Beginn einer Freundschaft von kaloubet und Aramis
Durchschnittliche Wertung: 5, basierend auf 30 BewertungenKapitel Bordeaux
Am nächsten Morgen klarte das Wetter auf, der triste Dauerregen hatte glücklich aufgehört, die Sonnenstrahlen vertrieben die grauen Wolken, und die drei Gefährten stiegen, dank des ausgiebigen Frühstücks, in weit besserer Laune zu Pferd als sie tags zuvor hier angekommen waren. Porthos schwang sich hochgemut in den Sattel, Athos und Aramis taten desgleichen, wenn auch der Letztere mit noch ein wenig steifen Beinen vom anhaltenden Muskelkater, und so setzten sie sich nun gemeinsam wieder in Marsch, hinaus auf die offene Landstraße, auf der sie ihr heutiges Ziel, die Stadt Cognac, möglichst zügig zu erreichen gedachten.
Schon seit ihrem Aufbruch aus Paris waren sie so geritten, Seite an Seite, in munterem Trab, und dennoch, so schien es Aramis, war heute Morgen alles anders. Die letzte Nacht hatte ihm seine beiden Kameraden nähergebracht - vor allem Athos, den er bisher nur mit den Augen eines Halbwüchsigen als das wahre Inbild eines Ritters ohne Furcht und Tadel angestaunt hatte. Doch nun wusste er, auch hinter dieser Stirne schlummerten bange Ängste, auch in dieser Brust wohnten Schmerz und Pein - wie anders wäre denn jener Alpdruck zu erklären, der Athos in tiefer Nacht überfiel und den er versuchte, mit Wein zu betäuben! Auch er, René, nun genannt Aramis, war nur zu oft des Nachts in Schweiß und Tränen erwacht, damals in jener furchtbaren ersten Zeit im Konvikt, als er es fast nicht aushielt, eingesperrt hinter diesen kalten Mauern! Er entsann sich nur zu gut - und ebenso hatte sich ihm die Erinnerung an jenen jungen Präfekten eingebrannt, den er, als er wieder einmal nachts in Tränen gebadet erwachte, an seinem Bett sitzen sah, seine bebende Kinderhand in der seinen. Er hatte nur dagesessen und ihn angesehen, sanft und ein wenig rätselhaft, und ihm sachte über die zitternden Finger gestrichen, bis er, René, endlich wieder eingeschlafen war. Von da an sah er den jungen Erzieher des öfteren an seinem Bett, wenn er vor Verzweiflung und Heimweh kein Auge zutun konnte - doch von einem Tag zum andern war der junge Mann verschwunden. Versetzt in ein fernes Kloster in der Provinz, so hieß es. Und so musste er, René, lernen, seinen Schmerz alleine zu überwinden.
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