Kapitel Kapitel 1
Kapitel 1
„Madame haben geläutet?“ Die ältliche Zofe schloss sachte die Türe zum Ankleidezimmer hinter sich und vollführte einen steifen Knicks, während sich ihre Dienstgeberin leichtfüßig von der Chaiselongue erhob.
„Jawohl, das habe ich!“, rief Madame de Chanlecy und befahl ihre treue Dienerin mit einladender Geste zu sich, „komm, meine liebe Griselda, so tritt doch bitte näher!“
„Wünschen Madame, dass ich Hochdieselbe frisiere?“, fragte die Zofe, mit kritischem Blick auf das infolge der morgendlichen Stunde noch etwas wirre Haar ihrer Herrin, doch Madame de Chanlecy winkte lebhaft ab. „Später, meine Liebe, später! Zuerst die wunderbare Neuigkeit! Ich werde nämlich – oh, ma chère, höre nur! – also, meine liebe Griselda, ich werde mich wieder vermählen!“
„Vermählen?”, rief Griselda aus und klatsche ganz unbewusst in die Hände, „oh, pardon, Madame, aber das ist ja eine wunderbare Nachricht. Und wer … also, darf ich fragen … verzeiht, wenn ich es dürfte … oh, Madame, nun ja, wer ist es denn?” Ihre Wangen färbten sich dabei abwechselnd weiß und rot, war sie sich doch nur zu klar bewusst, dass das eigentlich nicht anging! Eine Zofe hatte keine Fragen zu stellen, eine Zofe hatte zu frisieren, punktum. Aber sie kannte Madame de Chanlecy nun schon so lange, dass ihr Verhältnis einen kleinen Hauch von Freundschaft hatte, ja mehr noch: Griselda, die selbst unvermählt und kinderlos war, wachte über ihren Schützling mit dem Argwohn einer Glucke.
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Kapitel Kapitel 2
Nach einem exquisiten und mehrgängigen Abendessen – „mon cher Abbé, Ihr esst ja gar nichts! Hier, versucht die Trüffelpastete … und die Schweinshaxe, die ist wirklich zum Niederknien … und dort, das Kalbsragout, das zergeht auf der Zunge!“- das für ein ganzes Regiment gereicht hätte, verabschiedete sich die Herrin des Hauses, was Porthos ein breites Grinsen entlockte, nachdem er ihr ehrerbietig die Hand geküsst und sie für ihre Haushaltsführung gelobt hatte. „Parbleu, meine Herren, nun ist ein Verdauungsschnäpschen angebracht, wahrhaftig! Ich habe da einige Flaschen besten Cognacs, außerdem einen Schnaps aus Kirschen, direkt aus den kalten Landen Deutschlands, Myrthenschnaps aus Korsika und einen wahrhaft göttlichen Branntwein aus Schottland.“ Er führte seine Gäste in einen kleinen, an das Speisezimmer angrenzenden Salon, in dem mehrere gemütlich aussehende Lehnstühle standen. Ein Feuerchen brannte im Kamin, und die Wände waren mit Bücheregalen bedeckt, doch die Rücken der Bücher sahen neu aus. Sehr neu und ungelesen. In der Mitte des Raumes stand Mousqueton – oder vielmehr Mouston, wie er sich nun nannte – mit einer Schürze um den dicken Bauch hinter einem Wägelchen, auf dem sich Gläser und Flaschen dicht an dicht reihten.
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Kapitel Kapitel 3
„Wie, Madame?“
Madame de Chanlecys Zofe sah ihrer Herrin erstaunt ins Gesicht, „ich soll alle Bediensteten unten in der Halle zusammenrufen?“ Mon Dieu!, durchzuckte es sie, was war denn nun schon wieder passiert?! Jawohl, es musste mit diesem gewissen Brief zusammenhängen, den die gnädige Frau heute morgen bekam! Sie hatte ihn, kaum dass sie das Kuvert in Händen hielt, sofort mit bebenden Fingern geöffnet und gelesen, ja regelrecht verschlungen, leuchtenden Auges und über und über rot wie ein verliebtes junges Mädchen! Ah, dieses Schreiben konnte demnach von keinem anderen als ihrem Herrn Verlobten stammen! Wie oft schwärmte Madame doch von diesem Edelmann, welche Lobeshymnen sang sie auf seine Waffenfertigkeit und seine Bravour! Und auf sein gutes Aussehen und seinen unglaublichen Charme, der sie vom ersten Augenblick an restlos für ihn eingenommen hatte! Bei allen Heiligen, was hatte er ihr wohl geschrieben? Die Gute war ja vor lauter Glück und Seligkeit komplett aus dem Häuschen!
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Kapitel Kapitel 4
Zum Henker, was machte er hier? Athos hatte sein Pferd zurückfallen lassen, es ging im Schritt hinter den anderen her, selbst Bazins und Mousquetons Maultiere hatten ihn überholt. Sein Hengst hatte unwillig geschnaubt, aber nachdem keinerlei Schenkelhilfen seines Reiters erfolgt waren, hatte er sich darein gefügt und sich dem langsamen Gang angepasst. Sie befanden sich auf einem breiten Weg, der von Montpont-en-Bresse zu jenem Château führte, das d´Artagnans Zukünftige bewohnte. Nur wenige Meilen trennten sie von ihrem Ziel, und dennoch wünschte der Graf sich weit weg von hier. Am besten nach Hause, nach Bragelonne, das vier Tagesreisen weiter westlich lag, wo nun, zur fünften Abendstunde, das Licht mild wurde. Hier hingegen war von Milde nichts zu spüren, es war fast schon dunkel, sie würden in der Nacht ankommen, wenn sie sich nicht sputeten. Kalt war es außerdem, es schneite leicht, und die Luft war schneidend, sie schmeckte nach Glas, wenn man sie einatmete. Dennoch waren es nicht die Unbilden des Wetters, die Athos´ Unbehagen verursachten, sondern die ganze Mission, auf der sie sich befanden. Eine Dame unter die Lupe nehmen. Ihre finanziellen und amoureusen Befindlichkeiten überprüfen. Parbleu! Nein, er wusste wirklich nicht, warum er mitgeritten war!
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Kapitel Kapitel 5
„Oh, da seid Ihr ja!“, rief Madame de Chanlecy dem Grafen bei seinem Eintritt zu, „wir fragten uns schon, wo Ihr steckt! Bitte, Monsieur le comte, tretet doch näher! – Und du, Maurice, serviere dem edlen Herrn sein Glas!“ Sie winkte dem stämmigen jungen Diener, worauf dieser gehorsam, wenn auch etwas linkisch, dem verspäteten Gast ein feingeschliffenes Weinglas auf silbernem Tablett präsentierte.
„Das ist bester Chardonnay!“, erklärte die Hausherrin stolz, während Athos das Weinglas dankend in Empfang nahm und prüfend betrachtete, „aus unserem eigenen Wingert! – Messieurs!“ Sie blickte lächelnd in die Runde ihrer Gäste, und ihre Wangen röteten sich noch mehr – hach, welch ein Anblick! Die drei Freunde ihres Herrn Verlobten standen diesem an Attraktivität wahrlich nicht nach und wirkten, von der auffallend schlichten Reisekleidung des Herrn Grafen einmal abgesehen, noch imposanter als sie es sich in ihren kühnsten Vorstellungen ausgemalt hatte! „So lasst uns nun unsere Gläser auf Eure glückliche Ankunft erheben! Mon cher fiancé, meine Herren, auf Euer Wohl!“
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Kapitel Kapitel 6
Aramis hatte kaum seine Antwort beendet, da wurde die Flügeltür zur großen Halle ein Stück weit geöffnet, und von draußen hörten er und seine Freunde d'Artagnans Stimme: „Jahaaa, schlaft gut, meine Liebe!“, worauf sich der Gascogner, mit dem Rücken voran, zur Hälfte durch den Türspalt schob. Sogleich erklang die Stimme der Hausherrin, weiter entfernt, sie befand sich wohl schon auf der Treppe zum oberen Stockwerk: „Ach, mein Liebster! Ich vermisse Euch jetzt schon! Mein Schlafgemach wird furchtbar einsam sein, ohne Euch! Wollt Ihr mir nicht doch Gesellschaft leisten?“
D'Artagnan trat erneut nach draußen, und seine Hand krallte sich in die Türfüllung, während er murmelte: „Gott bewahre, auf keinen Fall jetzt!“ Laut und in scherzendem Ton rief er zurück: „Aber meine Liebste, wo kämen wir denn da hin?! Ich weiß doch, Ihr benötigt Euren allerliebsten Schönheitsschlaf, und meine Anwesenheit würde Euch sicherlich um diesen bringen!“
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Kapitel Kapitel 7
Es roch komisch. Irgendwie weiblich. Vage Erinnerungen stiegen auf, vermischten sich mit Träumen, eine Frau, lasziv hingestreckt auf einem Bett, nur mit einem Hemd bekleidet, lange blonde Haare, die sich wie ein Fächer ausbreiteten, sie wogten, ein Weizenfeld im Frühling, es wechselte zu Violett, die Luft war sanft wie ein Kuss, Lavendelfelder, Lavendel…es roch nach Lavendel! Eindeutig! Er war jetzt wach, aber der Duft wollte nicht weichen, er reizte die Nase, durchwaberte das Zimmer, das nun, im hellen Morgenlicht, sogar passenderweise mauvefarbene Tapisserien aufwies. Bevor er sich die Frage stellen konnte, wo er war, kam die Erinnerung zurück. Madame de Chanlecy, die Gästezimmer, seines am Ende des Flurs, nur, dass er den aufdringlichen, aber nicht unangenehmen Geruch gestern Abend (oder besser heute früh?) nicht mehr bemerkt hatte. Er richtete sich auf, ja, an den Bettpfosten waren Lavendelsäckchen befestigt, und auch auf dem Nachttischchen stand eine kleine Schale mit getrockneten Blüten. Hm, hatte das etwas zu bedeuten, oder war das einfach eine Marotte der Hausherrin? Benutzte sie Lavendel so, wie andere Knoblauch benutzten, um unangenehme Gäste zu vertreiben? Er hob die Bettdecke und schwang die Beine aus dem Bett, dabei schnupperte er an seinem Nachthemd. Nein, er roch nichts, kein übermäßiger Schweißgestank, aber vielleicht sollte er Aramis diskret darauf ansprechen. Man roch sich ja selbst nur mäßig, doch frönte er regelmäßig der Dekadenz des Badens, also sollte damit alles in Ordnung sein. Auch Alkoholausdünstung war nicht zu bemerken, sie hatten zwar die Cognacflaschen geleert, aber er war fast nüchtern zu Bett gegangen. Pah! `Ernüchtert` traf es vielleicht besser! Er griff nach seinen Hosen und zog sie an, gefolgt von Hemd und Wams. Noch gestern Abend hatte er sich zum wiederholten Mal gefragt, ob er dieser Farce wirklich bis ans Ende beiwohnen wollte, doch immerhin war d´Artagnan sein Freund, und es ging um dessen Zukunft! Wenn er ehrlich war, traute er der Hausherrin auch nicht über den Weg, irgendetwas war seltsam an dieser Frau. Andererseits schien sie den Gascogner wirklich anzuhimmeln, aber das konnte täuschen. Parbleu, er war durch genug Höllen gegangen, um von der Falschheit der Frauen ein Lied singen zu können, aber auf der anderen Seite wiederum verdankte er ihnen den Himmel auf Erden! Nein, er wusste nicht, wie er zu dieser Anne Charlotte (welch bezeichnende Vornamen!) stehen sollte, wahrlich nicht! In einer Ecke seines Zimmers stand ein äußerst weiblich anmutender Schminktisch mit einem Spiegel und einer Wasserkanne, er tauchte die Hände ins Nass und wusch sich das Gesicht. Sein Antlitz sah ihm aus dem Spiegel entgegen, ja, er müsste sich rasieren, aber da war keine Seife. Lavendel, aber keine Seife. Es blieb ihm anderes nichts übrig, als das Zimmermädchen darauf anzusprechen, doch für heute musste es so gehen. Hm, oder Aramis? Der hatte immer so herrlich duftende Rasierseifen… parbleu! Woran dachte er da?! Das musste die Wirkung des Lavendels sein, der verweiblichte sogar die Gedanken! Mit beiden Händen fuhr er sich durch die Haare und ging zur Tür. Auf dem Flur hörte er leise Stimmen, er war anscheinend spät erwacht, unten frühstückten sie schon! Und in der Tat saßen alle, bis auf Porthos, um den ovalen Tisch und sahen auf, als Athos den Raum betrat.
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Kapitel Kapitel 8
„So, das Mittagessen hätten wir geschafft!“, brummte Dorette, die Köchin des Hauses, und wischte ihre kräftigen rosigen Hände an der Schürze ab, ehe sie sich aufseufzend am Küchentisch niederließ und die Ofenbank unterm Gewicht ihrer riesenhaften Figur wie immer leise ächzte. „Heiliger Himmel! Unglaublich, was diese Mannsbilder auf einen Sitz vertilgen können! Das gestrige Diner und das Frühstück heute morgen waren ja bereits mehr als üppig, aber das déjeuner grad eben übertraf wirklich alles! Hat man solche Vielfraße je gesehen?! Wenn die noch länger bleiben, dann werden sie mir meine Speisekammer und den Vorratskeller komplett leerfressen! Und was bleibt uns dann für den Winter? Ein bisschen eingelegter Kohl, ein paar saure Äpfel und trockenes Brot! Und was unseren guten Wein betrifft, von dem wird rein gar nichts übrigbleiben!“
„Jawohl, Madame la cuisinière!“, bekräftigte Lisette, das frisch angeheuerte zweite Küchenmädchen, eifrig. „Maurice erzählte mir vorhin beim Geschirrabräumen, der Herr Haushofmeister hätte sich schon drüber beschwert, dass die Herren gar soviel…ähm, Pardon! …saufen!“ Sie gluckste errötend, nach außen hin verlegen, doch im Innersten zutiefst erheitert.
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Kapitel Kapitel 9
„Das ist eine Alba Maxima, Monsieur.“ Der Gärtner verbeugte sich tief, fast schien es, als wolle er den Boden mit der Nase beackern, doch die Freude, dass dieser vornehme Herr seine Arbeit bemerkte, färbte ihm die Wangen rot.
„Eine wunderschöne Pflanze, sie blüht weiß, nicht wahr?“
„Jawohl, mein Herr. Weiß mit einem Hauch Creme und gefüllten Blütenblättern.“
„Bringst du sie gut über den Winter?“
„Ich gebe Stroh an die Wurzel, seht Ihr?“ Der Mann wies auf die Schubkarre, die neben ihm stand, „ein bisschen Pferdemist kann nicht schaden, aber nicht zu viel. Und wenn man sie regelmäßig schneidet, dann wird sie Euch jeden Sommer mit herrlichen Blüten erfreuen.“
„Sehr schön!“, lobte Athos. „Rosen sind auch mir die liebsten Pflanzen. So fein und doch so wehrhaft.“ Er nickte dem Gärtner zu und zog den Mantel fester zusammen. Es schneite zwar nicht mehr, aber der Wind war immer noch schneidend kalt. Trotzdem hatte er beschlossen, einen Spaziergang zu machen, es hielt ihn nicht mehr im Haus, so groß es auch war. Die ganze Geschichte begann ihn wahrlich zu bedrücken, noch immer haderte er mit sich selbst, ob es nicht besser war, abzureisen. Die Rosen waren eine willkommene Ablenkung, selbst jetzt, zu Beginn des Winters.
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Kapitel Kapitel 10
„Ich muss jetzt erstmal den Kopf freibekommen.“
D’Artagnan redete beruhigend mit sich selbst und wandte seine Schritte in Richtung Stall. Unterwegs griff er nach dem vom Hausdiener - wie war noch gleich sein Name? - bereitgehaltenen Mantel und nach seinem Hut, warf sich beides achtlos und ohne ein Wort über und verschwand im Stall, wo er höchstselbst sein Pferd putzte, sattelte und zäumte. Herrlich, diese Routinetätigkeiten ohne jegliche Etikette ließen ihn wieder etwas entspannter in die Zukunft sehen!
Soeben führte er sein Pferd in den Hof, schnallte die Sporen an und stieg auf, als er eine Stimme – IHRE Stimme! – von der Freitreppe hörte: „Huhuuuu, Liebster, so wartet doch auf mich, ich komme miiiiit! Herr Stallmeister, wo bleibt meine Stute?“
Wie gewünscht führte der Stallmeister das Pferd zur Aufstieghilfe, die Anne Charlotte begierig erklomm und sich ungelenk im Seitsattel zurechtsetzte.
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Kapitel Kapitel 11
„Morbleu!“, murmelte Porthos entgeistert, nachdem er seine unsägliche Verblüffung ein wenig überwunden hatte, „bei allen Teufeln, was ist denn in unseren Gascogner gefahren?“
„Sieht so aus, als wäre ihm was Gravierendes über die Leber gelaufen!“, raunte Aramis seinem großen Freund mit diskret gesenkter Stimme zu. „Nun ja, nachdem sich Madame de Chanlecy ebenfalls zurückgezogen hat, bleibt uns nichts anderes übrig, als bis zum Abendessen zu warten, um zu erfahren, was da passiert ist!“
„Verflucht, die Pferde - !“, erregte sich der Hüne, „habt Ihr die zerrissenen Zaumzeuge und den ruinierten Sattel gesehen?! Die sind eindeutig durchgegangen! Diable! Das gibt’s doch nicht! D`Artagnan ist ein erstklassiger Reiter, dem geht niemals ein Pferd durch!“
Aramis schmunzelte. „Ihm vielleicht nicht, aber eventuell seiner Verlobten?“
„Na, und wenn schon! Dann wäre er ihr eben sofort hinterher gesprengt und hätte ihre widerspenstige Stute gleich am Zügel gepackt! Parbleu! Das macht man als Kavalier doch ständig, bei der Herbstjagd!“
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Kapitel Kapitel 12
D’Artagnan warf die Tür hinter sich zu, stand einige Momente mit geballten Fäusten mitten im Zimmer und spürte sein Herz klopfen. Er atmete einige Male tief ein und aus, es war einfach alles unmöglich, diese ganze Situation, in der er sich befand! Was machte er überhaupt hier? Er fühlte sich in diesem Moment gefangen, und es war alles so…..unwürdig….und falsch! Gegen seinen Willen spürte er Tränen in seine Augen steigen. Das durfte doch nicht wahr sein! Diese ganze Affäre machte ihn dermaßen dünnhäutig! Zu allem Unglück klopfte es auch noch an der Tür, woraufhin er laut, barsch, und möglichst knapp „Herein!“ rief, sich aber nicht umdrehte, sondern mit dem Rücken zur Tür stehen blieb. Er hörte, wie die Tür sich öffnete, vernahm tappende Schritte zum Sideboard an der Wand, ein Tablett wurde abgestellt, Glas klirrte leise. Dann die diskrete Stimme des Hausdieners: „Wünschen der gnädige Herr noch etwas zum Wein?“
Er drehte sich nicht um, suchte seiner Stimme Festigkeit zu geben. „Nein, nichts! Raus!“ war das einzige, was er hervorbringen konnte.
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Kapitel Kapitel 13
Als Athos am nächsten Morgen aus dem Fenster sah, lag die Welt unter einer weißen Decke. In der Nacht war Schnee gefallen, reichlich sogar, und durch die Bäume des Parks schien eine zögerliche Morgensonne, die violett-rosafarbene Lichtreflexe auf die helle Fläche zauberte. Ein verwunschenes Bild, wobei der Dunst, der vom Fluss aufstieg, die Kälte des Morgens bewies. Trotzdem öffnete der Graf die Fensterflügel und atmete einen Moment lang die eiskalte Luft ein, bis ihn schauderte und er das Fenster wieder schloss. Er hatte sich inzwischen mit seinem Aufenthalt hier ausgesöhnt, es kam ihm nicht mehr so grausig falsch vor, sich in die Angelegenheiten seines Freundes einzumischen, denn dieser schien Hilfe wahrlich gebrauchen zu können. Auch wenn ihm, Athos, Ratschläge zuwider waren, so wollte er doch sein Wort halten und den beiden zukünftigen Eheleuten ein Gespräch nahelegen. Führen, das hatte er sich geschworen, mussten sie es aber selbst. Nach einer sorgfältigen Morgentoilette ging er in den Speisesaal, nur um diesen leer und verlassen vorzufinden. Parbleu, noch nicht einmal das Frühstück war angerichtet, und dabei mochte es auf acht Uhr zugehen. Immerhin tat sich etwas in der Küche, das konnte er von hier hören, und als er diese betrat, war die Köchin auch gerade über einen großen Topf mit Milch gebeugt, in die sie Flocken einrieseln ließ.
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Kapitel Kapitel 14
Mon Dieu! Warum hatte Madame noch immer nicht geläutet?! Griselda, die ältliche Zofe, schüttelte besorgt den graumelierten Kopf. Sie lauschte abermals angestrengt an der geschlossenen Türe zum Boudoir ihrer Herrin, doch dahinter war alles mäuschenstill, nichts regte sich im Zimmer. Himmel, was war gestern Abend nur geschehen?! Madame war zutiefst niedergeschlagen, ja vollkommen verzweifelt gewesen, sie konnte kaum ihre heißen Tränen zurückhalten! Und als sie, Griselda, behutsam zu fragen wagte, was der gnädigen Frau denn solchen Kummer bereite, hatte ihre Herrin sie nicht wie sonst ins Vertrauen gezogen sondern ihr im Gegenteil befohlen, sich hinauf in ihre Kammer zurückzuziehen, denn sie wolle allein sein! Oh, die Ärmste hätte wohl allen Beistand gebraucht, so aufgelöst, wie sie war! Aber Madame scheuchte sie, Griselda, sogleich hinaus, und damit erfuhr sie klarerweise nicht das Geringste! Aber nun hatte sich hoffentlich der Sturm wieder gelegt, und sie konnte es wagen, ihre Herrin aufzusuchen. Sie musste ihr ja schließlich beim Ankleiden helfen!
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Kapitel Kapitel 15
Nach einem ausgedehnten Frühstück, das den gesamten Vormittag in Anspruch nahm, hatten Athos, Porthos und Aramis beschlossen, einen Ausritt zu machen, um nicht nur an gedeckten Tischen zu sitzen, zumal der Tag geradezu dazu einlud: Die Sonne strahlte von einem eisblauen Himmel, und der in der Nacht reichlich gefallene Schnee glitzerte, dass man schier die Augen zukneifen musste. Die Luft war rein und kalt, und weiße Atemwölkchen standen vor den Nüstern der freudig tänzelnden Pferde. Mit dem Erscheinen der beiden Verlobten rechnete niemand, doch als Porthos eben den Fuß in den Steigbügel stellte und Athos und Aramis schon im Sattel saßen, waren sie aufgetaucht. Strahlend und deutlich frischer als noch vor wenigen Stunden. Die Baronin hatte rasch einen offenen Schlitten anspannen lassen, und bald war die Partie unterwegs, durch den schneebedeckten Winterwald und über Feld und Flur. An einem schon halb zugefrorenen See legte man eine Rast ein, zwischen d´Artagnan und Porthos entspann sich eine Schneeballschlacht, an der am Ende alle, selbst die Frau Baronin, lachend teilnahmen, und nun - der Tag ging schon zur Neige, und die Bäume warfen lange Schatten - kehrten alle im Schritt am langen Zügel zum Schloss zurück.
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Kapitel Kapitel 16
Kardinal Richelieu blickte unwillig von dem Schriftstück auf, das er soeben gelesen hatte. Was gab es denn nun wieder?! Nie, wirklich niemals konnte man sich in diesem Tollhaus auf etwas in Ruhe konzentrieren! Und dabei war der Bericht, der hier vor ihm lag, wahrhaft faszinierend: Ging es doch um die Tiefe der Häfen, die geeignet waren, die neue Flotte aufzunehmen, die er, Richelieu, trotz der Indifferenz seines Königs auf die Beine zu stellen gedachte! Leider, leider gab es nur wenige Hafenbecken, die tief genug waren, da würden seine Ingenieure noch einiges zu tun bekommen. Schon wollte er das Schreiben wieder zur Hand nehmen, da klopfte es ein zweites Mal.
„Herein!“, rief er ungehalten, und sein Sekretär schob sich schüchtern durch die behutsam geöffnete Türe. Er hatte bereits am Tonfall erkannt, dass die Stimmung Seiner Eminenz an Sturm gemahnte. Besser, er hielt seine Meldung so knapp wie möglich und verschwand anschließend gleich wieder!
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Kapitel Kapitel 17
Anne Charlotte und Athos verließen die Küche, und im gleichen Moment traten d'Artagnan, Aramis und Porthos in den Flur.
„Mein Herzallerliebster!!“
„Meine süße Amazone!!“
Die Baronin flog ihrem Verlobten entgegen, dieser breitete die Arme aus, wirbelte sie herum und blieb dann mit ihr in einer engen Umarmung stehen.
Die drei Freunde beobachteten das Schauspiel grinsend.
D'Artagnan hielt sie umfasst, strich über ihr blondes Haar, das in wilden Strähnen außerhalb der kunstvoll drapierten Frisur auf ihre Schultern fiel, während sie sich eng an ihn schmiegte und sich seiner Umarmung völlig hingab. Er merkte, wie sein Körper ihn aufforderte, doch bitte jetzt - JETZT! - mit Anne Charlotte ins Schlafgemach zu gehen und den Sieg über den Erbschleicher zu feiern. Sie bemerkte seine Reaktion, lächelte verschmitzt zu ihm empor und küsste ihn derart leidenschaftlich, dass dem Musketier die Luft wegblieb.
In diesem Moment spazierte Aramis hinter seinem Freund vorbei und tippte ihm auf die Schulter: „Eh, eh, immer langsam, Monsieur le mousquetaire! Zuerst wird geheiratet, und bis dahin dürft Ihr Euch mit einem zärtlichen Kuss begnügen!“
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Kapitel Kapitel 18
Frédéric fluchte, als er schwerfällig aus der Postkutsche stieg, die vor einem Stadthaus gehalten hatte. Das Gebäude war hoch, schmal, und die oberen Stockwerke hingen über die Straßenfront hinaus. Ein kalter Wind wehte, und er beeilte sich, eingelassen zu werden.
Endlich ins Haus getreten, stiefelte er sofort auf das Arbeitszimmer zu, dessen Tür sich zugleich öffnete. Der Hausbesitzer war das Ebenbild seines Hauses: Lang und dürr, vom Alter bereits leicht gebeugt und griesgrämig.
„Na endlich! Warum habt Ihr mich in dieses fürchterliche Provinznest kommen lassen, mein verehrter Herr Advokat?!“ Frédéric hielt seinen Unwillen nicht im Zaum.
„Das habe ich Euch doch geschrieben!“, erwiderte der Jurist. Seine Nase glich dem Schnabel eines Geiers, und er hielt sie immer etwas hoch, um mit blitzenden kleinen Kohleaugen sein Gegenüber zu sezieren.
„Der Teufel hole Euer juristisches Kauderwelsch!“, schimpfte sein Besucher. „Das versteht ja sowieso kein normaler Mensch!“
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Kapitel Kapitel 19
Die klare Januarsonne stand bereits tief, und die Bäume warfen lange Schatten.
D'Artagnan hatte es nicht eilig. Gut gelaunt ließ er seinen Hengst am langen Zügel dem Waldweg folgen. Er fühlte sich entspannt und in aufgeräumter Stimmung. Wie herrlich war es, nicht nur seine Verlobte sondern auch seine drei besten Freunde wiederzusehen1 Seine Verlobte, die morgen seine Frau werden sollte! Vorfreude prickelte durch seine Adern. Wie aufregend würde das sein! Er als Schlossherr! - Denn, um ehrlich zu sein, sein Elternhaus in der Gascogne war ja nur ein Schlösschen oder vielmehr ein winziges Landgut. - Auf jeden Fall würde er morgen hochoffiziell der Mann an Anne Charlottes Seite werden! Das klang doch hervorragend! Und dann, ja dann konnten sie beide auch endlich einmal tun, wonach ihnen der Sinn stand, ohne sich um Konventionen scheren zu müssen! Erneut fühlte er das leise Kribbeln im Bauch. Wie sie wohl in ihrem Brautkleid aussah? Ach ja....
Träumerisch hing er seinen Gedanken nach. Morgen würde es eine kleine, intime Hochzeitsfeier geben, und heute Abend schon trafen Athos, Porthos und Aramis ein, um mit ihm am Vorabend seiner Vermählung einen gemütlichen Junggesellenabschied zu feiern! Ach, war das schön! Er fühlte sich tatsächlich geborgen, wie er genussvoll feststellte. Ein herrliches Gefühl, das er viel zu selten hatte! Nun, als Ehemann sollte er sich diesen Luxus ruhig ein wenig häufiger gönnen! Entspannt nahm er die Zügel wieder auf und legte in leichtem Trab das letzte Stück seines Weges zurück.
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Kapitel Kapitel 20
Anne Charlotte war seligen Blickes in ihr Schlafgemach entschwunden, und die Männerrunde blieb allein zurück. Für eine kurze Weile herrschte verlegene Stille im Raum.
D'Artagnan sah sich verschmitzt um und erhob sich, bedeutete seinen Freunden jedoch, sitzenzubleiben. „Gönnt mir zwei Minuten! Ich bin sofort wieder zurück!“
Flink war er aus der Tür, und sie hörten ihn die Treppe hochlaufen, offensichtlich immer zwei Stufen auf einmal nehmend. Kurze Stille, dann eilige Schritte die Treppe wieder herunter, und d'Artagnan stieß die Tür zum Speisezimmer auf, breit grinsend und mit mutwilligem Lachen: „So, für den heutigen Abend bin ich wieder ganz der Alte!“
Und in der Tat: Er trug sein altes Wams, die vom Reiten abgewetzten Hosen und seine geliebten Stiefel. „Es soll ja auch gemütlich sein!“ Er lachte abermals, „und nun folgt mir, meine lieben Freunde, ich zeige Euch den Keller des Dionysos, nebst lauschiger Sitzecke, wo wir ganz ungestört feiern können!“
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Kapitel Kapitel 21
„Hier, da habd Ihr die Falsche...äh, die Flasche, mein Freund!“, murmelte Aramis und reichte dem Gascogner die bouteille, immer noch gelinde verschnupft wegen seines lesetechnischen Versagens, während Athos d`Artagnans Glas unter leisem Lächeln füllte. Jawohl, eine gute Wahl, denn dieser spezielle Rotwein hier war in der Tat mehr als süffig!
„Wussded Ihr übrigens,“ setzte der Abbé ernst hinzu, „dass man eine solche Flasche - hicks! – auch als Oragel benüzzen kann? Monsieur de Rabelais hat dies ja eindruggsvoll in seinem Buch beschrieben.“
„Hä? Rabbeläs? Wer'sn das?? Nie gehört! Merkt Euch den mal, da komm'n wir später drauf zurück, was er so orakeln wollte!“ D'Artagnan prostete Athos dankbar zu und trank den ersten Schluck, nein, die ersten Schlucke des Rotweins. Ja, wirklich.....lecker! Gut! Also, wo war er stehengeblieben? Ach ja, die Flasche drehte sich nicht von selbst!
Er ging auf dem Teppich in die Knie und krabbelte andächtig zur Mitte, wo er sich feierlich hinhockte und die Flasche in Bewegung setzte. Überraschenderweise drehte sie sich ausnehmend gut, was d'Artagnan ein glucksendes Lachen entlockte. Solche Flaschen waren wirklich albern, wenn man sie mal genauer betrachtete!
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Kapitel Kapitel 22
Dem Morgen graute.......nein, der Morgen graute! Das war es, was d'Artagnan beim Erwachen als Erstes durch den Kopf ging. Stöhnend versuchte er, wieder im gnädigen Balsam des Schlafes zu versinken, doch es war unmöglich. Seit gefühlt einer Stunde kämpfte er mit sich, seinem Körper, der frühen Morgenstunde, ach, eigentlich mit allem, was sich gerade real anfühlte.
Verflogen war der mutwillige Überschwang der Nacht, als er und seine Freunde sich erneut auf ihren Wahlspruch eingeschworen hatten. Jetzt waren davon nur noch ein fader Nachgeschmack in seinem Mund und entsetzliche Kopfschmerzen übriggeblieben. Er stöhnte leise, versuchte, die Augen zu öffnen - auf dem Tisch in der Ecke brannte als Nachtlicht eine einzelne Kerze und warf schummriges Licht in den Raum. Draußen vor dem Fenster ging das Dunkel der Nacht in ein diffuses Grau über. Er kniff die Augen zusammen, bedeckte sie zusätzlich mit den Händen. Viel zu hell, einfach furchtbar!
Dann riß er sich zusammen. Er musste hoch! Aufstehen! Irgendwie! Behutsam schob er seinen Körper zur Bettkante, was ihm sofort mit einem stechenden Kopfschmerzschub heimgezahlt wurde. Stöhnend sank er zusammen. Was hatten sie alles konsumiert? Einmal quer durch den formidablen Weinkeller, so schien es ihm. Er biss die Zähne zusammen, kam zum Sitzen hoch und blieb entkräftet auf der Bettkante hocken. Zu den Schmerzen in seinem Schädel gesellte sich noch ein übles, flaues Gefühl im Magen, der die Positionsänderung nur protestierend hinnahm. Er fühlte sich um Jahrzehnte gealtert, sein ganzer Körper war steif und unbeweglich. Er rutschte zum Fußende, hielt sich am Pfosten des Himmelbetts fest, um aufzustehen, und kam mit verzweifeltem Schwung auf die Füße. Herrje, fast wäre er über einen seiner herumliegenden Stiefel und über das mitten vorm Bett stehende Nachtgeschirr gestolpert! Er bückte sich danach, hätte sich dabei fast da hinein übergeben und sank in eine sitzende Position zurück, das Porzellan in der Hand. Nach etlichen flachen Atemzügen, die seinen Magen wieder unter Kontrolle brachten, resignierte er bei dem Gedanken, wie er den Nachttopf zu nutzen gedachte, schob sein Hemd hoch und vollbrachte das dringend Notwendige im Sitzen. Er war dankbar, dass ihn jetzt keiner beobachtete!
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Kapitel Kapitel 23
„Hmm…mein lieber Baudin, wie ich Euch schon öfters sagte: Ihr solltet Eurer Handschrift wahrlich ein wenig mehr Klarheit verleihen!“, rügte Monsieur Massenet, Doctor juris sowie wohlbestallter öffentlicher Notar, und wies stirnrunzelnd auf das Schreiben in seiner Hand. „Und ich wiederhole es nochmals, mein Lieber: Klarheit und Leserlichkeit sind bei Verträgen das oberste Gebot! Zu leicht kann nämlich, bei eklatanter Unleserlichkeit, hinterher von beiden Parteien allerhand hinein interpretiert werden, was ursprünglich nicht vereinbart worden ist! Und dann geht es los, mit Prozessen und endlosen Verhandlungen vor Gericht, die Unsummen von Geld verschlingen! Glaubt mir, ich weiß, wovon ich rede!“
„Verzeiht, Monsieur le docteur, aber ich versichere Euch, ich hab` getan was ich konnte!“, verteidigte sich Monsieur Baudin und schniefte weinerlich, „aber als ehemaliger, zwanghaft korrigierter Linkshänder ist es unheimlich schwer, eine absolut korrekte, saubere Handschrift zu entwickeln!“
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Kapitel Kapitel 24
„Nicht diese Schleife, Griselda, ich bitte dich! Die passt doch gar nicht zu meinem Kleid!“
Griselda unterdrückte einen Seufzer und legte das duftige Gebinde zurück in die Schachtel, aus der sie es eben genommen hatte. Die gefühlt hundertste Schleife, und Madame war immer noch nicht zufrieden. Dabei sah sie entzückend aus, die blonden Haare waren in tausende kleine Löckchen gelegt – Griselda wusste, dass sie ihr Handgelenk mindestens zwei Wochen lang an diese Aktion erinnern würde - das weiße Kleid mit den gestickten Röschen kleidete sie hervorragend und betonte ihre immer noch schmale Taille, das dezent aufgetragene Rouge, das Lippenrot standen ihr wunderbar zu Gesicht, ließen sie um Jahre jünger aussehen, und nun fand sich einfach keine Schleife, mit der die Baronin zufrieden war! Zum Kleid hatte ursprünglich natürlich auch eine Kopfbedeckung gehört, aber diese hatte Anne Charlotte nicht gefallen, sie mache sie bleich, hatte sie behauptet, und so hatte Griselda alle Schleifen, Hauben und Bänder zusammengesucht, die die reichlich bestückte Garderobe ihrer Herrin hergab. Aber nichts passte.
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Kapitel Kapitel 25
„Stillhalten, s´il vous plaît, Monsieur, sonst werde ich mit Eurer dicken Mäh – äh, mit Eurer wohlgeborenen chevelure nie fertig!“, stöhnte Mousqueton und wickelte unter höchster Anstrengung eine weitere Strähne des mehr als widerspenstigen Haars seines Herrn um das heiße Lockeneisen. „Ihr wollt doch zu diesem denkwürdigen Anlass heute besonders hübsch aussehen! Also bewegt Euch nicht, je vous prie, bis ich hier fertig bin!“
„Soit!“, brummte Porthos und ließ sich ächzend zurück in seinen Stuhl sinken, „aber dann schenk mir wenigstens noch einen ordentlichen Becher Kahve ein! Den hab ich heute Morgen dringend nötig!“
„Jawohl, das seh` ich!“, grummelte Mousqueton, legte die Brennschere weg und reichte seinem Herrn mit hastiger Hand das Gewünschte, während ihm die ungewohnte Friseurarbeit kleine Schweißtropfen auf die Stirne trieb. Verflucht! Er war ja an einiges gewöhnt, aber die zottigen Wildschweinborsten seines Herrn zu ondulieren, das war wahrhaftig schlimmer als jede Sisyphusarbeit!
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Kapitel Kapitel 26
„Très bien, Baudin!“
Doktor Massenet nickte befriedigt, während sein Sekretär das Tintenfass an der genau richtigen Stelle auf dem zierlich geschnitzten Schreibtisch positionierte und sodann akribisch die Schreibfeder spitzte. Er trat ans bureau, öffnete seine lederne Aktenmappe und entnahm ihr mit sachten Fingern das heikle Dokument, das in dieser Stunde unterzeichnet werden sollte. „Hier, mein Lieber, die Originalschrift des Heiratsvertrags! Legt sie mit der letzten Seite aufgeschlagen und signierbereit auf die Schreibunterlage! – Voilà!“ Der Notar nickte abermals und holte tief Atem, in unwillkürlicher Erinnerung an die gewissen unangenehmen Ereignisse zuvor - Dieu merci, das war ja nochmal gutgegangen! Er ließ seinen Blick prüfend durch die Bibliothek schweifen, doch alles war getan, die Stühle für die Brautleute und ihre Trauzeugen standen bereit, und es fehlten somit nur noch die an diesem weihevollen juristischen Akt beteiligten Parteien! Und siehe da, im selben Moment öffnete sich auch schon die Türe, und Madame de Chanlecy, bräutlich gewandet und geschmückt, trat leichten Schrittes ein. Ihr rundliches Antlitz strahlte vor Wonne und Seligkeit, und Doktor Massenet schien es, als hätte sie noch nie so dermaßen hübsch ausgesehen. Jawohl, sie war trotz ihrer Jahre tatsächlich eine Schönheit! Ah, welche Wunder die Vorfreude auf ein glückliches Ereignis doch bewirken konnte!
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Kapitel Kapitel 27
„Monsieur l`abbé! Bitte verzeiht, aber es ist höchste Zeit, dass Ihr - !“
„Ah, verdammt, mon cher Bazin! Wie oft hab ich Euch schon gesagt, Ihr sollt mich nicht mit diesem verfluchten Wort titulieren!“
„Pardon! Ich wollte Euch ja nur daran erinnern, dass - !“
„Ja doch, jaaa!“, stöhnte Aramis, rieb sich die immer noch wie höllisch schmerzende Stirn und rappelte sich endlich, mit Bazins tatkräftiger Unterstützung, ächzend vom Sofa hoch, auf dem er seit den frühen Morgenstunden lag, elend an Körper und Gemüt, die Beine zwecks besserer Durchblutung des Gehirns auf einem dicken Samtkissen hochgelagert. „Nur keine Sorge, ich weiß, was die Glocke geschlagen hat! Dann lasst uns in Dreiteufelsnamen anfangen!... Oha!“
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Kapitel Kapitel 28
„Soso, eine Laune der Natur!“, echote Madame Olympe, und um ihre Lippen irrlichterte ein wissendes Lächeln „nun, eine hübsche Laune, denn ansehnliche Mannsbilder sind ja weiß Gott rar gesät.“
„Findet Ihr, Madame?“ Ein Mann teilte die raunende Menge und stellte sich neben den Comte de la Fère, der instinktiv Raoul an sich zog. Wer war das? Der Kerl war nicht gekleidet, als wäre er eingeladen, er trug dunkle Reiterkleidung, hohe Stiefel, einen Hut, der die Hälfte des Gesichts verdeckte, und einen Staubmantel, ja, sogar einen Degen. Doch irgendetwas an dem Neuankömmling kam dem Grafen bekannt vor, sehr bekannt sogar, und noch bevor der Kerl weitersprach, hatte er erraten, wer da neben ihm stand. Parbleu, was war das für ein Spiel?! Sie konnte nicht hier sein! Durfte es nicht, denn sie riskierte damit Kopf und Kragen!
„Jawohl, finde ich!“, gab Madame Olympe resolut zurück und musterte den Mann neugierig.
Parbleu! Welch ein Mund! Sinnliche, volle Lippen, ohne jeden Schimmer eines Bartflaums! Und dazu diese Stimme! Irrte sie sich, oder schwang darin tatsächlich ein Timbre, das zum Organ eines Mannsbilds nicht recht passen wollte? Alle Wetter!, durchfuhr es sie, mit einem Mal im Innersten überzeugt, nein, das konnte kein Irrtum sein! Sie, Olympe, war immerhin Schauspielerin von Profession, sie kannte sich mit Kostüm und Maskerade aus! Und das überraschende Erscheinen dieses Herrn da wirkte in der Tat wie ein wohleinstudierter, bühnenreifer Auftritt! Sie wandte sich Anne Charlotte zu, drohte dieser schalkhaft mit erhobenem Zeigefinger und bemerkte scheinbar diskret, aber dennoch so laut, dass es jeder hören konnte: „Liebste, wie ich sehe, habt Ihr nicht nur Eure guten Freundinnen vom Théâtre du Marais eingeladen sondern auch eine Dame von der Konkurrenz?“
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Kapitel Kapitel 29
D'Artagnan stand derweil verloren neben seiner Braut, hielt sich an seinem Champagnerglas fest, es war nicht das erste, auch nicht das zweite (irgendein Diener schenkte ständig ungefragt nach!), und er spürte die Wirkung. Neben ihm alberten Porthos und Raoul herum, seine Braut unterhielt sich mit den schönen Schauspielerinnen, den drei uniformierten Großmäulern und einigen weiteren Musketieren, die die Damenwelt ja nicht ohne männliche Begleitung lassen wollten. Es wurde gescherzt und gelacht. Irgendwie zog das alles an ihm vorbei, er hörte nur mit halbem Ohr zu und gab gelegentlich bloß ein „Hm.“ oder ein „Ja, sicher.“ von sich.
Da erklang hinter ihm ein wohlbekannter Bariton, und ihm sträubten sich prompt die Nackenhaare. Reflexartig fuhr er herum, unterdrückte den Drang, die Hand an den Degengriff zu legen, und fand sich Auge in Auge mit IHM wieder, seiner Nemesis aus vergangenen Novembertagen!
„Na, wenn das nicht mein schneidiger Chevalier ist!“ Anne Charlottes Hausarzt trat auf ihn zu, maß ihn mit seinem dunklen, flammenden Blick und zelebrierte eine vollendete, jedoch ein wenig spöttische Verbeugung.
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Kapitel Kapitel 30
Die Schlosskapelle des Château Sainte-Croix stand, von zwei ehrwürdigen alten Lindenbäumen flankiert und von einer dunklen Eibenhecke umgeben, ein wenig abseits der übrigen Gebäude, und ein Kiesweg führte in gerader Linie auf sie zu, der nun jedoch, wie alles ringsum, von Schnee bedeckt war. Jean Baptiste, der Gärtnermeister, hatte ihn zwar zusammen mit Émile und den übrigen Gehilfen freigeschaufelt, so gut es eben ging, doch die weiße Pracht wollte sich nicht ganz beseitigen lassen. Und so wirkte das Kirchlein im glitzernden Schnee in der Tat wie das märchenhafte Motiv eines weihnachtlichen Gemäldes.
Der Vater des verstorbenen Schlossherrn, ein frommer Mann und gläubiger Katholik, hatte diese Kapelle seinerzeit erbauen lassen, als demutsvollen Tribut an den Allmächtigen und um seines Seelenheils willen, und so, wie das Kirchlein damals entstand, so sah es auch heute noch aus, denn sein Sohn, Jean Eléonor, der nun ebenfalls in der hiesigen Familiengruft ruhte, ließ es zwar zu seinen Lebzeiten getreu instandhalten, dem Andenken seines seligen Herrn Vaters zuliebe, aber er nahm keinerlei Ausschmückungen und schon gar keine baulichen Veränderungen daran vor, denn er war, ganz im Gegensatz zu seinem Herrn Vater, den Schönen Künsten und insbesondere dem Theater zugeneigt.
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Kapitel Kapitel 31
Die Aufgeforderten setzten sich gehorsam in Bewegung, doch kaum hatte Rochefort die Hand auf die Türklinke der Sakristei gelegt, drängte sich die Baronin vor und funkelte ihn an: „Monsieur, das ist meine Kapelle. Meine Sakristei. Wenn Ihr also nichts dagegen habt, so werde ich ebenfalls zugegen sein, denn es ist meine Hochzeit, die Ihr da gerade empfindlich stört!“
Der Stallmeister wandte sich zu seinem Dienstherrn um, ein leises Lächeln irrlichterte um seine Lippen, und Richelieu nickte. „Madame, Ihr habt Recht, und ich kann nur wiederholen, dass uns diese Unterbrechung mehr als leid tut. Aber Ihr versteht sicher, dass Unrecht geahndet werden muss.“
„Vielleicht hätte es ein anderer Zeitpunkt auch getan.“, murmelte Anne Charlotte und betrat als erste den kleinen Raum, dessen Tür Rochefort ihr eben galant aufhielt.
Athos, der Raouls Hand festhielt, sah sich um. Wo konnte er seinen Sohn nur unterbringen, während sie in der Sakristei diskutierten? Was auch immer da verhandelt wurde, war nichts für die Ohren eines achtjährigen Kindes, aber ihn einfach in der Kapelle zu lassen, ging auch nicht an. Sein Blick fiel auf Adèle du Vallon, Raoul kannte sie, aber mehr als zwei Worte hatten die beiden noch nicht gewechselt. Nun, sie würden ja auch nicht lange miteinander auskommen müssen. „Madame“, wandte er sich an Porthos´ Ehefrau, „wärt Ihr so freundlich, kurz auf Raoul aufzupassen, während wir in die Sakristei geordert sind?“
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Kapitel Kapitel 32
Sie hatten sich endlich wieder in der Kapelle eingefunden: Adèle auf dem ihr angestammten Platz in der ersten Reihe, sofort bedrängt von ihren Nachbarn und Nachbarinnen, die wissen wollten, was um Himmels Willen denn in der Sakristei so lange gedauert hatte; Athos und Porthos als Trauzeugen neben dem Brautpaar, und im Hintergrund Marie und Rochefort, dessen beunruhigende Gestalt Anlass zu verstärktem Tuscheln gab. Raoul durfte sich ganz vorn neben Adèle setzen, die zwar das Gesicht verzog, aber angesichts der Miene des Grafen keinen Einwand erhob.
„Brav sein!“, hatte dieser seinen Zögling ermahnt, bevor er sich wieder neben den Hünen stellte, und Raoul hatte folgsam genickt. Nun wurde es langsam wieder still, und alle sahen nach vorn zum Altar, in hoffnungsvoller Erwartung des Fortgangs der heiligen Messe.
Und richtig, schon ertönte abermals das silberne Glöckchen, denn der kleine Sébastien befand sich, dem langen Warten zum Trotz, nach wie vor pflichteifrig auf seinem Posten. Alles erhob sich, auch der arme Bazin erwachte aus seiner Kältestarre und hieb, von Thierry, seinem Blasbalgtreter, kräftig unterstützt , in die Tasten, und zu den Klängen der Orgel schritten der Abbé und der Kardinal gravitätisch zum Altar. Richelieu hatte, seinem geistlichen Amt gemäß, eine seidene Stola, die er immer mit sich führte, über seinen schlichten Reisehabit gelegt, und seine hohe, würdevolle Gestalt kontrastierte seltsam mit der opulenten, ja theatralischen priesterlichen Tracht, die sein Herr Co-Zelebrant zur Schau trug.
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Kapitel Kapitel 33
Der liebevolle Kuss, den die Neuvermählten einander auf den Stufen der Kapelle gaben, steigerte den Jubel der Festgemeinde in ungeahnte Höhen, und die begeisterten Hochrufe und der stürmische Applaus wollten schier kein Ende nehmen.
Anne Charlotte seufzte wohlig – oh, wie herrlich! Nun war ihr ersehnter Hochzeitstag ja noch viel schöner und wunderbarer geworden als sie es sich insgeheim erträumte! Sie atmete tief auf, sah ihrem frischgebackenen Ehemann zärtlich in die Augen und flüsterte, angesichts der funkelnden Degen und der erwartungsvollen Blicke ihrer martialischen Ehrengarde: „Mein Liebster! Wollen wir?“
„Oh ja, meine Liebste!“ D'Artagnan nahm Haltung an, reichte Anne Charlotte stolz seinen Arm und legte, sobald sie ihre Hand darauf platziert hatte, seine Hand auf die ihre.
Er hatte nicht vor, händchenhaltend und kichernd in geduckter Haltung durch das Spalier zu stürmen, wie er es schon auf mehreren Hochzeiten gesehen hatte. Oh nein, schließlich waren sie ja keine Zwanzigjährigen mehr! Was er wollte, war ein würdevolles Durchmessen des Spaliers, seines Ranges und ihrer Schönheit würdig. Jeden Meter wollte er genießen!
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Kapitel Kapitel 34
Nach dem nächsten Gang des opulenten Menüs, als schon dezent Gürtel gelockert und Knöpfe geöffnet wurden, klatschte Anne Charlotte in die Hände. „Kinder!“, rief sie, und alle Köpfe wandten sich ihr zu, „Kinder, wir wollen nicht nur rumsitzen, heut` Abend, als wären wir schon jenseits der Achtzig! Wir wollen uns amüsieren, und zugleich muss Platz für die weiteren Gänge unseres Hochzeitsmahls geschaffen werden. Folgt mir also, die Kapelle hat sich schon warmgespielt!“
„Au prima!“, jubelte Olympe, sie und ihre Freundinnen waren die ersten auf dem Tanzparkett, und sie zogen die Herren Musketiere und Gardisten hinter sich her, noch bevor diese sich wieder komplett hatten arrangieren können. De Chavigny schluckte auf ex den Inhalt seines randvollen Champagnerglases hinunter, das er eben an die Lippen gesetzt hatte, nestelte rasch den gelockerten Hemdkragen zu und folgte den Damen. De Barray wäre beinahe ausgeglitten, so eilig zog ihn Phyllis mit sich.
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Kapitel Kapitel 35
Vor ihnen standen die leckersten Köstlichkeiten, Rinderragout, Nierchen in Honigsoße, Forellen mit Salzkruste, frisches Brot, Täubchen mit Speck, diverse Krautsorten, Erbsen, Hirse und der Köstlichkeiten mehr. Dorette hatte sich selbst übertroffen und selbst, wer keinen Hunger mehr verspürte, konnte sich der Verlockung kaum entziehen, so köstlich duftete das Ganze.
„Ah, zum Glück haben wir uns vorher ein wenig bewegt!“ Porthos öffnete vorsichtshalber den obersten Knopf seiner Hose, „jetzt passt wieder mehr hinein. Was habt Ihr denn?“ Seine Frage richtete sich an Athos, der sich halb umgewandt hatte und versuchte, durch das Fenster auf die Terrasse zu schauen. Er konnte einen Teil davon erkennen, aber leider nicht jenen Bereich, in dem sich Aramis und Marie befanden.
„Nichts.“, erwiderte der Graf und drehte sich wieder um. „Nichts, es ist nur …“, er sah zur Verbindungstür, die in den Tanzsaal führte, und er konnte sich nicht helfen, irgendwie hatte ihn eine innere Unruhe ergriffen. Gerade, als er aufstehen und nachsehen wollte, wo die beiden so lange blieben, trat Aramis in den Speisesaal und kam auf ihn zu.
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Kapitel Kapitel 36
Ein zögerliches „Hm…“ ließ Athos aufschauen - in der Doppeltüre stand Biscarat mit staubigem Mantel und schlammigen Stiefeln, den Hut verlegen in der Hand drehend. Richelieu, der sich gerade angeregt mit Tréville in einer der Fensternischen unterhielt, hatte ihn auch bemerkt und näherte sich ihm. Hinter dem Gardisten tauchte Rochefort auf, er hatte sich augenscheinlich gesäubert, seine Stiefel glänzten, und er hatte den Mantel abgelegt. Der Kardinal ging zur Türe, und die drei gingen in den Speisesaal hinüber, sodass Athos von der folgenden Konversation nicht mehr als leises Murmeln hören konnte. Doch als Richelieu und Rochefort den Tanzsaal endlich wieder betraten, waren ihre Mienen ernst und angespannt. Dem Grafen fuhr der Schrecken durch Mark und Bein: Was war mit Marie passiert? Denn dass die Gardisten eben von ihrer Mission zurückkamen, war eindeutig. Er rutschte vorsichtig zur Seite und legte Raoul auf die Recamière, so dass er aufstehen konnte. Der Junge schlief tief und fest, trotz der Tänzer und der Musik. Athos knöpfte sich das Wams auf, zog es aus und deckte seinen Sohn damit zu, dann folgte er langsam dem Kardinal und seinem Stallmeister, die sich soeben in eine Fensternische zurückzogen.
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Kapitel Kapitel 37
Doktor Mauvillain konnte es nicht fassen – Teufel, sein Gegner hatte tatsächlich dieses Spiel gewonnen! Unglaublich! Dieser Dilettant hatte ihn, Mauvillain, einen geübten, erfahrenen Routinier, aus dem Feld geschlagen! Das gab`s doch nicht! War da Zauberei im Spiel?! Doch da begann plötzlich sein Zwerchfell zu zucken, und im nächsten Moment prustete er los, in haltlosem Lachen. „Monsieur, meinen Glückwunsch!“, stieß er endlich hervor, nachdem er wieder zu Atem gekommen war, „Eure mangelnde Erfahrung im jeu de paume habt Ihr mit fulminantem Kampfgeist und körperlicher Geschicklichkeit wettgemacht! Das gelingt beileibe nicht jedem! Gewährt Ihr mir eine Revanche?“
„Jawoll! Na klar!“, brüllten sofort alle im Chor, und auch die distinguierten Herren und Damen hielten sich nicht mehr zurück. „Los jetzt, Seitenwechsel, und weiter geht`s!“
D'Artagnan lächelte geschmeichelt. „Natürlich gewähre ich Euch Revanche! Und die da - “, er wies auf die begeisterten Gäste, „die da sowieso! Wer von uns macht den ersten Aufschlag?“
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Kapitel Kapitel 38
„Ah, meine Lieben!“, rief Anne Charlotte, „nach diesem furiosen sportlichen Wettkampf brauchen wir jetzt sicher alle miteinander was Stärkendes, nicht wahr? Lasst uns daher zur Tafel zurückkehren! Ich glaube, dort wartet eine Überraschung auf uns!“
Lachend und begierig folgten alle ihrer Aufforderung, und so zog man, die strahlende Braut inmitten der beiden stolzen Sieger voran, flotten Schrittes zurück in den Speisesaal, wo inzwischen die Diener auf der Hochzeitstafel schon frisches Gedeck aufgelegt hatten. Und kaum saßen das Brautpaar und seine Gäste wieder am Tisch, ertönte auch schon eine lustig schmetternde Fanfare, die Musikkapelle ließ ihre Instrumente erklingen, und herein traten Planchet und seine Ehefrau. Gemeinsam schoben sie einen großen, stabilen Servierwagen, auf dem, bei allen Göttern!, das höchste und opulenteste Tortengebilde aufgebaut war, das die Welt je gesehen hatte!
Sage und schreibe sieben Stockwerke hoch ragte die riesige Hochzeitstorte empor, von unzähligen Rosenblüten aus Marzipan bedeckt und zuoberst von zwei turtelnden Tauben aus weißem Zuckerwerk gekrönt, die beide einen goldenen Ring im Schnabel hielten.
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Kapitel Kapitel 39
„Liebe Festgemeinde!“, wandte sich Madame Olympe, nachdem sie mit Anne Charlotte leise Rücksprache gehalten hatte, nun an die Schar der Hochzeitsgäste, die stumm und mit glasigem Blick auf ihren Stühlen hockten, bis obenhin mit Torte vollgestopft, „wie ja jeder weiß, gestaltet sich ein solch prächtiges Fest beileibe nicht von alleine. Im Gegenteil, es bedarf vieler fleißiger, hilfreicher Hände und einer gehörigen Portion organisatorischen Geschicks, um ein solch herrliches Bankett auszurichten! Und daher folgt nun, gleichsam als unser aller Dank für dieses überaus gelungene Festmahl, der nächste Programmpunkt: Nämlich die traditionelle Versteigerung des bräutlichen Strumpfbands! Meine Damen und natürlich vor allem meine Herren! Ich darf Euch im Namen unserer Hausherrin bitten, bietet wacker mit! Denn der Erlös aus dieser Versteigerung soll dem tüchtigen Personal dieses Hauses, das uns und vor allem unseren Gaumen heute dermaßen himmlisch verwöhnte, als wohlverdiente Belohnung zugute kommen!“
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Kapitel Kapitel 40
Als endlich der Applaus verklungen und der Zuschlag dem Kardinal durch Madame Olympe erteilt worden war, lächelte sie diesem verschmitzt zu. „Meine sehr verehrten Gäste, mein hochwürdiger Herr Kardinal!“
Hier musste Richelieu schmunzeln. Die Anrede entsprach natürlich nicht dem offiziellen Procedere, aber Madame Olympe hatte es natürlich auch nicht jeden Tag mit hochgestellten Kirchenvätern zu tun, daher fand er diese Anrede so recht herzerwärmend, zumal sie von einem ausgesprochen liebreizenden Lächeln begleitet wurde, mit dem die Dame ihn bedachte!
Olympe fuhr fort: „Nun habe ich das Vergnügen, Euch anzukündigen, dass jetzt das Strumpfband unserer wunderschönen Braut abgenommen und seinem neuen Besitzer übereignet wird!“
Musketiere und Gardisten stießen einander grinsend an, in Erwartung des reizenden Schauspiels.
Auf einen Wink Olympes hin näherten sich Phyllis, Idamante und Cyparis dem nichtsahnenden Bräutigam. Phyllis und Idamante hakten sich rechts und links bei ihm ein und führten ihn zum Tisch, auf dem Anne Charlotte in anmutiger Pose stand.
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Kapitel Kapitel 41
Nach der erfolgreichen Strumpfbandversteigerung waren die Gäste natürlich durstig, und die Diener des Hauses standen mit äußerst breitem Grinsen schon parat. Champagner, Wein, Likör und Cognac flossen in Strömen, und alle, auch die Damen, hatten nach den vorsorglich gefüllten Gläsern gegriffen als wäre soeben eine Wüste durchquert worden. Nun stimmten die Musiker schon ihre Instrumente für den nächsten Tanz, was nicht nur Adèle einen leisen Seufzer und einen diskreten Blick auf die nächste Uhr entlockte. So schön diese Hochzeit auch war, noch schöner wäre es gewesen, jetzt ins Bett gehen zu dürfen. Aber ein Blick auf ihren rotwangigen und noch ganz stolzgeschwellten Gatten ließ diese Hoffnung zerplatzen wie eine Seifenblase im Wind. Ihn hier allein lassen? Niemals! Schon dreimal nicht mit diesem verwünschten Strumpfband in den Händen, das er sich nun übergestreift hatte wie einen Armreif, und das er jedem, der es sehen oder nicht sehen wollte, unter die Nase hielt. „Seht die zarte Spitze!“, rief er soeben, und die Dame, der er es zeigte, nickte beeindruckt. Nein, da musste Adèle gegenhalten, so wahr sie hier stand! „Kommt, wir wollen tanzen!“, erklärte sie, verscheuchte die Müdigkeit aus ihren Gliedern und legte ihrem Gatten die Hand auf den Arm. Der sah sie erstaunt an, dann erhellte ein Lächeln seine Miene. „Es wirkt! Es ist magisch, es wirkt!“ Mit diesen kryptischen Worten folgte er verzückt seiner Frau, die couragiert den nächsten Tanz eröffnete, zähneknirschend, aber mit demonstrativem Lächeln. Ihnen folgten die allermeisten anderen, und im Handumdrehen fanden sich nur noch einsame Trinker an der langen Theke wieder, hinter der Laurent und Maurice standen, um die Wünsche der Gäste zu erfüllen.
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Kapitel Kapitel 42
Nachdem alle Gäste wieder zu ihren Plätzen gefunden hatten, eilten die Diener los, um mit Champagner zu deren Erfrischung beizutragen.
D'Artagnan nahm für sich und Anne Charlotte je ein Glas und stieß mit seiner Braut an. Mitten im Trubel waren sie nun doch allein. Beide wußten, dass der Abend in Gesellschaft für das Brautpaar nun fast zu Ende war, die weiteren Festivitäten der Hochzeitsgesellschaft würden bald ohne sie stattfinden. Dafür harrte ihrer in Kürze ein weiterer, denkwürdiger Moment, den die anderen nicht mit ihnen teilen sollten.
Doch zunächst galt es, einen grandiosen Abschluß für diesen Tag zu finden! Einen Abgang, der eines Herrn Leutnants und seiner Braut würdig war, fand d'Artagnan. Er zwinkerte Anne Charlotte lustig zu, erhob sich und ließ mit einem Fingerschnippen sein Glas erklingen.
Aller Augen wandten sich ihm sofort zu.
„Liebe Gäste! Wir, meine liebe Ehefrau und ich, möchten uns bei Euch für diesen wundervollen Tag bedanken! Habt keine Sorge, ich werde keine Rede halten, ich bin ein Mann der Tat. Und darum möchte ich Euch alle auffordern, mit uns den letzten Tanz zu genießen! Wenn es Euch gefällt, folgt unserem Beispiel, denn es soll ein denkwürdiger Abschluss eines denkwürdigen Tages werden!"
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Kapitel Kapitel 43
„Oh!“, entfuhr es Griselda überrascht, und sie betätigte abermals resolut die Türklinke, um sich zu vergewissern, ob sie sich getäuscht hatte. „Himmel, was soll denn das?!“, murmelte sie kopfschüttelnd, „warum in aller Welt ist hier abgeschlossen? Ich muss doch nachsehen, ob in Madames Schlafzimmer alles in bester Ordnung und für ihre Hochzeitsnacht bereit ist!“ Sie rüttelte nochmals an der verschlossenen Türe, aber umsonst - diese gab nicht nach, und der ältlichen Zofe entfuhr ein ärgerlicher Seufzer. „Da hat mir wohl wieder unser tüchtiger Herr Hausshofmeister hineingepfuscht!“, knurrte sie grimmig. „Der Gute wird langsam alt, sein Gedächtnis lässt nach! Mon Dieu, ich habe ihm doch klar und deutlich gesagt, die Stubenmädchen sollen sich heute Abend gefälligst um die Gästezimmer kümmern, während ich Madames Hochzeitsbett eigenhändig kontrolliere!“
Sie holte scharf Luft und wollte schon kehrtmachen, doch im selben Augenblick sah sie ein Paar eng umschlungen um die Ecke des Ganges biegen, und sie erkannte am hellen Girren sofort die Stimme der Hausherrin. Himmel!! Da kam ja schon Madame mit ihrem frischgebackenen Ehemann! Beim Allmächtigen, was sollte sie, Griselda, nur tun?! Oh, dieser Laurent! Wo steckte der vergessliche alte Kerl bloß mit dem Schlüssel?! Man konnte die beiden Neuvermählten doch nicht vor der verschlossenen Türe ihres Brautgemachs stehen lassen!
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Kapitel Epilog
Leise hatte sich die Schlafzimmertür hinter den Brautleuten geschlossen, und d‘Artagnan lauschte den im Gang verklingenden Schritten seiner Freunde nach, hörte sie leise lachen und schwatzen, den kleinen Streich genießend. Ganz kurz fühlte er sich allein, vermisste sie gar, doch dann rief er sich zur Ordnung: Er war mit einer Frau – seiner Frau! – im Boudoir! Dazu hatte er wahrhaft keinen Beistand nötig! Es sei denn, die Dame verlangte danach…
Ein Rascheln ihres Kleides rief ihn in die Gegenwart zurück. Sie zog ihn weiter in den Raum, schmiegte sich an ihn. „Ach, mein Liebster, ist das nicht herrlich? Nur wir zwei! Hier! Allein!“ Sie schaute mit leuchtenden Augen zu ihm auf.
Er lächelte und hielt sie in seinen Armen. „Ja, ganz wunderbar! Darauf habe ich….haben wir….lange gewartet!“
„Oooooh ja, und wie!“ Sie kuschelte sich an seine Brust. So blieben sie eine Weile stehen, keiner wollte den ersten Schritt tun.
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