And if I were to meet.... von anonymer Autor

Was einem so einfällt... von anonymer Autor

„Und wie heisst Ihr?“, fragt mich der Leutnant, während wir die Holztreppe hinab ins Erdgeschoß wandern.
„Stella.“
„Ah. Italienerin?“ Ich kann ihm ansehen, wie begeistert er von der Idee ist. Kommt nicht auch sein Lieblingskardinal aus dem hübschen Lande?
„Nein. Aus dem gleichen Land wie Eure Königin.“
Er nickt verständnisvoll. „Spanien.“, spricht er es aus.
"Wieso Spanien?"
D´Artagnan sieht verblüfft aus, als er meine Frage hört. Nun, ich bin auch etwas verwirrt.
"Die Infantin von Spanien ...?", meint er versuchsweise und sieht mich abwartend an.
"Äh. Anna von Österreich?" Ich versuche es auch nochmal.
"Oh. Ja. Aber ist keine Österreicherin."
"Warum nicht?" Ist doch unerhört. Da hat man schon mal in Geschichte nicht aufgepasst und schon passiert einem sowas..
"Macht nichts. Ich komm da her."
Er nickt wieder, hält sich diesmal mit dem Verständnis zurück. Hätte ihm auch passieren können. Ich sehe, wie sich bei ihm im Kopf die Rädchen drehen. Ob er auch fragt wie der Nachname lautet. Gräfin von ... ? Nein, er wird nicht fragen. Jetzt nicht.
Es dauert eine Weile bis wir zur Haustür kommen und ich lächle aufmunternd, während er nach dem Schlüssel sucht. Ja, es ist ein Kreuz mit den Dingern. Endlich hat er ihn! Er wirft mir einen nachdenklichen Blick zu, als er den Schlüssel ins Schloß steckt.
Aber er hat seine Manieren wieder entdeckt und wird mir die Tür aufhalten, ich weiß es. D´Artagnan ist auch drauf und dran, mir freiwillig den Arm zu reichen, dessen bin ich sicher. Dazu kommt es aber leider nicht. Stattdessen hat er kaum die Tür geöffnet, als er auch schon die Augen aufreisst. Ich folge seinem Blick und erkenne, dass ich wohl nicht die einzige bin, die sich plötzlich im falschen Jahrhundert wiedergefunden hat.
Auf den ersten Blick sieht die junge Frau vor mir ja aus wie ... wie eine ganz normale Frau im Kleid mit Blümchenmuster. Auf den zweiten stellt sie sich als Maren heraus. Das weiss ich natürlich. Man muss eben in die Galerie gucken.
"Ok, was hast Du angestellt?", werde ich gleich gefragt und Maren betrachtet unseren Helden mit einem vielsagenden Blick. Während d´Artagnan sich hilfesuchend nach Planchet umdreht, zucke ich ratlos mit den Schultern.
„Ich? Nichts. Im Übrigen, was machst Du in meinem Traum?“
„Wieso Deinem Traum?“
„Unserem Traum ... na gut. Dann stellt sich die Frage nicht mehr, was Du hier machst. Hm. Aber ich bin unschuldig. Ich bin zu hause schlafen gegangen und dann in ,äh, einem anderen Bett wieder aufgewacht.“ Ich erfange mich gerade noch. Dieses unglückliche Detail von wegen „falschem Bett“ muss sie ja nicht unbedingt wissen.
„Ich bin in der Badewanne eingeschlafen.“
Ich sage nichts. Nein, kein Kommentar von wegen „Ach, du badest im Gewand?“ kommt über meine Lippen. Und ich grinse auch nicht. Ich weiss nichtmal, was das ist!
Abgesehen davon fällt mir eben d´Artagnan wieder ein. Der Arme steht noch komplett verwirrt im Türrahmen und wartet auf eine Erkärung. Ob er eine bekommt?
„Wir sind zum Hotel de Tréville unterwegs.“, wende ich mich ein Mal mehr an Maren, den Herrn Leutnant ausser Acht lassend.
„Was macht ihr dort?“
Ich versuche unauffällig mit den Schultern zu zucken. So, dass es d´Artagnan nicht merkt und Maren versteht, dass ich dort überhaupt nichts mache. Ausser meinen Helden anzuhimmeln.
„Ach so.“ Maren hat verstanden. Das beweist schon der Tonfall, mit dem sie das kommentiert. Ob sie mein offensichtliches Anhimmeln stört? Ob sie mich weiterhin flirten lässt? Oder zumindest einen Anfang machen lässt? Ach ja .. sie ist ja großzügig. Ausserdem darf sie ihn später auch haben ... vielleicht.... möglicherweise.
Dass Maren sich uns anschließt, ist ja selbstverständlich. Der Leutnant wird ihr noch kurz - überflüssigerweise, aber man muss ja den Schein wahren - vorgestellt, ehe wir uns auf den Weg machen.
„Seid Ihr schon lange Leutnant?“ Ein kläglicher Versuch meinerseits, mich mit dem Herrn zu unterhalten. Kläglich, ja, und gescheitert noch dazu. Für solchen Unsinn ist er nicht empfänglich, wie mir ein verstörter Blick von seiner Seite klar macht. Andererseits frage ich mich, worüber man sich sonst unterhalten könnte. Über das Wetter?
Seltsam ist es schon ... diverse Gräfinnen würden einfach darüber hinwegsehen. Diversen Gräfinnen ist er aber leider auch nicht verfallen. Zu dumm, dass ich nie Liebesgeschichten schreibe.
Nun, vielleicht muss ich zu meiner eigenen Verteidigung sagen, dass es sich in trauter Dreisamkeit schwieriger verführt als in der angestammten Zweisamkeit. Besonders, wenn man nicht gut verführt.
D´Artagnan trabt indes gehorsam neben mir her, schweigt verlegen bis ihm seine Manieren endlich wieder einfallen und er etwas von „Nicht sehr lange.“ stammelt. Leider habe ich inzwischen keine Ahnung mehr, worüber er redet und starre ihn in höflicher Verwirrung an. Oder was ich darunter verstehe. Adlerauge auf den armen Mann gerichtet und zu Tode gestarrt.
Was Maren inzwischen macht, will ich lieber garnicht wissen. Ich werde es früh genug erfahren, aber nicht solange ich mich mit Monsieur hier beschäftige. Obwohl ich glaube, ein verhaltenes Kichern hinter mir zu hören.
„Wisst Ihr, ob Monsieur de Tréville überhaupt anwesend ist?“ Der Herr Hauptmann ist mir wieder eingefallen! Und mit ihm die Frage, was ich eigentlich bei ihm will. Ich hoffe, er ist nicht da. Denn was ich ihm erzählen möchte, weiß ich wirklich nicht. Vielleicht versuche ich es bei ihm mit dem Wetter? Lieber nicht. Er kam mir nie besonders humorvoll vor.
„Bedauerlicherweise nicht. Ich werde es für Euch in Erfahrung bringen, wenn Ihr das möchtet.“
„Ja, bitte.“, erwidere ich in einer Fröhlichkeit, die ihn mich agrwöhnisch unter die Lupe nehmen lässt.
Wunderbar! Da will man mit ihm flirten, ihn verführen, dafür sorgen, dass er einem verfällt und was passiert? Er wird misstrauisch. Wahrscheinlich überlegt er bereits, welches dunkle Geheimnis ich hüte. Ich hoffe, es handelt sich nur um eine Kleinigkeit. Steuerhinterziehung. Solange er nicht auf meine Schulter linst, bin ich zufrieden. Sonst werde ich ärgerlich.
Ich sage nun nichts mehr und beschränke mich darauf, höflich zu lächeln und ihn anzusehen. Da fällt mir meine Gräfin ein! Die beschränkt sich auch eine ganze Geschichte lang darauf, ihn anzusehen. Ich hoffe, er zieht keine Vergleiche. Oder noch besser: das ist hier nie passiert. Also, hoffen und lächeln. Freundlich, fröhlich, aber nicht zu fröhlich. Sonst wundert er sich wieder und das wollen wir ja nicht.
Während wir weitergehen, suche ich verzweifelt nach einem Gesprächsthema. Es ist erstaunlich schwierig, sich mit dem Herrn zu unterhalten! Man hat ja keine Geheimnisse, die man andeuten möchte und die für ihn von Bedeutung sein könnten. Von der dreckigen Wäsche unter dem Bett will er bestimmt nichts wissen! Da ist es zwar dunkel, aber das ist doch etwas anderes. Ausserdem hat er das selber. Und seine Wäsche ist gewiss schmutziger als meine.
Wir nähern uns dem Palais und langsam wird es ernst. Innerliche Analyse, ob mir bereits ein Gesprächsthema mit dem Monsieur de Tréville - den ich nun wirklich nicht brauchen kann - eingefallen ist, fällt schlecht aus. Nein, nichts ist mir eingefallen. Und zu allem Unglück wirft d´Artagnan eben einen neugierigen Blick zu Maren. Ich will garnicht wissen, was er da sieht. Auf jeden Fall ist es interessant genug, dass er stehen bleibt und Anstalten macht, sich dazu zu äußern.