Amour secret von Angel
Durchschnittliche Wertung: 4.5, basierend auf 8 BewertungenKapitel Gespräch mit einer Freundin
Juliette schritt die paar Stufen hinauf und drückte die nur angelehnte Tür nach innen. Anscheinend hatte sich Madame Melon sogleich zurückgezogen. Hinter ihr schloss sich die Tür und Juliette stieg die recht enge Wendeltreppe hinauf in das Obergeschoss, wo sie ihr Zimmer hatte. Leise schlich sie sich nach oben, bevor ihre Tante doch noch auf die Idee kam, weiter mit ihr sprechen zu wollen. Sie löste den Umhang von ihren Schultern und hängte ihn an einen Haken, seitlich an der Seitenwand ihres Kleiderschrankes. Juliette blickte suchend zurück auf den Flur. „Monique!“ „Juliette! Ihr seid wieder da, das hatte ich noch gar nicht mitbekommen.“ Die Angestellte war in Juliettes Alter und ihre einzige Bezugsperson, mit der sie über alles sprach. Die dunkelbraunen Haare hatte Monique unter einer weißen Haube zusammen gebunden und mit ihren braunen Augen lächelte sie Juliette an. „Ich komme gleich zu dir, ich muss nur kurz die Wäsche nach unten bringen.“ Juliette lächelte zurück und nickte. Es dauerte keine fünf Minuten, bis Monique in ihrem Zimmer stand. „Kannst du mir erstmal aus diesem engen Kleid wieder heraus helfen?“ „Natürlich!“ Sofort fing sie an die Schürung des Kleides zu lockern und zu öffnen. „Diese Kleider mögen ja schön aussehen, aber wenn ich die länger als zwei Stunden an behalten müsste...“ Monique lachte auf. „Nun, ich fürchte, da wirst du dich dran gewöhnen müssen. Am Hofe wirst du nicht die angenehm zu tragenden Kleider anziehen können.“ Augenblicklich sank Juliettes Kleid zu Boden, wie auch ihre kurzzeitige gute Laune. „Entschuldigt Juliette, ich weiß das es für Euch alles andere als Vergnügen bereitend sein wird.“ Mit ernstem Blick beobachtete Juliette, wie Monique ihr dunkelblaues Kleid, welches sie bereit gelegt hatte, von dem Bett nahm. Nur mit ihrem Unterkleid bekleidet war die Mehrzahl der rot leuchtenden Kratzer und die langsam blau anlaufenden Blutergüsse auf ihrer blassen Haut bereits sichtbar. Nur mit einem langärmeligen und ungebräuchlich hoch geschnittenen Ausschnitt konnten diese Male verdeckt werden. Auf ihrer rechten Schulter befand sich ein besonders dunkler und auffälliger Fleck. Sie hatte Monique am vorherigen Abend keine Erklärung für ihr Aussehen gegeben, überhaupt hatte sie an dem Abend kaum noch etwas gesagt. Monique hatte sie in Ruhe gelassen, mit dem Bewusstsein, dass wenn Juliette so weit war, sie schon mit ihr sprechen würde. Sie half Juliette in das Kleid zu steigen, doch versehentlich kam sie dabei gegen den Bluterguss an ihrer Schulter. Juliette verzog ihr Gesicht, gab jedoch keinen Ton von sich. Vorsichtig zog Monique das Mieder auf dem Rücken zusammen und endlich konnte sich Juliette dazu überwinden Monique von dem Vorfall mit dem Marquis zu erzählen. „Er ist immer näher auf mich zugekommen, hat mir über die Wange gestrichen, seine Hände sanken immer tiefer...“ Sofort spürte sie, dass sie noch immer nicht in der Lage war ohne Tränen davon zu erzählen. Doch Monique hatte bereits verstanden, was vor sich gegangen sein musste, auch wenn es unvorstellbar erschien. Soweit sie wusste, war es das erste Mal gewesen, dass Juliette überhaupt auf den Marquis getroffen war. Während Monique in diesen Gedanken vertieft war, fasste Juliette sich wieder. Sie wischte sich die Tränen streng von der Wange und straffte ihre Schultern. „Was steht heute noch an?“, fragte sie nun wieder an Monique gewand. „Madame hatte mir noch aufgetragen dein neues Kleid vom Schneider abzuholen und für heute Abend hat sich Monsieur Trèsville mit seiner Frau und zwei Begleitern angekündigt.“ „Mit zwei Begleitern?“, fragte Juliette überrascht. „Ja, ich glaube sie sind Musketiere.“ „Aber warum kommen sie mit? Monsieur Trèsville ist doch sonst mit seiner Frau auch alleine gekommen.“ „Da überfragst du mich ausnahmsweise. Aber ich hoffe sie sind noch jung und sehen gut aus.“, dabei zwinkerte Monique ihr zu. Juliette hatte die morgendlichen Ereignisse verdrängt und war zu einem Spaß aufgelegt. Sie drehte sich schnell um und langte nach einem Kissen von ihrem Bett, dann warf sie es Monique entgegen. Diese lachte laut auf. „Hey! Hättest du dann Lust mit zum Schneider zu kommen?“ „Ja, gerne. Im Moment ist mir alles lieb, solange ich nicht mit meiner Tante verkehren muss...“ Monique hatte mal wieder augenblicklich den stummen Wink verstanden. „Sagen wir in zehn Minuten vor dem Haus?“, schlug Juliette nun vor. Monique nickte zustimmend und huschte aus dem Zimmer. Juliette hingegen blickte einfach noch einige Minuten aus dem Fenster und beobachtete das mittägliche Treiben auf den Straßen. Dann erhob sie sich, legte sich ihren Mantel um, schlich die Treppen hinunter und trat vor die Tür. Kurze Zeit später erschien Monique neben ihr. Ohne ein weiters Wort zu wechseln gingen die beiden jungen Damen los. Als sie einer Gruppe Musketieren begegneten, fiel Juliette wieder ein, dass Aramis ebenfalls einer von ihnen war. Ob er es ist, der Monsieur Trèsville heute Abend begleiten wird? Bei diesem Gedanken spürte sie, wie ihr Herz auf einmal schneller Schlug. Auch wenn sie sich immer noch nicht stark genug fühlte, um Juliette von den Geschehnissen mit dem Marquis zu erzählen, so wollte sie ihr zumindest von dem Musketier berichten. Kurz warf sie einen schweifenden Blick um sich, niemand schien sie zu beachten. „Monique?“ Sie wand den Kopf zu Juliette um und sah sie neugierig an. „Auf dem Rückweg gestern... ich habe Zuflucht in einer Kirche gesucht, um mich zu beruhigen und zu ordnen. Da hat mich ein junger Edelmann angesprochen. Er hat versucht den Grund für meine Tränen heraus zu finden und wollte mich ablenken. Wir sind schließlich ein wenig im Jardin du Luxembourg spazieren gegangen. Doch war das Wetter noch immer so stürmisch, dass ein Windstoß mir den Mantel aufwehte und er meine Blessuren sehen konnte...“ Gebannt betrachtete Monique sie und Juliette konnte ihrem Gesicht ablesen, dass sie unbedingt wissen möchte, wie es weiter ging. „Nun ja, er wollte beharrlich erfahren, wer das war...aber ich schwieg darüber. Schließlich verabschiedete ich mich und ging.“ „Wie, einfach so?“, hakte Monique fast enttäuscht nach. Juliette nickte mit einem verschmitzen Lächeln auf den Lippen. „Und weißt du, wer dieser besorgte Edelmann war? Sah er gut aus?“ Moniques Augen funkelten vorwitzig. Juliette schmunzelte. „Er ist Musketier und sein Name, den er mir genannt hatte, war Aramis.“ „Und nun sag schon, sah er gut aus?“, drängte Monique sie. Absichtlich ließ Juliette noch einen Moment vergehen, dann antwortete sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Ja, er sieht gut aus. Seine Augen sind fast schwarz, wie auch seine Haare. Ein zartes Gesicht mit rosigen Lippen...“ Sie stockte, geriet sie doch gerade tatsächlich in schwärmende Beschreibungen dieses Herrn? Plötzlich ging Monique noch einen Gedankengang weiter. „Ah, nun verstehe ich. Du überlegst, ob er einer der Begleiter Monsieur Trèsvilles sein wird?“ Ertappt liefen Juliettes Wangen leicht rot an, sie nickte. Zum Glück waren sie inzwischen beim Schneider angelangt und das Gespräch somit vorerst beendet.
Nach der Anmeldung geht es weiter!
Dieses Kapitel und viele weitere sind verfügbar für Mitglieder. Jetzt anmelden!
Noch kein Account? Jetzt registrieren!