Kapitel Dorain
Dorain nickte lächelnd, wandte sich um und schritt seinem Waffengefährten voran die schmale Gasse hinunter. An ihrem Ende angekommen, bogen sie links ab und erreichten ein behäbiges, respektables Bürgerhaus. Der Musketier hielt vorm Eingang und öffnete den schweren Torflügel. Sie durchquerten die Einfahrt, betraten einen kleinen Innenhof, in dessen Mitte ein Brunnen stand, und stiegen unter leisem Sporenklirren einen engen, gemauerten Treppenaufgang empor. Vor der Türe zu Dorains Wohnung machten sie Halt, der Schlüssel knirschte im Schloss, schon stand sie offen - „Herr Kamerad, wenn Ihr bitte eintreten wollt? Pardon, es ist ziemlich finster hier, ich mache sofort Licht!“
Athos folgte der Einladung, hielt jedoch im Flur inne, bis Dorain einen Kandelaber angezündet hatte. Es fühlte sich seltsam an, hier in dieser fremden Wohnung zu stehen, war er doch seit mehreren Jahren nur noch bei seinen engsten Freunden zu Besuch gewesen. Was sich dann schon nicht mehr als Besuch, sondern als ´Heimkommen´ angefühlt hatte. Er wusste nicht recht, warum er Dorains Vorschlag gefolgt war, vermutlich, weil die Aussicht, zu Hause alleine eine Flasche Cognac zu leeren, nichts besonders Reizvolles an sich hatte. Andererseits wurde ihm gerade jetzt mit Macht bewusst, wie einsam er war, seit Aramis und Porthos die Stadt verlassen hatten, fünf Jahre lang hatten sie sich täglich mehrmals gesehen, und nun waren seine Freunde fort. Die Plätze, die Straßen, alle Orte waren noch da, aber nichts war mehr wie zuvor, er hatte das Gefühl, etwas Lebenswichtiges verloren zu haben, fand sich ein wenig wie ein Kind im Wald, allein und völlig orientierungslos – während eine bissige Stimme in seinem Hinterkopf sich über ihn lustig machte und ihn verspottete, was hatte er auch erwartet? Im Leben gab es nur eine Konstante, und das war die Veränderung.
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