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Kurze Zeit später saßen sie um Athos´ Bettstatt in der kleinen Kammer herum. Tréville hatte Käse, Brot und besten Wein spendiert und seinem erretteten Musketier Hausarrest auferlegt, in seinem eigenen Haus, um ihn, wie er sagte, ein wenig im Auge behalten zu können, habe er doch die ungesunde Angewohnheit, halb tot zu Duellen oder in Arbeitszimmern zu erscheinen. Athos, zu erschöpft um zu protestieren, hatte nur genickt, noch immer konnte er nicht glauben, dass es nun vorbei war, dass er wieder zu den Menschen gehörte und nicht mehr zu den Bestien. Immer wieder fuhr er sich sacht mit der Zungenspitze über die Zähne, nun wieder normal menschlich und nicht mehr lang und spitz, immer wieder betrachtete er die Wunden an seinen Handgelenken und in seiner Hand, die nun nicht mehr schnell verheilten – und gerade hielt ihm Porthos ein Glas Wein hin. „Hier mein Freund“, erklärte er, „Ihr könnt es brauchen, so viel Blut wie Ihr verloren habt. Das muss ersetzt werden.“
Er nahm das Glas, roch daran, roch den Wein, aber nicht länger das Glas, die Menschen um ihn herum, den Staub, die Mäuse, die Laken und was sich noch alles in diesem Zimmer befand. Es war eine Wohltat, nicht mehr alles zu riechen, alles zu hören, nicht mehr tausend Eindrücken, Gerüchen und Visionen ausgesetzt zu sein, sondern nur das wahrzunehmen, was dem Menschen eigen war. Vorsichtig nippte er an dem Wein, er brannte in seinem wunden Mund, schmeckte aber köstlich, nach Beere, nach Tabak, nach Zimt und ein wenig nach Holz. Wie oft hatte er dergleichen Leckerei achtlos hinuntergestürzt … Auch Brot und Käse schmeckten, als äße er sie zum ersten Mal, er kaute langsam bedächtig, nicht nur, weil die harte Kruste des Brotes schmerzte, sondern weil er hätte weinen können vor Glück.
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