Artagnan.de - Fanfiction zu Dumas' drei Musketieren

Was im Winter geschah


27. Geisterkinder Teil II

von AlienorDartagnan


Bis zum Abend gab es keine weiteren Vorfälle und Athos hoffte, dass der Spuk, der ihn, Raoul und Grimaud so verstört hatte, bald ein Ende haben würde.
Als es draußen dunkel geworden war, schmückten sie wie jedes Jahr den großen Tannenbaum mit Kerzen und bunten Glaskugeln.
“Womöglich haben wir uns das doch alles nur eingebildet”; meinte Athos nachdenklich, “es war kein gutes Jahr für uns, wir hatten viel Kummer und Leid zu ertragen, da können einem schon einmal die Nerven durchgehen.”
Raoul deutete mit finsterer Miene nach draußen, wo im Mondlicht die Umrisse des Schneemannes vage zu erkenenn waren.
“Nein, Vater, wir haben uns das nicht eingebildet, wir waren beide dabei, während dieses Ding da draußen wie von Geisterhand gebaut worden ist”; meinte Raoul, der mit finsterer Miene aus dem Fenster schaute, “irgendetwas stimmt hier auf dem Gut nicht, ich habe schon länget das Gefühl. Schon bevor ich die Kinderstimmen zu hören begann, hatte ich den Eindruck, dass wir nicht mehr alleine im Schloss sind. Ich hatte schon länger das Gefühl, dass mich ständig jemand beobachtet, habe das aber stets als Einbildung abgetan”
Und dann geschah wieder etwas, das auch Athos davon überzeugte, dass er sich das nicht nur alles eingebildet hatte.
Plötzlich war glockenheller Gesang, der von Erwachsenen und Kindern kam, zu hören:

“Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum,
Wie treu sind deine Blätter
Du grünst nicht nur zur Sommerzeit
nein auch im Winter wenn es schneit.
Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum,
Wie treu sind deine Blätter

Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum,
Du kannst mir sehr gefallen
Wie oft hat mich zur Weihnachtszeit
Ein Baum von dir hoch erfreut
Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum,
Du kannst mir sehr gefallen

Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum,
Das Kind will mich was lehren,
Die Hoffnung und Beständigkeit
Gibt Trost und Kraft zu jeder Zeit
Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum,
Dein Kleid will mich was lehren

Der mehrstimmige Gesang war so laut und intensiv, als ob mehrere Personen sich bei Athos und Raoul im Salon aufhalten und für sie singen würden.
Es erinnerte Athos an seine eigene Kindheit, als er und sein Bruder an jedem Heiligabend nach der Bescherung mit den Eltern gemeinsam dieses Weihnachtslied gesungen hatten.
Nach dem Lied herrschte eine bedrückende Stille und Vater und Sohn fragten sich voller Furcht, was dieser Abend noch an unheimlichen Überraschungen für sie bereithalten würde.
“Jetzt machen wir Bescherung, nicht wahr, es ist jetzt soweit!”;rief eine Jungenstimme laut durch das ganze Zimmer.
“Nein, Etienne, jetzt wird erst gegessen, danach ist Bescherung. So machen wir das doch jedes Jahr.”
“Ob das Christkind mir wohl meine Puppe gebracht hat?”
Das kam von einer Mädchenstimme, die, genau wie die des Jungen, klang, als ob die Kinder sich im Salon aufhalten und Weihnachten feiern würden.

Der von den Dienern festlich mit Mistelzweigen und Kerzen geschmückte Tisch hielt für den Grafen und seinen Sohn alle Köstlichkeiten, die das Herz nur begehren konnte, bereit, doch beiden krampfte sich der Magen jetzt regelrecht zusammen.
“Ich glaube nicht, dass ich heute Abend noch etwas essen kann”; sagte Raoul, während er lustlos seinen Blick über den reichlich gedeckten Tisch schweifen ließ, “
“Ich habe auch keinen Hunger. Das alles hier…es ist so unheimlich…ich frage mich, wie wir weiterhin hier im Schloss leben sollen.”
“Nun, vielleicht sollten wir ja nach Weihnachten wieder nach Bragelonne zurückkehren und in Zukunft dort leben”, schlug Raoul vor, “es ist zwar nicht so groß wie dieses Schloss  hier, aber zumindest sind wir dann diesen ganzen Spuk hier los.”
Athos hing sehr an La Fére, doch auch er spielte angesichts der heutigen unheimlichen Ereignisse mit dem Gedanken, dem Schloss für eine Weile den Rücken zu kehren.
“Ja, wir sollten wirklich erst einmal umziehen, zumindest für ein paar Monate. Womöglich sind die Geister ja dann bei unserer Rückkehr verschwunden.”
Raoul holte eine Glaskugel aus der Schachtel und wollte sie an den Baum hängen, doch seine Hände zitterten so sehr, dass er sie fallen ließ.
“Nein, die Geister werden nicht wieder verschwinden. Du hast doch gehört, was diese seltsame Dienerin gesagt hat. Sie meinte, die Geister würden bleiben, weil das Schloss auch ihnen gehören würde. Was mag sie nur damit gemeint haben.”
An diesem Heiligen Abend schien es für Vater und Sohn keine Ruhe zu geben.
“Vater, was hat da so geklirrt? Da ist doch was auf den Boden gefallen?”
Wieder die Stimme des kleinen Mädchens, die erschrocken, ja fast ein wenig weinerlich klang.
“Da war nichts, Kleines, du brauchst wirklich keine Angst zu haben, es ist alles in Ordnung. Schau nur, ich schneide jetzt den Gänsebraten an und du bekommst ein schönes Bruststück mit Maronen und Preiselbeeren.”
Das war wieder die Stimme des männlichen Erwachsenen gewesen.
“Seltsam, Geister können doch nicht essen”; meinte Raoul, der, obwohl die Tanne erst halb geschmückt war, keine weitere Kugel in die Hand nahm.
Athos erinnerte sich an eine Gruselgeschichte, die seine Amme ihm erzählt hatte, als er sieben Jahre alt war.
“Womöglich wissen sie gar nicht, dass sie schon tot sind und glauben deswegen, sie könnten noch essen. Meine Amme hat immer gesagt, dass Seelen die nicht ins Licht gehen, denken sie seien weiterhin am Leben. Oft wäre das bei Menschen, die bei Unfällen sterben oder sich selbst das Leben nehmen, der Fall”
Raoul bekreuzigte sich erschaudernd.
“Eine grausige Vorstellung. Das muss schrecklich sein, wenn man tot ist und es nicht merkt. Aber wie kommt es, dass wir sie bisher nicht gehört haben, obwohl sie vermutlich hier schon seit 70 Jahren herumspukten?”
“Das weiß ich auch nicht”, antwortete Athos nachdenklich, “wahrscheinlich waren sie schon die ganze Zeit hier und wir konnten sie nur nicht hören. Warum wir es jetzt auf einmal können weiß ich leider auch nicht. Für meinen Vater war das wirklich sehr schlimm, als seine Schwester, und dann noch sein Bruder und sein Vater starben. Und wenige Jahre später, kurz nachdem mein Vater volljährig war, beging auch noch seine Mutter Selbstmord. Und es sind genau vier, die hier herumspuken, Vater, Mutter, Sohn, Tochter. Das müssen sie sein, Armand und Lucille de La Fére und ihre Kinder Lucienne und Charlotte. Die Kinder starben durch Unfälle, die Kinder durch Selbstmord, nur so lässt es sich erklären, dass sie nicht ins Licht gehen konnten.”
“Glaubst du dass sie uns auch wahrnehmen können, Vater?”
“Ja, das halte ich durchaus für möglich, das Mädchen hat sich erschrocken, als du eine der Kugeln hast fallen lassen. Ich glaube, sie können uns auch hören, aber nicht sehen. Ich vermute, dass sie in ihrer eigenen Zeit, in der sie so tragisch starben, gedanklich immer noch feststecken und deswegen nicht wahrnehmen können, dass das Schloss sich seitdem verändert hat, jetzt andere Menschen dort leben als damals. Für sie ist es wirklich das Schloss des Jahres 1583, das Jahr, in dem sie alle ihr letztes Weihnachten glücklich vereint feiern konnten. Wir sind für sie also praktisch gar nicht vorhanden.”

Nach einer Stunde kam die Dienerin Thea herein und blickte missbilligend auf die nicht angerührten Köstlichkeiten auf dem Tisch.
“Ihr könnt jetzt abräumen”, sagte Athos zu ihr.
“Aber Monsieur, Ihr habt ja gar nichts gegessen. Martin hat extra heute Morgen eine Gans geschlachtet, und es hat Stunden gedauert, sie zuzubereiten. Jetzt ist sie leider kalt. Ich kann sie Euch aber gerne morgen noch einmal aufwärmen. Irgendwann werdet Ihr wieder essen müssen. Sie werden uns nicht mehr verlassen, sie sind hier zu Hause, genau wie Ihr und Monsieur Raoul. Ihr müsst eben lernen, das Schloss mit ihnen zu teilen. Von Zeit zu Zeit werdet Ihr sie hören können, aber sie werden Euch nichts tun.”
Sie drückte sich erneut so vage aus wie am Morgen.
“Was meint Ihr damit, das Schloss würde auch ihnen gehören?”, wollte Athos wissen.
“Nun, sie leben auf ihrer Ebene und Ihr auf der Euren. Ich kann Euch das nicht so einfach erklären, aber mit der Zeit werdet Ihr das verstehen. Wenn Ihr soweit seid, werdet Ihr es sehen können, und dann werdet Ihr keine Angst mehr vor ihnen haben.”
Raoul ärgerte sich über ihre vage Ausdrucksweise, die ihm kein bisschen weiter half.
“Versucht wenigstens, es uns zu erklären, Thea.”
“Das kann ich nicht, Monsieur Raoul, das ist zu kompliziert um es zu erklären. Ich habe selbst lange gebraucht um es zu verstehen. Ich kann sie schon hören, seitdem ich hier bin, und am Anfang habe ich es nicht begriffen und hatte Angst vor ihnen. Doch dann, eines Tages, wurde mir klar, was die Stimmen zu bedeuten haben, und seitdem fürchte ich mich nicht mehr vor ihnen”
Mehr konnten sie aus Thea nicht herausbekommen, die Dienerin beharrte darauf, dass sie ihnen das nicht genauer erklären könne und sie von selbst darauf kommen müssten.

Als sie abgeräumt hatte, blieben Vater und Sohn ratlos zurück.
“Was meinte sie damit bloß? Auf was sollen wir von selbst kommen?”, rätselte Raoul, “und warum erklärt sie es uns nicht einfach?”
“Ich weiß es nicht. Ich bin genauso verwirrt wie du. Wenn sie dahintergekommen ist, was es mit den Stimmen auf sich hat, wieso gelingt uns das dann nicht? Oder werden wir es nach einer Weile auch verstehen? MIr ist das alles nicht geheuer, ich habe ja schon viel im Leben durchmachen müssen, aber das hier…das geht zu weit.”
An diesem Abend kehrte keine Ruhe im Salon ein. Mehrmals trippelten Schritte über das Parkett und Kinderlachen erklang.
Hin und wieder hörte man auch die Stimmen der Erwachsenen.
Dann, als die große Standuhr elf schlug, sagte der unsichtbare Mann:
“Kinder, es wird Zeit zu Bett zu gehen. Ihr könnt ja morgen noch mit euren Geschenken spielen. Kommt, gebt mir und eurer Mutter noch einen Gutenachtkuss.”
Für Raoul und Athos war das ein sehr bedrückender Weihnachtsabend gewesen.
Zum ersten Mal seit Monaten dachte Raoul wieder an Louise und spürte den alten, reißenden Schmerz. Vermutlich befand sie sich jetzt in den Gemächern des Königs und schmiegte ihren warmen Körper an den von Louis. Meistens verdrängte er seinen Kummer erfolgreich, doch manchmal kam alles wieder hoch und er trauerte um alles, was niemals sein würde.
Einst hatte er davon geträumt, eines Tages zusammen mit Louise auf La Fére inmitten einer lebhaften Kinderschar glücklich alt zu werden, doch nun wusste er, dass das nur ein Traum bleiben würde.
“Ach Vater, wenn ich das Lachen der Geisterkinder höre, werde ich richtig traurig, weil ich niemals eigene Kinder haben werde.”
“Wer sagt denn, dass du keine Kinder haben wirst? Louise war eben nicht die Richtige für dich, sie verdiente deine Liebe nicht. Eines Tages wirst du eine Frau kennenlernen, die bei dir die gleiche Liebe entfachen wird wie Louise, und glaub mir, dann wird auf dich die schönste Zeit deines Lebens warten. Du musst versuchen, Louise zu vergessen, damit dein Herz wieder offen für eine neue Liebe ist. Ich weiß, es ist schwer, aber mit der Zeit werden deine Wunden heilen und du wirst Louise hinter dir lassen können.”
“Ich hoffe, du hast Recht, Vater. Ich habe oft das Gefühl, dass eine traurige, einsame Zukunft vor mir liegt und das Leben für mich nichts mehr bereithält. Es mag dir merkwürdig erscheinen, aber oft habe ich das Gefühl, mein ganzes Leben leichtfertig weggeworfen zu haben. Ich habe so viele Jahre an Louise verschwendet, ohne zu merken, dass sie mich gar nicht liebte und ich für sie eher wie ein Bruder war”
“Raoul, du bist erst 27, so alt wie ich, als ich als liebeskummerkranker Musketier in Paris lebte. Damals hätte ich auch niemals gedacht, dass das Leben für mich noch etwas zu bieten hätte. Fast jeden Abend war ich betrunken, und ohne meine drei Freunde Porthos, Athos und Aramis hätte ich diese schweren Jahre niemals überstanden. Nur wenn ich trank konnte ich meinem Schmerz, meinen Schuldgefühlen entkommen. Dass ich jemals Vater werden würde, hätte ich zu dieser Zeit nicht für möglich gehalten, ich dachte immer, ich ende als alter, einsamer Mann in der Roue Ferrou. Das Leben hält noch so vieles bereit für dich, mein Sohn, du musst nur Geduld haben.”
Der gutaussehende junge Mann blickte seinen Vater traurig an.
“Weißt du, manchmal habe ich das Gefühl, dass da nichts mehr auf mich wartet. Tag ein, Tag aus sehe ich nur La Fére. Und oft fühle ich mich zu müde und traurig um einmal nach Blois oder Paris zu fahren. Dabei würde ich gerne einmal Mutter besuchen. Aber nach Paris zu reisen ist mir nicht möglich….weil ich dort Louise begegnen könnte.”
“Was hälst du davon, wenn wir deine Mutter für eine Weile  zu uns aufs Schloss einladen?”
Raouls ernste Miene klärte sich etwas auf.
“Meinst du wirklich, wir sollten sie auf dieses Geisterschloss hier einladen?”
“So wie ich deine Mutter kenne, können Geister sie nicht schrecken”; meinte Athos lachend, “sie würde sicherlich über uns spotten, weil wir uns vor Angst fast in die Hose machen.”

Eine Stunde später gingen Raoul und Athos schlafen.
Raoul wälzte sich unruhig in seinem Bett hin und her, er fand einfach keine Ruhe, weil er das Gefühl nicht los wurde, nicht alleine im Raum zu sein.
Leise flüsternde Kinderstimmen, ein Junge und ein Mädchen, beide für Raoul unsichtbar.
“Ich mag dieses Zimmer nicht, Etienne”; sagte das Mädchen, hier ist einer, ich höre ihn atmen.”
“Da ist keiner, du dumme Gans”, schimpfte der Junge, und dann hörte Raoul das Knacken von Bettfedern, so nahe und deutlich als ob sich jemand in einem Bett das gleich neben seinem stand, umdrehen würde.
“Doch, ich höre es, ich höre ihn immer atmen und schnarchen und wie sein Bett knarzt”; klagte das Mädchen, “ich will hier nicht schlafen. Hier ist es gruselig.”
“Unsinn, das bildest du dir nur ein, du Angsthase”, erwiderte der Junge, “ich kann nichts hören.”
“Doch, hier spukt es, so wie in der Gespenstergeschichte die Hodierna uns neulich erzählt hat.”
“Das war aber doch nur eine dumme Geschichte.  Hodierna wollte uns nur ein wenig erschrecken. Es gibt keine Gespenster. Hier sind nur wir und sonst niemand.”
“Ach ja? Mutter und Vater haben auch Angst, deswegen haben sie ja auch diese L…”
Den Rest konnte Raoul nicht verstehen, weil das Mädchen flüsterte.
“Unsinn, das bildest du dir alles nur ein. Die Eltern hätten uns gesagt, wenn es hier spuken würde. Eltern belügen doch ihre Kinder nicht”; empörte der Junge sich.

Raoul lag wie erstarrt in seinem Bett, wagte nicht sich zu bewegen.
Konnte das wirklich sein, dass diese Gespensterkinder glaubten, sie wären noch am Leben und es würde in ihrem Schloss spuken?
Diese Kinder waren seit 70 Jahren tot und nachdem ihre Eltern Selbstmord begangen hatten, spukten sie alle vier hier herum und glaubten ernsthaft, noch am Leben zu sein.
Das hier waren die Geschwister seines Großvaters Armand und womöglich war das hier früher ihr gemeinsames Gemach gewesen und sie waren schon immer hier gewesen, ohne dass er sie bemerkt hatte. Doch wieso könnte er sie jetzt auf einmal hören?
Und wieso gingen die Kinder nicht mit ihren Eltern ins Licht, wo sie doch wieder vereint waren? Warum begriffen sie nicht endlich dass sie tot waren?
Würde er von nun an jede Nacht ihre Stimmen hören müssen und auch tagsüber nicht von ihnen in Ruhe gelassen werden? Und wieso hatte Thea keine Angst vor den Geistern? Gab es einen Weg, die Geister ins Licht zu schicken, in das sie schon damals hätten gehen sollen? Wie konnte man ihnen klarmachen, dass sie seit sieben Jahrzehnten tot waren? Waren sie womöglich gefährlich? Und war es nicht seltsam, dass die Geisterkinder die Lebenden für Gespenster hielten?
In dieser Nacht tat er kein Auge zu, nicht nur, weil er die ganze Nacht die gleichmäßigen Atemzüge der anscheinend schlafenden Geisterkinder hörte, sondern auch, weil ihm diese Fragen nicht aus dem Kopf gingen.
So fragte er sich, wieso die Geisterkinder schliefen Er hatte immer geglaubt, Geister müssten nicht schlafen.
Der letzte Satz dessen zweiten Teil das Mädchen so leise geflüstert hatte, dass er den Rest nicht verstand “Die Eltern haben auch Angst, deswegen haben sie ja auch diese L***” ging ihm nicht mehr aus dem Kopf.
Was hatte das Mädchen gesagt? Was hatten die Geistereltern getan?
All das wurde immer mysteriöser und unheimlicher.

 


Noch vor Sonnenaufgang stand Raoul auf und ging hinunter in den großen Saal, wo er sich in einen der Plüschsessel setzte.
Keine Geisterstimmen, keine trippelnden Schritte auf dem Parkett, nur das gleichmässige Ticken der Standuhr
Ja, hier würde er bis zum Morgen blieben um auf seinen Vater zu warten, sagte er sich, besser, als mit den Geisterkindern in einem Raum sein zu müssen.
Wenig später hatte er sich völlig entspannt und war eingeschlafen.
Aber es war kein ruhiger Schlaf, er hatte einen entsetzlichen Albtraum. Als er schließlich schreiend aus diesem hochschreckte, war die Sonne bereits aufgegangen und die Dienerin Thea deckte bereits den Frühstückstisch.
“Alles in Ordnung mit Euch, Monsieur Raoul?”, fragte sie besorgt, “ich habe gar nicht gemerkt, dass Ihr hier seid.”
Der Sessel stand in Richtung des Kamins und weil er eine hohe Lehne hatte, konnte man, wenn man beim Tisch stand, nicht sehen, ob jemand darin saß.
“Ich habe nur schlecht geträumt, das ist alles, Thea.”
Er hatte keine Lust, sich mit der Dienerin, die ihm immer ein wenig unheimlich gewesen war, zu unterhalten.
“Ihr werdet sehen, schon bald wird alles besser, es dauert nicht mehr lange, bis Ihr verstehen werdet”; sagte sie und schenkte ihm ein freundliches Lächeln, “und dann wird das Leben hier viel einfacher für Euch sein.”
Nach der schlimmen Nacht die hinter ihm lag war er ohnehin gereizt und regierte agressiv.
“Lasst mich in Ruhe mit Euren vagen Andeutungen. Entweder Ihr erzählt mir was Sache ist, oder Ihr sagt gar nichts mehr. Ich habe wirklich genug von dieser ganzen Geistergeschichte.”
Sie blickte ihn mit ernster Miene an.
“Ihr müsst von selbst darauf kommen, ich kann Euch da leider nicht helfen. Aber es wird der Tag kommen, an dem Ihr verstehen werdet.”
“Was verstehen? Warum sprecht Ihr in Rätseln zu mir und sagt es mir nicht einfach?”
“Weil Ihr selbst darauf kommen müsst, ich darf es Euch nicht sagen: Ich werde Euch dabei helfen, aber mehr kann ich nicht für Euch tun”
Raoul traute der Dienerin nicht und nahm sich vor, mehr über sie herauszufinden. Er wollte ihre Verweigerung, ihm die Wahrheit zu sagen, nicht einfach hinnehmen und versuchen, herauszufinden was hier vorging. .
Dass alle fünf Diener gleichzeitig vor dem Schloss aufgetaucht waren um um eine Anstellung zu bitten, machte ihn stutzig.
Irgendwie erschien es ihm, als ob diese Diener erst seit wenigen Tagen auf dem Schloss wären, dabei mussten es mindestens drei Monate sein. Und er hatte die fünf neuen Diener schon mehrfach gesehen, wie sie beieinander standen und tuschelten, als ob sie irgendetwas aushecken würden.
Sein Vater hatten ihnen von Anfang an vertraut und war mit ihrer Arbeit sehr zufrieden, doch Raoul wurde das Gefühl nicht los, dass mit diesen Leuten irgendetwas nicht stimmte.

 

Fortzsetzung folgt


 




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