Juliherausforderung 2004 von Silvia 

  Durchschnittliche Wertung: 3.5, basierend auf 6 Bewertungen

Kapitel Rächer, Retter, Trampeltiere von Anonymous

Achtung: Nicht alles in dieser Story ist 100% ernst gemeint. Die Blendungsmethode allerdings ist historisch bekannt. Vielen Dank an diejenigen deren Leseproben ich "verunstaltet" habe.
Der Titel ist, nebenbei gesagt, eine Verdrehung des Filmtitels "Rächer, Retter und Rapiere."

Rächer, Retter, Trampeltiere

Es war spät am Abend. Monsieur de Treville war bereits dabei seine letzten Arbeiten zu beenden um dann für diesen Tag den Dienst zu beenden. Es war längst still geworden im Hotel de Treville, die Musketiere deren Stimme, Flüche und Schritte es am Tage erfüllten waren längst abgezogen um die Wirtshäuser aufzusuchen. Dabei erfüllten sie die Straßen mit hallenden Stiefeltritten, die Plätze mit fröhlich derben Flüchen, die Gaststuben mit lauten Stimmen und die Wirte mit Grausen.

Eben als Monsieur de Treville einige Papier weglegte, hörte er Stimmen außerhalb des Kabinetts. Francois, sein Adjutant sprach laut und aufgeregt mit jemandem. Wahrscheinlich ein später Besucher dem er erklärte, dass er Morgen wiederkommen sollte. Nichts neues unter der Sonne. Wahrscheinlich nur ein übereifriger Provinzler der es nicht abwarten konnte. Der Capitaine wandte sich wieder seiner Arbeit zu, so dass der Anschwellende Lärm im Vorzimmer ihn regelrecht aufschreckte.

"Aber, Monsieur", hörte Tréville seinen Adjutanten François entsetzt rufen. Im selben Moment wurde die Tür aufgerissen und ein Mann stürmte mit gezogenem Degen herein. Völlig überrascht sprang Tréville auf und legte die Hand auf seinen Degen. Doch der späte Besucher steckte seinen Degen zurück in die Scheide und verneigte sich nur. Hinter ihm stürmte François in das Arbeitszimmer. In der rechten Hand hielt er seinen Degen, in der linken seinen Dolch. Beide Waffen zielten auf den Eindringling. Dieser wirbelte herum, in seiner Hand blitzte plötzlich wieder sein Degen auf und binnen weniger Sekunden war der Adjutant Monsieur de Trévilles entwaffnet. Völlig entgeistert blickte der Adjutant auf seine plötzlich leeren Hände. Der Fremde steckte seinen Degen zurück in die Scheide. (Athos)

Ein zweites Mal verbeugte er sich vor Monsieur der Treville, der nun zum ersten Mal die Gelegenheit bekam, ihn genauer zu betrachten. Er war sehr hochgewachsen, deutlich über sechs Fuß groß aber von sehr schlankem Wuchs. Sein Haar war mitternachsschwarz und gegen die Mode ohne jene Locken, die bei den Frauen so beliebt waren. Die Augen waren beryllgrün und schienen hart wie zwei Edelsteine. Ansonsten war sein Gesicht bleich, als hätte er gerade eine schwere Verwundung oder Krankheit überstanden. Als er sprach erwies sich seine Stimme als ein reicher, tiefer Bariton, der sehr angenehm zu hören war. „Vergebt die Unzeit zu der ich erscheine, Monsieur le Capitaine.“ Sagte er. Er hatte eine sehr gebildete Weise zu sprechen. „Ich werde Euch nicht lange behelligen.“

De Treville verschränkte die Arme über der Brust. Er hatte schon so oft Soldaten, disziplinierten ebenso wie wilden und unbeherrschten Gegenüber gestanden, dass diese Szene ihn nicht im mindestens erschütterte. „Ihr müsst ein wahrhaft dringendes Anliegen haben, dass ihr derart hereingestürmt kommt. Es ist in jedem Falle keine Art sich für Musketiere zu empfehlen, auch wenn das vorhin ein beeindruckendes Stück Fechtkunst war.“ Sagte er gelassen. Er hatte noch kein genaues Gefühl für sein Gegenüber, aber das würde sich einstellen je länger sie sprachen.

In jedem Falle reagierte er nicht aus der Fassung gebracht, was dafür sprach, dass er schon des öfteren komplizierte Diskussionen geführt hatte. Sein Blick schien sich an etwas knapp über Trevilles Schulter zu fixieren. „Euer Adjutant ist kein guter Fechter,“ tat er das Lob ab. „Und ich bin mit einer einfachen Bitte hier: Ich bin auf der Suche nach einem eurer Offiziere, der sich wahrscheinlich in dieser Stadt aufhält.“ Sagte er ruhig.

Das war ein an sich merkwürdiges Ansinnen. Die meisten Musketiere fand man ohne bei deren Hauptmann nachfragen zu müssen. „Wen sucht ihr und vor allem warum?“ erkundigte sich Treville bei ihm und versuchte den Blick des Mannes festzuhalten.

Der Blick des Mannes wendete sich zur Seite. Irgendwie schien er Treville nie direkt anzusehen. „Es ist eine persönliche Angelegenheit.“ Sagte er. „ich suche nach Leutnant d’Artagnan in einer persönlichen Angelegenheit.“

Dieses Ansinnen überraschte de Treville nun wirklich. „Er ist nicht schwer zu finden.“ Erwiderte er. „er ist hier wenn er im Dienst ist und er ist im „Fils de France“ wenn er nicht im Dienst ist. Ihr könnt ihn an sich nicht verfehlen. Wenn Ihr bis morgen früh wartet, dann könnt ihr ihn sicher hier antreffen.“

Der Mann verbeugte sich leicht. „Ich danke euch Monsieur le Capitaine. Ich werde euch nicht länger behelligen.“ Sagte er höflich und wandte sich um.

Das ganze Gespräch hatte Monsieur de Trevilles Neugier geweckt, von der Vorstellung am Anfang über die Bemerkung Francois, der keinem Musketier etwas nachstand, sei ein schlechter Fechter bis hin zu seinem sehr gebildeten Benehmen. Er schien nicht älter als dreißig Jahre zu sein, eher etwas jünger und dennoch hatte er eine Haltung die für sehr viel Lebenserfahrung sprach. „Wer seid ihr, Monsieur?“ fragte er daher.

Der Mann wandte sich wieder zu ihm um. „Wer ich war, ist bedeutungslos geworden. Heute nennt man mich Cyrius.“

„Nach dem Perserkönig?“ fragte de Treville verdutzt. Er hatte schon oft Decknamen gehört, die Hälfte seiner Truppe verbarg sich hinter einem mehr oder weniger gelungenen Decknamen. Und er hatte auch diese Worte oft genug gehört, die Worte mit denen die Männer erklärten, dass ihre Vergangenheit zerstört war und sie nur mit einem neuen Leben beginnen konnten indem sie ihr altes begruben. Doch bei diesem hier war es anders, das konnte er spüren.

„Genau.“ War die ganze Antwort die er bekam. Der Mann verbeugte sich erneut, dann wandte er sich um verlies das Kabinett. Für einige Augenblicke war Monsieur de Treville versucht ihm zu folgen und ihm anzubieten ihn zu begleiten. Aber er untersagte sich selbst dies sofort wieder. Ein Hauptmann der Garden, der die Tavernen seiner Truppe frequentierte! Während der dem Mann, der sich rasch durch das Vorzimmer und den Gang draußen entfernte, nachsah, meinte er einen Schatten zu sehen der sich an der Seite des Mannes bewegte, aber dies war wahrscheinlich nur eine Täuschung durch das schlechte Licht.

***

Die drei Unzertrennlichen saßen im „Fils de France“ zusammen und feierten. Ihr Freund d’Artagnan war nicht bei ihnen, da er eine recht besondere Art von Stelldichein heute Abend hatte. Sie waren so verstrickt in eine Debatte, dass sie beinahe überhörten wie der Name ihres Freundes hier fiel. „Man hat mir gesagt, ich könnte Leutnant d’Artagnan hier finden.“

Ein Fremder Mann sprach mit dem Wirt. Er stand dort, gegenüber dem Gastwirt, eine Hand auf dem Heft seiner Waffe. Der Wirt zitterte. „Duelle sind hier verboten, Monsieur... und er ist nicht hier...“ stammelte er.

Aramis hatte sich bereits erhoben. „Was wollt ihr überhaupt von ihm?“ fragte er mit der gelangweilten Höflichkeit die ihm in Zeiten schlechter Laune eigen war.

Der Kopf des Mannes wandte sich mit einer ruckartigen Bewegung, die an einen Raubvogel erinnerte, zu ihm. „Ich wünsche ihn zu sprechen.“ War die knappe Antwort.

Mit Schwung erhob sich Porthos. „Dann könnt ihr ihn eben nicht sprechen.“ Grollte er. „Wenn Ihr so unhöflich seid keine Gründe nennen zu wollen.“

Der Fremde sah auf, ein paar grüne Augen musterten Porthos kurz und eindringlich. „Dies ist nicht eure Sache, werter Herr. Doch wenn ihr mir helfen würdet Monsieur d’Artagnan rasch zu finden, wäre ich euch sehr verbunden. Ich kann euch versichern, dass es sich um eine Angelegenheit von äußerster Wichtigkeit handelt.“

„Das glaube ich euch sofort, ihr Spitzel eines eifersüchtigen Günstlings.“ Grollte Porthos seinen Degen ziehend. „Aber ihr werdet ihn nicht finden.“

Geschmeidig wie eine Schlange glitt der Fremde zur Seite, ein heftiger Stoß brachte den Wirt außer Reichweite der Auseinandersetzung, und zog ebenfalls blank. Er führte einen Rapier. Der nächste Schlag von Porthos fand eine saubere Parade die blitzschnell in einen Angriff überging. Nur wenige Augenblicke später, ohne dass er wusste wie es zuging, fand Porthos sich entwaffnet, seinen Degen unter den Füßen seines Gegners und schaute in die Spitze von dessen Rapier. Vor Schreck entging ihm das Zittern in der Klinge, das eine große Erschöpfung oder Ermüdung bei seinem Gegenüber verriet.

„Und nun sagt mir noch einmal: Wo finde ich Monsieur d’Artagnan, Leutnant der Musketiere seiner Majestät?“ fragte der Fremde erneut. (Das Erbe von Artagnan)

„Dies werden wir Euch nicht sagen.“ Athos hatte sich erhoben. „Und da Ihr es offensichtlich an den Manieren, die einen Edelmann ausmachen fehlt, bin ich gezwungen Euch diese zu lehren.“ Der Graf hatte die Forderung so gelassen ausgesprochen, als ginge es um nichts besonders wichtiges.

Der Blick des Mannes wanderte in seine Richtung, ging jedoch an ihm vorbei. „Gut. Wenn Ihr es so wünscht, dann sofort.“

„Wollt Ihr nicht erst einige Sekundanten finden?“ erkundigte sich Athos.

Der Mann schüttelte den Kopf. „Nein, Monsieur. Ich kann aus eigenen Gründen niemand hierher bitten. Darum werde ich mich ohne Sekundanten schlagen.“

Athos neigte leicht den Kopf. „Dann benötige ich ebenfalls keine. Gehen wir zum Luxembourg, dahinter herrscht angenehme Ruhe um diese Tageszeit.“ Er wandte sich zu Aramis und Porthos um. „Geht und findet d’Artagnan.“ Sagte er leise. „Er könnte in Gefahr sein, kommt dann mit ihm zum Luxembourg.“

***

Athos und sein Gegner schritten Seite an Seite durch die Nacht. Manchmal hatte Athos das Gefühl, sein Kontrahent kenne Paris schlecht. Denn mehrmals verharrte er, wie um sich zu orientieren oder achtete darauf wohin Athos ging. Allerdings war der Graf zu höflich um dies anzusprechen. „Wie ist Euer Name?“ fragte er statt dessen.

„Cyrius.“ War die ruhige Antwort. „Hat dies irgendeine Bedeutung für Euch?“

„Ich weiß gern mit wem ich mich schlage.“ Erwiderte Athos.

Sie erreichten den Platz hinter dem Luxembourg. Es war still dort. „ist Euch dieser Platz recht?“ fragte Athos.

Cyrius schaute sich um, und irgendwie hatte Athos das Gefühl dass sein Gegner den Platz gar nicht wirklich sah. Aber er nickte. „Perfekt.“ Sagte er.

Die beiden Kontrahenten standen einander Gegenüber. Die Rapiere gegeneinander gelegt standen sie dort und maßen einander mit den Augen. Athos erschien es, dass die beryllgrünen Augen seines Gegners durch ihn hindurch sahen. Er zögerte nicht länger und griff an. Klirrend krachten die Rapiere aufeinander. Innerhalb von Momenten sah Athos, dass er es mit einem guten Fechter zu tun hatte. Allerdings war der Stil des Mannes eigenwillig. Er schien Angriffe oft erst Momente bevor sie kamen zu erahnen und parierte dann rasch, dabei Kombinierte er Figuren und Bindungen die nicht zusammengehörten mit einer Virtuosität die an sich nur überraschen konnte. Athos fragte sch wo sein Gegner dies gelernt haben mochte.

Athos war so sehr in diesen Gedanken versunken, daß er für einen Augenblick unachtsam wurde. Dies entging seinem Gegner natürlich nicht, und er wußte diesen Vorteil auszunutzen. Zuerst setzte er eine Finte ein, auf die Athos in seiner Unachtsamkeit einging und holte dann zu einem direkten Angriff auf Athos’ Brust aus. Dieser war durch die Finte dazu verleitet worden, nach links zu parieren, während sein Kontrahent geradewegs in die Mitte zielte.
Athos erkannte seinen Fehler, als er den Degen seines Feindes nach vorne schnellen sah. (Das Duell)

Athos rettete sich in dem er nach unten unter der Klinge wegtauchte, der Stoß seines Feindes ging ins Leere, er musste nicht damit gerechnet haben. Was Athos einen Chance zum Gegenangriff gab. Von unten her führte er einen Stoß gegen den Brustkorb des Gegners. Es war ein geradliniger Treffer, ohne einen Laut ging sein Widersacher zu Boden.

Ein greller Schmerz begleitete Cyrius Fall. Sein Körper schlug hart auf dem Boden auf und ein Versuch wieder auf die Füße zu gelangen missglückte ihm.

Er bemerkte wie der Graf sich neben ihn hockte und wusste, dass er mit Schonung nicht rechnen konnte. Dieser Mann würde seinen Freund verteidigen. Mühsam erzwang er den gehorsam seiner Stimmbänder. „Ihr werdet mich töten, ich weiß das.“ Sagte er langsam. Mit seiner linken Hand griff er nach seinem Hals und fingerte nach der Kette die dort hing. Es war an sich ein Frauenschmuckstück, dass er jedoch nie im Leben abgenommen hatte. Mit einem Ruck riss er sie jetzt ab, auch wenn er spürte wie die Kraft ihn verlies. „Sie gehörte....meine Mutter.“ Flüsterte er. „Gebt sie meinem Bruder ....sagt ihm dass ich tot bin.“

Er sah wie die Augen des Grafen sich beim Anblick des Schmuckstücks weiteten. „Oh mein Gott, gnädiger Himmel.“ Flüsterte er. Dann sprang auf seine Füße und rief: „Grimaud!“ (Der Sohn eines Musketiers) Aber der Ruf verhallte ungehört in der Stille der Nacht.

***

D’Artagnan hasste es aus einem Rendezvous geholt zu werden. Und er hasste es nicht zu wissen warum. Während er mit Portos und Aramis durch die Straßen eilte, lies er sich zum fünften Mal beschreiben was vorgefallen war. Ohne dass er jedoch viel klüger daraus wurde. „Wir werden es schon herausfinden.“ Sie kamen dem Luxembourg immer näher. Auf Entfernung konnten sie die letzten Schlagwechsel des Duells sehen. Dann fiel Athos Gegner. Allerdings schien der Graf neben dem Mann verwundet in die Knie zu brechen.

Aramis und d’Artagnan fanden Athos neben einem verwundeten Mann auf dem Boden kniend. Sie warnen ihrem Freund gerannt, da sie ihn nach dem großartigen Schlag, den er seinem Widersacher versetzt hatte, nicht wieder aufstehen gesehen hatten und um ihn fürchteten. Im ersten Moment glaubten sie, dass Athos verwundet wäre und nicht wieder auf die Füße kam, doch dann sahen sie, dass er eine Hand auf eine Wunde des Mannes der vor ihm am Boden lag, presste, um die Blutung zu verlangsamen. „D’Artagnan, Ich würde es sehr zu schätzen wissen, wenn Ihr Grimaud finden könntet“, sagte er leise.

Völlig überrascht blieb d’Artagnan stehen. Es brauchte keinen zweiten Blick auf den Mann am Boden, um zu erkennen, dass er ernsthaft verwundet war. Stehend mochte er Athos um etwa einen Kopf überragen, war aber von schlanker, fast fragiler Statur, dass man ihm kaum zutraute ein so tödlicher Fechter zu sein, als der er sich in dieser Schlacht erwiesen hatte. Sein dunkles Haar, das er ungewöhnlich lang trug, war blutverschmiert. „Athos, das ist doch...“ stammelte d’Artagnan entsetzt.

Keuchend kam Porthos nun ebenfalls bei ihnen an. Er musste sie auf Entfernung gesehen haben.
Athos wandte ihm halb den Kopf zu. „Findet Grimaud, schnell. Er hat nicht viel Zeit.“ Der letzte Satz bezog sich auf den Verwundeten. Porthos, der die Anweisung auch gehört hatte, fragte nicht lange und lief los. (Mon camerade)

“Athos….” D’Artagnan kniete entsetzt neben dem Verwundeten nieder.

Der Graf nickte. „Ich weiß, ich habe das Schmuckstück gesehen.“ Erwiderte er. „Ich denke er wird durchkommen, wenn Porthos sich beeilt.“

Aramis sah fassungslos vom einen zum anderen. Athos Haltung zu seinem Kontrahenten schien sich völlig gewandelt zu haben. „Ich verstehe nicht. Wer ist der Mann und was will er von Euch d’Artagnan?“

Der Gascogner reagierte nicht auf die Worte, sondern fasste vorsichtig die Hand des Verwundeten. „Ich bin hier, Cyrius. Keine Sorge, du wirst durchkommen.“

Erst jetzt zeigte der Verwundete so etwas wie eine Reaktion auf d’Artagnans Anwesenheit. „Charles? Du bist hier? Dann ist es gut. Ich kam nach Paris um dich zu finden.“

„Scht, nicht sprechen, das strengt zu sehr an.“ Sagte d’Artagnan.

„Nein, es ist schon gut. Unser Onkel... er ist tot. Er wird keinen weiteren Verrat mehr begehen. Ich folgte ihm bis La Güera in Nordafrika und habe ihn dort gestellt.“ Es schien dem Verwundeten wichtig, diese Botschaft ausgesprochen zu haben. Im Hintergrund kamen Porthos, Grimaud und eine Kutsche.

D’Artagnan hockte immer noch regungslos neben Cyrius. Porthos und Grimaud hoben den Verletzen vorsichtig hoch. Als sie ihn jedoch in die Kutsche heben wollten, hörten sie plötzlich ein scharfes Fauchen, aus der Dunkelheit. Ein gefährliches, scharfes Fauchen. Bis auf d’Artagnan griffen alle zu den Waffen. Der Gascogner jedoch blieb ganz ruhig stehen. „Legt Cyrius in den Wagen und tretet dann zu Seite.“ Sagte er leise. „Lasst ihn -,“ er deutete in die Dunkelheit, „einfach in die Kutsch springen und erschreckt euch nicht allzu sehr.“

Porthos und Grimaud taten wie ihnen geheißen und legten Cyrius in der Kutsche ab. Als sie beiseite gingen, glitt ein Schatten aus der Dunkelheit und huschte an ihnen vorbei. Mit einem Satz sprang die Raubkatze in die Kutsche und setzte sich neben ihrem Herren nieder.

***

Der Wundarzt wäre vor dem nachtschwarzen Raubtier beinahe schreiend davongelaufen und es bedurfte eine Drohung von Porthos damit er Cyrius dennoch behandelte. Das unheimliche Tier wich nicht einen Schritt von der Seite seines Herrn.

„D’Artagnan vielleicht wollt Ihr uns erklären, was das alles bedeutet?“ Aramis Stimme klang ungeduldig.

Athos hingegen, immer noch die Ruhe selbst, gab d’Artagnan den Anhänger. „Er sagte es sei für seinen Bruder, wenn ich das Wappen richtig deute, seid Ihr das.“ Sagte er ernst.

D’Artagnan nickte. „Cyrius ist mein Bruder.“ Sagte er. Und zu Aramis gewandt fügte er hinzu. „Wenn Ihr unbedingt Antworten verlangt, dann wisst folgendes: Mein Bruder wurde von einem Onkel der wesentlich reicher war als meine Eltern bereits als Kind adoptiert. Wir wussten nicht, dass mein Onkel heimlich Hochverrat beging und mit den Spaniern enge Verbindungen pflegte. Als dies alles Entdeckt wurde, entkam mein Onkel und mein Bruder.... er wurde zur Blendung verurteilt. Sie führten eine glühende Säbelklinge so dich an seinen Augen vorbei, dass die Hitze ihn blendete. Es hinterlässt keine Sichtbaren Spuren aber ist wirkungsvoll.“ Er schluckte kurz. „Und jetzt... nach all den Jahren ist er nach Paris gekommen um mich wissen zu lassen, dass er die Ehre unserer Familie reingewaschen hat, und die seine auch.“

Athos sah d’Artagnan verwirrt an. „Ihr meint er kann nicht sehen? Aber wie kann er dann noch fechten?“ Er konnte nicht fassen, dass er sich mit einem blinden Mann geschlagen haben sollte.

„Er erlernte es zum zweiten Mal, er kämpft nach Gehör. Er hört die Klinge durch die Luft sausen, eure Füße wenn Ihr euer Gewicht verlagert und er weiß was das alles bedeutet. Es war ein Wunder, eine ungeheure Leistung, schiere Willenskraft. Und wo er nicht sehen kann, da sieht sein Schatten für ihn.“ Mit diesen Worten deutete d’Artagnan auf die Pantherkatze die neben seinem Bruder saß.

Der Wundarzt sah auf. „Euer Bruder wird noch einige Wochen die Wunde merken, aber auf jeden Fall überleben.“ Sagte er ruhig. „Wenn er sich schont kann er in einem Monat wieder den Rapier schwingen.“

D’Artagnan nickte erleichtert und sah seine Freunde streng an. „Wenn Ihr mich das nächste Mal beschützen wollt, dann fragt mich vorher vor wem, ja?“