Unter Musketieren... von MadameAramis

Mitten im Wald

Dies ist eine Story zur BBC- Serie „The Musketeers“. Sie spielt in der zweiten Staffel der Serie. Monsieur Bonacieux ist bereits gestorben und D´Artagnan lebt bei Constance.

 

1. Kapitel

 

Ich saß gelangweilt im Chemieunterricht und starrte auf die Uhr. Die Zeit schien nicht zu vergehen und jede Minute war eine Qual. Mein Lehrer versuchte uns wiedermal irgendetwas über chemische Gleichgewichte beizubringen, aber eigentlich war ich schon seit der 9 Klasse nicht mehr im Unterricht mitgekommen. Ich war jetzt in meinem letzten Schuljahr und das Abitur rückte immer näher. Ich hatte keine Ahnung, was ich danach machen wollte. Dennoch lernte ich viel und ich hatte das Gefühl mein Tag bestand aus: Schule, essen und schlafen. Irgendwo im Hintergrund redete mein ,,um alles geliebter Chemielehrer“, während meine Gedanken bei dem Typen waren, der mir gegenüber saß. Man er sah so gut aus! Warum traute ich mich nur nicht ihn anzusprechen. Wieder ein Blick auf die Uhr: erst 5 Minuten vergangen. Ich lehnte mich auf meinem Stuhl zurück und überlegte, wie ich die restlichen 45 Minuten verbringen sollte. Auf einmal wurde mir jedoch schwindelig und Alles um mich herum wurde plötzlich schwarz...

 

Langsam kam ich wieder zu mir. Das Erste, was ich wahrnahm war der harte Boden auf dem ich lag und das Gezwitscher von Vögeln. Ich öffnete meine Augen und blickte auf das Blätterdach über mir. Moment Blätter und Himmel? Wo war ich? Ruckartig setzte ich mich auf und bereute es sofort, da mir wieder schwindelig wurde. Ich sah mich um. Ich war in einem Wald. Rings um mich nur Bäume. Langsam stand ich auf und erkannte plötzlich, dass ich ich nicht alleine war. Etwas entfernt von mir lag noch jemand. Sofort lief ich auf die unbekannte Person zu. Ich kniete neben ihr nieder und erkannte: Meine Schwester...

 

,,Leah? Hörst du mich?“, rief ich.

Ich rüttelte meine Schwester leicht an der Schulter. Langsam wachte sie auf und sah mich an. „Alexandra?“, fragte sie. ,,Was machst du hier?“.

,,Was machst DU hier?“, fragte ich zurück.

Meine Schwester sah sich um, guckte mich erstaunt und ängstlich zugleich an. ,,Wo sind wir?“, brachte sie leise hervor.

Ich drehte mich einmal, um die Umgebung genauer zu betrachten, kam dann jedoch zu dem Entschluss, dass mir dieser Ort definitiv fremd war. ,,Ich habe keine Ahnung?“

Ich half ihr hoch und und wir standen uns gegenüber.

„Ich verstehe das nicht? Ich war doch gerade noch in der Schule!“, wunderte ich mich.

Verwirrt sah mich meine Schwester an. „ Ich auch, ich hatte Mathe! Und was machen wir jetzt?“

„Vielleicht sollten wir uns mal umsehen“, schlug ich vor.

 

Mit diesen Worten machte ich mich auf den Weg in eine willkürlich gewählte Richtung. Vielleicht träumte ich ja und das alles hier war nicht real. Nein es konnte eigentlich nicht real sein! Gleich würde ich aufwachen und mein Chemielehrer mir wütend gegenüberstehen, weil ich in seinem Unterricht eingeschlafen war.

 

Es kam mir vor als wären wir schon Tage unterwegs. Ich wurde immer verzweifelter und auch meine Schwester war den Tränen nahe.

„Lexie, ich will hier weg. Ich will nach Hause! Ich will wieder gelangweilt in der Schule sitzen!“

„Ich weiß, aber ich habe keine Ahnung, wo wir sind!“

Verzweifelt umarmten wir uns und versuchten ein bisschen Trost darin zu finden, dass wir ja nicht ganz alleine waren. Am Horizont ging langsam die Sonne unter und die Dunkelheit legte sich über den Wald. Ich dachte nach. Was hatten sie nochmal in dieser Fehrnsehsendung gesagt, wie man in einem Wald überleben konnte? Schließlich beschlossen wir uns die Nacht auszuruhen und morgen nach einer Lösung zu suchen. Ich hatte keine Ahnung ob es hier irgendwelche gefährlichen Tiere gab und keiner von uns war fähig ein Feuer zu machen, um wenigsten die Kälte zu vertreiben, die die angenehmen Wärme des Tages vertrieb. Wir ließen uns eng aneinander gekuschelt an einem Baum nieder, an dem wir irgendwann vor Erschöpfung einschliefen.

 

Mit den ersten Sonnenstrahlen, die durch die Blätter fielen erwachte ich wieder. Kurze Zeit vergaß ich, wo wir waren, bis es mir wieder einfiel. Und mit der Erinnerung kam der Schock und die Erkenntnis, dass das ganze hier vielleicht doch kein Traum war. Auch Leah wachte auf und ich wusste, das sie das gleiche dachte. Ich realisierte mit einem mal, dass sich jetzt auch ein starker Hunger meldete. Kein Wunder, ich hatte vor der Schule ja auch nichts gegessen. Wir waren ratlos und verzweifelt.

 

„Was jetzt?“, fragte meine Schwester, „gehen wir einfach weiter?“

„Mir fällt leider auch nichts bessere ein“, erwiderte ich.

 

Ich hatte keine Ahnung, was wir machen sollten. Ich hoffte darauf, dass wir irgendwann auf eine Straße treffen würden und dann Hilfe bekämen. Ich wollte gar nicht daran denken, was passieren würde, wenn wir nie die Zivilisation erreichten. So gingen wir also weiter. Meine Füße taten mir weh und mit jedem Schritt wurde die Verzweiflung größer. Die Sonne ging bereits wieder unter und verschwand hinter den Baumwipfeln. Ich schaute Leah an, welche ebenfalls einen sehr verzweifelten Eindruck machte. Ihr Kleidung war inzwischen dreckig, und die Haare völlig durcheinander. Sie hatte dicke Schatten unter den Augen, von zu wenig Schlaf und den unzähligen Tränen, die sie schon vergossen hatte. Ich sah wahrscheinlich nicht besser aus. Meine blonden Haare waren zerzaust und ich hatte das dringende Bedürfnis nach einer Dusche und vor allem nach etwas Essbarem.

 

Plötzlich schrie meine Schwester auf: „Guck mal da vorne!“

Ich schaute in die Richtung, in die sie zeigte... Endlich! Zwischen den Bäumen erschien erst ein Weg, der schließlich zu einem Haus führte. Besser gesagt eine Hütte, die still und dunkel vor uns lag. Vorsichtig näherten wir uns dem Gebäude, bis wir vor der hölzernen Tür standen. Wir sahen uns an und nickten uns zu. Dann öffnete ich langsam die Türe, machte einen Schritt über die Schwelle und wir standen in einem leicht, von Kerzen erhellten Raum.

 

Im Inneren roch es nach Kerzenwachs und ein wenig muffig. Mein Blick viel auf ein Wärme spendendes Feuer, was im Kamin brannte. Im Raum standen einige Bänke und Tische. Alles machte einen sehr altmodischen Eindruck auf mich, was durch die Frau hinter den Tresen verstärkt wurde, die gerade damit beschäftigt war einem Glas herumzuwischen und ein mittelalterlich wirkendes Kleid trug. Sie schaute uns an, sprach jedoch nicht. Wir bewegten uns langsam auf die Frau zu und ich begann zu sprechen.

 

„Ähm Entschuldigung, wir haben uns verlaufen und finden nicht zurück, könnten sie uns vielleicht sagen, wo wir sind. Oder haben sie ein Telefon, damit wir Zuhause anrufen können? Unsere Eltern machen sich bestimmt schon Sorgen.“

Die Frau musterte uns mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck und sagte schließlich: „Ihr seid in der Nähe von Paris.“

Paris? Wie verdammt noch mal waren wir hier hin gekommen? Waren wir etwa entführt worden?

„Und hätten sie jetzt vielleicht auch ein Telefon?“ fragte ich erneut.

Die Frau guckte mich an, als wäre ich von einem anderen Stern „ Entschuldigt mich, aber ich weiß nicht, wovon ihr sprecht!“

 

Das gab´s ja nicht die Frau wusste nicht, was ein Telefon war! In welchem Kaff waren wir hier nur gelandet? Unsere Hoffnung schwand wieder und ich sah, wie meine Schwester wieder Tränen über die Wangen rollten. Meine sonst so lustige und fröhliche, 13-jährige Schwester so zu sehen versetzte mir einen Stich im Herzen. Schüchtern fragte ich, ob wir hier nicht die Nacht verbringen könnten und etwas zu essen bekämen. Dabei kam ich mir etwas unhöflich vor, aber ich sah momentan leider keine Alternative. Die Frau zog eine Augenbraue hoch, sah an uns herab und fragte: „Könnt ihr bezahlen?“

Mein Herz rutschte eine Etage tiefer und ich blickte mit einem geseufzten „Nein“ auf den Boden. Meine Schwester blickte der Frau mit bittenden, flehenden Blicken in die Augen, was die Frau jedoch nicht weiter zu interessieren schien.

„Kein Geld- kein Essen“ , erwiderte sie standhaft.

 

Nun war auch ich den Tränen nahe, bis sich von hinten plötzlich eine Hand auf meine Schulter legte. Ich sah einen Mann, mit einem Hut und ebenfalls merkwürdig alt aussehenden Klamotten, die jedoch ziemlich gut an ihm aussahen. An einem blauen Gürtel trug er außerdem verschiedene Waffen. Oh mein Gott, war das etwa ein Degen und eine Muskete?! Was war das für ein Typ? Wo um alles in der Welt waren wir hier nur gelandet? Sind hier den alle komplett durchgedreht, vielleicht sollten wir ganz schnell von hier verschwinden! Der Mann grinste mit einem mal die Barfrau an und sagte „Madame, was haltet ihr davon, wenn ich für die zwei hier bezahle?“

 

1636-Und was jetzt?

Kapitel 2

 

Die Frau nickte nur kurz und wandte sich wieder dem Glas zu. Meine Schwester drehte sich zu dem mysteriösen Mann um und dankte ihm. Auch ich war erleichtert, obwohl ich noch nicht genau wusste, was ich von dieser Situation halten sollte. Immerhin kannte ich den Mann nicht.

 Der Fremde wandte sich mit einem freundlichen Lächeln an mich: „Was habt ihr denn überhaupt so alleine und so weit abseits von der Stadt zu suchen?“.

Ich erwiderte so glaubhaft wie möglich: „Wir wissen nicht, wie wir hier hin gekommen sind, wir waren in der Schule und dann auf einmal im Wald“.

Ich musste ziemlich verzweifelt aussehen, denn der Mann sah mich Mitleid erfüllt und an und sagte schließlich: „Komm setzt euch zu uns“.

Wir folgten ihm zu einem Tisch in der Ecke des Raumes, an dem drei andere Männer lachend beisammen saßen.

„Aramis, wo warst du?“ rief der eine, „schon wieder am flirten?“

Typisch alle dachte mal wieder das wäre das einzige, was er tun würde. „Was hast du wieder angestellt?“

„Ich helfe nur zwei verirrten jungen Damen, das ist alles“, antwortete er, offenbar genervt von seinen Freunden.

Aramis machte eine Handbewegung die andeutete, dass sich die Mädchen setzten sollten. Er musterte sie genauer. Beide hatten blonde Haare, die Ältere hatte blaue Augen, die Jüngere braune. Beide sahen aus, als wären sie schon länger im Wald umhergeirrt und sie trugen Kleidung die er bis jetzt noch nie gesehen hatte.

Aramis räusperte sich “Ich bin Aramis“. Er verbeugte sich, nahm seinen Hut ab und platzierte diesen über seinem Herzen.

„Das ist Porthos.“ Er zeigte zu einem großen Mann, der in schwarzes Leder gekleidet war und sie Mädchen freundlich anlächelte

Aramis fuhr fort: „Hier haben wir Athos“

Die stahlblauen Augen des Mannes blickten kurz auf. Er nickte ihnen zur Begrüßung zu, wandte sich dann jedoch wieder seinem Glas Wein zu.

„Und D´Artagnan“.

Der Jüngste der Männer grüßte sie: „Schön, euch kennenzulernen.“

Athos schaute von seinem Glas auf und musterte die beiden Neuankömmlinge. „Und wer seid ihr?“

„Alexandra“ antwortete die Ältere, „ich bin Leah“ erwiderte die Kleinere. „Vielen Dank, dass sie so freundlich zu uns sind. Wir dachten schon wir müssten wieder nach draußen“.

„Wir helfen immer gerne“, antwortete Aramis freundlich.

„Ist das hier eigentlich so eine Art Rollenspiel?“ traute sich Alexandra irgendwann zu fragen.

Das einzige was sie als Antwort bekam waren verwirrte Blicke, daher fuhr sie fort „Ich mein eure Kostümen, mit den Waffen und auch die Inneneinrichtung hier, hat schon was vom 17. Jahrhundert, fast wie die Musketiere aus diesem Buch“.

Athos starrte die Geschwister nun völlig entgeistert an, während Porthos lautstark zu lachen anfing.

„Es gibt ein Buch über Musketiere?“ fragte D´Artagnan nun verwirrt.

„Nein mein Freund“ erwiderte Aramis nun ebenfalls lachend.

„Okay hört zu, ihr seid ja schließlich auch im 17. Jahrhundert. Wir haben 1636. Was dachtet ihr denn?“

Leah und Alexandra wurde mit einem mal blass.

„Das ist ein Scherz, oder?“

Unsicher schauten die beiden zu Athos, der ihnen der Ernstere dieser Truppe zu sein schien, doch auch der verzog keine Miene.

„Ich glaub ich muss mal an die Luft“. Mit diesen Worten rannte Alexandra durch das Zimmer und stolperte aus der Türe. Aramis folgte ihr.

 

Leah blieb schüchtern an ihrem Platz sitzen und sah ziemlich verloren neben D´Artagnan aus. Als ihr eine Träne über die Wange rollte, sah man den drei restlichen Musketieren die Überforderung mit dieser Situation deutlich an. Porthos versuchte D´Artagnan mit einer lautlosen Kommunikation zu übermitteln, er solle Leah umarmen, um sie zu beruhigen. Schließlich gab D´Artagnan sich einen Ruck und nahm das Mädchen in den Arm.

 

Währenddessen war Alexandra draußen angekommen und versuchte ihren Atem wieder unter Kontrolle zu kriegen und nicht zu hyperventilieren.

Okay alles gut, ein und aus, ein und aus... Was denke ich nur, nichts ist gut!!! Oh mein Gott ich bin in einer anderen Zeit!! Ich komm hier wahrscheinlich nie wieder weg. Wie bin ich hier bloß hin gekommen?? Ich werde für immer hier festsitzen, ich werde meine Eltern und Freunde nie wieder sehen. Was mache ich jetzt nur, wie soll ich mich jemals hier zurecht finden? Ich hab kein Geld, keine Ahnung von dieser Zeit, ich habe doch in Geschichte nie aufgepasst. Ich muss mich um meine Schwester kümmern! Wir müssen irgendwie überleben. Ich will einfach nur, das alles ein böser Traum ist! Ich will aufwachen und in meinem Bett liegen...“

„Alles gut, alles wird wieder gut, sieh mich an Alexandra...“

Allmählich wurde Alexandra bewusst, dass Aramis schon seit ein paar Minuten vor ihr stand und auf sie einredete. „Wir kriegen das schon wieder hin!“

„Nein kriegen wir nicht, ich weiß nicht wie ich hier hin gekommen bin und wie ich wieder nach Hause komme! Ich kenne hier niemanden und werde hier sterben!“

„Ihr ruht euch jetzt erst einmal aus, und morgen sehen wir weiter!“, antwortete Aramis mit ruhiger Stimme.

Alexandra sah ihm in die Augen „In Ordnung“.

Auf einmal kam Leah aus der Tür gerannt und fiel Alexandra um die Arme.

„Wo warst du, warum rennst du einfach weg?“, rief sie verzweifelt.

„Tut mir Leid“, beruhigte ich sie.

„Lass mich niemals alleine“

„Nein, niemals!“, Alexandra drückte sie fester an sich.

Zu dritt gingen sie wieder in das Gebäude und die Geschwister stiegen dieTreppe zu dem Zimmer , welches die Musketiere gemietet hatten, hoch.

 

Aramis kehrte an den Tisch zurück und setzte sich neben Athos.

„Alles in Ordnung?“ fragte Porthos ein wenig besorgt.

„Was machen wir jetzt mit den Zwei?“ erkundigte sich D´Artagnan.

„Wir können sie auf keinen Fall hierlassen!“ entschied Aramis.

Athos seufze und entschloss schließlich: „ Also nehmen wir sie mit nach Paris“.

„Und dann?“ warf Porthos ein.

Daraufhin sahen alle zu D´Artagnan.

„Was ist, warum seht ihr mich jetzt an?“

„Naja, wir können sie ja schlecht in die Garnison bringen!“ überlegte Aramis

„Und da habt ihr gedacht Constance wird sich schon um sie kümmern?“, bemerkte D´Artagnan mit hochgezogener Augenbraue.

„Das war der Plan.“, erwiderte Athos.

„Denkst du nicht sie hat schon genug damit zu tun sich um unseren Welpen hier zu kümmern?“, bemerkte Porthos mit einem Grinsen auf dem Gesicht.

„Ich bin kein Welpe! Und sie muss sich nicht um mich kümmern! Ich komm auch alleine klar!“, verteidigte sich D´Artagnan genervt und rollte mit den Augen.

Aramis grinste und erwiderte amüsiert „Also ich erinnere nur ungern an diese eine Geschichte, als du erkältet warst und so getan hast, als würde dein Ende nahen. Und dann war da noch...“

„Ist ja gut“, unterbrach ihn D´Artagnan schließlich, „hast gewonnen!“

„Also steht es fest, wir bringen sie erst einmal zu Constance und dann sehen wir weiter...

 

 

Ankunft bei Constance

Kapitel 3

 

Langsam erwachte Leah aus ihrem Schlaf. Die Sonnenstrahlen, die durch das Fenster schienen, hatten sie geweckt.

„Na toll“, dachte sie, sie hatte wieder vergessen die Rollladen runter zu machen. Oder war heute nicht Schule? Warum hatte ihr Wecker denn dann nicht geklingelt?

Sofort saß Leah aufrecht im Bett. Als ihr Blick auf ihre Schwester Alexandra fiel, die friedlich neben ihr schlief, erinnerte sie sich und sank wieder ins Kissen. Sie starrte an die hölzerne Zimmerdecke und seufzte. Vielleicht sollte sie lieber wieder schlafen, dann wäre sie wenigstens nicht mehr in diesem Alptraum gefangen. Schließlich entschloss sie sich jedoch dafür, doch ihre Schwester zu wecken und rüttelte leicht an ihrer Schulter. Verschlafen sah Alexandra Leah an und als sie ihren Blick durch den Raum schweifen ließ, seufzte sie ebenfalls. Auf einmal klopfte es an der Tür. Leah stand auf und öffnete sie.

„Einen guten Morgen wünsche ich euch! Ich habe euch etwas zu Frühstücken mitgebracht, wir wollten gleich aufbrechen.“, sagte der Mann, der gestern Alexandra nach draußen gefolgt war. Leah versuchte sich an den Namen zu erinnern, da sie in Sachen „Namen merken“ sehr viel besser war, als ihre Schwester, erinnerte sie sich. Genau, Aramis hieß er.

„Wir kommen gleich“, antwortete die jüngere Schwester und nahm das Frühstück entgegen.

Leah schloss die Tür, als Aramis sich wieder auf den Weg nach unten machte. Sie stellte das Frühstück auf den kleinen Holztisch in ihrem Zimmer und setzte sich. Alexandra ließ sich ihr gegenüber nieder, als sah sie an und dann fiel ihr etwas ein:

„Okay hör zu, es ist wichtig, dass wir nicht überall herumerzählen, wo wir herkommen, wahrscheinlich halten sie uns die Menschen dann für verrückt. Würde ich ja auch, wenn mir jemand erzählen würde, dass ich aus der Zukunft komme. Außerdem gab es glaube ich um diese Zeit die Hexenverfolgung und ich habe keine Lust für eine Frau gehalten zu werden, die mit Dämonen spricht.“, Alexandra lachte ironisch.

Leah nickte. „Aber unseren Begleitern können wir das glaub ich nicht mehr verheimlichen.“

„Solange sie nicht fragen, müssen wir auch nicht davon erzählen.“


Dieser Plan ging leider nicht auf.

Als sie Geschwister die Treppe herunterkamen und aus der Hütte traten, standen die Musketiere bereits draußen und bereiteten ihre Pferde vor.

„Na, gut geschlafen?“, begrüßte sie Porthos, der gerade den Sattelgurt seines Pferdes festzog.
„Porthos, du nimmst die Kleine. Aramis, du reitest mit der Anderen.“,rief Athos von hinten.
„Wir haben auch Namen und ich bin nicht „die Kleine“!“, antwortete Leah zickig.
„Das Problem kenn` ich.“, kam von hinten der herausfordernde Ruf von D´Artagnan.
Nun konnte sich auch Athos ein Grinsen nicht mehr verkneifen:„Könnt auch ja verbünden!“

Als sie auf ihren Pferden saßen und einem schmalen Waldweg folgten, fragte Aramis, das,was ihn schon die ganze Zeit beschäftigte: „Und, wo genau kommt ihr jetzt her?“
Erwartungsvoll drehten sich jetzt auch die anderen, auf dieses Frage hin, in Alexandras Richtung.

„Wie soll ich das jetzt am besten erklären... können wir euch vertrauen?“
„Aber natürlich, wir sind ehrenwerte Musketiere!“, antwortete Aramis ein wenig beleidigt.
Alexandra sah sich noch einmal unsicher um, dann begann sie ihre Geschichte zu erzählen...
„...und dann haben wir euch getroffen.“

Porthos fing lautstark an zu lachen: „Ja genau und ich bin die Königin von Frankreich!“
Athos brachte ihn mit einem schnellen Blick zu schweigen.

„Seit ihr sicher, dass ihr euch das nicht nur einbildet?“, fragte Aramis mit einem besorgten Blick.

„Ich kann es ja selber nicht erklären!“, versuchte Alexandra verzweifelt verständlich zu machen.

Porthos runzelte die Stirn. „Ihr behauptet also, ihr kommt aus der Zukunft?“

„Und wie soll das bitte möglich sein? Es gibt keine Zeitreisen!“, bemerkte Athos skeptisch.

Porthos schüttelte den Kopf. „Ehrlich ich weiß nicht was ich davon halten soll, ihr klingt wie dieser Verrückte, dem wir mal begegnet sind, erinnert ihr euch noch?“, fragte er in die Runde.

„War das die Mission, in der Athos mitten im Winter in den See gefallen ist und fast erfroren wäre?“, sagte Aramis vorwurfsvoll in Richtung Athos.

„Es ist nicht meine Schuld. Du wolltest ja unbedingt über diese Brücke gehen, anstatt den Weg außen rum zu nehmen!“

„Da wusste ich ja noch nicht, dass du vor hast dich da runter zu springen, um baden zu gehen.“

„Aramis denkst du nicht, dass Athos Bad eher unfreiwillig war?“, versuchte D´Artagnan zu schlichten.

Nun mischte sich auch Porthos ein. „Der Kleine hat recht, du kannst nicht sagen, dass von einem Banditen geschubst werden und freiwillig springen dasselbe ist“.

„Ähm...entschuldigt....Hallo? Hört mir jemand zu?“, versuchte Alexandra, in der inzwischen immer lauter gewordenen Diskussion, zu Wort zu kommen.

Nach einer Weile hatte Alexandra genug. „Na toll! Männer sind doch immer gleich und ich dachte in der Vergangenheit wären alle Gentleman“, murmelte Alexandra mehr zu sich selber. Dann ließ sie einen Schrei hören. Sofort starrten die Musketiere sie an.

„Alles in Ordnung? Ist dir was passiert?“, wurde sie sofort von einem besorgten Aramis gefragt.

„Schön ,dass ihr entschlossen habt, mir auch einmal zuzuhören!“

„Was genau hat dieser Verrückte erzählt?“, wollte Leah wissen und stellte damit die Frage, die auch Alexandra im Sinn hatte.

Ach sowas, wie: Glaubt mir ich komme aus der Zukunft, helft mir, ich muss wissen wie ich hier her gekommen bin!“, antwortete Porthos.

„Und dann?“, wollten die Geschwister gleichzeitig weiter wissen.

„Wie und was dann?“,fragte ein verwirrter Porthos weiter.
„Er wäre fast als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Wären wir nicht da gewesen, um die Menschen davon zu überzeugen, dass der Mann einfach nur verrückt ist.“

Leah lehnte sich zu Alexandra: „Das heißt es gibt vielleicht noch jemanden, der woanders herkommt. Wir müssen ihn finden, vielleicht hat er was herausgefunden und kann uns helfen“.

„Gute Idee, aber erst mal gehen wir mit nach Paris, wir wissen noch nicht mal, wo genau dieser Mann ist.“, wandte Alexandra ein.



Drei Stunden später, bog die Truppe auf einen größeren Weg ein. In der Ferne erkannte man bereits die Dächer von Häusern, die sich ins unendliche zu erstrecken schienen. Es war ein großer Kontrast, zu der sonst so wenig besiedelten Landschaft. Ein paar mal waren sie an einigen abseits liegenden Höfen vorbei gekommen, ansonsten wirkte alles so unberührt. Ganz anders als die dicht besiedelten Städte, Strommasten und Fabriken im 21.Jahrhundert. Alles wirkte hier friedlicher und weniger hektisch, und die Geschwister dachten das erste mal nicht mehr an ihre Sorgen, die sie seit ihrer Ankunft im 17. Jahrhundert hatten. Wir sehr hatten Alexandra und Leah doch immer Großstädte, mit dem ganzen Lärm gehasst. Sie hatte immer den Gedanken gehabt, dass sie einfach perfekt sein musste und das Gefühl, eigentlich keine Freiheit zu besitzen und ein vorbestimmtes Leben zu leben. All diese Gedanken schienen hier zu vergessen.

Als sie schließlich durch ein Tor ritten und in die Stadt kamen, erreichten sie schon bald einen Marktplatz. Hier herrschte ein reges Treiben. Die Menschen liefen umher, unterhielten sich und schienen sich zu kennen. Nicht wie in der modernen Großstadt, in der die Menschen aneinander vorbeiliefen, ohne sich anzusehen.

Sie überquerten den Marktplatz, was durch die eng aneinander stehenden Marktauslagen keine einfache Aufgabe war, und bogen schließlich in eine Gasse ein.

„Da wären wir“, sagte Aramis und schwang sich aus dem Sattel, um Alexandra herunter zu helfen. Auch die anderen stiegen ab, und D´Artagnan machte sich auf den Weg zur Tür, blieb aber kurz davor stehen, drehte sich zu seinen Freunden um und schenkte ihnen einen verzweifelten, leidenden Blick.

Porthos schien sein innerliches Dilemma zu bemerken und sagte schließlich: „Komm schon. Sie wird dir schon nicht den Kopf abreißen.“

„Da sei dir mal nicht so sicher“, ärgerte Aramis ihn.
D´Artagnan schenkte ihm ein ironisches Lächeln. „Danke sehr ermutigend!“
„Ist ja auch nicht deine Schuld gewesen. Wenn hier jemand wieder geschlagen wird, dann Aramis.“, kommentierte Porthos weiter und warf einen belustigten Blick auf das fragliche Musketier.
Aramis warf Porthos einen ernsten Blick zu: „ Das ist nicht lustig! Letztes Mal konnte ich zwei Tage nichts essen!“

Vorsichtig öffnete D´Artagnan die Türe. Im Haus angekommen, rief er nach Constance: „Constance bist du da?“
„Ich bin in der Küche!“
D´Artagnan machte sich auf den Weg. In der Küche und bleib im Türrahmen stehen. Constance drehte sich mit einem Lächeln um.
„Du bist wieder da, ich dachte schon du kommst gar nicht mehr. Wo warst du so lange? Ich habe dich schon vermisst!“.

Mit diesen Worten legte Constance ihre Hände auf D´Artagnans Oberkörper, strich ihm eine Strähne seiner Haare aus dem Gesicht und küsste ihn.
„Jetzt bin ich ja da!“, lächelte D´Artagnan.

„Sehr rührend!“, kam plötzlich von hinten ein Kommentar und Aramis betrat den Raum, nahm sich einen Apfel, der auf dem Tisch lag und schaute erwartungsvoll zu D´Artagnan.

„Himmel, musst du mich so erschrecken!“, gab Constance empört von sich.
„Tschuldigung“, gab Aramis kleinlaut als Antwort. Ich dachte nur: „ Ihr lasst uns da draußen noch übernachten.“
„Was du hast noch mehr von der Sorte mitgebracht?“, wandte sich Constance nun an ihr Musketier.

Nach dieser Feststellung kam auch schon Porthos, gefolgt von Athos, Alexandra und Leah in die Küche. „Man hab ich einen Hunger. Riecht gut hier!“
„Das gibt’s nicht, ohne mich wärt ihr schon längst alle verhungert. Manchmal frage ich mich, wie ihr überlebt habt, als ihr mich noch nicht kanntet!“
„Wir hätten da noch ein Problem“ bemerkte Athos und trat einen Schritt zur Seite. „Wir bräuchten da noch eine Unterkunft für diese zwei Damen.“
„Seh ich etwa aus wie ein Hotel, immer bringt ihr irgendjemanden hierher, und ich muss mich dann wieder um alle kümmern und...“ sie unterbrach ihren Wutanfall sofort, als sie einen genaueren Blick auf die zwei Neuankömmlinge warf.
„Oh Gott, was ist denn mit euch passiert?! Ihr macht euch mal nützlich...“, sie ließ ihren Blick über die Männer in ihrer Küche schweifen, „... und kümmert euch um das essen“. Ich bringe die Zwei erst einmal hoch!“

Constance machte eine ungeduldige Handbewegung und scheuchte die Musketiere zur Seite, um Alexandra und Leah die Treppen hoch zu führen.

 

Paris

Kapitel 4

 

Oben angekommen, betrachtete Constance die Mädchen genauer. Sie hatten wirklich komische Kleidung an und sie fragte sich, warum sie eine Hose trugen. Aber wichtiger, als diese Frage zu klären, war jetzt erst einmal, dass die Zwei versorgt wurden, denn sie waren schmutzig und erschöpft.


„Was ist denn nur mit euch passiert?“, fragte sie, während sie die Mädchen von oben bis unten musterte.

„Das ist eine komplizierte Geschichte“, antwortete Lexie, die darauf hoffte, dieses Gespräch auf später verlegen zu können.
,,Kümmern wir uns jetzt erst mal darum, dass ihr etwas Anderes zum anziehen bekommt.".
Mit diesen Worten ging Constance aus dem Zimmer und rief noch ein „Ich bin gleich wieder da“, über ihre Schulter.

Als sie wieder kam, hatte sie einen Eimer Wasser dabei und begann damit, eine Holzwanne zu füllen. „Ich bin übrigen Constance“.
„Ich heiße Leah“
„Alexandra“, stellten sich die zwei Mädchen vor. Constance kam ihnen direkt sympathisch vor und man sah ihnen ihre Erleichterung an, eine Pause von den Musketieren zu haben.

Constance schaute die Geschwister an: „Ich denke, ihr habt keine andere Kleidung dabei, oder?“
Beide schüttelten den Kopf.
„Na dann, leihe ich euch erst einmal etwas.“
Sie legte ein paar Kleidungsstücke auf eine Kommode neben die Wanne.
„Kommt einfach runter, wenn ihr fertig seid. Dann bekommt ihr erst mal was zu essen. Und ruft, wenn ihr noch etwas braucht!“, sagte Constance und lächelte die Zwei an.

Als Constance aus der Türe war, sahen sich Leah und Alexandra an: „Na dann wollen wir mal“.
Das Baden in der Wanne, stellte sich als deutlich schwieriger heraus, als sich unter eine Dusche zu stellen. Außerdem war das Wasser eiskalt und alle beide zitterten.
Ein weiteres Problem bestand darin, die Kleider, die Constance ihnen geliehen hatte, anzuziehen.

„Ich hab keine Ahnung wie ich da rein kommen soll“, stellte Alexandra fest.
Sie versuchte sich das Kleid über den Kopf zu ziehen. Nach mehreren Anläufen hatte sie es endlich geschafft und kämpfte nun mit der Schnürung.
„Soll ich dir helfen?“, fragte Leah grinsend, die sich den Kampf schon eine Weile mit angesehen hatte.
„Ja, ich denke, ich könnte Hilfe gebrauchen.“
Leah begann damit, das Korsett fester zu schnüren und Alexandra schnappte nach Luft: „Spinnst du, das ist viel zu eng!“
„Nein das muss so sein.“, berichtigte Leah sie belustigt.
„Ist mir egal, „wie das muss“, ich bekomme keine Luft mehr!", motzte Alexandra weiter.
Leah trat einen Schritt zurück und betrachtete ihr Werk: „Sieht doch gut aus“.
„Das ist verdammt unbequem!“, beschwerte sich Alexandra.
„Da gewöhnt man sich schon noch dran“, erwiderte Leah optimistisch.
„Jaja, das sagst du! Warte bist du deines anhast. Du bist dran“, forderte Alexandra Leah auf.
Als auch Leah es in ihr Kleid geschafft hatte, musste sie dann doch zugeben, dass es unbequem war und die Bewegungsfreiheit deutlich eingeschränkt zu sein schien.



Als Constance die Treppe herunter kam, hörte sie bereits die laute Unterhaltung der Musketiere. Mit dem Erreichen der Küche, verstummte die Diskussion jedoch und die Männer sahen zu ihr.
D´Artagnan sah sie wieder mit seinem „Bitte sei nicht böse - ich mach alles wieder gut - nur tu mir nichts“- Hundeblick an.
Constance amüsierte sich innerlich, war aber auch stolz auf den Respekt, den ihr diese vier Musketiere entgegenbrachten. Nach Außen hin tat sie jedoch weiterhin wütend. Obwohl sie längst allen verziehen hatte, wollte sie sie doch noch ein wenig zappeln lassen.

„So, wollt ihr mir jetzt mal erklären, was hier los ist?“, wollte sie wissen.
„Aramis musste mal wieder den Helden spielen“, bemerkte Porthos, der sich einen zweiten Teller von Constances Suppe nahm.
„Wie genau soll ich das jetzt verstehen?“, erkundigte sich Constance.
„Porthos. Du willst doch wohl nicht damit sagen, dass du den Zwei nicht geholfen hättest!“, mischte sich Aramis ein.
„Natürlich hätte ich auch geholfen, aber es war so klar, dass du wieder mal der Erste bist, wenn es um das andere Geschlecht geht.“
„Was genau ist den überhaupt passiert?“, versuchte Constance noch immer herauszufinden.
„Ich habe bemerkt, wie zwei junge Damen, völlig verängstigt, allein und hilflos in das Gasthaus kamen und bin zur Hilfe geeilt.“, erzählte Aramis seine Heldentat.
„Sie behaupten, sie kämen aus der Zukunft“, bemerkte Athos, der sich an den Türrahmen gelehnt hatte.
Constance schenkte ihm einen ungläubigen Blick. „Zukunft?“
„Ich bin auch noch nicht so überzeugt“, murmelte Porthos dazwischen.

In dem Moment kamen Alexandra und Leah um die Ecke.
„Setzt euch doch.“, begann Constance sofort und nahm Porthos den Suppentopf weg, welchen er zu sich gezogen hatte. Porthos warf Constance einen enttäuschten Blick zu, ließ aber sofort nach, als Constance ihn streng ansah. Sie stellte den Mädchen zwei Teller hin.


Draußen wurde es bereits langsam dunkler und die Musketiere verabschiedeten sich. Als Constance die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, wandte sie sich an D´Artagnan, der die ganze Zeit über sehr still geblieben war.

„Alles in Ordnung bei dir?“, fragte Constance ihn besorgt.
„Wenn bei dir alles in Ordnung ist?“, antwortete D´Artagnan.
„Wir kriegen das schon hin, mach dir keine Sorgen, ich tue doch nur so. Ich bin dir nicht böse“, sagte sie lächelnd. „Es war gut, dass ihr die zwei hierher gebracht habt. Sie brauchen unsere Hilfe und ich kümmere mich gerne um sie“
Das Musketier schien erleichtert: „Na dann ist ja alles gut“.
„Genau und außerdem - ich bin nicht diejenige, die auf dem Boden schlafen muss!“, ärgerte Constance ihn mit einem amüsierten Gesichtsausdruck.
„Was? Wie lange soll ich denn auf dem Boden schlafen?“, rief D´Artagnan empört.
„So lange, bis wir die Zwei irgendwo anders unterbringen können“, antwortete Constance gelassen und machte sich auf den Weg in ihr Bett.
Auf halben Weg drehte sich dann allerdings doch noch einmal um, da sie auf einmal Mitleid mit ihrem Musketier hatte, der ja eigentlich nichts für die ganze Situation konnte. Sie lief zu ihm zurück, legte ihre Hände um seine Schultern, stellte sich auf ihre Zehenspitzen und küsste ihn.
„Gute Nacht!“ murmelte sie.
„Schlaf gut“, lächelte D´Artagnan zurück und sah ihr mit seinem Hundeblick in die Augen.
„Na gut“, seufzte Constance schließlich, „Komm mit, du kannst bei mir schlafen“.
„Wirklich?“, frage D´Artagnan noch etwas skeptisch.
„Na komm schon, diesem Blick kann doch Keiner widerstehen!“
Triumphieren folgte D´Artagnan seiner Geliebten.



D´Artagnan wachte langsam auf. Er drehte sich auf die andere Seite und wunderte sich, als er bemerkte, dass ein Arm über ihm lag. Er öffnete die Augen und musste lächeln, als er Constance sah. In dem Moment machte auch Constance die Augen auf und lachte zurück.
„Na gut geschlafen?“, fragte sie glücklich.
„So gut, wie noch nie“, antwortete der Gefragte mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck.
D´Artagnan drehte seinen Kopf zur Seite, um auf die Uhr zu sehen.
„Verdammt!“, fluchte er nur und war mit eine mal aus dem Bett.
„Was ist denn?“, wunderte sich Constance.
D´Artagnan verschwand kurz, tauchte dann mit seinem Hemd wieder auf und rannte im Haus umher, um seine Sachen zusammen zu suchen. „Ich bin viel zu spät! Athos wird mich umbringen!
„Das glaub ich nicht, wenn du einmal zu spät kommst.“
„Wir sollen aber heute den König auf diesen langweiligen Jagdausflug begleiten.“
„Das schaffen sie bestimmt auch ohne dich.“
„Hoffentlich, ansonsten würde das bedeuten, dass sie auf mich gewartet haben.“
D´Artagnan gab Constance noch schnell einen Kuss und war aus dem Haus.



Vor dem Palast warteten in der Zwischenzeit ein mürrisch und wütend aussehender Athos, sowie Aramis, Porthos und der König. Aramis und Porthos hatten sich ein wenig abseits gegen die Wand gelehnt, um Athos Zorn zu entkommen.
„Athos sieht echt sauer aus, findest du nicht?“, stellte Aramis, der besorgt um D´Artagnan war, fest.
Porthos sah ihn an: „Ja, das gibt auf jeden Fall Ärger!“
„Wenn er nicht bald kommt, wird Athos selbst losziehen und ihn hier her schleifen.“, warf Aramis ein.
„Dann wollen wir hoffen, dass er nicht mehr lange braucht“.

Kaum hatte Porthos diese Worte kundgetan, bog auch schon D´Artagnan um die Ecke. Er war offensichtlich gerannt, denn er atmete schwer und stütze seine Hände auf die Beine, nachdem er an Aramis und und Porthos vorbeigelaufen war, und vor einem schlecht gelaunten Athos zu einem Halt kam.

„Tut … mir Leid“, brachte er zwischen seinen Versuchen, seinen Atem zu kontrollieren, hervor.
„Es sollte dir auch Leid tun! Weißt du, wie lange wir schon hier warten! Du hast den König warten lassen!“, sagte Athos sauer.
„Wirklich, das war nicht mit Absicht, ich habe verschlafen!“, entschuldigte sich D´Artagnan.
„Ach ja verschlafen? Das ausgerechnet heute!“
„Wirklich, Entschuldigung“
Athos musterte ihn, drehte sich um und sagte mit bedrohlich ruhiger Stimme: „Lasst uns nicht noch mehr Zeit verlieren!“

Nachdem sie eine Stunde geritten waren, fühlte D´Artagnan sich noch immer schuldig. Das Schweigen von Athos machte ihm Angst, und war schlimmer, als angeschrien zu werden.

Aramis schloss zu Athos Pferd auf: „Wie lange willst du ihn noch leiden lassen?“
„So lange, wie nötig!“, bemerkte Athos trotzig.
„Und wie lange ist das? Sie ihn dir doch an, er fühlt sich schuldig genug“, versuchte Porthos
D´Artagnan zu retten.
Athos seufzte: „Ist ja gut!“.

„D´Artagnan“, rief er und brach damit das Schweigen, das bis dahin zwischen dem Ältesten und jüngsten Musketier geherrscht hatte. ,,Reite voraus und suche uns einen Rastplatz!“
Erleichtert atmete D´Artagnan durch und ritt voran.
„Siehst du, war doch gar nicht so schwer“, erwiderte Porthos glücklich, da die angespannte Stimmung zwischen seinen Freunden nun zu schwinden schien.



Derweil bei Constance zu Hause:

„Hallo“, begrüßte Alexandra Constance, deutlich besser gelaunt, als am Vortag.
„Guten Morgen.“, grüßte Constance zurück. „Du scheinst gut geschlafen zu haben.“
„Das habe ich“, lächelte Alexandra. ,,Wo ist D´Artagnan?“
„Der musste weg, arbeiten“, antwortete Constance.
„Was macht man denn so den ganzen Tag als Musketier?“, erkundigte sich Alexandra nun Neugierig. Dabei dachte sie sofort wieder an besagtes Buch.
„Also meistens den Palast oder den König bewachen. Dann auf Missionen gehen, Briefe überreichen, Leute finden, Banditen hinterherjagen, und alles andere Gefährliche“, dabei seufzte Constance.
„Hört sich so an, als wärst du nicht so einverstanden. Mit dem gefährlichen Teil.“, schlussfolgerte Alexandra.
„Mir wäre es lieber, er würde im Palast bleiben, aber er liebt diese Missionen. Außerdem bin ich auch stolz auf ihn, dass er ein Musketier ist.“, erwiderte Constance.
„Das hört sich so aufregend an. Bei uns Zuhause gibt es so etwas gar nicht, alles ist komplett anders."
„Was genau ist denn anders?“, wollte Constance nun ebenfalls neugierig wissen.
„Einfach Alles, wo soll ich da nur anfangen?“

Eine lange Unterhaltung über Städte, Technik, Medizin, und Schule, später kam Constance aus dem Staunen nicht mehr heraus.
„Und in der Politik hat sich auch einiges geändert. Wie haben eine Demokratie und es gibt eine Gleichberechtigung“, berichtete Alexandra weiter.
,,Was ist denn das?", wollte Constance interessiert wissen.
,,Demokratie, also Mitbestimmungsrecht. Es gibt Wahlen und das Volk entscheidet mit. Das ist natürlich noch etwas komplizierter, aber das ist jedenfalls die Grundidee. Gleichberechtigung heißt, alle Menschen haben die gleichen Rechte. Das funktioniert aber leider nicht immer. Aber Frauen Beispielsweise, sind in den meisten Ländern mit den Männern gleichgestellt."
„Das muss eine schöne Welt sein!“, bemerkte Constance, die noch immer damit beschäftigt war, zu versuchen, sich die zukünftige Welt vorzustellen.
„Naja, dafür gibt es andere Nachteile, ich wette hier hat man zum Beispiel noch nie etwas von Umweltverschmutzung gehört. Außerdem ist es nicht in allen Ländern so friedlich“.
„Es muss komisch für euch sein, auf einmal in dieser Welt zu leben“, bemerkte Constance
„Das ist es“, sagte Alexandra traurig und schaute auf den Boden. „Wir müssen versuchen zurück zu kommen, unbedingt!“
„Wie wollt ihr das anstellen?“, wunderte sich Constance und legte Alexandra tröstend eine Hand auf den Arm.
Alexandra sah auf: „Porthos hat da von so einem Mann erzählt, der etwas ähnliches wie wir erzählt hat, wir müssen ihn finden!“
„Das war ein paar Tagesritte von hier entfernt“, überlegte Constance und dachte dabei an
D´Artagnan Schilderung, des seiner Meinung nach viel zu langen, unbequemen Ritts.
„Wir müssen ihn aber finden!“, sagte Alexandra mit ernster Miene.
„Vielleicht solltest du mal mit euren Rettern darüber reden, die könnten euch vielleicht hinbringen.“
„Denkst du wirklich, das würden sie tun?“. Alexandras Gesicht hellte sich wieder auf und man sah die Hoffnung in ihren Augen.
„Ja das denke ich!“, lächelte Constance.
„Ich muss sie direkt fragen!“. Alexandra sprang schon von ihrem Stuhl auf, drehte sich zur Tür und war schon draußen. Sie tauchte kurz danach jedoch wieder im Türrahmen auf: „Wo genau muss ich nochmal hin?“
Constance lachte: „Komm her, ich erkläre dir den Weg. Vielleicht solltest du auch noch etwas warten, momentan sind alle auf irgendeinem Jagdausflug.“


Einige Zeit und eine, aus Alexandra Sicht sehr komplizierte, Wegbeschreibung später, saß Alexandra auf einem Pferd und ritt richtung Garnison. Ein Glück, dass sie schon seit ihrem zehnten Lebensjahr reiten konnte, sonst hätte sie jetzt wohl ein Problem gehabt. Schon vorher hatte sie die wunderschönen Friesen der Musketiere bewundert, aber jetzt auf einem zu reiten, war eindeutig nicht zu toppen. Sie streichelte den Hals, des atemberaubenden Tieres und sprach liebevoll mit ihm. Erneut bewunderte sie Paris. Wie kann eine Stadt nur so anders wirken?

Nach ein paar Minuten, wurde es schließlich ziemlich eindeutig, dass sie sich verlaufen hatte. Unvorteilhafter Weise hatte sie sich in den unschöneren Teil der Stadt verirrt. Obwohl es hell war, war es ziemlich beängstigend. In den Schatten der Häuser saßen dunkle Gestalten, die offensichtlich ein paar Gläser zu viel getrunken hatten. Schon bald erkannte sie, dass sie wohl ohne Hilfe hier nicht wieder rauskommen würde. Sie beschloss einen, nicht ganz so betrunkenen Mann nach dem Weg zu fragen. Höflich stieg sie also ab und näherte sich ihrem Ziel.

„Entschuldigung, ich habe da eine Frage. Ich habe mich verlaufen, könnten sie mir sagen, wie ich zur Garnison der Musketiere komme?“, fragte die freundlich.

Der Mann musterte Alexandra, lachte verächtlich und entblößte dabei seine ungepflegten Zähne.
„Verlaufen sagst du? Was willst du denn bei den Musketieren?“. Das Wort „Musketiere“ sprach er dabei überhaupt nicht erfreut aus.

„Bitte, können sie mir einfach sagen, wie ich hier raus komme.“, fragte Alexandra erneut.

„Und was bekomme ich dafür?“, wollte der Mann mit einem musternden Blick wissen.
Er hatte sich in der Zwischenzeit von der Hauswand wegbewegt und kam Alexandra nun immer näher. Das Mädchen trat einen Schritt zurück, um den Sicherheitsabstand zu dem Unbekannten wieder herzustellen. Langsam wurde ihr die Situation ein wenig zu bedrohlich.

„Ähm, also können sie mir nicht diesen Gefallen tun, ich habe leider kein Geld!“. Alexandra wirkte ziemlich verunsichert und sie wünschte sich, den Mann nicht gefragt zu haben.

„Ach das macht doch nichts. Geld will ich doch nicht!“. Der Betrunkene machte noch einen Schritt auf Alexandra zu und streckte seinen Arm aus, um sie zu berühren. Alexandra wich sofort zurück und schlug seine Hand weg. Ihr Herz pochte wild und sie bekam es wirklich mit der Angst zu tun. So etwas war ihr im 21. Jahrhundert noch nie passiert!

„Warum so frech?“, fragte der Mann bedrohlich ruhig.
„Lassen sie mich in Ruhe!“, schrie das Mädchen verunsichert.
„Ach komm schon.“, drängte der Unbekannte weiter.
„Gehen sie weg!“, sagte Alexandra mit zitternder Stimme.

Der Unbekannte packte Alexandra am Handgelenk und zog sie zu sich heran.
Alexandra verpasste ihm eine schallende Ohrfeige und versuchte sich aus seinem Griff zu befreien. Ein wildes Handgemenge entstand, bis der Mann auf einmal einen Dolch in der Hand hielt. Angsterfüllt starrte Alexandra auf den Dolch. Das war ihr nun wirklich noch NIE passiert. Was jetzt? Was sollte sie tun? Wegrennen, war ihr erster Gedanke, doch der Mann hielt sie immer noch fest. Den Dolch hielt er nun gegen ihre Kehle und Alexandra traute sich nicht mal mehr zu schlucken.
„Wirst du nun tun, was ich dir sage!“, befahl der Mann mit einer ungeduldigen Stimme.
Alexandra rollte vor Verzweiflung eine Träne die Wange herunter. Obwohl sie eigentlich überzeugt war, dass ihr Angreifer keine Gnade zeigen würde, versuchte sie es trotzdem.
„Bitte, Bitte lassen sie mich gehen!“, schluchzte sie nun.

„Das hättest du wohl gerne so!“, antwortete der Mann nur und machte nicht den Eindruck, als würde er Alexandra gehen lassen.
Zur Demonstration, seiner Glaubwürdigkeit, drückte er den Dolch nun fester gegen Alexandras Hals, bis eine rote Spur herunterlief. Alexandras Atem beschleunigte sich. Sie konnte nicht mehr klar denken, sie hatte solche Angst. Wie war das nochmal in dieser Selbstverteidigungsstunde gewesen, die sie einmal im Sportunterricht hatten? Komm schon, denk nach! Sie hatte keine andere Wahl. Alexandra nahm all ihren Mut zusammen und befreite sich mit einem Tritt zwischen die Beine ihres Angreifer und einer flüssigen Bewegung ihrer Arme. Der Mann war eindeutig verwirrt, über die Gegenwehr des Mädchens. Für Alexandra hieß es jetzt rennen, das war ihre einzige Chance! So schnell sie konnte sprintete sie zu ihrem Pferd, sprang auf und flüchtete im vollen Galopp. Sie drehte sich nicht mehr um und ließ das Pferd einfach rennen. Sie wusste sowieso nicht, wo sie war. Sie wollte einfach nur weg von diesem Ort. Nach ein paar Minuten in vollem Tempo traute sie sich wieder durchzuparieren und ließ ihr Pferd in einen Schritt fallen. Sie bemerkte, dass sie es irgendwie geschafft hatte, wieder auf den Marktplatz zu kommen. Wahrscheinlich wusste ihr treues Reittier den Weg. Außerdem bemerkte sie jetzt auch den Schmerz, an ihrem rechten Arm und der Stelle an ihrem Hals, an der der Dolch sie geschnitten hatte. Sie schaute auf ihren Arm. Sie sah einen ziemlich tiefen Schnitt, der unangenehm pochte.
„Das wird schon wieder“, beruhigte sie sich, „alles wird gut!“
Nach ein paar Minuten hatte sie endlich die Garnison erreicht.
Völlig verschwitzt und immer noch zitternd, trat sie erleichtert durch das Tor, hinter welchem sie hoffentlich in Sicherheit war.

 

Aramis

Kapitel 5

Verloren stand Alexandra auf dem Hof und schaute sich um. Noch immer schwer atmend von der Flucht und ihrer Arm haltend, da der Schmerz sich wieder bemerkbar machte. Dann fiel ihr Blick auf ein paar Musketiere, die an einem Tisch aßen. Schnell identifizierte sie die Vier als die, die sie gesucht hatte. Sie überquerte den kurzen Weg über den Hof und erreichte ihr Ziel. Vor dem Tisch blieb sie stehen und wollte schon etwas sagen, als Aramis ihr zuvor kam.

„Was ist passiert“, fragte er sofort, als er Alexandras Zustand sah. Er sprang auf, um Alexandra seinen Platz anzubieten.

„Ich hatte da so eine Begegnung“, erwiderte Alexandra.

Aramis sah ihr prüfend in die Augen und nahm ohne ein weiteres Wort ihren Arm, um ihn zu untersuchen.

„Was für eine Begegnung?“, wollte Porthos wissen.

„Ich habe mich verlaufen und wollte diesen Typen nach dem Weg fragen. Das war wohl keine so gute Idee“, erklärte sie und schämte sich ein wenig, da sie schon wieder so hilflos wirkte.

„Du solltest nicht so alleine in Paris umherwandern, vor allem nicht, wenn du die Stadt nicht kennst“, erwiderte Aramis vorwurfsvoll.

„Ich weiß, aber ich musste unbedingt mit euch reden!“

„Das kann warten, das hier muss genäht werden“, informierte Aramis Alexandra, als dieser damit fertig war, ihren Arm zu inspizieren.

Alexandra sah ihn an und schluckte besorgt.

„Keine Sorge, er kann das“, mischte sich jetzt auch Athos ein.

„Komm mit“, sagte Aramis und ging voraus.

Alexandra folgte ihm unsicher und bemerkte dabei die Blicke der Anderen, ihr nicht bekannter Musketiere, die sie fragend musterten. Alexandra lief mit Aramis einmal quer über den Hof und ging schließlich eine Treppe hinauf. Aramis machte die Türe auf und ließ sie zuerst eintreten.

„Nach ihnen Madame“, sagte er dabei und machte eine einladende Bewegung mit seinem Arm.

Er war ja schon charmant, dachte sich Alexandra in diesem Augenblick.

„Setzt dich ruhig“, fuhr er fort und Alexandra sah sich nach der erwähnten Sitzgelegenheit um. Sie fand einen Stuhl, auf dem jedoch ein Stapel Kleidung lag und entschied sich daher für das Bett. Aramis suchte unterdessen in einer Schublade nach den Utensilien, die er benötigen würde, ging dann zum Regal und holte eine Flasche herunter. Als er alles gefunden hatte, was er brauchte, setzte er sich neben Alexandra und hielt ihr die Flasche hin.

„Was soll ich damit machen?“, fragte Alexandra verwundert.

„Trinken“, sagte Aramis, als wäre das selbstverständlich.

„Nein danke“, lehnte Alexandra höflich ab, „ich steh nicht so auf Alkohol“.

„Ich glaube es wäre besser du würdest trotzdem einen Schluck nehmen“, riet Aramis ihr.

Langsam fiel der Groschen bei Alexandra und sie verstand, das sie den Alkohol gegen den Schmerz brauchen würde. Sie nahm Aramis die Flasche aus der Hand, nahm einen Schluck und verzog angewidert das Gesicht.

„Na, so schlimm schmeckt es jetzt nun auch wieder nicht.“, lachte Aramis.

„Das ist schrecklich, was ist das?, wollte Lexie wissen.

„Whiskey“, erwiderte Aramis, deutlich amüsiert über Alexandras Abneigung.

Aramis griff nach dem Ledermäppchen, welches neben ihm lag und begann damit, einen Faden durch eine wirklich viel zu stumpf aussehende Nadel zu fädeln. Dann legte er alles griffbereit neben sich, nahm sich ein nasses Tuch und begann damit, Alexandras Schnitt zu reinigen. Diese biss die Zähne zusammen und versuchte ruhig zu bleiben. Sie wollte nicht, dass Aramis sie für empfindlich hielt.

„Geht es einigermaßen?“, fragte Aramis, der Alexandras innerlichen Kampf zu bemerken schien.

„Ja, alles in Ordnung“, antwortete sie mit so viel Überzeugung, wie möglich.

Jetzt griff Aramis jedoch nach der Flasche und Alexandra ahnte, was er damit vorhatte. Als er den Alkohol über die Wunde goss, konnte Alexandra einen schmerzhaften Aufschrei nicht unterdrücken. Aramis sah sie kurz prüfend an, ließ sich aber nicht von seiner Arbeit ablenken. Stattdessen versuchte er Alexandra abzulenken und begann eine Unterhaltung.

„Was war es denn, dass so wichtig war, dass du alleine durch halb Paris läufst, um uns zu suchen?“

„Ich wollte fragen, ob ihr uns helfen könnt, diesen Mann zu suchen. Der, von dem Porthos erzählt hat.“, antwortete Alexandra ihm.

„Hm, das war nicht gerade in der Nähe,“, überlegte Aramis, „da müsste ich mal mit den Anderen drüber reden“.

Alexandra beobachtete ihn misstrauisch dabei, wie er zu der Nadel griff. Aramis bemerkte ihren Blick.

„Keine Sorge, ich habe das schon öfter gemacht“, beruhigte er sie.

Alexandra fühlte sich wieder etwas sicherer, was sich jedoch änderte, als er den ersten Stich machte. Sie zuckte zusammen.

„Das ist deine erste Bekanntschaft, mit Nadel und Faden, oder?“, fragte Aramis ruhig.

„Ja“, brachte Alexandra mit angehaltenem Atem als Antwort hervor.

„Normal atmen“, wies Aramis an.

Alexandra befolgte seinen Rat.

„Ich bin gleich fertig“, versicherte er.

 

Nachdem Aramis darauf bestanden hatte, noch einmal den Whiskey über die genähte Stelle zu schütten und Alles zu verbinden, sowie sich auch den Schnitt an ihrem Hals anzusehen, atmete Alexandra erleichtert durch.

„Ich werde die Anderen fragen, was sie von deiner Idee halten, nach diesem „Zukuftsmann“ zu suchen und dann müssen wir noch Tréville informieren und ihn um Erlaubnis bitten.“

„Wer ist Tréville?“, wollte Alexandra wissen, die den Namen zum Ersten mal hörte.

„Unser Captain“, antwortete Aramis ihr. „Wir sagen dir Bescheid, wenn wir mehr wissen, jetzt solltest du wieder zurück, sonst macht Constance sich noch Sorgen.“ „Aber nicht alleine“, fügte er noch schnell hinzu.

„Okay, alles klar, aber wer bringt mich denn zurück?“, fragte Lexie, die auf einen weiteren Alleingang verzichten wollte.

„Ich werde dich begleiten. D´Artagnan kommt erst später, Athos hat ihn wegen seinem zu Spät kommen heute morgen zum Stall ausmisten verdonnert“

„Wirklich, also wenn das für dich in Ordnung ist und nicht zu viele Umstände macht. Du hast schon so viel für mich getan.“, sagte Lexie zweifelnd.

Aramis sah sie ungläubig an. „Natürlich bin ich damit einverstanden! Wer würde einer hübschen jungen Dame wie dir nicht helfen wollen?“

„Ich kenne da Einige. Da wo ich her komme ist das Alles sehr anders!“, bemerkte Alexandra resigniert.

Aramis sah sie schief an „Willst du damit etwa sagen, bei euch lässt man sich gegenseitig im Stich?“

„Naja, man könnte es so sagen: Das Schicksal von Fremden ist den meisten Menschen egal“, erklärte Alexandra.

„So fremd sind wir ja jetzt nicht mehr“, entgegnete Aramis und schaute Lexie dabei in die Augen.

 

Alexandra verlor sich dabei sofort in ihren Gedanken: Mein Gott diese Augen und er war so nett und hilfsbereit und...nein nein nicht solche Gedanken, du wirst dich nicht in ihn verlieben, er ist viel älter, er hält dich doch nur für ein Kind. Außerdem kennst du ihn ja gar nicht...

 

Alexandra wurde von Aramis aus ihren Gedanken gerissen „Geht´s dir gut?“

„Ja klar“, antwortete sie schnell.

„Na dann sollten wir dich jetzt mal zurück bringen.“, beschloss er.

Aramis ging zur Tür, Alexandra folgte ihm. Sie liefen die Treppe wieder herunter und traten auf den Hof. Aramis schlug direkt die Richtung zu seinen Freunden an den Tisch ein. Dort angekommen, erklärte er, dass er Alexandra zurückbringen würde.


 

„Meine Güte, wo warst du nur? Es ist schon dunkel!“ Constance kam aus dem Haus gestürmt.

Es tut mir leid, da gab es so einen Zwischenfall.“, erklärte Lexie entschuldigend.

„Aber wir haben alles unter Kontrolle“, ergänzte Aramis schnell mit erhobenem Zeigefinger. Er war von der besorgten Constance komplett ignoriert worden.

Constance entdeckte den Verband an Alexandras Arm. „Mein Gott, das nennst du „unter Kontrolle“?, wandte sie sich empört an Aramis.

Dann sah sie wieder zu Alexandra: „Deine Schwester und ich machen sich schon den ganzen Tag Sorgen um dich!“, fuhr sie fort.

Alexandra schaute sie noch immer entschuldigend an.

„Komm erst mal rein...und wo bleibt eigentlich D´Artagnan?“, wunderte sich Constance.

„Der muss noch den Stall ausmisten, wegen der Verspätung heute morgen“, antwortete Aramis ihr.

Constance seufzte „Bis hier mal alle da sind ist es wieder morgens. Na dann dir noch einen schönen Abend Aramis“, verabschiedete sich Constance.

„Euch auch noch einen wunderschönen Abend my ladies!“, sagte Aramis und unterstützte seine Aussage, indem er seinen Hut abnahm und sich verbeugte. Alexandra versuchte ein Kichern zu unterdrücken und Constance verdrehte die Augen. Die Reaktion der Frauen bemerkend, lächelte Aramis, offenbar zufrieden mit dem Ergebnis.


 

Später am Abend kam dann auch endlich D´Artagnan an. Er versuchte so leise wie möglich die Tür zu öffnen, und verzog das Gesicht, als sie quietschte. Leise und auf Zehenspitzen schlich er sich ins Haus, lief in die Küche und zündete eine Kerze an. Als er wieder aus der Küche heraus kam, sah er auf einmal aus dem Augenwinkel eine Pfanne auf sich zu kommen. Er duckte sich und entwaffnete sein Gegenüber. In der Dunkelheit war es schwer seinen Angreifer zu identifizieren, dennoch erkannte er Constance in dem schwachen Licht der Kerze.

„Meine Güte, willst du mich umbringen?“, brachte D´Artagnan empört hervor.

„Gott sei Dank, du bist es nur, ich dachte schon hier würde jemand einbrechen.“, erwiderte Constance deutlich erleichtert.

D´Artagnan war noch immer ein wenig beleidigt, wegen dem „Pfannenangriff“. „Nächstes mal sei dir erst sicher, wen du da mit der Pfanne schlagen willst.“

„Ich werde es mir merken“, sagte Constance sarkastisch.

Die Beiden sahen sich an und begannen gleichzeitig zu lachen.

„Psst, nicht so laut“, kicherte Constance, „Du weckst die Zwei da oben noch auf.“

„Na dann sollten wir lieber ganz schnell ins Zimmer gehen, oder?“, verführte D´Artagnan Constance und versuchte sie zu küssen. Doch diese legte ihm einen Finger auf die Lippen und wies mit der anderen Hand zu einer Wasserwanne, die sie eben schon vorausschauend dort aufgestellt hatte.

„Erst gehst du mal Baden, du riechst nach Pferd.“, erklärte sie ihrem Musketier.

D´Artagnan machte einen enttäuschten Gesichtsausdruck.

„Danach kannst du gerne ins Bett kommen“, tröstete Constance ihn und D´Artagnan verlor keine Sekunde und entledigte sich seiner Kleidung.



 

Am nächsten Tag kamen Zwei gut gelaunte, lachende Geschwister die Treppe herunter und setzten sich an den Tisch. Constance gab ihnen zwei Teller. „Guten Morgen, warum seit ihr denn so gut gelaunt?“

„Ach nichts, einfach nur so“, lachte Leah.

„Wahrscheinlich so ein Geschwister-Geheimnis- Ding“, versuchte D´Artagnan zu interpretieren und sah die Geschwister prüfend an.

„Vielleicht“, sagte Leah geheimnisvoll.

„Was hältst du davon, wenn wir Drei heute mal auf den Markt gehen“, schlug Constance an Leah und Lexie gewannt vor.

„Ja, super“, freute sich Leah.

Auch Alexandra war froh über die Gelegenheit, Paris besser kennenzulernen. Vielleicht konnte sie dadurch vermeiden, sich noch einmal zu verlaufen.

 

Später am Tag kamen die Drei von ihrem Ausflug wieder. Sie hatten Kleidung für Leah und Alexandra gekauft, sowie Lebensmittel. Constance hatten ihnen auch noch ein wenig Paris gezeigt. Die Geschwister waren begeistert und und hatten die vielen kleinen Gassen Paris´ bewundert. Sie hatten jedoch auch bemerkt, dass es nicht überall so wunderschön war und sie waren dankbar, dass es in ihrer Zeit eine vernünftige Kanalisation gab. Erschöpft und voll von neuen Eindrücken kamen sie wieder zuhause an (war Constance Haus etwa schon ein zuhause geworden?), setzten sich und erzählten noch ein wenig, bis die Geschwister sich entschlossen nach oben zu gehen.


 

Später am Abend klopfte es unerwartet an der Tür:

„Aramis!“, rief Constance überrascht, als sie die Türe öffnete.

„Dir auch einen guten Abend“, grinste Aramis.

„Wie kann ich dir helfen?“, erkundigte sich Constance.

„Ist Alexandra hier?“, fragte Aramis.

„Ja klar, komm rein. Warte kurz, ich hole sie“. Constance ging die Treppe hoch.

Einen Moment später kam Lexie herunter.

Auch sie war überrascht über den späten Besuch. „Hi“, begrüßte sie den Gast.

„Hallo! Wie geht es dir?“, erkundigte sich Aramis.

„Gut, warum bist du hier?“, wollte Lexie wissen.

„Ich wollte nur wissen, ob es dir gut geht und mir deinen Arm noch einmal ansehen.“.

„Dem Arm geht es auch gut“, antwortete Alexandra ihm schnell.

Aramis war jedoch schon dabei, sich selber von dieser Aussage zu überzeugen und wickelte den Verband vorsichtig ab. Lexie setzte sich auf den Stuhl neben ihm.

„Ich habe mit den Anderen und dem Captain geredet“, begann Aramis.

„Und? Helft ihr uns?“, fragte Alexandra ein wenig unsicher.

„Natürlich tun wir das!“, sagte Aramis ernst und schaute Lexie dabei wieder in die Augen.

„Danke! Wirklich, das bedeutet uns viel!“

Aramis lächelte Lexie an. „Wir wollen Übermorgen aufbrechen.“

„Danke!“, damit fiel Alexandra, Aramis um den Hals und umarmte ihn. Schnell löste sie die Umarmung jedoch wieder.

„Ähm, tut mir Leid“, entschuldigte sie sich.

„Was tut dir Leid?“, fragte Aramis verwirrt.

„Wegen der Umarmung...“, erklärte Lexie.

Aramis schaute sie fragend an. „Komm her...“, diesmal nahm Aramis, Alexandra in den Arm.



 

Abends lag Alexandra im Bett und dachte nach. Sie war aufgeregt, was sie am nächsten Tag erwarten würde. Constance musste wieder in den Palast, um zu arbeiten. Sie wollte die Mädchen jedoch nicht alleine lassen, also hatte sie sich entschlossen, dass diese sie begleiten würden.

Wie würde dieses Schloss wohl aussehen? Wie ein Märchen Schloss? Wahrscheinlich nicht... Wie groß war es wohl und vor allem was für Menschen würde sie dort treffen. Vielleicht gab es ja sogar einen Schlossgarten? Lexie war aufgeregt und freute sich, einmal ein richtiges Schloss zu sehen. Oder war es ein Palast? Was war da eigentlich der genaue Unterschied zwischen einem Palast und einem Schloss? Klar, sie hatte schon Schlösser gesehen, aber die waren verlassen. Außerdem durfte man dort nur mit einer dieser langweiligen Museumsführungen rein, auf denen man sowieso nie etwas verstand, weil viel zu viele Leute teilnahmen. Aber das ganze mal belebt und Original, so wie es war, zu sehen, ist schon aufregend.

Alexandras Gedanken wanderten zu einem anderen Thema.

Sie sehnte sich nach ihrem Zuhause, ihrer Zeit und... sie hätte nie gedacht das sie das einmal sagen würde, aber sie vermisste sogar ihre Schule. Da kam ihr noch etwas in den Sinn. Wenn sie jetzt in einer anderen Zeit festsaß, wie verlief dann die Zeit 2015? Wenn sie jemals zurückkommen würde, wäre es dann vielleicht so, als wäre sie nie weg gewesen? Oder vielleicht suchte man auch bereits nach ihnen? Konnte sie mit ihren Handlungen eigentlich die Zeit verändern? Sie hatte so viele Fragen, aber vor allem wollte sie erst einmal wissen, ob sie überhaupt jemals zurück kommen würde. Sie konnte es kaum erwarten mit diesem Mann zu reden, der ihr möglicherweise eine Menge ihrer Fragen beantworten konnte. Aber dafür musste sie ihn erst einmal finden.

 

Reisevorbereitungen

Kapitel 6

 

Alexandra, Leah und Constance gingen durch die Straßen und Gassen von Paris. Irgendwann, ab der Hälfte hatte Lexie den Versuch aufzugeben, sich den Weg zu merken. Alles war einfach viel zu verwinkelt. Nach einer Weile sahen sie die Türme des Palastes über den Dächern der Häuser. Sie durchquerten ein großes Tor und vor ihnen lag einen Art Park, hinter dem das Schloss lag. Als sie den Schlossgarten durchquert hatten, und an einem Brunnen vorbei gekommen waren, standen sie vor ein paar breiten, weißen Stufen.

„Wow", staunte Leah. „Das ist ja cool!"

„Cool?“, wiederholte Constance mit einem fragenden Gesichtsausdruck.

„Ich meine beeindrucken“, verbesserte sich Leah.

Constance lächelte. „Dann warte mal bist du drin bist".

Constance ging schon die Stufen herauf, während Alexandra und Leah noch immer das Gebäude anstarrten.

„Na kommt schon", lächelte Constance.

Schnell lief Leah die Treppe hoch, während ihre Schwester ihr etwas langsamer folgte. Constance öffnete die große Türe und die Drei traten ein. Sie befanden sich nun in einer Art Eingangshalle. Der Boden war glatt und wenn man geradeaus blickte, sah man links eine Treppe, welche nach oben führte. Zu beiden Seiten erstreckten sich lange Flure, die von großen Fenstern auf der linken Seite, welche in den Garten zeigten, erhellt wurden. Neugierig sahen sich die Geschwister um.

„Alles sieht so viel belebter aus, als die staubigen, kalten Schlösser, die man 2015 besichtigen kann", staunte Lexie.

Plötzlich merkten Lexie und Leah, dass Constance nach rechts in den Flur abgebogen war und die Zwei liefen ihr schnell hinterher. Die Beiden blieben jedoch immer wieder stehen, um sich weitere Details des Schlosses anzusehen und vor allem die beeindruckenden Wandbemalung zu bestaunen. Nachdem sie eine Weile durch ein Labyrinth aus Fluren gegangen waren und an eine weitere, sehr große Türe kamen, machte sich Leah bemerkbar.

„Wie groß ist dieses Schloss? Wir laufen jetzt schon seit zehn Minuten durch irgendwelche Flure!", staunte sie.

„Ich fand es auch sehr beeindruckend, als ich das erste mal hier war", erklärte Constance amüsiert.

Constance ging zu der Mitte des Raumes und trat an eine Wiege heran. Sie beugte sich ein wenig herunter: „Na, du bist ja schon wach, sagte sie mit ruhiger, liebevoller Stimme". Dann nahm sie ein Baby aus der Wiege in ihren Arm.

„Oh wie süß" Lexie konnte sich nicht zurückhalten und ging zu Constance, um sich das kleine Kind besser anzusehen. Sie hielt dem Kleinen ihren Finger hin, welcher sofort mit einer kleinen Faust umschlossen wurde. Das Baby lachte sie an.

„Er mag dich", sagte Constance.

„Wessen Kind ist er?", wollte Lexie wissen.

„Er ist der zukünftige König", erklärte Constance und wiegte dabei das kleine Bündel in ihren Armen. Dabei wanderten ihre Gedanken zu dem Moment, an dem Anne ihr anvertraut hatte, wer der wahre Vater des Kleinen war. Und wieder überkam sie diese Furcht, dass dieses Geheimnis niemals aufgedeckt werden durfte.

Alexandra schaute sie mit großen Augen an. „Dürfen wir dann überhaupt hier sein?", riss Lexie, Constance aus ihren Gedanken.

„Ich denke, die Königin wird nichts gegen weiter Unterstützung haben!", beruhigte Constance sie.

Denkst du denn, wir können uns vielleicht auch irgendwie nützlich machen?", fragte Alexandra, die nicht den ganzen Tag untätig bleiben wollte.

„Leah kann mir hier ein bisschen helfen und wenn du magst kannst du mir etwas warmes Wasser holen", improvisierte Constance schnell eine geeignete Beschäftigung. Sie dachte daran, wie lange sie beim ersten mal für diese vermeidlich leichte Aufgabe gebraucht hatte. Ihr war bewusst, das Lexie dafür wohl etwas länger brauchen würde und sah es daher als eine perfekte Beschäftigung. Schnell drückte sie der jungen Frau einen Behälter in die Hand.

„Okay, alles klar. Und wo bekomme ich das Wasser her?", erkundigte sich Lexie voll Tatendrang.

„Im Hof ist ein Brunnen, dort holst du Wasser und dann gehst du in die Küche und kannst es dort aufwärmen lassen..."

„Gut, das kriege ich hin, ich bin gleich wieder da!", damit verschwand Lexie um die Ecke und unterbrach Constance, die ihr eigentlich gerade den Weg beschreiben wollte. Kopfschütteln und amüsiert legte Constance das Baby in die Wiege zurück und wandte sich an Leah.


Lexie bemerkte schon sehr schnell, dass sie keine Ahnung hatte, wie sie zum Hof kommen sollte. Sie meinte sich zu erinnern, eben daran vorbeigekommen zu sein und entschied sich daher für den linken Flur. Sie fand die Treppe, ging hinunter und rief ein triumphierendes „Aha, war ja gar nicht so schwer" zu sich selber, als sie den Hof entdeckte.

Sie trat nach draußen und ging auf den Brunnen zu. Oben war ein Seil befestigt, an dem ein Eimer hing. Lexie hatte zwar noch nie Wasser aus einem Brunnen geholt, wusste aber sofort was zu tun war und ließ den Eimer in den Brunnen herab. Sie wunderte sich, wie tief dieser Brunnen wohl war und lehnte sich vor, um in die Tiefe zu gucken. Etwa fünf Meter unter ihr befand sich das Wasser und sie merkte, wie der Eimer sich füllte. Dann zog sie an dem Seil und langsam kam sie ihrem Ziel näher. Als sie es endlich geschafft hatte, füllte sie das Wasser umständlich in das Behältnis, welches ihr Constance mitgegeben hatte. Dabei verschüttete sie jedoch die Hälfte wieder, da der Eimer ihrer Meinung nach einfach zu schwer war, um damit kontrolliert Wasser umzufüllen. Dann stellte sie den Eimer wieder an den Platz, an dem sie ihn gefunden hatte und hob ihren nun gefüllten Behälter hoch.

Als sie den Hof wieder überquert hatte und in den Palast trat, war sie schon außer Atem. Oh man wie soll ich das nur wieder die Treppe hoch kriegen, dachte sie. Außerdem tat ihr Arm weh. Dennoch schleppte sie weiter, bis sie zu einer Kreuzung von mehreren Gängen kam und fragte sich in welcher Richtung wohl die Küche lag. Sie war ratlos und drehte sich einmal im Kreis um zu prüfen, ob irgendjemand da war, den sie fragen könnte. Zu ihrem Pech, war jedoch niemand in Sichtweite und sie entschied sich für rechts. Nach ein paar Metern musste sie jedoch wieder eine Pause machen. Man dieser Eimer wog doch bestimmt an die zehn Kilogramm! Sie wünschte sich einen Wasserhahn und verfluchte sich, dass sie so viel Wasser eingefüllt hatte.

Als sie um die nächste Ecke bog, stieß sie auf auf einmal mit jemandem zusammen. Man hörte einen überraschten Schrei und Alexandra versuchte noch ihren Eimer zu retten, der mit ihr zu Boden ging. Schnell stellte sie das Behältnis aufrecht. „Noch mal Glück gehabt", atmete sie erleichtert aus, als sie sah, dass nicht allzu viel Wasser verloren gegangen war.

„Tut mir Leid Madame", entschuldigte sich ihr Gegenüber und Alexandra sah auf die Hand, die ihr entgegengestreckt wurde. Sie sah weiter nach oben.

„Oh, Hallo", begrüßte sie den anderen, als sie ihn erkannte. „Athos, oder?"

„Richtig und du bist Alexandra", erinnerte sich das Musketier. Lexie nahm die Hand und Athos zog sie hoch.

„Genau", antwortete Lexie.

„Was machst du hier?", fragte Athos mit Blick auf den Wassereimer.

„Ich sollte Wasser holen, für Constance, aber ich ich weiß leider nicht wo ich die Küche finden kann".

„Soll ich dir den Weg zeigen?", fragte Athos, unsicher, ob es sich dabei um eine Frage gehandelt hatte.

„Das wollte ich damit erreichen", lächelte Lexie, Athos erleichtert an.

Lexie nahm den Wassereimer wieder hoch und mache dabei einen Laut, den Athos als einen Schmerzenslaut interpretierte.

Athos fiel Lexies verletzter Arm wieder ein und das Musketier wies auf den Eimer „Soll ich dir damit helfen?"

„Ja, das wäre super!", antwortete Alexandra, glücklich über die Hilfe.

„Komm mit", sagte Athos schließlich.

Das Musketier nahm den Wassereimer und ging, ohne ein weiteres Wort, voraus. Warum sieht dieser Eimer bei ihm nur so viel leichter aus, wundere sich Lexie. Kam dann zu dem Schluss, dass es bestimmt daran lag, dass er ja nun nicht mehr ganz voll war. Sie gingen eine Weile nebeneinander her. Irgendwann empfand Alexandra die Stille als sehr unangenehm. Sie wollte etwas sagen, wusste aber nicht, was. Athos hingegen schien das Schweigen nichts auszumachen. Sie musterte den Mann unauffällig von der Seite. Jedenfalls dachte sie, sie würde es unauffällig tun, denn Athos fragte plötzlich:

„Ist was, oder warum starrst du mich an?". Dabei schaute er weiter nach vorne und ging zügig, so dass Lexie Schwierigkeiten hatte, mit seinem Tempo mitzuhalten.

„Nein, alles in Ordnung", sagte Alexandra schnell.

„Wenn wir schon mal in der Küche sind, können wir auch noch nach Proviant für unsere Reise fragen", bemerkte Athos.

„Hm, Okay." Irgendwie war das ganze, mit der Reise schon aufregend, dachte Lexie. Sie hatte es anscheinend jedoch laut gesagt, da von Athos direkt ein passendes Kommentar kam:

„Na, hoffentlich wird es nicht zu aufregend".

Athos führte Lexie schließlich eine Treppe herunter. Das war also die Küche, stellte Alexandra im Stillen fest, als sie den Raum betraten. Athos grüßte schnell dem Dienstpersonal und wandte sich an eine etwas ältere, pummelige, aber sehr aktive Frau, die am Herd stand.

„Diesmal nur einer, sonst plündert ihr doch immer zu Viert meine Küche", bemerkte die Frau, als sie Athos erblickte.

Athos schenkte ihr einen beschwichtigendes Gesichtsausdruck, den man mit etwas Fantasie, als ein Lächeln bezeichnen könnte.

Die Köchin war offensichtlich sehr beschäftigt, denn sie kümmert sich um mehrere Töpfe gleichzeitig.

„Na los, sag schon. Was willst du?", forderte die ältere Frau Athos auf.

„Wir wollen etwas Wasser aufwärmen.", Athos schob Lexie in den Vordergrund. „Und wir brauchen etwas Reiseproviant für morgen."

Die Frau schien Athos jedoch nicht mehr zuzuhören, da sie auf Alexandra fixiert war.

„Dich kenne ich ja noch gar nicht, bist du neu hier? Gehörst du auch zu diesen Vier Musketieren, die immer zusammen hier auftauchen und wieder etwas wollen. Du armes Kind, geben sie dir denn auch genug zu Essen...?"

Athos unterbrach ihren Redeschwall. „Entschuldigen sie Madame, aber könnten sie vielleicht meine Frage beantworten?".

„Pst", brachte sie Athos zum Schweigen. Das Musketier wich einen Schritt zurück, als die ältere Köchin ihn wütend ansah.

„Du kriegst ja deinen Proviant. Kommt morgen früh hier vorbei, dann mache ich euch etwas fertig und ihr könnt es abholen. Ich habe im Moment einfach zu viel zu tun".

„Martha!", rief sie über ihre Schulter. „Könntest du dem Kind bitte das Wasser aufwärmen?"

Nachdem Alexandra es nun endlich geschafft hatte, an ihr warmes Wasser zu kommen, konnte sie sich auf den Rückweg machen. Athos trug wieder ihren Wassereimer und sie kamen wieder bei Constance an.

„Das war ja schneller, als ich gedacht hätte", sagte Constance, als sie Lexie sah.

„Ich hatte ja auch Hilfe", nickte sie dankbar zu Athos.

Dieser sah sie freundlich an.

Athos musste wieder zurück. Lexie wusste nicht genau, wohin er musste, wollte aber nicht fragen, weil er nicht den Anschein machte, als wäre er besonders gesprächig. Alexandra hatte jedoch das Gefühl, dass er auch ganz nett sein konnte und hoffte, noch die Gelegenheit zu bekommen, ihn besser kennenzulernen.

Der Tag im Palast ging schnell um. Constance hatte noch ein paar Aufgaben und dann hatte Lexie sich mit Leah ein wenig im Schlossgarten umgesehen. Sie waren sich einig: So einen Garten brauchten sie auch!

Als sie endlich bei Constance zu Hause ankamen, war es bereits dunkel, und die Mädchen sanken erschöpft in ihre Betten. Morgen würden sie endlich aufbrechen...


Aramis wachte früh auf. Er musste mit D´Artagnan noch den Proviant abholen. Müde setzte er sich auf und gähnte. Er hätte gestern eindeutig früher ins Bett gehen sollen. Warum machte er diesen Fehler nur immer wieder? Schließlich setzte er sich auf die Bettkante und stand auf. Er musste ja sowieso aufstehen und schlechte Laune, kam für ihn an diesem sonnigen Tag nicht in Frage. Schnell suchte er seine Sachen zusammen und zog sich an. Dann setzte er seinen Weg nach draußen fort und lief zu den Ställen. Dort angekommen, machte er die Box seines Pferdes auf.

„Na, bist du auch so müde wie ich?", fragte er seinen treuen Begleiter. Die Stute schubberte als Antwort jedoch nur die Nase an Aramis Schulter.

„Du musst dem Tier mal Manieren beibringen", kam es plötzlich von hinten.

Ohne sich umzudrehen, antwortete Aramis: „Mein Mädchen darf das! Stimmt´s meine Süße?, wandte er sich wieder dem Pferd zu.

Liebevoll streichelte er das große Tier und hielt ihm eine Möhre hin, die Aramis irgendwie hervor gezaubert hatte.

Athos kam schließlich in sein Sichtfeld: „Wer holt gleich die Zwei bei Constance ab?", fragte er.

„Ich nehme sie zusammen mit D´Artagnan auf dem Rückweg mit." antwortete Aramis, während er den Friesen sattelte.

„Gut, beeil dich. Wir wollen so schnell wie möglich los, damit wir lange im Hellen reiten können."

Aramis unterbrach seine Tätigkeit und schaute Athos grinsend an „Du weißt doch, auf mich kannst du dich verlassen"

„Man weiß ja nie was, oder besser wer dich so aufhält!", bemerkte Athos mit einem warnenden Blick.

Aramis platzierte seine Hand über seinem Herz „Athos, Bitte! Was denkst du von mir? Du verletzt mich!", tat Aramis ironisch.

Athos verdrehte genervt die Augen, wandte sich um und musste dann doch grinsen, als er den Stall wieder verließ. Aramis führte seine Stute aus dem Stall heraus.

„Dann wollen wir mal", teilte er ihr mit, während er sich elegant in den Sattel schwang.


Auch D´Artagnan machte sich auf den Weg, weckte aber vorher noch die Geschwister, die er gleich zusammen mit Aramis zur Garnison mitnehmen würde. Gedankenverloren ritt er durch die Straßen von Paris und wartete am vereinbarten Treffpunkt. Schon bald erkannte er in der Ferne einen, ihm zuwinkenden Aramis.

„Guten Morgen", wurde er von einem fröhlich aussehenden Aramis gegrüßt, als dieser näher kam.

„Wie kannst du um diese Uhrzeit nur so glücklich sein?", wunderte sich D´Artagnan nicht zum ersten und bestimmt auch nicht zum letzten mal.

„Schönes Wetter, entspannte Reise und zwei nette junge Damen als Begleiter! Was kann man sich mehr wünschen?", antwortete Aramis selbstverständlich und guckte dabei verträumt nach oben um die Sonne zu genießen.

D´Artagnan schüttelte verständnislos den Kopf. „Komm, lass uns los reiten".

Als die zwei Musketiere im Palast ankamen, verloren sie keine Zeit und machten sich auf den Weg in die Küche.

Aramis wünschte so ziemlich jedem, dem sie begegneten einen guten, oder sogar einen wunderschönen Morgen und bekam dafür meist ein Kichern von den Damen zurück. D´Artagnan verdrehte nur die Augen und war froh, als sie endlich in der Küche ankamen.

„Da seid ihr ja, ich habe schon gedacht ihr kämt nicht mehr.", wurden die Musketiere von einer wiedermal sehr beschäftigten Köchin begrüßt.

„Wir vergessen doch nicht das Essen", erwiderte Aramis mit einem Grinsen.

Die Frau musterte Aramis genauer mit einem prüfenden Blick. „Hätte ich mir ja denken können".

„Wo geht denn die Reise hin?", wollte die ältere Dame schließlich wissen.

„Wir suchen jemanden", erklärte Aramis. In seiner Stimme konnte man die Vorfreude auf die bevorstehende Abwechslung deutlich hören. Aramis war immer schon der Abenteuer lustigste von den Vier gewesen.

„Das die euch das erlauben. Euch junge Leute so alleine gehen zu lassen", kritisierte die Frau, der Aramis Freude nicht entgangen war.

Aramis sah die ältere Köchin ein wenig fragend an, begann dann jedoch zu grinsen. „Na, ich denke so hilflos sind wir nicht".

Die Köchin guckte das Musketier nur skeptisch an und nickte zu D´Artagnan: „Und der da? Der ist doch gerade erst von zu Hause weg!"

D´Artagnan stellte sich aufrechter hin. „Hey, ich bin älter als ich aussehe", verteidigte er sich.

„Ist ja gut D´Artagnan, sie macht sich doch nur Sorgen", ärgerte Aramis das jüngere Musketier und konnte sich ein belustigtes Grinsen nicht verkneifen..

„Und du? Bist doch auch nicht viel erwachsener", unterbrach die Frau Aramis nun.

Aramis sah sie beleidigt an und D´Artagnan brach bei diesem Anblick in Lachen aus.

„Tja mein Freund so fühlt man sich dann", D´Artagnan klopfte Aramis mitfühlend auf die Schulter und bemühte sich um einen ernsten Ton was ihm aber nicht wirklich gelang.

Als die Musketiere schließlich mit Proviant versorgt waren und diesen an ihren Pferden befestigten, betonte Aramis noch einmal, dass er alt genug sei und das ältere Leute, generell fast alle für jung hielten.

„Wahrscheinlich sprach sie von deinem geistigen Alter", traute sich D´Artagnan.

„Woho, pass auf was du sagst, dass könntest du noch bereuen" sagte Aramis gefährlich und versetzte seinem Gefährten dabei von hinten einen Stoß, welcher ihn ins Stroh beförderte.

„Was hab ich gesagt, wie ein beleidigtes Kind". D´Artagnan konnte diesen Kommentar nicht unterdrücken, wusste aber, dass er sehr gewagt war und schwang sich schnell auf sein Pferd um einer weiteren Attacke zu entgehen. Aramis folgte ihm lachend auf seiner Stute und die beiden plauderten auf dem Weg zu Constance.


„Nein, kommt nicht in Frage, ihr könnt sie unmöglich mitnehmen, dass ist viel zu gefährlich! Leah bleibt hier!", schloss Constance die Diskussion.

„Und was ist, wenn dieser Mann weiß, wie sie zurückkommen?", argumentierte D´Artagnan.

„Dann kommt ihr nochmal wieder, oder nehmt den Kerl mit, was weiß ich... Aber ihr wisst ja noch nicht einmal, ob ihr ihn findet. Ich werde nicht zulassen, dass sie der Gefahr einer solchen Reise ausgesetzt wird!", erwiderte Constance bestimmt, verschränkte die Arme und stellte sich schützend vor Leah.

„Uns passiert doch nichts. Außerdem haben wir nicht vor in Schwierigkeiten zu kommen.", versuchte D´Artagnan, Constance zu beschwichtigen.

„Ihr kommt immer in Schwierigkeiten.", bemerkte Constance und fixierte ihr Musketier.

„Na schön", gab D´Artagnan schließlich nach und wandte sich bereits zum gehen. Doch Constance rief ihn zurück: „D´Artagnan! Sie lief zu ihm und legte ihre Arme um seine Schultern.

„Sei vorsichtig" flüsterte sie in sein Ohr.

„Das bin ich. Versprochen!"

„Ich liebe dich", sagte Constance mit gefühlvoller Stimme und suchte seinen Blick.

„Ich liebe dich auch!"

 

Auch der Abschied zwischen Lexie und Leah war in vollem Gange. Leah war Alexandra um die Arme gefallen und weinte in ihre Schulter. Lexie streichelte mit einer freien Hand über ihre Haare und sah ihr schließlich in die Augen:

„Ich komme wieder, das verspreche ich dir! Ich lasse dich dich nicht alleine. Du bist hier bei Constance sicher und ich habe vier Musketiere, die mich beschützen. Also, was kann da groß schief gehen".

Leah schluckte und nickte schließlich. Alexandra brach es das Herz ihre Schwester hier zu lassen, aber Constance hatte recht: Sie würde sich viel zu viele Sorgen um Leah machen, wenn sie mitkäme.

Lexie löste sich langsam von ihrer Schwester, als sie Aramis wahrnahm, der ihr zunickte. Lexie gab Leah einen letzten Abschiedskuss auf die Stirn und merkte, wie auch ihr dabei Tränen die Wange herunterrollten. „Ich komme wieder, versprochen!"

Aramis half Alexandra auf das Pferd und zeigte ihr, dass sie ein Stück nach vorne rücken sollte. Dann schwang er sich hinter der jungen Frau in den Sattel. Lexie winkte noch einmal, als sich die Gruppe langsam von Constances Haus entfernte.

Als sie an der Garnison ankamen, standen Portos und Athos bereits zur Abreise bereit vor dem Tor. Porthos hatte ein weiteren Rappen am Zügel. Die Musketiere schienen wirklich einen Faible für Friesen zu haben.

Alexandra stieg ab und näherte sich ihrem neuen Freund. Das Pferd spitzte neugierig die Ohren und senkte den Kopf, als Lexie es zwischen den Ohren kraulte.

„Das ist Étoile", bemerkte Porthos, „Sie ist noch sehr jung, aber ich habe den Eindruck, du kennst dich mit Pferden aus".

Lexie lächelte ihn an: „Ja, das tue ich".

„Dann wollen wir mal, Monsieurs et Madame. Seid ihr bereit für eine Reise?"...

Angriff

Kapitel 7

 

„Jetzt, wo wir ja weit genug von der Stadt weg sind, sollten wir da nicht was spielen?“, fragte Aramis erwartungsvoll und blickte in die Runde.

„Und was schlägst du da vor?“, kam Athos skeptische Stimme von vorne.

Aramis sah ihn grinsend an. „Na, du weißt schon!“

„Nein Aramis, nicht schon wieder, ich weigere mich dieses Spiel zu spielen!“, sagte Athos nun ziemlich entschlossen.

„Ach komm schon, das Spiel ist doch lustig!“, versuchte Aramis seine Gefährten aufzumuntern.

Aramis fand jedoch niemanden, der gewillt war sein Reisespiel mitzumachen und fing an zu Pfeifen um sich die Zeit zu vertreiben. Ein paar Meter weiter hörte man von Athos nur ein genervtes Stöhnen.

„Was hast du?“, fragte Aramis verwundert und zog dabei nicht in Betracht, dass er der Auslöser für Athos genervte Reaktion sein könnte.

„Ich kann dein Gepfeife nicht mehr hören!“, antwortete er missmutig und schaute Aramis dabei durchdringenden an. Aramis machte ein Gesicht wie ein kleines Kind, dem gerade sein Lolli weggenommen wurde und gesellte sich dann lieber zu Porthos, um Athos schlechter Laune zu entkommen.


Es dämmerte bereits, als Athos schließlich ein Zeichen zum Halten gab.

„Hier bleiben wir über Nacht“, verkündete er, stieg von seinem Pferd ab und band es an einen Baum.

„Ich gehe mit Lexie mal etwas Feuerholz sammeln.“, kündigte Aramis an und machte sich schon auf den Weg.

Als Aramis und Alexandra genug Holz beisammen hatten, machten sie sich wieder auf den Rückweg zu ihrem Lager. Inzwischen war es draußen dunkel geworden und Alexandra sah in den mit Sternen überfluteten Himmel.

„Wow, das sind eine Menge Sterne“, murmelte sie verträumt.

„Gibt es da, wo du her kommst etwa keine Sterne“, wunderte sich Aramis.

„Doch, natürlich, aber man sieht sie meistens nicht. Dafür ist es oft zu wolkig.“

„Als ich kleiner war, habe ich oft in den Himmel geschaut und die Sterne bewundert. Ich habe mich immer auf das Dach gelegt.“ Aramis fing an leise zu lachen: „Mein Vater war nicht so begeistert davon, er hatte wohl Angst, dass ich herunter falle.“

Alexandra lächelte das Musketier an: „Wo bist du denn aufgewachsen?“

„Ein kleines Dorf, ungefähr vier Tagesritte von Paris entfernt. Ich war ewig nicht mehr dort.“, erzählte das Musketier sehnsüchtig.

„Warum nicht?“, wunderte sich Lexie.

„Es erinnert mich immer an meine Eltern“

Alexandra sah Aramis mit einem fragenden Blick an. Aramis schaute nach oben und flüsterte schließlich „Meine Eltern sind leben nicht mehr.“

„Das tut mir leid, das wusste ich nicht“.

Eine Zeit lang gingen die Zwei schweigend nebeneinander her, bis Aramis schließlich Lexie nach ihren Eltern fragte.

 

Wieder bei den anderen angekommen, zeigte Aramis Lexie die Kunst des Feuermachens und wurden dabei skeptisch von den drei anderen Musketieren beobachtet, die ab und zu Gekicher von den Zwei vernahmen.

„Typisch Aramis“, seufzte Porthos.

„Das kann nicht gut gehen“, bestätigte auch D´Artagnan.

Athos sah zu den beiden fraglichen Personen herüber. „Vielleicht sollte ich mich mal mit ihm unterhalten“.

Porthos sah Athos ungläubig an. „Und du denkst, das bringt was?!“ bemerkte er ironisch.

„Hast recht..., aber vielleicht solltest du mit ihm reden“, sagte er, nun zu D´Artagnan gewannt.

Ich mische mich nicht gerne in sowas ein“, redete dieser sich jedoch schnell heraus.

„In was mischst du dich nicht gerne ein?“ Aramis war plötzlich von hinten aufgetaucht und gesellte sich nun zu seinen Freunden.

„Es geht um deine Liebeleien mit Alexandra. Dir ist bewusst, dass sie ungefähr zehn Jahre jünger ist, als du?“, erklärte Athos dem Musketier, ohne lange drum herum zu reden.

„Liebeleien?“, erkundigte sich Aramis empört! Wir unterhalten uns nur! Sie ist eine nette junge Dame, die mir Gesellschaft leistet, weiter nichts.“

„Bist du dir da sicher?“, fragte Athos skeptisch weiter und sah ihn mit einem tiefen, durchdringenden Blick an.

„Es ist nichts passiert, ja!“, pampte Aramis, Athos an und zog beleidigt von dannen.

Athos seufzte und folgte Aramis ein paar Minuten später. Das beleidigte Musketier saß auf einem Baumstamm Alexandra gegenüber und die zwei unterhielten sich leise. Als die Anderen kamen, ignorierte er sie einfach. Porthos klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter.

„Jetzt sei nicht beleidigt! Hier Friedensangebot...“, Porthos warf Aramis eine Flasche zu, welche er geschickt aus der Luft fing.

„Na gut, da kann ich ja nicht nein sagen“, lies sich Aramis überraschend schnell von Porthos überzeugen und nahm einen Schluck.

Der Rest des Abends verging mit Geschichten und Erzählungen. Alexandra erinnerte das ganze doch stark an einen Lagerfeuerabend. Sie hatte es sich, in ein paar Decken eingehüllt, an dem Baumstamm neben Aramis bequem gemacht und hörte der leisen Unterhaltung gespannt zu.


Als Alexandra aufwachte, vernahm sie bereits die Geräusche der Musketiere, die im Lager umherliefen. Sie setzte sich auf versuchte sich zu orientieren. Sie war gestern bei einer von Porthos Geschichten eingeschlafen. Sie war so unendlich müde gewesen und hatte gar nicht gemerkt, dass ihr die Augen zugefallen waren. Jetzt aber befand sie sich nicht mehr in der Nähe des Baumstammes, an dem sie gestern gelehnt hatte, sondern von einer Decke gewärmt unter einem Baum. Alexandra wollte sich gerade wundern, wie sie hier hin gekommen war, als sie Porthos auf sich zukommen sah.

„So, gut das du wach bist, wir wollen weiter.“

Lexie strich mit einer Hand ihre Haare aus dem Gesicht. „Warum habt ihr mich nicht früher geweckt?“

„Ein bisschen mehr Schlaf hat dir bestimmt gut getan, du warst gestern so müde“. Porthos sah Lexie ein bisschen beleidigt an: „Du bist mitten in meiner Geschichte eingeschlafen.“

„Das tut mir leid, es war nicht meine Absicht einzuschlafen, die Geschichte war sehr spannend“

Porthos unterbrach Lexie, als er ihr zuzwinkerte „Schon gut, ich wollte dich doch nur ärger.“, lachte er und half ihr hoch.

 

Ein paar Minuten später fand Lexie sich auch schon erneut auf ihrem Pferd in Richtung „Zukunftsmann“ wieder. Gedankenverloren blickte sie auf die staubige Straße vor ihr, während Ètoile hinter den anderen her trottete. Sie merkte gar nicht wie die Zeit verging und das sie schon seit mehreren Stunden unterwegs waren. Als Athos sich schließlich entschied eine Rast einzulegen und Alexandra abstieg, merkte sie erst, dass ihr Rücken steif war und ihr alles weh tat. Als sie sich unbeobachtet fühlte, machte sie einige „gymnastische Übungen“ um sich wieder einigermaßen aufzulockern. Gerade war sie dabei, ihren Rücken nach unten zu beugen und berührte mit ihren Handflächen den Boden. Als sie wieder hoch kam, bemerkte sie Aramis, der deutlich amüsiert aussah und sich an einen Baum gelehnt hatte.

„Ähm, also ich wollte mich nur etwas auflockern und....“, versuchte Alexandra peinlich berührt zu erklären. Sie hoffte inständig, dass Aramis erst seit kurzem dort stand.

„Ah, das Gefühl kenne ich. Wir sind wohl etwas zu lange geritten für den Anfang“, sagte er mitfühlend, grinste jedoch nur weiter, amüsiert über Lexies Verlegenheit.

„Warte, probier mal das“. Aramis demonstrierte nun eine merkwürdigen Bewegung mit seinen Armen. Alexandra starrte ihn verwirrt an und wurde rot, wie eine Tomate. Machte er sich jetzt etwa lustig, über sie, oder war das echtes Mitgefühl. Lexie bemerkte nun Athos, der an ihnen vorbei lief und einen irritierten Blick auf Aramis warf, welcher ihm den Rücken zugewannt herum hampelte. Athos schüttelte ungläubig den Kopf und verdrehte die Augen und Lexie musste loslachen. Nun war es an Aramis, sie verwirrt anzuschauen.


Ein wenig später saßen alle satt und zufrieden um ein Feuer herum und wollten gerade wieder aufbrechen, als es auf einmal einen lauten Knall gab. Lexie zuckte zusammen, sah sich um und versuchte die Quelle des Geräusches ausfindig zu machen. Zu ihrem Schrecken entdeckte sie mehrere Männer, die aus dem Gebüsch mit lautem Gebrüll auf sie zu rannten. Sie hatten ihre Degen gezogen und kamen nun immer näher. Alexandra stand wie versteinert da. Die Musketiere jedoch zögerten keine Sekunde und zogen ebenfalls ihre Degen. D´Artagnan sah prüfend zu Lexie und drückte ihr einen Dolch in die Hand. Er zeigte auf einen hohen Stein, der etwas abseits des Geschehens lag.

„Lauf da rüber. Versteck dich!“, sagte er hastig.

Lexie schaute ihn mit angsterfüllten Augen an und wollte gerade protestieren, als von hinten einer der Angreifer auf D´Artagnan zu kam. Schnell war das jüngste Musketier in einen Kampf verwickelt und Alexandra war auf sich alleine gestellt. Sie machte einen Schritt rückwärts und der Schock über den plötzlichen Angriff ließ nach und verwandelte sich in pure Angst. Schnell rannte sie zu dem Stein, lehne sich mit dem Rücken dagegen und umklammerte den Dolch. Obwohl sie keine Ahnung hatte, wie sie damit umgehen sollte, versprach er ihr etwas Sicherheit. Ihr Herz pochte wild in ihrer Brust und Panik überkam sie. Aus dieser Sicht betrachtete sie nun den Kampf und schaute geschockt dabei zu, wie diese so netten und friedlichen Musketiere nun ohne zu zögern mit ihren Degen ihre Angreifer durchbohrten.

Sie atmete schnell und hatte solche Angst, wie sie sie noch nie im Leben gehabt hatte. Sie schaute zu Athos, der damit beschäftigt war drei der Banditen auf einmal zu bekämpfen. Dem einem hatte er gerade seinen Degen durch das Herz gerammt. Oh mein Gott, was tue ich hier, Lexie begannen Tränen die Wange herunter zu laufen und sie schluchzte hilflos, noch immer den Dolch umklammernd.

Auf einmal sah sie, wie einen der Banditen in ihre Richtung lief. Ihre Panik verstärkte sich, wenn das überhaupt noch möglich war und sie wollte zurückweichen, doch hinter ihr war nur eine feste Mauer aus Stein. Ihr Gegner kam immer näher. Sie hätte einfach zur Seite davon laufen können, doch ihre Beinen waren wie Blei. Sie konnte sich nicht bewegen. Es kamen ihr wie Stunden vor, aber eigentlich waren es nur wenige Sekunden. Der Fremde hatten sie erreicht und holte mit seiner Waffe zum Schlag aus. Der Stahl blitzte in der Sonne auf und Lexie schloss die Augen. Sie war unfähig sich zu wehren. Da kam auf einmal ein Schuss, wie aus dem Nichts. Der Bandit sackte in sich zusammen. Alexandra schaute hoch und sah etwas entfernt Aramis stehen, der eine immer noch qualmende Muskete in der Hand hielt. Das Musketiere nickte ihr zu und wurde bereits in den nächsten Kampf verwickelt.

 Sie atmete erleichtert durch, doch auf einmal stand ein weiterer Mann vor ihr und drückte sie mit seiner Klinge gegen den Stein. Er lachte über Alexandras Hilflosigkeit und lehnte sich weit nach vorne, so dass er ihr direkt in die Augen starrte. Lexie wurde sich bewusst, dass sie immer noch den Dolch in ihren Händen hielt und instinktiv stach sie zu. Der Mann Schrie, hielt sich die Seite, taumelte zurück und fiel. Sein Atem beschleunigte sich und er rang um Luft. Bewegungsunfähig und voller Angst, sah Lexie dem Mann dabei zu, wie er um sein Leben rang. Er spuckte Blut aus und man konnte die gurgelnden Geräusche seiner Lunge hören, die sich mit Blut füllte. Der Kampf war schnell zu Ende. Der Körper des Mannes bewegte sich nicht mehr. Er lag ruhig da, die Augen zum Himmel gerichtet.

Alexandra sah auf den Boden. Der tote Mann vor ihren Füßen. Sie starrte ihn an. Sie konnte ihren Blick nicht von den leblosen Augen richten, die ins Nichts zu schauen schienen. Unter ihm hatte sich eine Blutlache gebildet und beim Anblick der roten Flüssigkeit, überkam Alexandra eine extreme Übelkeit. Alle Farbe wich aus ihrem Gesicht und sie wurde schlagartig blass. Sie ging einen Schritt zur Seite und musste sich übergeben. Ungläubig drehte sie sich wieder dem am Boden liegendem zu. Die Blutlache wurde immer größer und das Hemd des Mannes war bereits blutgetränkt. Das Rot erreichte ihre Füße und Lexie wich automatisch zurück. Tot, tot, tot?! Er ist tot! Wie kann das sein, wie kann er tot sein? Lexie starrte auf den leblosen Körper vor ihr. Dann starrte sie auf ihre Hände. Sie hatte noch den Dolch in ihrem Griff. Sie sah ihn an. Er war voller Blut, so wie ihre Hände. Sie schnappte nach Luft und ließ den Doch so plötzlich fallen, als wäre ihr eingefallen, dass er giftig wäre.

Ich hab ihn umgebracht! Nein das kann nicht sein!? Wie konnte das passieren? Ich kann keinen Menschen umbringen. Oh mein Gott, was habe ich getan???

 Ihr wurde schwindelig. Sie rutschte mit dem Rücken am Stein herunter, fest dagegen gepresst, um dem Toten nicht zu nahe zu kommen. Entsetzt saß sie da, bewegte sich nicht. Schaute nur starr vor Schreck den Mann an. Ihre Sicht drohte zu verschwimmen, sie sah nur noch ihn. Sie hörte die Geräusche um sich nicht mehr, sie nahm gar nichts mehr war, nur noch den Körper zu ihren Füßen. Sie merkte auch nicht, wie sich ihr Atem weiter beschleunigte und sie drohte zu hyperventiliere. So saß sie da, und hatte keine Ahnung, wie lange sie da gegessen hatte, aber der Kampf schien fast vorbei zu sein. D´Artagnan war vor ihr in die Hocke gegangen und schüttelte sie an der Schulter. Doch auch das schien sie nicht zu spüren. Da war nur sie und der Tote, sonst niemand. Sie löste ihren Blick langsam von dem blutbefleckten Mann und drehte den Kopf in seine Richtung, doch schien durch das jüngste Musketier hindurch zu schauen. D´Artagnan redete weiter beruhigende Worte. Er hatte ihren Kopf zwischen seine Hände genommen, um Lexies Aufmerksamkeit zu bekommen. Als er merkte, dass Alexandra ihm nun in die Augen sah, atmete er erleichtert aus.

„Ein Glück, ich wusste schon nicht mehr, was ich noch machen sollte“. Alexandra blickte über D´Artagnan Schulter und sah verschwommen die drei Anderen, die noch immer in einen letzten Kampf verwickelt waren. Sie schienen jedoch keine Hilfe mehr zu gebrauchen.

Doch in diesem Moment gab es einen weiteren Knall und darauf folgend, Porthos markerschütternden Schrei. Alexandra starrte geschockt an die Stelle, an der eben noch Aramis gestanden hatte. Sie hatte nur noch Porthos Schrei im Sinn, der sie aus ihrer Schockstarre erwachen ließ. Sie löste sich so plötzlich von D´Artagnan, dass dieser zurückfiel. Alexandra rannte einmal quer über das Kampffeld. Sie rannte so schnell wie sie konnte zu der Stelle, an der Aramis zusammengesackt war. Porthos hatte Aramis Kopf in seinen Schoß gebettet und redete auf ihn ein.

„Hey, hey wach bleiben, hörst du mich. Alles wird gut.“

Alexandra ließ sich neben Aramis auf die Knie fallen, ihre Teilnahmslosigkeit von eben komplett vergessen. Aramis atmete schnell und hatte die Augen vor Schmerz fest geschlossen. Lexie sah in genauer an und dann wurde ihr erneut schwindelig, als sie das Blut sah, das seine rechte Schulter bedeckte...

Nach dem Sturm

Kapitel 8

So im Voraus schon mal ein Sorry für eventuelle medizinische Fehler ich bin da, was das Versorgen von Schusswunden angeht, nicht so informiert. Ich wünsche euch dennoch viel Spaß beim lesen :)

 

Alexandra sah ungläubig auf Aramis Schulter, die er mit einer blutigen Hand umklammerte. Was sollte sie jetzt tun? Wenn sie nicht in dieser verdammten Zeit feststecken würde, wüsste sie, was zu tun ist. Aber was konnte sie hier schon machen? Sie suchte mit ihren Fingern Aramis Puls an seinem Hals. Er war zum Glück gleichmäßig, wenn auch ein bisschen schnell. Dann sah sie sich nach etwas um, womit sie die Blutung stoppen könnte. Porthos, der inzwischen damit begonnen hatte, Aramis beruhigend über die Haare zu streichen reichte ihr ein Stück Stoff. Sie nickte ihm dankbar zu und drückte den Lappen auf die Wunde. Aramis stöhnte auf, als Lexie Druck ausübte, woraufhin auch Porthos sich sofort verkrampfte. Alexandra dankte schnell ihrem, zum Glück nicht all zu weit zurückliegendem, Erste-Hilfe Kurs und überlegte, was weiter zu tun sei. Aramis öffnete plötzlich jedoch die Augen und schaute sie an.

„Weißt du, was zu tun ist?“, fragte eine überraschend feste Stimme, die Lexie ihm in seinem Zustand nicht zugetraut hätte. Athos war dazu gekommen und kniete sich nun auch neben dem verletzten Musketier auf den Waldboden.

„Wir schaffen das schon ohne dich Aramis“, sagte er und legte ihm beruhigend eine Hand auf seine unverletzte Schulter. Aramis brachte etwas, was wie ein Grinsen aussah zustande und drehte ihm den Kopf zu. „Das hoffe ich doch“

D´Artagnan stand inzwischen neben Athos und schaute besorgt auf Aramis herunter.

„D´Artagnan, könntest du vielleicht schauen, ob es hier in der Nähe ein Gasthaus gibt? Wir können nicht noch einen Angriff riskieren und wir müssen Aramis ins Bett stecken.“

D´Artagnan machte sich sofort auf den Weg, froh, dass er etwas zu tun hatte. Athos wandte sich jetzt wieder Aramis zu.

„Lass mich mal sehen“.

Vorsichtig bewegte er Lexies Hände zur Seite, um die Wunde zu inspizieren. Als er sie sah, ließ er ein mitfühlendes Zischen hören und fixierte Aramis, der die Zähne zusammenbiss.

"Und wie siehst aus?“, erkundigte dieser sich gerade, auf das Schlimmste gefasst.

„Weiß nicht, ich muss die Rückseite sehen...“, erwiderte Athos ruhig. Mit der Hilfe von Alexandra drehten sie Aramis auf die Seite und man hörte einen fluchenden Athos, der offenbar nicht zufrieden war, mit dem, was er vorgefunden hatte.

„Tut mir leid, aber die Kugel ist noch in der Schulter“, versuchte er Aramis vorsichtig beizubringen.

„Warum hab ich nur immer so ein Glück?“, kommentierte Aramis ironisch.

Lexie bemerkte dabei den kurze Blickkontakt zu Porthos. Aramis Augen spiegelten eine leichte Panik wieder, die auch Porthos sofort bemerkte, denn er brachte ihn mit einem sanften „Tssch, ist ja in Ordnung“ zum Schweigen.


Es dauerte nicht lange, bis d´Artagnan zurückkam. Er hatte ein kleines Dorf nicht weit entfernt gefunden. Athos hatte zusammen mit Lexie in der Zwischenzeit einen provisorischen Verband zustande gebracht. Die nächste Herausforderung bestand nun darin, Aramis irgendwie auf ein Pferd zu bekommen. Obwohl er immer wieder beteuerte, ihm ginge es gut, und das er alleine reiten könne, wollte Porthos nichts davon wissen.

„Verdammt Aramis, dir geht es nicht gut! Dir kann es gar nicht gut gehen, du hast eine Schusswunde, mit Kugel in der Schulter!“, argumentierte er wütend.

Aramis hielt dieses Argument aber scheinbar für unwichtig, denn er ließ nicht locker: „Porthos, ich kann alleine reiten, wirklich!“

Alexandra hatte die Diskussion mitverfolgt und mischte sich nun auch ein: „Ich denke Porthos hat recht, du solltest auf ihn hören“

„Genug jetzt! Aramis hör auf mit dem Unsinn, du reitest nicht alleine!“, beendete Athos die Diskussion.

Beleidigt stand Aramis auf und wäre direkt wieder auf dem Boden gelandet, hätte ihn Porthos nicht rechtzeitig aufgefangen.

„Siehst du. Hab´s ja gesagt...“, murmelte dieser und Aramis warf seinem Gefährten einen bösen Blick zu, ließ sich schließlich jedoch helfen. Auf Porthos gestützt schaffte er es zum Pferd, beäugte es misstrauisch und musste schließlich zugeben, dass er es alleine nicht schaffte.

Etliche Minuten später saß Aramis vor Porthos auf dem Pferd. Das große Musketier war bereit seinen Freund festzuhalten, sollte er zur Seite wegrutschen. Aramis war extrem bleich im Gesicht und ein feiner Schweißfilm glänzte auf seiner Stirn. Auf dem Weg zum Dorf, wurden ihm immer wieder besorgte Blicke zugeworfen. Am Anfang, war er noch etwas beleidigt, doch dazu hatte er schon bald nicht mehr genügend Kraft und lehnte sich schwer an Porthos, was diesen sehr besorgte. Als sie nach etwas einer Stunde ankamen, da sie im langsamen Schritt sehr viel länger gebraucht hatten als D´Artagnan, war Aramis bewusstlos. Porthos hob in vom Pferd, in Athos wartenden Arme.

Athos trug Aramis die Treppe hoch und legte ihn vorsichtig auf eines, der zwei Betten im Raum. Porthos hatte sich in der Zwischenzeit bei der Gastwirtin nach einer Schüssel mit Wasser und frischen Tüchern erkundigt. Die Frau stellte die Utensilien auf den kleinen Tisch neben dem Bett, warf einen besorgten und zugleich entsetzten Blick auf Aramis und verschwand wieder. D´Artagnan kam durch die Türe und trug Aramis Satteltasche. Er stellte sie auf dem Tisch ab und begann nach etwas Bestimmten darin zu suchen. Triumphierend hielt er das braune Ledermäppchen hoch, mit dem auch Lexie schon Bekanntschaft gemacht hatte und legte es neben sich. Auch ein paar weiße Stoffstreifen kamen zum Vorschein. Athos vervollständigte die Sammlung mit einer Flasche, die Lexie als „irgendetwas Alkoholisches“ identifizierte und zog sich einen Stuhl neben Aramis Bett. Alexandra hatte das ganze ziemlich misstrauisch beobachtet und stand etwas Abseits, um niemandem in die Quere zu kommen. Porthos knöpfte Aramis Doublet auf und versuchte es ihm so vorsichtig, wie nur möglich auszuziehen. Das ursprünglich weißes Hemd welches er darunter trug war nun rot und Porthos entschied sich dafür, es aufzuschneiden um dem ohnehin schon leidenden Musketier nicht noch mehr Schmerzen zuzufügen.

„Das wird er dir nie verzeihen“, bemerkte Athos, der Porthos beobachtete hatte.

„Es würde sowieso nicht mehr sauber werden“, erwiderte dieser jedoch nur und setzte seine Arbeit fort. Schließlich hatte er es geschafft und ließ einen ironisches Lachen hören „Jetzt kommt mein Lieblingsteil“.

Athos nahm nach einem langem Seufzer die Flasche und eines der Tücher in die Hand und setzte sich zu Aramis auf das Bett. Porthos leiß sich auf den Stuhl daneben nieder, während D´Artagnan sich unsicher, was er tun sollte zu Alexandra gesellt hatte. Athos schüttete einen ordentlichen Schluck Alkohol in die Wunde und Aramis stöhnte, zeigte sonst jedoch keine weitere Reaktion, was Lexie ein wenig besorgte. Er reinigte die Wunde so gut es ging und widmete sich dann dem wohl größten Problem.

„D´Artagnan!“. Das Musketier schreckte hoch „Ja?“

„Kannst du uns hier mal helfen?“ Sofort reagierte er und stellte sich neben Athos.

„Kannst du seine Arme festhalten?“. Das jüngste Musketier nickte. Porthos hatte sich auf das Bett begeben und setzte sich nun auf Aramis Beine. Es folgte eine ziemlich unschöne Behandlung, die Aramis mehrmals aufstöhnen, aber zum Glück nicht aufwachen ließ.

„Gott sei Dank“, kam der erlösende Ruf von Athos, als er es endlich geschafft hatte die Kugel herauszuholen und sie in die Schale neben sich fallen ließ. Auch die anderen schienen erleichtert. Lexie jedoch schien ein bisschen bleich im Gesicht und hielt sich am Türrahmen fest, da sie ihren Beinen nicht mehr traute und ihr Gleichgewichtssinn sie verlassen hatte.

„Irgendwelche Freiwilligen?“, fragte Athos gerade mit einem gequälten Gesichtsausdruck in die Runde, da er schon vermutete an wem es wieder hängen bleiben würde. Er hielt eine Nadel hoch und wollte sie Porthos in die Hand drücken.

„Nein, ich kann das nicht, das weißt du doch“, verteidigte dieser sich gerade. „Außerdem müsste ich mir dann wieder Wochenlang sein Gejammere anhören, wenn er das Ergebnis sieht“.

"Bei mir das Gleiche! Ich hab keine Geduld bei sowas“, wehrte sich Athos vehement.

Beide Musketiere sahen nun zu D´Artagnan. Dieser hob abwehrend die Hände „Nein nein nein, was seht ihr mich schon wieder an? Ich bin froh, wenn ich ein Hemd nähen kann!“

Athos sah ihn flehend an: „Komm schon, irgendwer muss es machen!“

„Dann mach ich es halt selber...“, bemerkte plötzlich eine schwache Stimme. Die Drei zuckten zusammen, überrascht über Aramis Erwachen.

„Man hast du mich erschreckt“, begann D´Artagnan und hielt sich die Hand aufs Herz. Aramis grinste ihn schwach an und wollte etwas sagen, doch ein besorgter Porthos kam ihm zuvor: „Aramis, wie fühlst du dich?“

„Wunderbar Porthos. So gut, wie noch nie“, bemerkte er sarkastisch.

Porthos Besorgnis wuchs mit diesem Kommentar, da er wusste das Aramis nur versuchte seinen Schmerz hinter seinen Witzen zu verstecken.

„Wo ist Lexie?“, wollte Aramis mit einem mal wissen.

„Sie ist auch hier, ihr geht es gut!“, versuchte Porthos ihn zu beruhigen.

Aramis reichte diese Auskunft jedoch noch nicht: „Denkst du? Als ich sie das letzte mal gesehen habe ging es ihr nicht so gut, sie sah ziemlich geschockt aus!“

„Das wird schon wieder, mach dir keine Sorgen, wir kümmern uns um sie!“

Das war typisch Aramis, selber am schlimmsten verwundet, aber sich immer zuerst um andere kümmern.

„Geht es euch denn gut? Seid ihr verletzt?“, setzte Aramis sehr aufgewühlt seine Bestandsaufnahme möglicher Verletzungen seiner Freunde fort. Er wollte sich aufsetzten, wurde jedoch von Athos Hand aufgehalten, die sich bestimmt auf seine Brust legte und in zurück in die Kissen drückte.

Athos verdrehte die Augen, obwohl er diesen Charakterzug an Aramis immer wieder bewunderte. „Nein, uns geht es auch Bestens und jetzt sei still, du solltest nicht so viel reden und schon gar nicht aufstehen!“

„So und jetzt gib mir diese Nadel“, sagte Aramis ungeduldig, nachdem sie noch immer keine Lösung gefunden hatten.

„Nein Aramis, du kannst das nicht selber machen“, warf Athos mit einem misstrauischen Blick auf Aramis zitternde Hände ein.

„Ich mache es lieber selber, als das einer von euch, mit euren grobmotorischen Händen an mir herumdoktert!“

Athos zog eine Augenbraue hoch. „Vielen Dank für dein Vertrauen“.

Athos schien jedoch im gleichen Moment eine Idee gekommen zu sein, den er stand auf, ging auf die Tür zu und stellte sich zu Alexandra. Das Musketier redete auf sie ein, bis sie schließlich langsam, wenn auch ein bisschen unsicher anfing zu nicken.

Fünf Minuten später fand sich Alexandra also mit einer Nadel und Faden in der Hand vor Aramis wieder. Sie schaute abwechseln zu Aramis und dann wieder auf die Nadel, als wäre sie unsicher, was zu tun sei. Aramis nickte ihr aufmunternd zu und versuchte einen freundlichen Gesichtsausdruck zu machen.

„Denk einfach du würdest was anderes Anderes nähen“, kam ein gut gemeinter Rat von D´Artagnan, der Lexie jedoch nur noch entsetzter aussehen ließ. Schließlich atmete sie einmal tief durch und widmete sich dann ihrer neuen Aufgabe. Als Aramis scharf die Luft einzog und einen äußerst schmerzverzerrten Gesichtsausdruck machte, hielt Lexie jedoch sofort wieder inne.

„Tschuldigung“, sagte sie und fühlte sich ziemlich unwohl dabei, dem Musketier Schmerz zuzufügen.

„Musst dich nicht entschuldigen, ist normal, dass das weh tut“, versuchte Aramis sie zu beruhigen, was ihm mit seiner derzeitigen Erscheinung jedoch nicht so recht gelingen wollte.

Es war draußen bereits dunkel, als Aramis Schulter endlich versorgt und verbunden war. Das Musketier war eingeschlafen und auch Lexie sah nicht so aus, als könnte sie sich noch viel länger auf den Beinen halten. Müde und erschöpft sank sie in das Bett. Die Musketiere hatten darauf bestanden, dass sie es bekommen sollte und ließen nicht mit sich diskutieren in dieser Hinsicht. Sie warf noch einen letzten prüfenden Blick auf Aramis, bevor sie auf der Stelle einschlief.

Alptraum

Kapitel 9

Alexandra wachte mit einem mal ruckartig auf und saß aufrecht im Bett. Mit wildem Blick sah sie sich um, als suche sie einen Angreifer, der sich jeden Moment auf sie stürzen könne. Schnell atmend und panisch fuhr sie herum, als sie neben sich ein Geräusch wahrnahm. Dann sah sie sich dem Gesicht von Athos gegenüber und schnappte überrascht nach Luft. Athos runzelte die Stirn und schenkte ihr einen besorgten, fragenden Blick : „Alles in Ordnung?“

„Ja, ähm war nur ein Traum?“. Der Ausdruck der sich jetzt auf Alexandras Gesicht bereit machte, stand jedoch im absolutem Gegensatz zu ihren Worten. Sie erinnerte sich wieder an ihren Traum:

Sie rannte. So schnell wie sie konnte und rannte und rannte. Nie blieb sie stehen. Sie wusste nicht, wovor sie davon rannte, aber es schien ihr wichtig zu sein, nicht anzuhalten. Sie war in einem dunklen Wald und das rauschen des Windes flüsterte bedrohlich in den Zweigen. Auf einmal fiel sie, konnte sich nirgends festhalten und landete auf dem kalten Waldboden. Sie stand wieder auf und wollte weiter laufen, aber eine unsichtbare Kraft schien sie festzuhalten. Es herrschte eine absolute Stille. Sie war alleine, ganz alleine. Panisch sah sie sich um, konnte in den tiefen Schatten der herabhängenden Äste jedoch niemanden ausmachen. Auf einmal nahm sie eine Bewegung war, direkt hinter ihr... Schnell wandte sie sich um. Ihre blauen Augen suchten in der Dunkelheit. Immer wieder spürte sie die Anwesenheit von etwas anderem oder jemand anderem. Ängstlich fragte sie in die Nacht: „Ist da jemand?“

Keine Antwort... Sie fragte lauter und irgendwann schrie sie. Ihre Stimme zitterte. Auf einmal packte sie jemand von hinten und hielt sie fest. Sie spürte einen fauligen Atem an ihrem Nacken, die festen Hände, die sich um ihren Körper schlossen und die bedrohliche Präsenz eines Dolches, der ihr an den Rücken gehalten wurde. Verzweifelt versuchte sie sich freizukämpfen, schrie um Hilfe, doch es war niemand da, der sie hören könnte. Sie weinte und wehrte sich, doch ohne Erfolg. Die Hände des Fremden wahren wie Stahl, fest um sie geschlossen und nicht bereit, sie gehen zu lassen. Da tauschte wie auf dem Nichts eine weitere Gestalt auf, die aus den dunklen Bäumen hervorgetreten war. Im schwachen, Silber glänzendem Licht des Mondscheins erkannte Alexandra Aramis und war erleichtert, nicht mehr alleine zu sein. Seine dunklen, gewellten Haare glänzten im Licht und er schien ihre Rettung zu sein. Doch das Musketier nahm sie nicht wahr, obwohl sie schrie. Aramis hatte seinen Blick an ihr vorbei, in die Ferne gerichtet und sah nicht, wie Alexandras Angreifer einen Pistolenlauf auf ihn richtete. Im Nächsten Moment gab es einen ohrenbetäubenden Knall und Aramis sackte leblos zu Boden. Alexandras Schrei hallte durch den Wald und sie brach in einen Strom aus Tränen aus und wäre ebenfalls auf den Boden gestürzt, hätte der Fremde sie nicht festgehalten. Noch nie hatte sie sich so hilflos gefühlt. Porthos kam plötzlich aus den Bäumen gestürmt, sah Aramis am Boden liegen und warf sich neben ihm auf die Knie. „Nein, nein, nein das kann nicht war sein! Aramis NEIN“.

Verzweifelt nahm er Aramis Gesicht in seine Hände und sein Ton enthielt eine so tiefe Trauer, wie Alexandra sie nicht für möglich gehalten hätte. Porthos schaute Alexandra direkt in die Augen: „Das ist deine Schuld!“

Dann waren beide verschwunden. Sie hatten Lexie zurückgelassen... mit diesem Mann. An der Stelle an der die Musketiere eben noch gewesen waren, tauchte jetzt Leah auf. Sie bewegte sich langsam und elegant, doch als Lexie jedoch genauer hinsah, erkannte sie mit blankem Entsetzen, dass ein Dolch aus ihrer Brust ragte. Leah machte noch einen Schritt auf sie zu und sankt auf die Knie. Mit einer ungeheuren Kraft, die sie nicht für möglich gehalten hatte, stieß Lexie ihren Angreifer um und rammte ihm seinen eigenen Dolch in den Körper, mit der er sie noch immer bedrohte. Lexie lief los, erreichte Leah, fiel neben ihr nieder. Ihre braunen Augen waren erfüllt von Angst und Schmerz: „Warum hast du mich verlassen?“, hauchte sie, so leise, dass sie es kaum verstanden hätte. Lexie wollte antworten, doch es war zu spät, ihre Schwester hörte sie schon nicht mehr.

„Leah?“, fragte sie ungläubig und mit zarter, zitternder Stimme. Als sie in die erloschenen Augen sah, erinnerte sie sich, dass sie diesen Blick schon einmal gesehen hatte.

„Nein“, flüsterte sie und erstickte fast an dem Wort, da sie keinen Atem mehr hatte. Sie hielt Leahs Gesicht in ihren Händen, strich zart über ihr Haar und legte ihre Stirn an die ihrer Schwester. Tränen nahmen ihr mit einem mal die Sicht und ein markerschütternder Schrei erfüllte die Finsternis...

 

„Hey?“, riss Athos sie aus ihren Gedanken. „Brauchst du irgendwas?“.

Lexie schreckte hoch: „Nein, ist schon gut“

Ihr waren die Tränen gekommen und sie rollten ihr nun unkontrolliert über die Wangen. Athos zögerte einen Moment, nahm sie dann jedoch wortlos in seine Arme. Lexie legte die Stirn an seine Schulter und schluchzte. Sie lies ihren Gefühlen freien Lauf und als sie sich wieder einigermaßen beruhigt hatte ging es ihr etwas besser. Sie löste sich von dem ältesten Musketier, woraufhin dieser einen zweiten Versuch wagte: „Was ist passiert?“

„Ich, ich habe geträumt, das, das...“, sie stotterte, doch Athos legte seine Hand auf ihre und ermutigte sie, weiter zu reden: „Ist schon gut“.

„Aramis ist gestorben, und und Leah!“, brachte sie zwischen ein paar weiteren Tränen hervor und sah zu Athos, als könne er ihren Traum ungeschehen machen.

„Es war nur ein Traum, nichts von alle dem ist passiert! Versuch noch etwas zu schlafen, ja?“

Bei dem Gedanken an Schlaf, und der Möglichkeit eines weiteren Traumes, schaute Lexie panisch zu Athos. Athos fixierte Lexie mit ruhigen blauen Augen.

„Ich bin hier, ich passe auf und wenn ich merke, dass du schlecht träumst, dann wecke ich dich“.

Und so fiel Alexandra wieder in einen Schlaf, diesmal zum Glück ohne Traum.


Am nächsten Morgen fühlte sich Lexie wenig ausgeruht. Athos hatte ihr nächtliches Gespräch nicht erwähnt und alles lief seinen mehr oder weniger normalen Gang. Aramis war aufgewacht und obwohl er sich in einem ziemlich geschwächten Zustand befand, war ihm offensichtlich langweilig. Gerade führte er eine Diskussion mit Porthos, die auf Außenstehende bestimmt ziemlich komisch wirkte:

„Du hast mein Hemd zerschnitten, was soll ich deiner Meinung nach jetzt anziehen?“, erkundigte Aramis sich gerade äußerst unzufrieden.

„Es war notwendig! Außerdem hast du noch Eines dabei“, verteidigte sich Porthos.

Aramis guckte ihn beleidigt an und schmollte „Das war mein Lieblingshemd!“, sagte er schließlich und hörte sich ernsthaft getroffen über den Verlust seines Kleidungsstückes an.

„Ich kauf dir ein Neues“, war Porthos schlichte Antwort auf Aramis Genörgel.

Aramis sah ihn an, als hätte er etwas unmögliches vorgeschlagen: „Es war aber unersetzbar!“

Porthos verdrehte nur genervt die Augen, als hätte er diese Unterhaltung schon tausendmal geführt, musste dann aber über die Eitelkeit seines Freundes lachen. „Meine Güte, du bist schwieriger mit deinen Klamotten als jede Dame in Paris!“

„Ich will halt nicht wie der letzte Mensch rumlaufen, ich habe einen Ruf zu verlieren!“, sagte Aramis mit einem gewissen Stolz in seiner Stimme.

Athos hatte die Unterhaltung, sichtlich amüsiert, von seinem Platz am Fenster aus verfolgt. Er hatte Porthos ja gewarnt es sich zweimal zu überlegen, Aramis Kleidung zu ruinieren. Dennoch sprang er nun heldenhaft zu Porthos Unterstützung ein: „Sei froh, das du überhaupt noch einen Ruf verlieren kannst, hätten wir dich lieber verbluten lassen sollen?“, fragte Athos mit hochgezogener Augenbraue.

Aramis machte ein Geräusch, welches vermutlich seine Unzufriedenheit über Athos Einwand ausdrücken sollte und wollte sich beleidigt auf die Seite drehen. Ein plötzlicher Schmerz in seiner Schulter hinderte ihn jedoch daran und ihm wurde kurz schwindelig. Er schloss die Augen und blieb dann doch lieber auf dem Rücken liegen. Als er die Augen wieder öffnete schaute er in die Gesichter von Zwei äußerst besorgten Musketieren. „Na toll, hätte er doch nicht versucht, sich zu drehen, jetzt würden sie ihn erst recht nicht aus den Augen lassen.“

„Alles klar? Willst du noch was von diesem Tee, gegen die Schmerzen?“

Aramis drehte seinen Kopf: „Nein Porthos, ich will nichts von dem Tee, er schmeckt abscheulich!“

„Aramis, bitte!“, versuchte er das sture Musketier zu drängen, erkannte dann jedoch, dass er so vermutlich nicht weiter kommen würde und versuchte es anders: „Du zwingst uns auch immer das Zeug zu trinken! Es ist nur fair, wenn du jetzt auch mal dein eigenes Gebräu zu dir nehmen musst...“

„Porthos, du bist ein äußerst rachsüchtiger Freund“, stellte Aramis mit gespielten Entsetzen fest.

Das Musketier hob abwehrend die Hände:„Ich will nur dein Bestes“.

Trotz seinem belustigten Ton, waren seine Augen warm und strahlten die tiefe Verbundenheit zwischen den Männern aus. Aramis erwiderte den Blick, nickte schließlich ergeben und Porthos hielt ihm den Becher mit dem Tee hin. Das schwächelnde Musketier nahm einen Schluck, während Porthos seinen Kopf stützte, verzog angewidert das Gesicht und wollte ein Glas Wasser zum Nachspülen.

Athos unterbrach die Szene und beschloss, dass sich jetzt jemand um die weitere Organisation des Tages kümmern musste: „Porthos ich geh mal nachsehen, wo D´Artagnan geblieben ist. Kannst du dich um ein Frühstück kümmern?“.

Nur widerwillig ließ das große Musketier Aramis so hilflos zurück, doch folgte dann schließlich Athos. Vorher drehte er sich jedoch noch einmal um und wandte sich an Lexie: „Lass ihn sich keinen Millimeter bewegen! Egal was er sagt, egal, wie sehr er dich versucht mit seinem Blick zu erweichen. Du musst seinem Charme widerstehen!“, obwohl Porthos seine Anweisungen durchaus ernst meinte, musste er sich bemühen ein Grinsen zu verkneifen, da es sich ein bisschen so anhörte, als erkläre er, wie man einen Hund Babysittete.

„Das kriege ich wohl hin“, sagte Lexie mit einem Lächeln auf dem Gesicht.“

„Gut“. Damit war Porthos aus der Tür und Alexandra war alleine mit Aramis.


Sie setze sich zu ihm ans Bett, auf den Stuhl, auf dem eben noch Porthos gesessen hatte. Aramis öffnete die Augen und schaute sie an.

„Wie geht’s dir?“, fragte Lexie in Ermangelung eines anderen Gesprächsthemas.

„Mir geht es ganz gut, den Umständen entsprechen. Die Frage ist: Wie geht es dir!“

Alexandra war verdutzt: „Mir? Äh gut?“

Aramis musterte sie, sah sie an, als würde er ihr das nicht ganz abkaufen und ließ nicht locker: „Wirklich? Du machst einen ziemlich geschafften Eindruck!“

Lexie verfluchte sich, nicht in den Spiegel geguckt zu haben. Sah sie wirklich so schlimm aus? „Hm, ich hab vielleicht nicht so gut geschlafen!“

Aramis wurde aufmerksamer und sah sie einfach nur auffordernd an, als warte er auf eine Fortsetzung der Geschichte.

„Ich hab nur schlecht geträumt, das ist alles!“

Aramis sah sie mitfühlend an: „Willst du mir davon erzählen?“

Das Musketier wusste in der Tat, wie man mit Frauen redete und so erzählte Alexandra es ihm... Sie erzählte alles: Von ihren Heimweh, von dem Angriff, dem grausamen Zwischenfall mit dem Banditen, den sie aus Notwehr umbringen musste, ihrer Sorge um Leah und von dem furchtbaren Traum. Als sie fertig war, kamen ihr bereits wieder die Tränen und sie drehte ihren Kopf weg, damit Aramis sie nicht sehen konnte. Doch dieser streckte seine Hand aus und drehte ihren Kopf am Kinn wieder zu sich.

„Ist schon gut, sieh mich an! Wir stehen das durch und du kommst wieder nach Hause!“

Alexandra blickte in Aramis braune kaffeefarbenden Augen und ihr rollte eine Träne die Wange herunter. Aramis wischte sie vorsichtig mit seinem Daumen weg und Lexie war gar nicht aufgefallen, wie sie sich immer näher gekommen waren und sich ihre Lippen langsam auf einander zu bewegten...


 Mit einem unheimlich lauten Geräusch polterten drei Musketiere durch die Türe. Vor Schreck wäre Alexandra beinahe vom Stuhl gefallen, hätte Aramis sie nicht mit einem Laut des Schmerzes festgehalten. Ertappt wendeten Beide ihren Blick der Geräuschquelle zu.

Athos, der als Erster durch die Tür gekommen war, sah Aramis mit einem Blick an, der nichts Gutes verhieß.

„Stören wir?“, fragte das Musketier in ruhigem Ton, der keinerlei Aufschluss über seinen Gemütszustand gab. Seine Augen jedoch funkelten. Gut, dass Blicke nicht töten konnten, denn Aramis wäre ansonsten auf der Stelle tot umgefallen. Porthos tauchte hinter Athos auf und betrachtete die Szene die sich im bot: Lexie, die betreten auf den Boden guckte, als wäre dieser auf einmal sehr interessant geworden. Aramis, der Athos zerknirscht anschaute und versuchte seinen stahlblauen Augen auszuweichen, die ihn zu durchbohren schienen.

„Aramis.“, sagte er ermahnend, „Sag jetzt nicht, dass du...“

„Will jemand was essen?“. D´Artagnan war ebenfalls eingetreten und wäre fast gegen Porthos gelaufen, der noch vor der Tür stand. „Was ist los?“, erkundigte er sich, als er mühselig versuchte über das größere Musketier zu gucken, welches vor ihm stand.

„Das wollte Aramis und gerade erklären“, sagte Athos streng.

Da meldete sich Alexandra mit einem mal und versuchte sich aus der unvorteilhaften Situation heraus zu reden: „Ich habe geprüft, ob er Fieber hat!“

Athos Augen verengten sich zu engen Schlitzen und Lexie musste schlucken.

„Und?“, fragte d´Artagnan erwartungsvoll. Lexie sah ihn verwirrt an, deswegen fügte er noch ein „irgendein Anzeichen von Fieber“ hinzu.

„Äh, nein, alles gut“, antwortete Lexie ein wenig perplex.

„Na dann ist ja alles in bester Ordnung“, freute sich D´Artagnan und mit seiner üblichen Lebensfreude ließ das jüngste Musketier sich beschwingt auf einem weiteren Stuhl nieder, der neben einem kleinen Tisch stand. Athos musterte Aramis und Lexie noch eine Weile misstrauisch, lies dann jedoch ab und wandte sich nun auch dem Frühstück zu. Erleichtert atmete Aramis aus, wusste aber, dass dieses Thema bestimmt noch nicht beendet war.


Aramis Genesung lief überraschend schnell voran und mit jedem Tag, den er sich besser fühlte, wurde es schwieriger ihn daran zu hindern das Bett zu verlassen. Porthos drohte regelmäßig damit ihn einfach ans Bett zu fesseln und das Einzige, was Aramis daran hinderte wieder umher zulaufen waren Athos wachsame Augen und ermahnenden Blicke. Bald schaffte aber selbst er es nicht mehr, Aramis Bewegungslust zu unterdrücken. Als er zustimmte, dass das Musketier nun aufstehen dürfe, grinste Aramis triumphierend und kostete seinen neu gewonnene Bewegungsfreiheit in vollen Zügen aus. Auch wenn er sich Anfangs noch nicht so lange auf den Beinen halten konnte, versuchte er so viel Zeit wie möglich Draußen zu verbringen. Es wurde langsam Zeit, dass sie das eigentliche Ziel dieser Mission wieder verfolgten. So brachen sie schon bald in früher Morgenstunde wieder auf, um sich auf den Weg zu machen. Aramis wurde von Porthos gezwungen seinen Arm in einer Schlinge zu tragen, um die verletzte Schulter zu entlasteten, doch dass konnte Aramis Abenteuerlust nicht aufhalten.

Aramis saß vergnügt auf seinem Pferd und ritt zwischen Lexie und Porthos. Vor ihm liefen die Pferde von Athos und D´Artagnan in einem angenehmen Schritt Tempo. Auch wenn seine Schulter ein bisschen schmerzte, war er froh an der frischen Luft zu sein und nicht nur sinnlos Löcher in die Luft starren zu müssen. Immer wenn er irgendeiner Art von sinnvoller Beschäftigung nachgehen wollte, sei es auch nur Pferde füttern, oder sich etwas zu Trinken besorgen, wurde er von Porthos aufgehalten. Sein besorgter Freund hatte ihm jegliche Arbeit verboten. Nur lesen war ihm erlaubt, aber das war ihm schon bald viel zu langweilig gewesen. Jetzt blühte er nur gerade so von Energie und Eifer.

„Ach, ist das schön! Seht nur die Sonne, die Vögel und der Duft nach frischem Heu. Diese sanften Hügel und die unendliche Freiheit, bis zum Horizont...

Athos hatte sich Aramis Schwärmerei jetzt eindeutig lange genug angehört: „Könnte ihn jemand mal zum Schweigen bringen?“

Porthos zuckte ratlos mit den Schultern. „Wie denn, wenn er einmal in poetischer Stimmung ist, ist er nicht mehr aufzuhalten.“

„Er war mir lieber, als er bewusstlos war!“, grummelte das missgelaunte Musketier.

„Ah, ich denke, da kann ich nachhelfen“, warf D´Artagnan ein, der Aramis poetische Ausbrüche anscheinend ebenso wenig zu schätzen wusste.

Die Einzige, die Aramis Redegewandtheit bewunderte war Lexie, die ab und zu kicherte, wenn Aramis mit seiner verklärten Naturbeschreibung doch ein wenig zu sehr übertrieb. Aramis lächelte ihr in diesen Fällen dann zu und machte einen Witz oder fuhr extra schnulzig fort.

„Ihr wisst es gar nicht zu schätzen, was wir hier haben. Genießt doch mal den Moment... “.

Athos war mit dieser Erklärung allerdings noch nicht befriedigt: „Ich würde ihn sehr viel mehr genießen, wenn es dabei still wäre!“

Ein paar poetische Stunden später, machte die Truppe in einem Gasthaus Halt, in das sie sich für die Nacht einquartierten. Morgen würden sie das Dorf erreichen, in dem die Musketiere vor etwa einem Jahr dem mysteriösen Mann begegnet waren.

 

 

Auf der Suche

strong>Kapitel 10

 

Gegen Nachmittag ritten die Musketiere mit Alexandra über die Felder, die zu dem Dorf gehörten, das sie erreichen wollten. Alexandra war aufgeregt und musste sich zurückhalten, nicht voraus zu galoppieren. Würde sie gleich etwa erfahren, wie sie zurückkommen konnte in ihre Zeit? Auch wollte sie unbedingt herausfinden, wie es passieren konnte, dass sie überhaupt hier war. Sie folgten der schmalen Straße, die ab und zu ein paar Bäumen auswich und sich so zwischen ihnen hindurch wand. Sie passierten einen Hof, der etwas abseits des eigentlichen Treibens lag. Das Dorf grenzte zu einer Seite an den Wald und war umgeben von Feldern, auf denen ein paar Menschen gerade Heu wendeten. Der Duft des Heus stieg ihr in die Nase und vermischte sich mit dem der Wildblumen, die zu ihrer Linken wuchsen. Die schlichten Häuser waren mit Strohdächern gedeckt und jedes besaß einen Schornstein, aus dem es qualmte. Alles bot einen sehr idyllischen und harmonischen Anblick und Lexie fühlte sich rundum schon wohl. Sie erreichten die ersten Gebäude und Athos entschied sich, es wäre das Beste, abzusteigen und sich nach dem Mann zu erkundigen. Er hielt eine Frau an, die gerade mit einem Korb Wäsche an ihnen vorbeilief und fragte sie, ob sie einen Mann kenne, der erst seit einem Jahr hier lebte und damals ein wenig verwirrt gewesen war.

Lexie schien diese Beschreibung nicht sehr eindeutig zu sein, aber Athos hatte ihr erklärt, dass es in kleinen Dörfern meist sehr ungewöhnlich war, wenn jemand neu dazu zog. Die Menschen würden sich eigentlich nie weit von ihrem Geburtsort entfernten. Alexandra fand das ein wenig merkwürdig, aber doch einleuchtend, da die Leute hier weder Geld für eine Reise besaßen, noch ein besonders großes Interesse daran hatten, ihre Heimat zu verlassen. Warum auch, wenn man all das hatte was man brauchte und die ganze Familie hier wohnte. Natürlich gab es da auch Ausnahmen, wie zum Beispiel Aramis, dessen Abenteuerlust es ihm unmöglich machte, seines ganzes Lebens in ein und dem selben Dorf zu verbringen. Oder auch D´Artagnan, der allerdings durch den Tod seines Vaters eher durch Zufall ein Musketier geworden war.

Athos Vermutung schien jedenfalls zu stimmen, denn die Frau wusste sofort, wer gemeint war.

Sie zeigte gerade in die Richtung, in der sich das Haus befand und erklärte Athos den Weg. Der Musketier zog seinen Hut und bedankte sich so bei der Frau für ihre Hilfe. Dann führte er die Musketiere und Lexie zu dem Haus, das aber fairerweise eher als Hütte bezeichnet werden musste, als als Haus. Das Gebäude war aus Holz zusammengezimmert und hatte ein durchhängendes schiefes Dach, das dem Einsturz gefährlich nahe aussah. Die Tür hing schief in den Angeln und die Farbe blätterte ab. Ein paar Fenster waren eingeschlagen und es sah kurz gesagt nicht wirklich bewohnbar aus.

„Scheint nicht so, als wäre es für ihn aufwärts gegangen, nachdem wir weg waren.“, kommentierte Porthos die jämmerliche Erscheinung des Hauses, sehr treffend.

Auch Lexie kamen Zweifel: „Hoffentlich wohnt er überhaupt noch hier!“

„Da werden wir wohl mal nachsehen müssen.“

D´Artagnan hatte sich der Bruchbude als erster genähert und stand nun etwas unentschlossen vor der Tür, als überlege er, ob diese halten würde, wenn er klopfe. Porthos dauerte das alles zu lange und ergriff kurzerhand die Initiative. Er klopfte und rief, doch bekam keine Antwort. Also trat er einfach ein. Die Tür quietschte fürchterlich und D´Artagnan machte einen Laut des Unbehagens. Hinter Porthos schritten nun auch die anderen Musketiere und Lexie über die Schwelle.

Sie befanden sich in einem nur spärlich beleuchteten Raum. Durch die schmalen, verriegelten Fenster kam gerade so viel Licht, dass ein dünner Lichtstrahl, in dem feine Staubpartikel tanzten, auf einen Tisch in der Mitte des Raumes schien. In der Ecke befand sich ein unbequem aussehendes Bett und eine kleine Kommode. Besonders auffallend war jedoch die Unordnung des Zimmers. Zwei Stühle lagen zerbrochen auf dem Boden, zusammen mit ein paar Flaschen und Bechern. Die Schubladen der Kommode waren herausgerissen und ihr Inhalt und lag kreuz und quer im Zimmer verteilt.

„Was ist hier passiert?“, stellte D´Artagnan die Frage, die wohl allen zuerst in den Sinn gekommen war.

„Keine Ahnung, vielleicht war er auch einfach nur ein unordentlicher Mensch.“, überlegte Porthos scherzhaft.

Aramis sah Porthos kopfschüttelnd an: „Porthos, ich bitte dich, nicht jeder ist so chaotisch wie du.“

„Du meinst wohl eher, nicht jeder hat das Talent sich im Chaos zurecht zu finden.“, konterte der Musketier gekonnt mit einem Grinsen auf dem Gesicht.

Alexandra fand das jedoch gar nicht lustig und wandte sich an Athos, der der Einzige war, der noch keinen unnötigen Kommentar abgegeben hatte: „Wir müssen ihn finden!“

Athos seufzte und begann damit, im Raum umher zu laufen und nach irgendwelchen Hinweisen zu suchen.


Eine Stunde später wussten sie genauso wenig wie am Anfang. Sie hatten weder einen Hinweis darauf, wo sich der Mann befinden konnte, noch ob er überhaupt noch lebte oder jemals hier gelebt hatte. Eines stand jedoch fest, er war sicherlich nicht freiwillig gegangen, dafür war die Hütte zu verwüstet. Da es draußen bereits dämmerte, beschlossen sie, sich für die Nacht ein Dach über dem Kopf zu suchen und sich morgen mal umzuhören. Vielleicht erfuhren sie ja etwas Brauchbares aus dem Dorfklatsch.

Sie hatten sich für ein Gasthaus am Rande des Dorfes entschlossen und waren noch einmal losgezogen, um sich eine Taverne zu suchen. Lexie war Anfangs nicht so begeistert von dieser Idee gewesen, doch hatte sich durch Aramis Argument, „es könne doch ganz lustig werden“, breit schlagen lassen. Außerdem wollte sie nicht alleine bleiben. In Begleitung der Musketiere fühlte sie sich sehr viel sicherer.

Aramis hatte recht behalten, es war in der Tat sehr lustig:

Aramis saß zwischen Lexie und D´Artagnan, ihnen gegenüber Porthos und Athos. Zu Beginn waren alle ein wenig enttäuscht, über den noch immer verschollenen Zukunftsmann, doch die Stimmung wurde mit jedem Glas Wein heiterer. Athos hatte darauf bestanden, dass Lexie auch mal den Wein probieren sollte und so hatte sie ihre Abscheu gegenüber dem Geschmack überwunden. Athos war bereits bei seinem fünften Glas, während Lexie das Zweite vor sich stehen hatte. Sie hatte zu diesem nur zugestimmt, weil Aramis sie geärgert hatte, dass sie ja nur nichts vertrug und deswegen den Wein meiden würde. Seufzend nahm sie einen Schluck und spürte die Wärme, die sich in ihrem Bauch ausbreitete. Langsam begann es in der Tat sehr lustig zu werden und schon bald kicherte auch Alexandra wie verrückt. Sehr zum Vergnügen von Aramis, der eine betrunkene Lexie für äußerst unterhaltsam hielt.

Irgendwann bemerkte Alexandra, dass sie schon seit längerer Zeit von einem Mann beobachtet wurde, der am anderen Ende des Raumes an einem Tisch saß. Der Mann stand nun auf und näherte sich ihrem Tisch. Neben Alexandra blieb er stehen und setzte sich schließlich neben sie. Sofort reagierte Aramis, zog Lexie näher an sich heran und warf dem Unbekannten einen vernichtenden Blick zu.

Athos sah sich gezwungen einzugreifen, bevor Aramis sich auf den Fremden stürzen würde.

„Was verschafft uns die Ehre?“, fragte Athos mit einer gefährlichen, vorgetäuschten Nettigkeit, da auch er den Eindringling als störend empfand.

„Ich hab euch heute gesehen“, sagte dieser jedoch nur und machte sich auf seinem Platz breit.

„Das ist toll. Geht es auch etwas präziser?“, fragte D´Artagnan mit einem ironischem Unterton.

Der Mann verzog keine Miene: „Ihr wart in dem Haus des Hexers?“, sagte er in einem Ton, als würde er die Musketiere für seine Komplizen halten.

„Hexer?“ Das konnte nichts Gutes bedeuten. D´Artagnan warf seinen Gefährten einen schnellen, zweifelnden Blick zu.

Porthos mischte sich ein: „Sagt, seit wann ist bekannt, dass er ein Hexer ist?“

„Gestern wurde er verhaftet, aber ich weiß nicht, was euch das zu interessieren hat!“

„Und ich weiß nicht, was es euch dann kümmert, dass wir in seinem Haus waren“, entgegnete D´Artagnan, wütend über die Unhöflichkeit des Mannes.

Athos legte seinem Jüngsten die Hand auf die Schulter, um ihn zu beruhigen und fuhr vollkommen unbeeindruckt fort: „Wir wollten lediglich prüfen, ob der Mann sich unauffällig im letzten Jahr verhalten hat, da er schon einmal aufgefallen ist.“

Der Fremde musterte Athos misstrauisch: „Ja, und soweit ich weiß, waren es Musketiere, wie ihr, die ihn vor dem Scheiterhaufen gerettet haben“

„Seine Schuld war nicht bewiesen,“, meldete sich Aramis zu Wort. „und man sollte niemanden verbrennen, ohne sich seiner Schuld gewiss zu sein“.

Aramis war eigentlich der Meinung man sollte überhaupt nie jemanden verbrennen, aber er ging davon aus, dass er hier nicht auf besonders viel Verständnis treffen würde. Er war wütend und musste sich zurückhalten, um diesem arroganten Schnösel nicht die Flasche über den Kopf zu ziehen.

Porthos war in der Zwischenzeit eine Idee gekommen. Sie hatten nicht den Weg hier hin auf sich genommen, um Lexies und Leahs einziger Chance wieder nach Hause zu kommen, dabei zu zu sehen, wie sie zu einem Häuflein Asche wurde.

„Könntet ihr uns sagen, wo er gefangen gehalten wird?“

„Damit ihr ihn befreien könnt? Niemals!“, kam die endgültig wirkende Antwort des Mannes.

„Wir befreien keine Verbrecher“, sagte Aramis kurz angebunden.

Der Mann war jedoch nicht überzeugt davon und stand mit einem „Nein, von mir erfahrt ihr das nicht!“ auf. Er verließ die Taverne, aber nicht, ohne Alexandra noch einen letzten extrem aufdringlichen, musternden Blick zu zuwerfen.

„Hübsches Ding habt ihr da! Schade, das ihr nicht teilen wollt“.

Aramis war schon aufgesprungen, doch wurde gerade noch rechtzeitig von Athos aufgehalten: „Aramis! Lass ihn, das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt“.

Kochend vor Wut setzte sich der Musketier wieder hin und erkundigte sich bei Lexie nach ihrem Wohlbefinden.


Am nächsten Morgen stellte D´Artagnan fest, dass es wirklich nicht allzu schwer gewesen war, heraus zu finden, wo der Zukunftsmann gefangen gehalten wurde. Er war über die Straße zum Stall geschlendert, um nach den Pferden zu sehen. Er fluchte leise über die unerträgliche Hitze dieses Tages und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er registrierte wage eine Gruppe Frauen, die eine hitzige Diskussion führten. Er hatte die Worte „Hexe“ und „Hinrichtung“ vernommen und war aufmerksamer geworden. D´Artagnan lehnte sich unauffällig etwas abseits an die Stallwand, um das Gespräch zu verfolgen. Dabei erfuhr er, dass der arme Mann nicht nur der Hexerei angeklagt wurde, sondern ihm auch noch vorgeworfen wurde, ein Dieb zu sein. Das größte Problem war jedoch, dass er schon morgen hingerichtet werden sollte. Die einzige gute Nachricht war, dass die Dorfbewohner ihr Problem selber in die Hand genommen hatten und sich der Mann derzeit im Keller eines Hauses befand. Das war schon mal ein Plus Punkt, denn es bedeutete, dass sie keine waghalsige Befreiungsaktion planen mussten und verhindern konnten, in ein gut bewachtes Gefängnis einzubrechen.

In der Zwischenzeit saß Aramis auf der Bettkante, streckte die Arme aus und ließ sich gequält zurückfallen.

„Es ist so warm!“, nörgelte er und schloss die Augen.

Athos musterte ihn amüsiert von seinem Platz auf dem Stuhl aus. Porthos und Lexie saßen auf dem Tisch und ließen ihre Beine über die Kante baumeln. Auch Lexie war so unerträglich heiß in ihrem Kleid gewesen, dass sie Aramis ausrangiertes Hemd genäht, gekürzt und so gut es ging gewaschen hatte und es nun über einem luftigerem Rock trug. Darin war ihre Bewegungsfreiheit ohnehin viel größer. D´Artagnan war eben in das Gasthaus zurückgekehrt und hatte von seinen neusten Entdeckungen berichtet.

„Vielleicht könnten wir die Bewohner noch einmal von seiner Unschuld überzeugen?“

Aramis setzte sich auf: „Porthos, ich weiß nicht. Das war schon beim letzten mal schwer und ich denke nicht, dass wir das noch einmal schaffen. Diese Leute wollen den armen Kerl ganz offensichtlich tot sehen.“.

D´Artagnan hatte auch ein paar Zweifel bei dieser Methode: „Außerdem ist er nicht nur eine Hexe, sondern auch ein Dieb und das macht die Sache noch schwieriger!“

„Athos, was denkst du?“, wandte sich Aramis an der erfahrene Musketier, welches bis jetzt geschwiegen hatte und überlegte.

„Ich denke, wir sollten ihn da raus holen.“

„Und wie, wenn ich fragen darf?“, hakte Aramis nach.

Athos hatte anscheinend schon einen Plan: „Es sind doch nur die Dorfbewohner, die ihn bewachen, oder? Das dürfte nicht allzu große Probleme bereiten“

„Aber du kannst doch nicht gegen sie kämpfen, sie sind sozusagen wehrlos“, warf Aramis etwas empört ein.

„Selbstverständlich nicht, ich habe auch an etwas anderes gedacht“, verteidigte sich das Musketier und wandte sich an D´Artagnan: „Weißt du, wo er genau ist?“

„Ja, dass war ziemlich offensichtlich. Zwei Männer stehen vor der Tür!“

„Ich denke, ich hab da eine Idee!“

Nachdem sie Athos Plan ausreichend diskutiert hatten, beschlossen sie, dass sie warten würden, bis es dunkel war.

„Prima, heißt das, wir müssen vorher nicht mehr nach draußen?“, stellte Aramis eher, fest, als das er fragte.

„Was hast du auf einmal gegen die Natur?“, fragte Porthos mit einem Grinsen im Gesicht. Auch ihm war warm, doch er stellte sich nicht so an wie sein Freund.

„Es ist warm und sonnig!“, antwortete dieser leidend.

Athos schaute ihn mit unbewegter Miene an: „Ich dachte, es wäre wunderschön draußen und dass du nie wieder rein gehen willst“.

„Das war, bevor diese unerträgliche Hitze ausgebrochen ist!“, bekam er als Antwort und jetzt musste Athos ebenfalls grinsen.