Der Weinkeller zu Amiens und andere Prüfungen von kaloubet und Aramis
Durchschnittliche Wertung: 5, basierend auf 11 BewertungenKapitel Kapitel 1
Mon Dieu! Endlich!
Aramis fasste die Zügel fester, atmete tief auf und schloss einen Herzschlag lang die Augen - oh, wie hatte er auf diesen Moment gewartet, ihn in rastloser Ungeduld herbeigesehnt, seit er Marie`s so dringend erwarteten Brief in Händen hielt und d`Artagnan ihm von Athos` ungewissem Schicksal berichtete! Wie hatte es ihn gedrängt, in den Sattel zu steigen, ungeachtet aller Schmerzen, die seine verfluchte Wunde ihm nach wie vor bescherte! Ja, die Männer des Herrn Kardinals hatten gut gezielt, als sie dem jungen Gascogner und seinen Freunden auf der Landstraße unweit von Chantilly auflauerten! Ihre überraschenden Schüsse aus dem Hinterhalt trafen, Mousqueton stürzte verwundet vom Pferd und musste sich im schützenden Gesträuch am Wegesrand verkriechen, während er, Aramis, wahrlich von Glück sagen konnte, dass er es schaffte, sich mit einer Musketenkugel in der Schulter im Sattel zu halten! Doch als er und seine Freunde Crèvecoeur erreichten, war er mit seinen Kräften am Ende, seine Gefährten schleppten ihn hinein in die örtliche Herberge, ein Arzt wurde schleunigst herbeigerufen, und dieser, assistiert von zwei hünenhaften Schlächtergesellen, versah mit grimmiger Miene und ruhiger Hand sein blutiges Metier.
Nach der Anmeldung geht es weiter!
Dieses Kapitel und viele weitere sind verfügbar für Mitglieder. Jetzt anmelden!
Noch kein Account? Jetzt registrieren!
Kapitel Kapitel 2
Nach erfolglosem Einwand, den soeben georderten Wein betreffend, und gefolgt von Athos` vehementer Bekräftigung, er könne, verdammt nochmal!, auch ohne fremde Hilfe aufrecht stehen und gehen, gelang es den Freunden schließlich, dank d`Artagnans Nachgeben und Aramis` bemühter Diplomatie, den Schwankenden ins nächstgelegene Gästezimmer zu manövrieren, in dem nebst einem einfachen hölzernen Tisch und vier Stühlen auch zwei schmale Betten standen. Planchet war in der Gaststube geblieben, um dem Wirt Beine zu machen, doch Grimaud, der seinem Herrn wie immer getreu auf dem Fuße folgte, stolperte hinter den drei Gefährten über die Schwelle, ließ sich stöhnend auf eine der beiden Schlafstätten niedersacken, kippte sofort rücklings um und begann lauthals zu schnarchen, während d`Artagnan sich beeilte, Athos schnellstens einen Stuhl hinzuschieben. Aramis runzelte besorgt die Stirne und warf nochmals einen raschen, prüfenden Blick hinaus auf den Gang, ehe er diskret und unter leisem Seufzen die Türe schloss. Mon Dieu, die beiden englischen Herren hatten wahrlich einiges zu sehen bekommen!
Doch schon wenige Augenblicke später pochte es an der Türe, und die Stimme des Wirtes krächzte: „Meine Herren, Euer Wein! Das Badewasser kommt sofort, ich bitte ergebenst um ein wenig Geduld!“
Nach der Anmeldung geht es weiter!
Dieses Kapitel und viele weitere sind verfügbar für Mitglieder. Jetzt anmelden!
Noch kein Account? Jetzt registrieren!
Kapitel Kapitel 3
Aramis griff in seine Hosentasche und zog ein kleines flaches Kästchen aus feingeschnitzem Rosenholz hervor - er öffnete es, nahm behutsam das darin aufbewahrte Seifenstück heraus und tauchte es ins Badewasser. Sachte, mit langsamen, zärtlichen Strichen begann er, dem Freund ungeachtet seiner Worte Schultern und Rücken einzuseifen. Bei Gott, auch er wusste, wovon Athos sprach!
„Ich hätte wissen müssen, dass Ihr nie ohne Seife aus dem Haus geht“, murmelte Athos und gab sich einen Augenblick seiner Erschöpftheit hin. Wie unglaublich angenehm es war, so umsorgt zu werden, wie ungewohnt, lange vergessen. „Ihr solltet das nicht tun“, flüsterte er und wandte sich um, obwohl jede Faser seines Körpers protestierte, „gebt mir die Seife.“
Aramis fühlte einen Stich im Herzen, betroffen hielt er inne, doch dann öffnete er gehorsam die Hand und reichte seinem Gefährten das Seifenstück. Gesenkten Blickes ließ er sich am Tisch nieder, schlug die Beine übereinander und griff nach seinem Weinglas. Er schloss die Augen und nahm einen sachten Schluck, parbleu, der Wein war stark! Ein ideales Mittel, um sich zu betäuben, da hatte Athos recht. „Mon ami“, sprach er langsam und runzelte die Stirne, „bitte verzeiht, wenn ich frage. Warum rietet Ihr d`Artagnan vorhin, seine Geliebte zu vergessen?“
Nach der Anmeldung geht es weiter!
Dieses Kapitel und viele weitere sind verfügbar für Mitglieder. Jetzt anmelden!
Noch kein Account? Jetzt registrieren!
Kapitel Kapitel 4
Dort hatte Athos gerade nach der Weinkaraffe gegriffen und Aramis großzügig eingeschenkt. „Trinkt, mein Freund!“ Er hielt Aramis den Becher hin, „Ihr seht aus, als ob Ihr es brauchen könnt.“ Als es wieder klopfte und der Wirt mit den Hosen über dem Arm ins Zimmer kam, nickte er ihm zu. „Danke, guter Mann. Legt sie da über den Stuhl.“
„Sehr wohl, Monsieur!“ Der Wirt tat wie befohlen, zog bang den Kopf ein und verließ hastig das Zimmer. Mon Dieu, er kam sich tatsächlich vor wie unter feindlicher Besetzung! Oh, wollte Gott, dass diese schnellstens ein Ende fand!
Aramis sah stumm auf das dargebotene Weinglas in Athos` Hand nieder, und sein bleiches Antlitz verriet seinen inneren Zwiespalt. Doch alles Wehren nützte nichts, der Freund hatte es geschafft, ihn zutiefst zu verunsichern, ihn in seinen Grundsätzen wankend werden zu lassen! Und nun versuchte Athos, ihn darüber zu trösten, ehe er, Aramis, noch recht wusste, wie ihm geschah! Oh, wie schwach war er doch, und wie erbärmlich! Schon ein paar bloße Worte waren imstande, ihn im Innersten zu erschüttern! Jawohl, alles was er noch tun konnte, war, seine elende Scham darüber zu betäuben, ebenso wie den verfluchten Schmerz in seiner Schulter, der ihn nach wie vor peinigte und nicht von ihm weichen wollte. Sein Blick wurde hart, wortlos ergriff er das Weinglas und setzte es an die Lippen. Ihn schauderte plötzlich, einen Moment lang hielt er inne, doch dann holte er tief Atem, schloss krampfhaft die Augen und stürzte den Becher in einem Zug hinunter.
Nach der Anmeldung geht es weiter!
Dieses Kapitel und viele weitere sind verfügbar für Mitglieder. Jetzt anmelden!
Noch kein Account? Jetzt registrieren!
Kapitel Kapitel 5
Wenn man nicht näher hinsah, so hätte man den kleinen Trupp, der da im Licht der Abendsonne die Landstraße entlang trabte, für eine überaus prächtige, hochherrschaftliche Kavalkade halten können, beim Anblick der herrlichen Rosse und ihrer prunkvoll gefertigten Sättel, die einem König wohlangestanden hätten! Ja, selbst der Diener eines dieser Herren ritt einen schwarzen Hengst von edlem Feuer! Dieser jedoch schien seinem Reiter von Zeit zu Zeit ein wenig Probleme zu bereiten, als wollte er ihn auf die Probe stellen - doch dieses unwürdige Schaupiel gereichte den übrigen Reitern bloß zu amüsiertem Grinsen und Gelächter, und so vergingen die Stunden wie im Flug, ehe man schlussendlich die Ortschaft Crèvecoeur erreichte. Die Abenddämmerung hatte sich herabgesenkt, es war bereits dunkel, als die Reisenden vorm Gasthof hielten, und Hausdiener wie Stallknechte eilten sogleich herbei, um sich gewissenhaft um Gepäck und Pferde zu kümmern.
„Bonsoir, Messieurs!“, rief die Wirtin, eine stattliche Frau in mittleren Jahren, „Dieu merci, Ihr seid wieder zurück, Monsieur Aramis! Euer Diener, Monsieur Bazin, erwartet Euch sehnlichst, und gemeinsam mit ihm die beiden geistlichen Herren, die Euch, Ihr erinnert Euch gewiss!, mehrmals hier auf Eurem Zimmer aufgesucht haben!“
Nach der Anmeldung geht es weiter!
Dieses Kapitel und viele weitere sind verfügbar für Mitglieder. Jetzt anmelden!
Noch kein Account? Jetzt registrieren!
Kapitel Kapitel 6
Eine Weile waren nur das Klirren des Bestecks und Schlürfen zu hören, letzteres von Athos, der sich sagte, dass der einmal eingeschlagene Weg beibehalten werden musste, wenn der Rektor nicht misstrauisch werden sollte. D´Artagnan sah kurz irritiert zu seinem Freund hinüber, dessen Tischmanieren normalerweise untadelig waren, legte dann mit leisem Grinsen die Ellenbogen auf den Tisch und begann, die Suppe in sich hineinzuschaufeln, wie er es als Kind gern getan hatte.
Athos jedoch war weit davon entfernt, in Erinnerungen zu schwelgen, er beobachtete den Rektor aus dem Augenwinkel, und das selbstgefällige Lächeln, das dessen Mundwinkel umspielte, ließ ihm die Haare zu Berge stehen. Der Mann sah aus wie eine Katze, die weiß, dass ihm die Maus nicht auskommen kann. In der Tat hatte dieser Mensch sicher genug Einfluss, um bei Tréville und letzlich beim König darauf zu dringen, dass Aramis seiner ursprünglichen Bestimmung wieder zugeführt werde. Vor allem, wenn er auf das Seelenheil seines ehemaligen Zöglings verwies und den barmherzigen Samariter, der bereit sei, den Sünder wieder aufzunehmen, hervorkehrte.
Nach der Anmeldung geht es weiter!
Dieses Kapitel und viele weitere sind verfügbar für Mitglieder. Jetzt anmelden!
Noch kein Account? Jetzt registrieren!
Kapitel Kapitel 7
Wie sagte doch jenes lateinische Sprichwort? Erit, est, fuit. Wie wahr, wie wahr. Mon Dieu, Aramis musste schwer an sich halten, um ein abgrundtiefes Seufzen zu unterdrücken, wenn er an Buckinghams edles Pferd dachte, das er zwangsläufig diesem Schurken von Pferdehändler überlassen hatte, um seine immense Rechnung in der Herberge zu Crèvecoeur samt den Arztkosten zu bezahlen! Parbleu, glücklicherweise stand ihm d`Artagnan mit seinem wachsamen Misstrauen und seiner typisch gasconischen Pfennigfuchserei bei jenem erbärmlichen Handel zur Seite! Denn sonst hätte dieser verfluchte Rosstäuscher wohl nicht einmal die Hälfte des Wertes für dieses wahrhaft noble Tier herausgerückt! Aber dank d`Artagnans Verhandlungsgeschick und ungeniertem Feilschen sprang sogar ein kleiner Gewinn bei dem unliebsamen Geschäft heraus, und so war er, Aramis, nun wenigstens gut bei Kasse. Und das war, verdammt nochmal!, auch gut so. Denn wer konnte wissen, in welch prekärer finanzeller Lage Porthos steckte! Ärztliche Honorare waren, wie man sah, wahrlich schweineteuer, Kost und Logis in den meisten Herbergen ebenfalls nicht gerade billig, und so mochte der Freund, all seiner Barschaft ledig, wohl bereits am Hungertuch nagen, zusätzlich zu den Schmerzen, die seine Wunden ihm bescherten! Sacrédieu!
D`Artagnan`s helle Stimme riss Aramis aus seinen trüben Gedanken. „Seht, mes amis!“, rief dieser laut und wies auf die Silhouette einer Ortschaft am Horizont, „Chantilly!“
Nach der Anmeldung geht es weiter!
Dieses Kapitel und viele weitere sind verfügbar für Mitglieder. Jetzt anmelden!
Noch kein Account? Jetzt registrieren!