Kapitel Entraînement
Die Reithalle des Musketierregiments erwies sich als ein rechteckiges, gemauertes Gebäude mit gewölbtem Dach, massiver Balkendecke und hohen Bogenfenstern, die zu jeder Tageszeit viel Licht einließen. Zu beiden Seiten der Bande befand sich eine schmale Zuschauertribüne, mannshohe Spiegel füllten die Wandflächen zwischen den Fenstern, und in der Mitte des mit einem weichen Gemisch aus Sand und Sägemehl knöcheltief bedeckten Hallenbodens ragten zwei marmorne Pilaren auf, geschmückt mit dem königlichen Lilienbanner und der Standarte des Regiments.
Aramis drückte das schwere Tor auf und betrat die Halle, in Reitkleidern und Stiefeln, und auch die obligate lange Gerte aus Haselnussholz hatte er nicht vergessen – er kam ein wenig zu früh, denn sein Freund war noch nicht da, und so sah er sich neugierig um. Sein Herz begann beim Anblick des imposanten Gevierts schneller zu schlagen, und ein leises Prickeln überlief ihn, angesichts der unzähligen Hufspuren im Sand – ja, hier widmete man sich einer der ältesten und edelsten Künste der Menschheit, die schon seit den Tagen Xenophons in voller Blüte stand und über welche die besten und berühmtesten Reitmeister aller Jahrhunderte dicke Bücher schrieben! Parbleu, was würde ihn nun hier erwarten? Schweißtreibende Arbeit, soviel war sicher! War er doch noch nie Hohe Schule geritten und hatte dementsprechend eine Menge zu lernen! Er wandte sich nervös um, wo Athos nur blieb? Doch da öffnete sich bereits das Tor, pünktlich mit dem zehnten Glockenschlag vom nahem Kirchturm, und sein Freund trat gemessenen Schrittes über die Schwelle, an der Hand einen kräftig bemuskelten, glänzend gestriegelten Rappen, in dem Aramis sogleich Bajazet, Athos` formidablen Reithengst, erkannte. Dahinter, in gehörigem Respektabstand, erschien Grimaud, Athos` treuer Diener.
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