Kapitel Ehrlichkeit
Athos blieb einen Moment vor der geschlossenen Tür stehen. Sein Innerstes war in Aufruhr, noch nie war ihm so etwas widerfahren, noch nie hatte er einen geliebten Menschen so hintergangen. Selbst sie nicht. Er war treu, war es immer gewesen … aber hatte er Aramis wirklich betrogen? Seltsamerweise war keine Reue in ihm, er mochte Dorain, war ihm überaus dankbar und wollte ihn keinesfalls als Freund verlieren, allein, er liebte ihn nicht. Er hatte mit ihm geschlafen, weil sein Körper es verlangte, weil Dorain ihm überaus sympathisch war, ja, weil er sich in ihm wiedererkannte, aber nicht, weil er ihn liebte. Und er war sich sicher, dass Dorain dieses Gefühl erwiderte. Auch sein Herz gehörte einem anderen – doch dieser war tot, und wie musste Dorain sich nun fühlen? Wieder allein, wieder im Stich gelassen? Voller Gewissensbisse öffnete er schließlich die Tür – Dorain stand am Fenster, den Hut in der Hand, er war bereits vollständig angekleidet, in Montur und Waffen, und blickte hinaus in die nachtschwarze Dunkelheit. Bei Athos` Eintritt wandte er sich um und sah seinem Gefährten mit auffallend bleichem Antlitz, doch wie immer ruhig und gefasst entgegen. „Bitte verzeiht, Athos, dass ich noch nicht gegangen bin! Doch ich wollte Eure Unterredung mit Monsieur Aramis nicht stören. Erlaubt, dass ich mich nun verabschiede. Adieu.“ Und damit setzte er seinen Hut auf, ergriff seine Muskete und wandte sich zum Gehen.
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