Septembersonne von Maron

Der Tag erwacht

1. Kapitel – Der Tag erwacht

Es war an einem jenen schönen Septembermorgen, wie man es sich nur wünschte. Die Sonne stand im tiefblauen Himmel gerade über die Dächer von Paris, eine leichte und vielleicht letzte Sommerbriese wehte um die alten Häuser und vom nahenden Herbst war noch nicht die geringste Spur. Es war ungewöhnlich warm für diese Jahreszeit und dennoch schien sich niemand darüber beklagen zu wollen. Zur neunten Stunde strömten die meisten Leute auf den Markt, zwischen den Ständen und den Karren redeten sie im Kreise der Verkäufer und Käufer mit Bekannten und Fremden über unwichtige und wichtige Gerüchte, die in Paris jeden Tag neu auffrischten und sich in allen Gassen winden wollten. So entging auch keinem, dass der König einen großen Ball plante, wohl nur, um zeigen zu wollen, dass die vermeintlich leere Staatskasse dennoch prall gefüllt war. Das war nicht sonderlich spannend, umso interessanter war aber die Nachricht, dass ausgewählte arme Bürger, die Paris einen Dienst geleistet hätten, eingeladen würden. Jeder wunderte sich über diese Neuigkeit und niemand wollte so recht Glauben daran schenken, dass einer in ihrem Kreise, der untersten aller Schichten, je das Schloss betreten würde. Dennoch war dieses Thema ein absoluter Hochgenuss für Gerüchteverbreiter und arglosen Damen, die sich daraus Nutzen für sich erhofften.

Unweit von den amüsanten Gesprächen auf dem Marktplatz entfernt, hielt sich der Kardinal auf. Er spazierte mit seinem Lakaien Bernouin im Garten des Schlosses umher. Kardinal Richelieu sah zufrieden aus. Seine sonstigen, auffälligen, Stirnrunzeln, die er stets hatte, denn er grübelte ständig nach, waren heute geglättet und ließen ihn jünger erscheinen als man ihn sonst schätzte. In seiner rechten Hand trug er ein Buch mit sich, welches er kaum Beachtung schenkte, denn er schwankte es hin und her als sei es nichts weiter als Luft in seiner Hand, was aber seinem Lakaien offensichtlich schwer im Magen lag. Bernouin, der zwei Schritte hinter seinem Herrn lief, blickte auf das Buch mit einer schmerzverzerrten Miene und zusammengepressten Lippen. Beinah sah es so aus, als hielt sich der Lakai in Sprungbereitschaft, falls Richelieu das Buch tatsächlich fallen lassen würde. Nach einer Weile blieb Richelieu vor einem der drei großen Brunnen stehen und ließ sich auf eine Bank nieder. Bernouin blieb stehen.
„Setz dich doch und steh hier nicht wie angenagelt herum.“ Bat Richelieu in einem äußerst freundlichem Tone, was dem Lakaien zu erschrecken schien. Zaghaft ließ er sich neben dem Kardinal nieder, wohl bedacht, nicht zu nahe an seinen Herrn zu rücken.
„Hast du schon von den Gerüchten gehört, Bernouin?“ fragte Richelieu und atmete tief ein.
„Von welchen, Eure Eminenz?“ fragte der Lakai blass werdend.
„Die über den König und dem Ball!“
Bernouin tat, als müsse er überlegen. In Wahrheit war dieses Gerücht auch im Hofe des Königs das Gesprächsthema Nummer Eins und auch er kannte alle Einzelheiten, die gesprochen wurden.
„Nun ja, Herr Kardinal, noch vor einer Stunde habe ich Madame de Plusbelle davon sprechen hören.“
Der Kardinal räusperte sich und stand wieder auf. Bernouin, der damit nicht gerechnet hatte, sprang ebenfalls sofort auf um keinen falschen Eindruck, er sei unwürdig, die Gedanken seines Herrn nicht lesen zu können, bei Richelieu zu machen. Doch dieser interessierte sich nicht für die Manieren seines Lakaien.
„Erzähle mir ausführlich, während wir ein Stück zum Markt laufen, was Madame de Plusbelle gesprochen hat!“
„Selbstverständlich, Eure Eminenz!“ sagte Bernouin etwas irritiert aber voller Eifer. Er konnte nicht ahnen, warum Richelieu davon wissen und worauf er hinausgehen wollte. Aber der Kardinal war in jeder Hinsicht ein guter Politiker und Bernouin musste zugeben, dass sein Herr eine Hand zum Schachspiel hatte, wenn es darum ging, einen Schachzug für sich gewinnen zu können. Da der Lakai in allen Einzelheiten seines Herrn eingeweiht war und nicht drum herum kam, etwas nicht zu wissen, verspürte er bereits die aufsteigende Macht von Richelieu über den König, wie Rauch aus einem Schornstein. Während die beiden den Schlossgarten verließen und Bernouin ausführlich und mit Gesten die Worte der Madame de Plusbelle wiederholte, taten sich auf dem Markt spektakuläre Szenen zu.

Nun wollen wir aber zuvor von einem Bekannten erzählen, der sich ebenfalls auf dem Markt aufhielt, noch während Richelieu auf der Bank gesessen und mit Bernouin geredet hatte. In einer dunklen Ecke einer schmutzigen Gasse hielt sich Aramis auf. Mit einem großen Interesse beobachtete er die Gängigkeiten auf dem Markt. So wie es den Anschein hatte, war noch nichts sonderbares geschehen, sollte dies der Grund für Aramis Versteck sein. Der Musketier wartete in seiner Nische, an der er lehnte und weiter das Treiben beobachtete. In der Hand hielt er einen Apfel, wohl wollte er ihn essen, doch etwas wollte ihn nicht dazu lassen und verführte ihn zu einer ungestraften Sünde, wie Aramis es selbst nannte, dem heimlichen Zusehen, also das Beobachten.
Erst als ein etwas auffälliger Herr, kräftig, gross und durchaus ein Musketier, aufkreuzte, verließ Aramis sein Versteck und eilte zu eben diesem Herrn.
Es war nicht zu übersehen für den, der diesen starken Mann kannte, dass es sich um Porthos handelte. Er sah Aramis nicht sofort, sondern ließ einen schmeichelnden Satz bei einer schönen jungen Tochter eines Markthändlers hängen. Diese kleine Schönheit, wohl errötet und verlegen, war für Aramis unübersehbar.
„Porthos!“ rief er dem muskulösen Musketier zu, der von dem Anblick der Kleinen beinah den Blick nicht wenden konnte, und dann bereits Aramis unter seiner Nase vorfand.
„Hallo Aramis!“ begrüßte ihn Porthos mit voller Fröhlichkeit.
Aber Aramis war wütend. Sein feines Gesicht vergrub sich unter zähnefletschenden Mundwinkeln und einigen Sorgenfalten auf der Stirn.
„Porthos!“ wiederholte Aramis nochmals, „was treibst du hier? Hat d´Artagnan dir nicht gesagt, dass du auf deinem Posten stehen bleiben solltest?“
Porthos, der sich erst jetzt wieder zu erinnern schien, wurde etwas blass, behielt jedoch jede Vernunft, die er wegen der kleinen Händlerin nicht zu verlieren wagte.
„Nun, d´Artagnan sagte ja nicht, wie lange ich mich dort aufzuhalten habe.“ versuchte der Hüne sich aus der Situation zu retten.
„Natürlich nicht! Porthos, verschwinde zu deinem Platz zurück!“ keifte Aramis, „Und, was soll dieses Schauspiel, wenn nicht eher Schauerspiel, mit diesem Mädchen?“
„Was hast du gegen die Kleine? Sie ist hübsch!“
Aramis stieg die Röte in den Kopf.
„Du hast ja gar keine Ahnung, was es heißt, wenn sich eine Frau für einen Mann wie mich interessiert, Aramis! Als Abbé wirst du da keine Erfahrung haben! Und überdies sollte dich mein Liebesleben gar nichts angehen!“ meinte Porthos stolz und zeigte Brust.
Aramis, der voller Zorn war, konnte sich nicht beruhigen und ballte Fäuste.
„Porthos – geh – jetzt – zurück – auf – deinen – Posten!!!“ schnaubte Aramis ein weiteres mal und stampfte zurück in seine Nische, die nun nicht mehr als Versteck zu gelten brauchte, da einige Leute ihn in auffälliger Pose dorthin laufen sahen.
„Pah, was denkt sich Aramis eigentlich dabei? Er ist doch sonst nicht so wütend, wenn ich einem Mädchen schöne Augen mache.“ Murmelte Porthos zu sich, warf der kleinen Händlerin noch einmal ein charmantes Lächeln zu und verschwand unauffälliger als Aramis in sein Versteck, welches hinter einem Fischhändler lag.
Für Aramis war es unerklärlich, wie Porthos sich plötzlich für arme Frauen wie Markthändlerinnen interessierte, denn dies passte nicht zu ihm. Porthos, der immer nach mehr Titeln, nach mehr Ruhm und Geld verlangte und strebte. Überdies hatten sie eine wichtige Mission zu erfüllen und auch wenn Porthos Ausriss aus seinem Unterschlupf nicht gefährlich war, kostete es Aramis doch alle Nerven und Mühe, sich von einem Wutausbruch abzuhalten. Dieser Plan, der d´Artagnan ansteckte, womit Aramis schon im vornherein nicht einverstanden war, würde nicht aufgehen. Für Aramis war klar, dass er nunmehr einen Freundschaftsdienst erwies. Einen mühsamen Freundschaftsdienst.

Kardinal Richelieu überlegte indes, wieso der König ihm noch nichts von dem bevorstehenden Ball gesagt hatte. Es war ihm egal, dass sein Lakai mehr als er wusste, denn es waren bisher nur unbestätigte Gerüchte, die sich durchaus als falsch erweisen konnten. Ärgerlich hingegen machte ihn die Tatsache, dass es hiess, arme Bürger werden eingeladen.
„Ich verstehe nicht,“ meinte Richelieu nachdenklich als Bernouin mit seiner Geschichte beendigt hatte, „warum mich der König in solchen Dingen nicht auf dem Laufenden hält!“
Der arme Bernouin war noch völlig aus der Puste nach seiner aufwändigen Rede, so dass er jegliche Haltung vor dem Kardinal verlor und ein Gespräch mit seinem Herrn anfing.
„Aber Eure Eminenz, was interessieren Leute der Kirche denn solche Bälle?“
Erschrocken von seiner Verachtung der Etikette, lief Bernouin knallrot an. Der Kardinal starrte ihn überrascht an. Er nahm es sich aber nicht, seinen Lakaien auszuspielen, in dem er das Gespräch einfach weiterführte, was Bernouin sichtlich unangenehm war.
„Doch, mich geht dies schon etwas an, Bernouin!“ sagte der Kardinal in einer gespielt nachdenklichen Rolle. „Immerhin bin ich es, der Frankreich mit allen Mitteln unterstützt und ich verlange nicht viel von seiner königlichen Hoheit, doch möchte ich über die Gängigkeiten der Veranstaltungen im Schlosse aufgeklärt sein! Wie stehe ich nur da, wenn alle Welt von einem Ball spricht und ich wegen meiner Unwissenheit mich schämen muss!“
Bernouin schwieg. Richelieu blickte ihn über die rechte Schulter an. Sein Lakai war durchaus ein Mann von Güte und Ehre und doch geriet er stets bei den kleinsten Schwierigkeiten, die manchmal gar keine darstellten, in Panik und lief rot an. Das amüsierte den Kardinal in herrlicher Weise.
Bald erreichten sie den Marktplatz. Es war äusserst selten, dass der Kardinal hier auftauchte und sogleich begannen die Leute zu schweigen, zu flüstern und auf ihn zu zeigen. Viele begrüssten Richelieu mit tiefen Verbeugungen, einige taten es nur aus Gewohnheit, andere in tiefer Verehrung. Es war längst bekannt, dass Richelieu Paris in zwei Parteien spaltete.
Heute interessierte es ihn aber herzlich wenig, ob man sich vor ihm beugte oder nicht. Viel wichtiger war es für ihn, dass die Gespräche, welche so abrupt beendet worden waren, weitergeführt wurden. Deshalb entfernte er sich ein Stück vom Platz, den er eben durchquert hatte und liess es sich nicht ansehen, welches Interesse er heute in die Bürger steckte. Und ihm war es auch nicht entgangen, einige Musketiere zu erspähen. Darunter fand er auch Aramis vor. Da dieser aber sehr gelangweilt aussah und einen Apfel ass, wusste es der Kardinal nicht besser, als zu meinen, dieser Musketier stehe einfach nur so in der dunklen Gasse herum.
Nachdem Richelieu und Bernouin den Markt überquert hatten, verschwanden sie seelenruhig um eine Hausecke. Bernouin spazierte indes weiter als er bemerkte, dass sein Herr einige Schritte hinter ihm stehen geblieben war.
„Herr Kardinal?“ fragte Bernouin.
„Still!“ flüsterte Richelieu und lugte um die Hausecke. „Sag mir, Bernouin, ist es alltäglich, dass sich so viele Musketiere auf dem Markt umhertreiben? Mir kommt dies sehr verdächtig vor!“
Bernouin war wieder in die Situation geraten, die ihm Angst machte. Also beabsichtigte er die Ahnungen des Kardinals zu bestätigen.
„Gewiss, auch mir kommt dies seltsam vor.“
Der Kardinal bemerkte Bernouins Unwissenheit darüber. Aber es war nur Bernouin. Er wusste viel auf dem Hof, in Sachen, die die weite Welt anbelangten, war er jedoch unbrauchbar. Ausserhalb des Hofes war der Lakai verloren.
„Mir missfällt dies! Vor allem ist einer jener Musketiere dort, denen ich nicht besonders gut gesonnen bin! Wie dumm von mir, nur dich mitzunehmen, Bernouin! Wir müssen schnellstens in den Kardinalpalais und nach Soldaten schicken, die diesen einen dort, Aramis wird er genannt, nicht wahr, in Augenschein nehmen!“
„Oh ja, Eure Eminenz, welch glänzende Idee!“
„Das ist keine Idee, das ist ein Befehl! Lass nach Soldaten rufen und gib ihnen meine Anweisungen, die ich dir noch geben werde, während ich dem König einen Besuch abstatte und mich um den Ball erkundige!“ knurrte Richelieu und beeilte sich zurück in den Kardinalspalais.

Pläne für Frankreich

2. Kapitel – Pläne für Frankreich

Unterdessen auf einem Platz in der Nähe der Bastille, sprachen Athos und d´Artagnan unter einer hohen Linde, deren Blätter noch immer saftig grün waren, über den Plan.
„Wie, Ihr habt Aramis nur den halben Plan erzählt und Porthos gar noch einen winzigeren Teil?“ fragte Athos aufgeregt.
„Ja, so ist es.“ bestätigte d´Artagnan lächelnd.
„Kein Wunder, dass unser Aramis, der ja den Plan nicht bis zur Vollendung kennt, in den letzten Tagen so gegen ihn war. Ich glaube, das war keine gute Idee, Aramis und Porthos davon nicht in Kenntnis zu setzen!“
„Sie meinen das Einschleusen unseres Spiones?“ lachte d´Artagnan siegessicher. „Keine Sorge, noch heute will ich Aramis und Porthos darüber aufklären!“
„Gut, aber zuvor erklären Sie den Plan mir, d´Artagnan!“ bat Athos.
D´Artagnan räusperte sich kurz und begann:
„Wie Sie sicherlich wissen, wird der König bald eine Dummheit begehen. Dies, weil er Kardinal Richelieu traut und für ihn bürgt. Wir wissen genau, was der Kardinal tatsächlich vorhat! Ist es nicht so, dass er nach dem Herrscherthron strebt und Ludwig stürzen und die ganze Königsfamilie am liebsten in Ungnade fallen lassen würde? Er ist geschickt in der Politik und die letzten Briefe, die ich abgefangen habe, sprechen dafür, dass der Kardinal Spanien und England dazu reizt, einen Krieg mit Frankreich zu beginnen! Natürlich hat Richelieu alles geplant, sollte es nämlich zu besagten Kriegen kommen, würde er dem König und die Königsfamilie die Schuld geben. Er selbst würde aber, dank des Aufstandes in Frankreich von den Bürgern, den König absetzen und sich für Friedenserklärungen einsetzen. Die Bürger, dumm wie sie sind, würden fortan Richelieu alles glauben. Damit hätte der Kardinal endlich sein Ziel, den Thron, erreicht. Zudem müssen wir einen alten Kameraden aus der Bastille helfen! Ihr wisst von wem ich spreche, es ist Herr de Veillon! Angeklagt wegen Unruhestiftung und Diebstahls sitzt er unschuldig, wie wir wissen, in der Bastille! Der arme Kerl!“
„Tatsächlich! Ich erinnere mich an die Briefe, die Sie mir gaben! Aber wie wollen Sie das nun anstellen? Und was hat es mit dem Einschleusen eines Spiones auf sich?“
„Geduld, Freund, Geduld!“ mahnte d´Artagnan mit einer Gebärde, die Athos verraten liess, dass nun die Antwort auf seine Frage kam.
„Da wir selbst nicht stets im Palais Royal sind, müssen wir einen Vertrauten hinschicken. Da kommt uns der nächste Ball gerade recht! Der König wird einige ausgewählte arme Bürger einladen, die in letzter Zeit spezielle Dienste erwiesen haben. Ich habe es vor drei Tagen von Monsieur de Tréville erfahren. Also gilt es, jemanden hinzuschicken, dem der König schon nach kurzer Zeit tiefes Vertrauen entgegenbringt und auch Rat von jener Person zu sich nimmt. Zum einen können wir somit Richelieu etwas aus seiner Schusslinie bringen und andererseits wissen wir aus erster Hand, was sich im Schlosse tut! Wir müssen Ludwig dazu bringen, dass er sich nicht weiter von Richelieu einnehmen lässt und ihn fortan nur als Kardinal, nicht aber als Politiker oder gar Frankreichs zweiter Herrscher ansieht.“
Athos schluckte. Mit einem solchen infamen Plan hatte er nicht gerechnet. Obwohl sich alles nicht sehr schwer anhörte, konnte er sich alle Schwierigkeiten bildlich vorstellen. Harte Wochen würden auf die vier Freunde zukommen.
„Unser Spion muss aber eine grossartige Person sein. Ich kenne aber keine, die einem armen Bürgerlichen gleichen würde.“ Seufzte er.
„Doch, natürlich! Planchet!“
„Planchet?!“ wiederholte Athos vom Schlag getroffen. D´Artagnan hatte dies so ernst gesagt, dass es Athos für einen Moment die Sprache verschlug. „Aber Planchet hat nie etwas grosses geleistet, dass der König ihn einladen würde!“
„Noch nicht, Athos! Noch nicht! Ich habe dafür aber auch schon einen Plan! Aramis und Porthos, die nun die Gängigkeiten auf dem Markt beobachten, wissen heute Abend bestens, was die Leute zurzeit am meisten erregt. Wir zetteln den dazugehörigen Streit inmitten des Marktes an und machen aus Planchet einen Helden. Der König wird davon erfahren, von mir, von Tréville oder von seinen vielen Dienern, dies ist gleich. Und so wird eine Einladung folgen.“
„Und Planchet haben Sie davon in Kenntnis gesetzt? Er muss alles menschenmögliche tun, damit Ludwig ihn als vertrauenswürdige Person ansieht und ihm eine Stelle bei Hofe verschafft!
„Ja, der gute Planchet weiss Bescheid. Anfangs war er natürlich dagegen, aber ich habe solange auf ihn eingeredet, bis er nachgab. Ich weiss, dass er sein bestes tun wird und es ist auch nicht schwer, Planchet schnell vertrauen zu können!“
„Was passiert, wenn Ihr Plan schief geht?“
„Darüber möchte ich mit Ihnen und Aramis und Porthos heute Abend sprechen!“
Athos wollte es so belassen bis zum Abend. Zusammen nahmen sie ihre Pferde und ritten zu ihrem Dienst, den sie über Mittag hatten.

„Teufelskerl, dieser d´Artagnan!“ schimpfte Aramis, der nun endgültig genug vom Beobachten hatte, und warf den Strunk des Apfels in eine Ecke, wo sich Ratten über Abfall hermachten
Mit diesen Worten verabschiedete er sich von seiner Ecke und mischte sich unauffällig unters Volk. Als er zu Porthos Versteck ankam, stand dieser zwar dort, plauderte aber gelassen mit der Fischhändlerin. Der Gestank war widerlich und Aramis rümpfte die Nase.
„Aramis!“ freute sich Porthos und liess die Händlerin links liegen. „Hast du den Kardinal gesehen?“
„Kardinal Richelieu?“ wiederholte Aramis laut.
„Ja, er kam vor einer guten halben Stunde hier durch! Nur mit seinem Lakaien bewaffnet.“
„Und Ihr habt mir nichts davon erzählt oder auch nur daran gedacht, mich davon irgendwie in Kenntnis zu setzen?“
„Was glaubt Ihr denn? Ich habe Euch gewunken, habe gepfiffen und sogar mehrmals Ihren Namen gerufen! Natürlich nicht so laut, sonst hätte ich ja jeden auf mich aufmerksam gemacht. Aber Sie haben mich nicht gesehen und so dachte ich mir, dass Sie immer noch wütend auf mich sind. Und da Ihr mir selbst befohlen habt, auf meinem Posten zu bleiben, bin ich eben geblieben!“
Aramis war der Verzweiflung nahe. Nicht, weil Porthos achselzuckend vor ihm stand, sondern weil er schon alle Gefahren ahnte. Wenn der Kardinal hier auftauchte, waren Kardinalisten nicht weit. Wie lange sie schon in ihren Verstecken waren und Aramis und Porthos beobachteten, wollte er gar nicht wissen.
„Los, gehen wir zu Tréville! Ich muss wissen, wo d´Artagnan heute Dienst hat und muss ihn aufsuchen! Er war es doch, der uns damit beauftragt hatte, den Markt zu beobachten, also sollte er auch davon in Kenntnis gesetzt werden, dass der Herr Kardinal einfach so mal durch den Markt läuft.“
„Beruhigen Sie sich, Aramis!“ meinte Porthos ein wenig erschrocken von der Eile seines Freundes. „Wir werden d’Artagnan und Athos heute Abend in der Schenke „Zur eisernen Blume“ treffen und gemeinsam Abendessen. Da werden wir ihnen alles erzählen können, was wir heute gesehen haben!“
„Und was gedenken Sie nun hier zu tun, da uns Kardinalisten auf den Hals gehetzt werden?“ fragte Aramis beinah erschöpft von seinen Gedanken.
„Mmh, wir lassen sie einfach. Wenn wir uns nicht rühren, können die Kardinalisten auch keine Botschaften übermitteln, die Richelieus Gemüt befriedigen würden. Er ist doch nur darauf hinaus, dass wir etwas anstellen, mit dem er uns beim König anzeigen kann! Papperlapapp, wir bleiben auf dem Markt, kaufen uns was zu essen und lassen es als Spesen verrechnen.“
Aramis brauchte lange, um jedes Wort von Porthos verstehen zu können, da dieser mit seinen gewaltigen Händen jedes Wort in eine Geste wiedergab und Aramis stets vor den Pranken ausweichen musste. Aber da Porthos sich wohl nicht vor heute Abend vom Markplatz wegbringen liess und Aramis keine Kraft besass, ihn wegzutragen, musste er wohl oder übel den Tag damit verbringen, gelangweilt die Stände anzustarren und Porthos beim essen zuzusehen.
„Sie haben mich überzeugt, Porthos. Da man uns aber bereits erblickt hat, müssen wir also nicht mehr weiter in unseren, wahrlich stinkenden und düsteren, Verstecken ausharren! Laufen wir doch gemeinsam den Markt rauf und runter, da wird uns genauso wenig entgehen, wie aus unseren Verstecken!“
„Eine gute Idee! Beginnen wir dort drüben!“ meinte Porthos und zeigte auf einen Stand mit Backwaren. Aramis seufzte und nickte schliesslich. Wenn es einen Tag des Essens gab, dann war dieser heute. Umherblickend und in einer Gemütsfühlung der Schwere und Langeweile, trottete der Musketier dem Hünen nach und wartete geduldig bei jedem Stand darauf, dass Porthos sich sattgegessen hatte.
Was für ein Tag, dachte sich Aramis, Kardinalisten beobachten Porthos beim Essen und mich beim langweilen.

Ein König und ein Kardinal

3. Kapitel – Ein König und ein Kardinal

Wie sehr hasste Richelieu die Musketiere des Königs. Immer und überall waren sie da um Schwierigkeiten zu bereiten, sich zu duellieren und lausig in Ecken zu stehen. Im Kardinalspalais erwartete er den Bericht von Bernouin ab, der, wie der Kardinal es ihm aufgetragen hatte, mehrere Soldaten auf den Marktplatz zu schicken hatte. Während diesen wenigen Minuten lief der Kardinal in seinem Gemach im Kreis, nachdenklich über den heutigen, verteufelten Tag, der, wie Richelieu feststellen musste, gegen ihn gewesen war. Wenig später erstattete Bernouin Bericht über seine erledigte Aufgabe. Richelieu nickte, gab ihm Anweisung, im Palais zu bleiben während er selbst in den Palais Royal hinüberging um mit dem König zu sprechen.

Ludwig XIII hatte den Kardinal nicht erwartet, war aber nicht minder erfreut darüber, dass jener ihn um eine Audienz ersuchte. Der König sass an seinem Schreibtisch und schrieb einige Briefe als der Kardinal eingelassen wurde.
„Herr Richelieu!“ sagte Ludwig erfreut. „Wie schön, Euch zu sehen.“
Kardinal Richelieu lächelte etwas gezwungen und nickte als Dank. Mit einem Wink des Königs setzte sich der Kardinal auf einen Stuhl.
„Habt Ihr von der erfreulichen Nachricht gehört?“ fragte der König und räumte seine Feder beiseite um sich Richelieu ganz widmen zu können.
„Welche Nachricht meint Ihr, Sire? Ihr wisst, in letzter Zeit gibt es viele gute Nachrichten auf Eurem Hofe!“ meinte Richelieu. Er erwartete, dass Ludwig den Ball meinte oder zumindest ein geplantes Fest, von dem ja ganz Paris sprach.
„Wirklich, mein lieber Kardinal Richelieu, Ihr solltet mich öfters besuchen kommen!“ lächelte der König. „Im ganzen Land ist die Ernte dieses Jahr besonders fruchtbar gewesen! Dank dem langen und heissen Sommers haben die Pflanzen einen erstaunlichen Ertrag gebracht! Denkt nur an die guten Weine oder die Früchte! Das Land und die Bauern sind zufrieden! Gibt es etwas herrlicheres als ein zufriedenes, gesättigtes und glückliches Land zu führen?“
Der Kardinal spürte die ehrliche Freude des Königs, der genüsslich eine Kirsche ass, darüber. Doch ihm lag kein Kirschstein, sondern ein anderer Stein im Magen.
„Sire, das ist bewundernswert! Ein glückliches Frankreich!“ meinte Richelieu mit gespielter Freude und Stolz. Er vermutete, dass Ludwig absichtlich nichts von dem Ball sagte. Langsam aber sicher begannen sich im Kopf von Richelieu Fäden zusammenzustricken.
„In der Tat, Herr Kardinal, in der Tat! Gleich morgen wird eine Fuhr mit Früchten aus der Provence kommen und unseren Gaumen ein Fest bereiten!“
„Verzeiht, das ich Euch unterbreche, Sire, doch Ihr habt eben selbst mein Anliegen angeschnitten, mit welchem ich zu Euch gekommen bin!“
Der König, etwas überrascht, blickte den Kardinal an. Ludwig sprach sich selbst wieder zur Vernunft und tat neugierig, um zu erfahren, was Richelieu denn wichtiges mit ihm zu besprechen hatte.
„Ich bitte Euch, Herr Kardinal, erzählt mir Euer Anliegen.“
Kardinal Richelieu räusperte sich. Jetzt kam es darauf an, auf keinen Fall unhöflich zu sein oder dem König falsche Gedanken aufzuhausen. Aber Richelieu wollte dem König zeigen, wer der Letztere war, der lachen würde. Es galt, Ludwig ein schlechtes Gewissen zu machen.
„Seit ich heute morgen meinen Fuss aus meinem Zimmer gesetzt habe, spricht alle Welt von einem Fest, einem Ball, den Eure Hoheit zu planen gedenkt! Natürlich war ich erstaunt und entsetzt darüber, dass Leute eine solche Idee, die ein armer Irrer aus dem Ärmel geschüttet hat, glauben und weitererzählen konnten! Ganz Paris scheint sich auf die Nachricht, welche von einer Einladung armer Bürgerlichen erzählt, gestürzt zu haben! Natürlich habe ich mir gedacht, dass Ihr, Sire, Euren Kardinal nicht zuletzt, sondern eher als Ersten davon informieren würdet! Ich bin noch immer voller Entsetzen darüber, wie selbst auf ihrem Hofe davon gesprochen wird! Ich wollte Euch darauf informieren, denn Ihr wisst um meine Sorge um Euer Ansehen.“
Ludwig war während des Gesprächs des aufgeregten Kardinals etwas blass unter den Tisch gerutscht. Ängstlich und vorsichtig blickte er auf den – scheinbar – ahnungslosen Richelieu, als er sich zurück in den Stuhl hievte.
„Monseigneur, dieser arme Irre muss dann wohl ich sein.“ sagte Ludwig trocken. Ihm wurde eben wieder bewusst, dass er der König war und tun und machen konnte, was ihm beliebt war.
„Sire, Ihr?“ fragte Richelieu erstaunt. Natürlich war es immer noch gespielt und er war entzückt darüber, dass der König ihm seine Schauspielerei nicht ansah. Denn der König war ein Menschenkenner und hatte meistens ein gutes Auge für solche Mimikspiele.
„Tatsächlich habe ich vor drei Tagen beschlossen, einen Ball zu geben. Die Idee lieferten mir die Nachrichten aus ganz Frankreich über die gute Ernte. Ich war, muss ich gestehen, sehr entzückt darüber! Einige Bauern kamen in den letzten drei Tagen aus allen Ecken meines Reiches um sich bei mir für etwaige Unterstützung in Krediten zu bedanken, die ich ihnen im Verlauf der letzten Jahre geliehen und bewilligt habe. Auch meine Gemahlin ist davon begeistert und riet mir zu dieser Idee, die mir kam. Ich werde einige Leute aus dem Land, die in diesem Jahr grossartige Dinge geleistet haben, einladen, gleich, welchen Stand, Rang und Namen sie haben! Ich möchte, dass Frankreich auf seinen König ebenso stolz sein kann, wie ich es auf die Ernte bin.“
Richelieu wusste nicht, ob er darüber lachen oder weinen sollte. Eine gute Ernte war tatsächlich ein Grund für einen Ball mit solchen absurden Einladungen? Richelieu verspürte Magenschmerzen. Ludwig sah bei allem aus, als meine er es ernst und aufrichtig und war wohl auch stolz darüber. Für Richelieu aber, der doch das Geld zusammenhielt und stets um die Sicherheit von Ludwig bangte, war dies ein Scherz.
„Und diese Idee stammt ganz allein von Euch, Sire?“
Jetzt begann das Spiel. Ludwig sah blass aus, etwas unsicher und für den Kardinal war klar, dass der König log.
„Wisst Ihr, Herr Kardinal,“ sagte Ludwig mit einer unsicheren Stimme, „eigentlich sprach meine Gemahlin zuerst von diesem Ball.“
Soso, dachte Richelieu, Anna von Österreich steckt also dahinter. Ludwig bemerkte anscheinend die Nachdenklichkeit von seinem Minister, die ihm schon manchen privaten Sieg gekostet hatte, so dass er schnell anfügte: „Aber ich befand die Idee für gut und denke, die Idee hätte auch von mir stammen können!“
Richelieu lächelte. Er, der von Anna wenig hielt, auch, weil sie sich in die Politik einmischte und geheimen Anliegen nachging, begann in dem harmlosen Ball eine Intrige zu sehen. Es galt jetzt, zuerst Anna auszuschalten.
„Sire, bei allem Respekt, findet Ihr nicht, dass ein solcher Ball zu kostspielig ist?“
„Ich habe genug Geld, Herr Kardinal.“
„Nun, aber wie steht es mit Ihrer und Annas Sicherheit?“
„Ich habe die Musketiere, die mich und Anna verteidigen werden, wenn es der Notfall verlangt.“
„Woher wisst Ihr dann über die guten Taten, die Eure Bürger vollbracht haben? Nirgends in unseren Abteilungen führen wir eine solche Liste worauf steht: Gilbert Clavel, Metzger in der Gasse, mon Dieu, soundso hat am 15. des Monats Juni eine glorreiche Tat begangen und Frankreich und seinen König gerettet!“
Der König fühlte sich unter Druck gesetzt. Schon lange hielt Kardinal Richelieu ihn immer noch für ein Kind und behandelte ihn auch so. Er war alt genug, um selbst entscheiden zu können, was richtig und falsch war. Und Anna war seit geraumer Zeit sehr nett und fürsorglich zu ihm gewesen. Ludwig wollte nicht verstehen, warum Richelieu in Anna eine Feindin sah. Aber natürlich wollte er auf seinen Minister nicht verzichten, tat er Frankreich doch stets gutes.
„Monseigneur, ich glaube nicht, das ich Euch dies erzählen müsste! Ich habe meine Leute, die eben eine solche Liste anfertigen! Morgen weiss ich, wer eine Einladung erhält!“
Der Kardinal war entzürnt darüber. Ludwig stellte sich zum erstenmal über den Kardinal und dieser war eine solche Situation nicht gewohnt.
„Und wie erstellen Ihre Leute eine solche Liste? Gehen sie auf die Strassen und fragen die Leute?“ lachte der Kardinal spöttisch.
Ludwig bemerkte den Zorn des Kardinals, liess sich diesmal aber nicht einschüchtern, denn dieser Ball war für ihn wie für Anna wichtig. Eine Idee, auf die sich die Eheleute einig waren, war vielleicht auch ausschlaggebend für die weitere Zukunft. Denn Ludwig wusste von Annas früheres Geheimnis mit Lord Buckingham. Jetzt lag fast ein Jahr zwischen dem heutigen Tag und dem Tod von Buckinghams. Und Anna war für Ludwig nach wie vor eine hübsche und wunderbare Person, die er auf keinen Fall durch weitere Lügen und Intrigen verlieren wollte. Tatsächlich schien in letzter Zeit das Zusammenleben der beiden auf eine glorreiche Zukunft blicken. Anna war friedvoller als zuvor und unternahm viel mehr mit Ludwig. Sie erfreute sich auch an die vielen Ausflüge mit ihrem Gemahl, der öfters Zeit mit ihr und ihren Wünschen und Fragen verbrachte. Nur Richelieu wollte dies wieder einmal nicht einsehen. Ein wahrer Staatsmann eben, von dem Ludwig viel hielt aber in einigen Dingen unglaublich hasste.
„Ihr habt es erraten, Monseigneur! Ich habe Posten auf den Hauptstrassen und auf dem Marktplatz aufgestellt!“ erwiderte der König und stand wütend auf. „Desweiteren möchte ich nicht, dass Ihr Euch in meine Angelegenheiten einmischt, Herr Kardinal! Sie sind ein guter Minister und werden es auch sicherlich bleiben wollen!“
Richelieu war blass geworden. Soeben musste er zwei schreckliche Dinge feststellen. Das erste war, das der König wirklich wütend auf ihn war und das zweite zermürbte seinen Kopf, denn es sah so aus, als hätte er eben einen Fehler begangen. Er stand ebenfalls auf.
„Dann sind wohl die vielen umherstehenden Musketiere auf Eurem Befehl auf dem Marktplatz!“ schrie der Kardinal und schüttelte, entsetzt über seine voreiligen Gedanken und Befehle, den Kopf. Er hatte ein Dutzend Männer dorthin geschickt, weil er einen Komplott vermutet hatte, und nun stellte sich heraus, dass diese Musketiere auf Befehl des Königs dort aufgestellt wurden.
Der König war jedoch überrascht, als er dies von Richelieu hörte. Er wurde wieder ruhiger und auch der Kardinal schien zu merken, dass etwas nicht stimmte.
„Sagtet Ihr eben meine Musketiere stünden auf dem Marktplatz?“
„Ja, Sire.“
„Seltsam, ich habe einige Diener und Hofdamen um diese Aufgabe gebeten, nicht aber die Musketiere! Von wie vielen sprechen wir?“
Der Kardinal begann zu schwitzen. Er hatte nur drei gesehen, einer davon war Aramis gewesen.
„Etwa ein gutes Dutzend! Darunter auch einer der vier berühmten Musketiere!“
„Mmh, ein ganzes Dutzend!“ wiederholte der König. „Es ist keine Mittagszeit, die für sie sprechen könnte, und so wie mir Hauptmann de Tréville gestern erzählt hat, habe er im Moment ein wenig Personalmangel, da er alle Musketiere im Dienst brauche. Meiner Meinung nach dürfte dann auch kein Musketier in der Gegend umherstehen. Vielleicht übergehen sie die Anweisungen ihres Hauptmannes!“
„Vielleicht habe ich mich auch geirrt, Sire, was meine Vermutung gegen einen Komplott anbelangt.“
„Ein Komplott?! Daran wage ich nicht zu denken, nein, meine Musketiere haben mir immer die Treue geschworen und gehalten! Nein, Herr Kardinal, das glaube ich nicht. Aber ich danke Euch für den Hinweis, ich werde darüber noch heute mit dem Hauptmann sprechen!“
„Sire, ich habe vorsichtshalber einige meiner Leute auf den Markt geschickt. Sie werden mir Bericht erstatten, sollte doch etwas im Busche sein!“
„Sehr gut, sehr gut, Richelieu! Wahrlich, ich mag nicht an einen Komplott gegen mich denken, aber man weiss heutzutage nie, was morgen passiert! Ich danke Euch für Euren grossartigen Geist und Kopf! Frankreich wäre nur ein halbes Land ohne Euch!“
Der Kardinal bedankte sich mit einem Nicken und tat Anstalten zu gehen. Ludwig setzte sich wieder hin. Kurz bevor der Kardinal die Tür erreichte, rief ihn Ludwig zurück.
„Herr Kardinal, noch eine Frage!“
„Ich stehe Euch immer zu Eurer Verfügung!“ sagte Richelieu und verneigte sich.
„Habt Ihr erkannt, welcher der vier berühmten Musketiere auf dem Markt war?“
„Ja, Sire. Ein gewisser Aramis. Ich habe bereits schon öfters die Ehre gehabt, mich mit ihm zu unterhalten!“
Der König nickte dankend und gab einen Wink, der dem Kardinal zur Entlassung diente.
Richelieu trat aus dem Palais Royal. Obwohl er über den Ausgang seines eigentlichen Problemes, dem Ball, nicht zufrieden war, war er umso mehr erfreut zu hören, dass nun endlich die Musketiere in ein schlechtes Licht gerieten. Besonders erfreulich war, dass der erste der vier Unbestechlichen ein amüsantes Ende in einem Exil oder Gefängnis verbringen würde oder zumindest keinen Dienst mehr als Musketier leisten würde. Welch grossartiger Tag.