Grüße
Aramis 
 

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