Artagnan.de - Fanfiction zu Dumas' drei Musketieren

Was im Winter geschah


32. Rorate

von Aramis


Rorate caeli desuper
Et nubes pluant iustum,
Aperiatur terra
Et germinet Salvatorem.

Die Kerzen auf dem Altar sirrten leise, und das Ewige Licht flackerte unruhig hinterm roten Glas, während der Pfarrer des kleinen Dorfes La Roche l`Abeille am frühen Morgen des vierten Adventsonntags die vorweihnachtliche Roratemesse hielt. Es waren nicht viele Gläubige gekommen, bloß ein paar alte, ausgemergelte Mütterchen, in schwarzen wollenen Umschlagtüchern, die Rosenkränze in den zittrigen Händen, und einige ebenso hochbetagte Männer, weißhaarig, krummgebeugt und taub. Die Kirche war ebenso wie das Dorf klein und ärmlich, kein goldener Schmuck zierte sie, kein silberbesticktes Parament – nein, bloß raue Holzbänke standen auf bröckeligen steinernen Fliesen, und durchs zerbrochene Kirchenfenster strich der kalte Wind.

Tauet, ihr Himmel, von oben,
Ihr Wolken, regnet den Gerechten!
Es öffne sich die Erde
Und sprosse den Heiland hervor!

Die Stimmen murmelten und raunten, leise, geduldig, ohne jede Hast – so wie schon ihre Mütter und Väter, wie ihre Voreltern taten, so beteten auch sie. Gleichmütig folgten die Menschen dem Lauf des Jahres, dem Frühling, dem Sommer, dem Herbst bis hin zur Winterszeit, und die Tage vergingen einer wie der andere, still floss die Zeit dahin als wäre sie bereits Ewigkeit.

Auch er, der Priester vorne am Altar, in geflicktem Chorhemd und Stola, hatte sich an diesen langsamen, trägen Lauf der Zeit gewöhnt, an die Abgeschiedenheit, an die Stille, und manchmal schien es ihm sogar, als läge unter der ärmlichen Schlichtheit dieses Dorfes heimlich das Paradies, der Ort der Ruhe und des Friedens.

Ja, sein Leben war beileibe nicht immer so friedvoll gewesen! Er sah gut aus, war hochbegabt und von Ehrgeiz getrieben, man hatte ihm eine glänzende Zukunft prophezeit, eine geistliche Karriere in den allerhöchsten Kreisen. Doch er war schwach, trotz seines scharfen Geists und Intellekts - geil und lüstern war er der Verlockung des Fleisches erlegen, hatte als umschwärmter junger Beichtvater bei Hofe – ah, welch ein steiler Aufstieg! - eine Prinzessin von Geblüt gar geschwängert! Welche Schande! Schmach über ihn! Er erbebte selbst noch heute, wenn er daran dachte! Und die Strafe folgte auf dem Fuß, sein kirchlicher Vorgesetzter verbannte ihn, nachdem es dem Bischof glücklich gelungen war, seine erbärmliche Sünde zu vertuschen, zur Buße hierher in die tiefste Provinz. Ja, sein Fall war tief! Von der strahlenden Höhe des königlichen Hofes hinab in die triste Einsamkeit dieses armseligen Nests, wo sich die Füchse Gute Nacht sagten und niemals etwas von Bedeutung geschah. Kein Marktflecken, keine Stadt lag in der Nähe, kein Schloss, kein hochherrschaftliches Gut, nur tiefste Ödnis umgab dieses ärmliche Dorf, und das war gut so. Ja, er wollte seine Strafe willig tragen, seine Buße ableisten, sein Leben lang, und nichts sollte ihn jemals wieder daran erinnern, welch ambitionierter und strebsamer Mensch er vordem gewesen war. Die Worte, die er nun bei der Predigt sprach, waren einfach und schlicht, keine exquisite Kunst der Formulierung, kein hochgeistiger Anspruch, keine höhere Philosophie wirkte noch in ihnen, nein, er wollte bloß diesen armen Leuten, mit denen er lebte, geistlichen Trost in ihrem harten Leben spenden. Keine Hoffnung, keine Zukunft, nichts zählte hier, die Tage glichen einer dem anderen, ruhig und eintönig flossen sie dahin, und nichts unterbrach den geruhsamen Lauf des Jahres.

Nur einmal hatten sich Reisende hierher verirrt, ein nobler Herr in mittleren Jahren und ein junger Edelmann mit seinem Diener, welche, im späten Herbst von widrigem Sturmwetter überrascht,  für die Nacht ein Obdach suchten. Die Pfarrei war das einzige Haus hier im Dorf, das imstande war, die drei Fremden zu beherbergen, es gab keinen Gasthof hier, ja nicht einmal ein passables Wirtshaus, bloß eine kleine, kümmerliche Schenke, und so verstand es sich von selbst, dass er, der Pfarrer dieses Ortes, den Reisenden seine Wohnung als Quartier überließ. Er selbst wurde an jenem Abend zu einem Schwerkranken gerufen, um ihm das heilige Sakrament zu spenden - der Alte, einer der hiesigen Bauern, war sehr übel auf, der Tod wollte ihn ereilen, und so kehrte der Pfarrer nach durchwachter Nacht erst am nächsten Morgen vom Versehgang zurück. Zu dieser Stunde hatten der junge Edelmann und sein Diener das Pfarrhaus bereits wieder verlassen, nicht ohne ein paar Münzen für das ärmliche logis samt ebenso dürftiger Kost zu hinterlegen, und auch der edle Herr stieg sogleich zu Pferd und drückte seinem Quartiergeber einen Beutel Geldes in die Hand. Der Pfarrer wollte protestieren, Monsieur, das ist zuviel!, doch der Fremde nickte nur zur Bekräftigung, lüftete grüßend seinen Hut und gab seinem Pferd die Sporen. Nun denn, wie Gott will. So würde er das Geld eben für die Armen im Dorf verwenden, es brauchte so mancher von ihnen ein Paar Hosen oder Schuh.

Das Pater noster war vorüber, die heilige Wandlung ebenso, und die paar alten Weiblein waren bei der anschließenden Kommunion rasch abgefertigt – er sprach das Segensgebet und das Ite missa est, die betagten Gläubigen bekreuzigten sich mit zittrigen Händen, beugten steif und unbeholfen das Knie und verließen, dunklen Schatten gleich, leise schlurfend die Kirche.

Er verschloss den Tabernakel und löschte die Kerzen, trug das Messbuch zurück in die Sakristei und warf sich den schwarzen wollenen Mantel über die Schultern, ehe er die nun nachtdunkle Kirche verließ. Draußen war es noch finster, doch der Morgen kündigte sich an, und überm Horizont schimmerte bereits ein heller Streif. Raschen Schrittes stapfte er durch den knöcheltiefen Schnee, vorbei an den Gräbern entlang der Kirchhofsmauer, auf deren schlichten Kreuzen kein Name stand und die kein Grablicht flackernd erhellte. Er öffnete das eiserne Gittertor und trat hinaus auf die schneebedeckte Dorfgasse - es war nicht weit, hinüber zum Pfarrhaus, doch der eisige Morgenfrost drang ihm dennoch empfindlich in alle Glieder. Ja, er wurde langsam alt, das ließ sich nicht verleugnen, die Jugend war dahin, die Blüte seiner Jahre, und nun wartete er bloß noch auf sein Sterben, hier in diesem kleinen Dorf, das ihm trotz seiner Ärmlichkeit dennoch zur Heimat wurde. Und in dieser dunklen, steinigen Erde würde man ihn begraben, unbekannt und ohne allen Pomp – ein schlichtes, einsames Leben hatte er geführt, und er wollte es ebenso beenden.

Doch dann blickte er auf, und sein Schritt stockte – sah er recht, stand dort tatsächlich ein Wagen vor seinem Haus? Er hielt inne, mit einem Mal erregt, eine dunkle Gestalt in einem langen, weiten Umhang bestieg soeben die Kutsche - eine Frau? Hatte sie den hiesigen Pfarrer aufsuchen wollen und ihn, da er ja die Roratemesse hielt, zwangsläufig nicht zu Hause angetroffen? Sein Herz begann zu pochen, und er beschleunigte seinen Schritt, doch da schloss sich bereits der Kutschenschlag, die Peitsche schnalzte, und die Pferde zogen an. Mit leisem Rasseln rollte der Wagen von dannen, verschwand schlussendlich ganz aus seiner Sicht, und nur die tiefen Radspuren im Schnee bezeugten, dass er nicht offenen Auges geträumt hatte.

Doch da, was war das? Was stand dort vor seiner Türe? Raschen Schrittes trat er darauf zu - ja, er hatte sich nicht getäuscht, ein Weidenkorb war`s, samt wollenen Decken und feinem Linnen. Was in aller Welt hatte das zu bedeuten? Aber im nächsten Augenblick durchzuckte ein Blitz alle seine Glieder, und er fühlte, wie es ihm siedendheiß den Rücken hinunterrann. Was er da erblickte, fest eingehüllt in die warmen Decken, war ein kleines Kind! Bei allen Heiligen des Himmels! Wie konnte das geschehen?! Und warum ausgerechnet hier, auf seiner Türschwelle?! Wahrhaftig, ihm schien es, als vernehme er plötzlich wie von ferne hämisches Gelächter, ein hohnvoller Gruß aus vergangener Zeit! Mon Dieu! Er hatte sich doch seitdem aller Unkeuschheit strikt enthalten, hatte Buße geleistet, streng und unbeirrt, niemals mehr hatte das Bildnis einer Frau ihn gerührt! Die einzige, zu der er in stillem Gebet aufblickte, war doch nur sie allein, Maria, die Himmelskönigin! Jungfrau und Gottesmutter, sie alleine stand ihm vor Augen, ave Maria, gratia plena, auserwählt und gesegnet unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Unser Herr Jesus Christus! Seine Ankunft stand nun bevor, das Hochfest Seiner Geburt, doch nicht dies hier - !

Reglos, die klammen Finger wie zum Gebet ineinander geschlungen, starrte er auf den Korb nieder. Das Kind darin begann, sich sachte zu regen und brabbelte leise vor sich hin. Mon Dieu! Heiliger Gott, hilf mir! Was soll ich nur tun?

Nimm es hoch und trage es ins Haus!, wisperte eine Stimme ihm ins Ohr. Es ist höllisch kalt hier! Soll das Kleine sich etwa verkühlen?

Mechanisch, wie unter unsichtbarem Befehl, tat er wie die Stimme sagte, ergriff den Korb und trug ihn klopfenden Herzens über seine Schwelle. Wie kalt es war! Er musste schleunigst Feuer machen und nachsehen, ob sich noch Milch in der Speisekammer befand. Womit nährte man kleine Kinder? Grießbrei? Hafergrütze? Er musste schauen, ob sich alles Nötige dazu fand!

Er setzte den Korb auf das zerbeulte Sofa und begann hastig, zu werken – mon Dieu, hoffentlich kam die alte Line, seine Haushälterin, bald! Doch bei Gott, wie ihr dieses unglaubliche Ereignis erklären? Ein ausgesetztes Kind auf der Türschwelle des Herrn Pfarrers! Jeder musste doch sofort glauben, dies wäre eine Frucht der Sünde! Und die Nachricht würde sich wie ein Lauffeuer überall verbreiten, zum üblen Gerücht aufgebauscht, zum schrecklichen Skandal – und Gott der Allmächtige allein war imstande zu wissen, das ihm als Priester daraus noch erwuchs!

Er nahm den Topf vom Feuer und rührte den Brei, fand noch ein wenig Honig im Küchenschrank, um ihn zu süßen – das Kind hatte sicher Hunger, denn es jammerte leise, als er es aus dem Korb hob, und wollte sogleich mit seinen Händchen nach dem hölzernen Löffel greifen. Sachte begann er, das Kleine zu füttern, ja, er hatte recht gedacht! Und während es lustvoll aß und schluckte, begann sich ein leiser, doch unmissverständlicher Geruch zu verbreiten. Mon Dieu! Sobald der Brei gegessen war, musste er das Kind wickeln! Wenigstens waren im Korb genügend frische Windeln zu finden. Verdammt, wenn nur die alte Line bald käme! Sie kannte sich in der Kinderpflege aus! Hatte sie doch in jungen Jahren zehn Kinder großgezogen und half den Bäuerinnen in ihrem Wochenbett.

Der Milchbrei war vertilgt, das Kind satt und zufrieden, es lachte fröhlich und griff spielerisch nach seines Betreuers Haar – nun gut, dann musste er das Wickelgeschäft eben selber erledigen, wenn seine Haushälterin weiterhin auf sich warten ließ! Gelinde desperat, doch grimmig entschlossen, holte er die Wasserkanne aus der Schlafkammer, breitete eine der Wolldecken aus dem Korb über den Tisch und legte das Kleine behutsam darauf. Es strampelte und quiekte vergnügt, während er es entkleidete, einen Lappen mit Wasser befeuchtete und ihm die rosigen Hinterbacken wusch. Also ein Junge. Ein strammer noch dazu! Beim heiligen Gott, wie kam dieser nur hierher? Die feinen Leintücher und Windeln, die weichen Decken und bestickten Kleider des Kleinen ließen keinen Zweifel daran, dass er von vornehmen Eltern stammen musste! Ja, jene unbekannte Frau, deren Kutsche hier vorm Pfarrhaus hielt, musste wohl seine Mutter sein! Oder vielleicht deren enge Vertraute! Mon Dieu, hatte man das Kind etwa gar entführt und wollte es auf diese Weise verschwinden lassen?! Er wusste ja aus eigener böser Erfahrung, in den erlauchten Kreisen der Haute Noblesse kam so manches vor, was das Licht des hellen Tages scheute! Unstandesgemäße Amouren, gefährliche Liebschaften - und illegitime Kinder waren nur zu oft die unglückselige Folge davon!

Er hob den nun frisch gewickelten und wieder bekleideten Jungen hoch und sah ihm forschend in das pausbäckige Gesichtchen – welch ein hübsches Kind, so lebhaft und wohlgestaltet, sicher kein Spross einer einfachen Bäuerin! Doch beim Allmächtigen, was sollte er nur mit ihm machen? Er konnte ihn doch nicht, wie der Nährvater Joseph den göttlichen Sohn Marias, an Kindes statt annehmen! Das war schlicht unmöglich! Und es hier in eins der ärmlichen Dorfkaten oder in den umliegenden Bauernhütten in Pflege zu geben, das war ausgeschlossen, widersprach seinem Gewissen, und allein bei dem bloßen Gedanken sträubte sich alles in ihm! O heiliger, allmächtiger Gott, hilf mir! Gib mir ein Zeichen, sende den Erzengel Gabriel mit Deiner Botschaft herab! Bei allen Heiligen, was soll ich bloß tun?
 
Da erklang, wie zur Antwort, ein vernehmliches Pochen, und der Pfarrer schrak aus seinen düsteren Gedanken auf. Oh, das musste die alte Line sein! Das Kind im Arm, trat er an die Türe, mon Dieu, was half es, er konnte den unerwarteten kleinen Gast vor seiner Haushälterin ja sowieso nicht verbergen! Er drückte die Klinke und wunderte sich noch, dass die Alte heute so ungewöhnlich laut klopfte, ganz anders als sonst - und seine dunkle Ahnung hatte ihn nicht getrogen: Nicht die alte Line stand draußen vor der Türe, sondern ein hochgewachsener Mann.

„Monsieur!“, stammelte er überrascht, und im selben Augenblick erkannte er den Besucher wieder, parbleu, das war doch dieser fremde Herr, der ihn damals, vor etwas mehr als einem Jahr, in jener kalten, stürmischen Herbstnacht um Quartier bat! „Bitte tretet ein! Was verschafft mir die Ehre?“ Oh, er konnte nicht anders als vor Scham zu erröten! Ein Priester mit einem Kind im Arm!

„Monsieur le curé, meine Reise führte mich in die Nähe Eures Dorfes,“ sprach der fremde Herr und lächelte dem Pfarrer freundlich zu, „und da dachte ich mir, es wäre doch schön, Euch nochmals wiederzusehen! Wir hatten ja damals, weil Ihr Eure priesterliche Pflicht tun musstet, keine Gelegenheit, uns näher miteinander zu unterhalten. Ich hoffe, mein Besuch kommt nicht allzu ungelegen?“

„Nein, nein!“, stammelte der Pfarrer, „keineswegs, Monsieur! Doch ich muss Euch gestehen, ich bin gerade ein wenig außer mir, und dies macht es mir schwer, einen klaren Gedanken zu fassen! Seht diesen Knaben hier, man hat ihn heute Morgen in aller Frühe auf meiner Türschwelle abgelegt! Und ehe ich die Frau, die dies tat, zur Rede stellen konnte, stieg sie in ihre Kutsche und fuhr auf und davon! Oh, mon Dieu, ich weiß nicht, was ich tun soll, und ich gebe zu, mich packt darüber Verzweiflung!“

Der Fremde hielt inne, sein Antlitz erbleichte – mon Dieu, was sagte der Herr Pfarrer da?! Dieses Kind in seinen Armen wurde vor seiner Türe ausgesetzt? Sein Herz pochte mit einem Mal hart gegen seine Brust, stumm und betroffen starrte er dem kleinen Jungen ins rosige Gesicht. War das ein Traum? Oder war es Wirklichkeit? Ja, du hast recht gesehen, deine Augen trügen dich nicht! Dieses Kind ist niemand anderer als dein Sohn! Jawohl, das ist so klar wie das Licht des hellen Tags, und du kennst auch seine Mutter! Parbleu, sie dachte wohl, du wärst der Priester, in dessen Haus sie zusammen mit ihrer Zofe Unterkunft fand, auf ihrer abenteuerlichen Flucht nach Spanien, und so brachte sie diesem nun die überraschende Frucht deiner Lenden!

Der fremde Herr fühlte plötzlich Schweiß auf seine Stirne treten, mit bebender Hand holte er sein Taschentuch hervor – mon Dieu! Welch eine Offenbarung! Wie vollkommen unerwartet, mahnend und herrlich zugleich! Er hatte einen Sohn! Ihm, der überzeugt war, niemals mehr im Leben einen männlichen Nachkommen zu haben, wurde in dieser Weihnachtszeit ein wahres Wunder zuteil! O Vater im Himmel, Du schicktest mich hierher! Du sandtest mich aus, um mein Kind zu retten, meinen Sohn und Erben, o allmächtiger Gott!

„Monsieur le curé!“, erklärte er leise und bestimmt, und seine Stimme bebte vor Freude, „ich will mich dieses Kindes annehmen! Ich gebe Euch mein Ehrenwort, es soll ihm an nichts fehlen, ich werde den Knaben an Sohnes statt zu mir nehmen und ihn mit all meiner Liebe und Zuneigung erziehen! Damit seid Ihr Eurer schweren Bürde ledig, und ich habe ein wahrhaft himmlisches Gut gewonnen. Ich bitte Euch um alles, überlasst mir diesen Jungen, ich schwöre bei Gott und allen Heiligen, ich will für ihn sorgen wie für meinen leiblichen Sohn!“

Der Priester sah dem fremden Herrn überrascht ins Gesicht – mon Dieu, sprach dieser im Ernst? Doch die Miene seines Besuchers ließ jeden Zweifel sofort verstummen, dieser Edelmann stand zu seinem Wort, das war gewiss! „Mein Herr, so gebe ich den Knaben hiermit in Eure Hände!“, erwiderte der Pfarrer leise und fühlte plötzlich, dass seine Augen feucht wurden. Mon Dieu, wollten ihm etwa gar die Tränen kommen? Warum schlich sich, trotz seiner unsäglichen Erleichterung, zugleich auch leise Wehmut in sein Herz?
 

 

 


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