Die falsche Gräfin von AlienorDartagnan
Durchschnittliche Wertung: 5, basierend auf 3 BewertungenKapitel Ein absurder Plan
Orleans, September 1627
Es regnete in Strömen, als Alain und ich endlich in Orleans ankamen, jene Stadt, in der die Jungfrau Johanna von Orleans vor über zweihundert Jahren auf dem Marktplatz hingerichtet worden war. Mittlerweile war mein Umhang, genau wie der Rest meiner Kleidung, völlig durchnässt, und sein Gewicht fühlte sich auf meinen Schultern wie ein nasser Sack an.
Als wir durch den Regen über den menschenleeren, von Fachwerkhäusern umgebenen Marktplatz liefen, musste ich an die Jungfrau von Orleans denken, die so mutig gewesen war, für ihren König in den Krieg zu ziehen, und Frankreich so vor einer Invasion durch die Engländer gerettet hatte.
Ich bewunderte sie sehr für ihren Mut, denn ich selbst war alles andere als tapfer. Schon oft hatte ich mir geschworen, endlich eigene Wege zu gehen, und nicht mehr zusammen mit meinem Bruder durch die Lande zu ziehen.
Als unsere Eltern vor fünfzehn Jahren gestorben waren, waren wir völig mittelose Waisen gewesen, und er hatte fortan für uns gesorgt. Da war ich gerade zehn Jahre, und Alain vierzehn gewesen. Niemand hatte ihm Arbeit geben wollen, und wir beide waren damals dem Hungertod nahe gewesen. Wir wären in den Straßen von Paris gestorben, wenn Alaine nicht Anschluss an eine Bande von Straßendieben gefunden hätte, die das Stehlen als eine Art Handwerk betrachteten und ihm alles beigebracht hatten, was ein guter Dieb können musste. Meine Aufgabe war es seitdem gewesen, die Menschen abzulenken, während er ihnen die Geldbörse von den Gürteln schnitt.
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Kapitel Eine echte Gräfin
Alain brauchte eine Woche, um alles vorzubereiten. Zuerst stahl er auf dem Markt von Orleans Passanten ihre Geldbeutel. Ich musste die Leute ablenken, während er ihnen mit einer schnellen und geschickten Bewegung die Geldbeutel von den Gürteln schnitt und dann blitzschnell in der dichten Menge verschwand.
Dann nahm er mich mit zu einem Schneider, wo wir uns Stoffe für einen Mantel und für neue Kleidung aussuchen. Vier Tage mussten wir nach dem Maßnehmen auf die Kleidungsstücke warten, und während dieser Zeit kaufte Alain uns noch zwei Hüte, ich bekam einen weißen mit rotem Federschmuck, und er kaufte sich einen schwarzen, breitkrempigen Hut mit weißem Federschmuck.
"Als Gräfin musst du sowas tragen, alle adeligen Frauen tragen solche Hüte"; erklärte er mir, als ich bemerkte, dass diese Hüte einfach nur albern aussähen, "du wirst dich schon daran gewöhnen."
Danach sah er weisse Handschuhe, wie die adeligen Damen sie bei Ausritten trugen, und kaufte mir auch davon noch ein Paar.
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Kapitel Die Tyrannei des Adels
Alain schlug eines der wunderschönen bunten Glasfenster des prachtvollen Anwesens mit einem dicken Ast, den er von einem Baum abgebrochen hatte, ein. Dann half er mir hineinzuklettern, indem er mich hochhob, und kletterte anschließend selbst hinein.
Nun standen wir in einem großen Raum, der, so vermutete ich, der gräflichen Familie einst als Wohnzimmer gedient haben musste. Alles war mit Staub und Spinnweben bedeckt, und doch konnte man die einstige Pracht noch gut erkennen. Dieses Zimmer war mindestens zweimal so groß wie die Wohnung, in der wir in Paris mit unseren Eltern bis zu deren Tod gelebt hatten, alle vier in einem Raum.
Es gab einen Kamin, der so groß war, dass man darin einen Ochsen hätte braten können, und vor diesem Kamin standen zwei mit blauem Samt bezogene, staubbedeckte Sessel. Auf dem Boden lagen verstaubte rote Teppiche, und es gab noch eine ebenfalls mit blauem Samt bezogene Chaiselongue. An einer Wand hingen mehrere Gemälde in einer Reihe, fünf junge Männer, die sich auffallend ähnlich sahen, sie hatten allesamt schöne, edle Gesichtszüge. Ich vermutete, dass das die Bildnisse der letzten fünf Grafen de La Fère sein mussten. Vor etwa hundertzwanzig Jahren war es in Mode gekommen, dass Adelige Gemälde von sich anfertigen ließen. Nachdenklich betrachtete ich das letzte Bildnis in der Reihe. Edle Gesichtszüge, freundliche Augen die eine besondere Wärme ausstrahlten, konnte das jener Graf sein, der seine Frau erhängt hatte?
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Kapitel Wie eine Köngin
Nachdem Alain den Weinkeller entdeckt hatte, hatte er kein Interesse mehr daran, den Rest des weitläufigen Anwesens zu erkunden, und zog sich mit drei Flaschen leuchtend rotem Anjou-Wein in das große Wohnzimmer zurück. Ich machte mir große Sorgen, denn ich wusste aus Erfahrung, dass Alain, wenn er betrunken war, streitsüchtig, wenn nicht gar bösartig wurde. In so einem Fall war es am besten, ihm aus dem Weg zu gehen, bis er wieder nüchtern war. Ich hegte die Befürchtung, dass er die nächsten Tage und Wochen damit verbringen würde, die Weinvorräte des verschollenen Grafen erheblich zu schmälern.
Während er unten am Kamin, in dem noch kein Feuer brannte, hockte und sich bereits die zweite Flasche Wein aufmachte, ging ich die Treppe hinauf, um mir die Zimmer in den beiden oberen Stockwerken anzuschauen. An diesem Abend wollte ich nicht mehr nach unten gehen, ich hatte mir vorgenommen, mir mein künftiges Schlafgemach auszusuchen und die Nacht dort zu verbringen, denn allmählich wurde ich müde.
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