Returning to Tomorrow von duchesse und Aramis
Durchschnittliche Wertung: 5, basierend auf 27 BewertungenKapitel Rückkehr
Der Wind frischte auf und blähte die Segel, Matrosen kletterten in den Wanten, Luken knallten, und das Schiffsdeck hallte wider von lauten Rufen und Befehlen, wie immer, wenn ein Schiff unmittelbar vorm Auslaufen stand.
Lilian und François standen oben an der Reling, sie wollten sich das erregende Spektakel der Abfahrt nicht entgehen lassen, und der Graf lächelte leise in sich hinein, während er verstohlen das aufs Höchste gespannte Antlitz seiner Gattin betrachtete. Jawohl, die Seefahrt war Lilian in die Wiege gelegt! Mit Kennermiene verfolgte sie jeden Handgriff, jedes Manöver, und de Wardes konnte sich gut vorstellen, dass seine liebe Frau Gemahlin in diesem Augenblick wohl gern selber auf der Kommandobrücke gestanden wäre!
Er wandte sich ab, und sein Blick wanderte noch einmal zurück an Land. Hinter dem Wald aus Schiffsmasten, der den Hafenbereich bedeckte, erkannte man im klaren Morgenlicht die Gebäude der Stadt Calais, überragt von der unverwechselbaren Silhouette der Tour du Guet, die sich scharf gegen den blauen Himmel abhob. Sein Gesicht verdüsterte sich unwillkürlich, als er überlegte, wie oft dieser grimmig anmutende Wachturm ihn schon verabschiedet oder willkommen geheißen hatte. Mit einiger Verwunderung wurde ihm bewusst, dass er die Stadt kaum kannte, mit Ausnahme des Hafens und einer Handvoll mittelmäßiger Herbergen, in denen ein reisender Kaufmann nicht weiter auffiel. Wie auch dieses Mal hatte er sich nie länger hier aufgehalten, außer damals, als er nach jenem unglückseligen Duell mit d’Artagnan schwer verletzt um sein Leben gekämpft hatte, aber seine Erinnerung an diese Tage war so verschwommen, dass er nicht einmal mehr wusste, in welche Herberge sein Diener Lubin ihn damals geschleppt hatte. Der gute Lubin – er hatte ihm lange die Treue gehalten, ihn nach London begleitet und, keines englischen Wortes mächtig, tapfer in der Fremde ausgeharrt, bis de Wardes ihn irgendwann zur Rückkehr nach Frankreich hatte überreden können. Der Gedanke daran versetzte ihm einen Stich. Lubin mit seinem schlichten Gemüt hatte nie einen Zweifel gehegt, wohin er gehörte – warum nur war er selbst innerlich so zerrissen? Trotz des Wiedersehens mit seiner Familie und der Rückkehr an den Ort, an dem er geboren und aufgewachsen war, hatte sich Frankreich nicht wie Heimat angefühlt, und dieser Verlust schmerzte mehr, als er sich eingestehen wollte. Waren all die Veränderungen schuld, die er mit Aramis vor ihrem Abschied aus Noisy diskutiert hatte? Oder lag es an ihm selbst? War er der Fremde? Bitterkeit stieg in ihm auf; er musste schlucken und ballte die Hände zu Fäusten.
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