Confrontation avec Richelieu von kaloubet
Durchschnittliche Wertung: 5, basierend auf 53 BewertungenKapitel Un paradies vert
Ihre Hände griffen nach dem Schilf, teilten es, dann zog sie sich nach vorne, zog ihre Beine aus dem Schlick, machte einen Schritt, versank wieder bis über die Waden im Schlamm. Die scharfen Blätter des Schilfes schnitten in ihre Hände, seine Wurzeln und andere versunkene und undefinierbare Dinge in ihre Füße. Sie waren barfuß, denn der Schlamm hätte ihnen sowieso jegliches Schuhwerk von den Füßen gesogen. Das Schilf stand dicht, was einerseits bedeutete, dass sie vor den Blicken etwaiger Verfolger geschützt waren, aber andererseits das Fortkommen zu einer Tortur werden ließ. Athos ging vor ihr, wenn man bei ihrer Fortbewegung denn von einem Gehen sprechen konnte, und versuchte, ihr eine Art Weg zu bahnen, aber die Halme schlossen sich hartnäckig und schnell wieder, als ob die Natur ihnen den Zugang zu dem Sumpfgebiet verweigern wollte. Sie hatten La Rochelle mit Claires Hilfe verlassen, ohne auf die Soldaten zu treffen. Claire hatte sie zuerst durch ein Gewirr von Gassen und Gässchen bis in die Nähe des Hafens geführt. Als sie in Hörweite der Soldaten gewesen waren, hatte sie sie zu einem kleinen Häusschen gebracht, das als Waschhaus diente. Dort, im Wasser und unter den vorspringenden Waschtrögen versteckt, hatten sie abgewartet, bis die Soldaten weiter gezogen waren. Der Hafen selbst war zwar bewacht gewesen, aber Claire hatte sie durch einen Hintereingang in die Fischerhütte ihres Vetters geführt und dann den Wachposten in der Nähe der Hütte abgelenkt, was ihr ein Leichtes gewesen war, da sie ihn seit seiner Geburt kannte. Da die meisten Soldaten die Häuser überprüften, konnten sie sich so unbemerkt ins Wasser gleiten lassen und zur Stadtmauer tauchen. Wieder einmal. Direkt hinter der Stadtmauer begann, laut Claire, ein Sumpfgebiet, in das sich niemand wagte, ohne dazu gezwungen zu sein. Es zog sich bis zur Küste gegenüber der Ile de Ré hin, war aber schwierig zu durchqueren – und nun standen sie am Anfang dieses Gebietes, im Schilf, bis zur Brust im schlammigen Wasser, zerschnitten sich Hände und Füße und kamen kaum voran.
Sie biss die Zähne zusammen und machte weiter, einen Schritt, wieder einen. Neben ihr quakte eine Ente anklagend auf, schwamm schnell davon. Sie konnte das, die Glückliche. Immer wieder flogen Wasservögel auf, aber sie gingen weiter, denn die Dämmerung begann hereinzubrechen und ihre Verfolger, sollten die Soldaten ihre Spur denn gefunden haben, konnten die Tiere kaum mehr ausmachen. Außerdem konnte ihr Auffliegen verschiedenste Ursachen haben. Und sie wollte die Nacht nicht im Schilf verbringen, schon jetzt spürte sie ihre Hände und Füße kaum noch. Das Wasser war kalt, so verdammt kalt und sie hatte das Gefühl, als ob sie schon viele Stunden in dieser Wildnis feststeckten. Bitte, lass das ein Ende haben. Da, als ob er ihr stummes Flehen gehört hätte, flüsterte Athos: „Der Boden wird fester.“ Tatsächlich, sie spürte es auch. Der Schlamm vermischte sich mit Sand, die Beine versanken nicht mehr bis über die Waden, und langsam, langsam, begann das Gelände anzusteigen, begann das Schilf sich zu lichten, bis sie schließlich auf einer Wiese standen. Auch die Wiese war nass, auch in ihr versanken ihre Füße, aber immerhin mussten sie nicht mehr Schilf teilen, um vorwärts zu kommen. Sie sah sich um. Hinter ihnen war Schilf, vor ihnen Wiese und am Horizont etwas dunkleres, Wald vielleicht. Von der Stadt war nichts mehr zu sehen, obwohl sie nicht weit entfernt sein konnte. Athos orientierte sich an den Sternen, die schon am Himmel zu sehen waren, wenn auch sehr blass, und sie gingen Richtung Norden, auf den Wald zu. Erst dort, auf einer leicht erhöhten und deswegen trockeneren Stelle, erlaubten sie sich, sich hinzusetzen. Anne blickte auf ihre Hosen, ihr Hemd und ihre blutigen und bloßen Füße. Alles war nass und von oben bis unten mit Schlamm bedeckt. Sie schüttelte den Kopf, sah zu Athos, der genauso aussah, und auf dessen Gesicht sie dieselbe Erschöpfung las, wie wohl auf ihrem zu sehen war. Hinter ihnen begann ein Wald, dunkel, aber anscheinend immer wieder durchsetzt mit sumpfigen Stellen, soweit das in der hereinbrechenden Dunkelheit überhaupt noch zu erkennen war.
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