Kapitel Bad
Parbleu, das Wasser des Flusses war empfindlich kalt, und das zwar sonnige, aber spätherbstlich kühle Wetter lud keineswegs zum Baden ein! Doch Aramis biss die Zähne zusammen und begann sogleich, sich mit raschen Griffen zu entkleiden. Sei`s drum, in den Schlafkammern des Pariser Priesterseminars herrschte nur zu oft ebenso eisige Kälte, vom Inhalt der blechernen Waschschüsseln ganz zu schweigen! Er hatte eine kleine, ruhige Bucht ausgespäht, von glattgeschliffenem Gestein eingefasst und mit weichem, sandigem Ufer, seine Kleider samt Handtuch hingen diskret überm Ast eines jungen Erlenstamms, und so watete er nun entschlossen hinein ins sanft rieselnde Wasser. Er schauderte unwillkürlich, doch seine Glieder gewöhnten sich schließlich an die kalte Temperatur, und so beugte er sich nieder, um sich gründlich von oben bis unten zu waschen. Er atmete auf, trotz der empfindlichen Kälte, genoss das frische klare Wasser - ah, welche Wohltat, den Staub der Heerstraße endlich loszuwerden! Drüben am anderen Ufer herrschte abendliche Stille, kein Windhauch, nichts regte sich im dunklen Gebüsch. Das stete Rauschen des Flusses drang ihm ins Ohr, hüllte ihn ein und erfüllte seine Seele. Welch liebliches Bild, welch herrliche Natur, so fern allem Kriegslärm, berückend und schön! Ach, wäre er doch gemeinsam mit seinem Liebsten hier! Aber Athos schlief wohl bereits, in seinem Zelt, zusammen mit seinem blonden Gefährten. Aramis schlug resigniert die Augen nieder, wandte sich um und schickte sich an, zurück zum Ufer zu waten. Doch als er aufblickte, erschrak er bis ins Mark - am Rande der kleinen Bucht stand ein Mann.
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